Lun-Klasse

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Koordinaten: 42° 53′ N, 47° 40′ O

Lun-Klasse
Typ: Bodeneffektfahrzeug
Entwurfsland: SowjetunionSowjetunion Sowjetunion
Hersteller: Zentrales Entwicklungsbüro für Hydrofoilfahrzeuge Alexejew,
Schiffswerft „Wolga“, Gorki
Erstflug: 1975
Indienststellung: 1979
Produktionszeit: 1970–1975
Stückzahl: 1

Die Lun-Klasse (russisch Лунь, ‚Weihe‘), Projekt 903, NATO-Codename Utka (russ. ‚Ente‘) ist eine sowjetische Bodeneffektfahrzeug-Klasse.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab den 1960er-Jahren legte das Kommando der sowjetischen Marine seine Strategie zur Amphibischen Kriegsführung sowie zur Küstenverteidigung neu fest. Ziel der Strategie war es, schnell und überraschend Truppen an den Küsten der Ostsee und des Schwarzen Meeres landen zu können. Daraus resultierte ein starkes Interesse an Fahrzeugen, die große Truppenkontingente schnell über weite Strecken transportieren können. Darüber hinaus war die Marine an Fahrzeugen interessiert, die feindliche Schiffe mit sehr hoher Geschwindigkeit und möglichst unerkannt angreifen können.

MD-160, ein Fahrzeug der Lun-Klasse, in der Marinewerft Kaspijsk

Aus diesem Grund wurde unter anderem das Zentrale Entwicklungsbüro für Hydrofoilfahrzeuge Alexejew unter der Leitung von Rostislaw Alexejew geschaffen, über das bis zum Ende der Sowjetunion im Westen fast nichts bekannt war. Hauptaufgabe des Büros war die Erforschung von Bodeneffektfahrzeugen sowie deren Entwicklung.

Ab den 1960er-Jahren begann die Arbeit an verschiedenen Prototypen von Bodeneffektfahrzeugen wie dem „Kaspischen Seemonster“ (KM), was in den 1970er-Jahren zum ersten Fahrzeug einer geplanten Serie, der Lun-Klasse, führte. Da Bodeneffektfahrzeuge von Radar aufgrund ihrer besonderen Bauweise und ihres niedrigen Fluges nur schwer erfassbar sind, sollte es die Hauptaufgabe der Lun-Klasse sein, schnelle und flexible Angriffe gegen feindliche Flotten auszuführen. Da Bodeneffektfahrzeuge eine hohe Antriebskraft zum Abheben benötigen und es während eines Starts öfter zu „Aufsetzern“ kommt, war die Lun-Klasse als Flugboot geplant. Es wurden zusätzliche Triebwerke installiert, um die Antriebskraft zum Start aufzubringen.

In den 1970er-Jahren wurde ein Fahrzeug der Lun-Klasse, die MD-160, fertiggestellt und getestet. Ab 1987 diente das Modell in der Kaspischen Flottille. In den 1990er-Jahren wurde es außer Betrieb gestellt und liegt seither auf der Marinewerft von Kaspijsk in Dagestan.

Ein zweites Fahrzeug, der Spasatel, wurde als mobiles Feldlazarett für die amphibische Flotte geplant, aber nach dem Niedergang der Sowjetunion wurde das Projekt Anfang der 1990er-Jahre eingestellt. Spasatel liegt noch heute in Nischni Nowgorod größtenteils fertiggestellt auf Werft.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kenngröße Daten[1]
Länge: 73,3 m1 (240 ft)
Flügelspannweite: 44 m (142 ft)
Gewicht: 286 t1
Gewicht mit Ausrüstung: 380 t
Triebwerk: 8 × Kusnezow-NK-87M-Turbojet mit je 127,4 kN
Höchstgeschwindigkeit: 550 km/h1
Reichweite: ca. 2.000 km (1.100 sm)
Besatzung: 6 Offiziere, 9 Personal1
Bewaffnung: 3 × 2 SS-N-22 Sunburn (Seezielflugkörper)
2 × Pl-23 (23-mm-Zwillingsmaschinenkanone)
1 abweichende Daten u. a. bei airwar.ru (siehe auch Maße des Spasatel)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ю.В. Апальков: Корабли ВМФ СССР. Том II. Ударные корабли. Часть II. Малые ракетные корабли и катера. (etwa: J.W. Apalkow: Schiff der sowjetischen Marine, Volume 2, Angriffsschiffe Teil 2, Kleine Raketenschiffe und Boote.) Sankt Petersburg 2004, ISBN 5-8172-0087-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Корабли ВМФ СССР. Том 2. Ударные корабли. Часть 2. Малые ракетные корабли и катера e-reading.club (russisch), abgerufen am 16. September 2015