Lungen-Enzian

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Lungen-Enzian
Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe)

Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Enzianartige (Gentianales)
Familie: Enziangewächse (Gentianaceae)
Gattung: Enziane (Gentiana)
Art: Lungen-Enzian
Wissenschaftlicher Name
Gentiana pneumonanthe
L.

Der Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe) gehört zur Gattung der Enziane (Gentiana).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pflanze wird etwa zwischen 15 und 40 cm hoch, kann in Brachen aber auch eine Höhe von bis zu 1 m erreichen. Der Stängel ist aufrecht und ein- bis mehrblütig (wenn mehrblütig, dann 1–3 Blüten an der Stängelspitze, die übrigen einzeln in den Achseln der oberen Laubblätter). Die langen tiefblauen, trichterförmigen Blüten werden 4 bis 5 cm lang. Die Laubblätter sind einnervig und schmaler als 1 cm. Samen ungeflügelt. Die Laubblätter besitzen eine eilanzettliche bis linealische Form und sind am Rand meist etwas umgerollt. Die Krone wird 25–50 mm lang und kann 5 grünliche Längsstreifen aufweisen.

Blütezeit ist je nach Blühsippe von Juni bis Oktober.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 26.[1]

Volkstümliche Bezeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blauglocken (Bremen-Oberneuland), Biekerbleomen (Halle/Westfalen), Lungenblume, Kiweitsblome (Hasegegend), Hungerkraut, Wiesenenzian (Sylt)

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fast ganz Europa, gemäßigtes Asien, Kaukasus. In Deutschland vom Niederrhein, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern bis Voralpenraum. In Österreich zerstreut bis sehr selten in allen Bundesländern. In Belgien im Rurtal unterhalb des Hohen Venns.

Standortbedingungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf sandigen oder torfigen, mäßig sauren bis neutralen Böden wachsend. Als Standort werden nährstoffarme und wechselfeuchte Feuchtwiesen (Pfeifengraswiesen), Borstgrasrasen und Flachmoorwiesen vom Tiefland bis zur montanen Höhenstufe bevorzugt. Im Nordwestdeutschen Tiefland vor allem in Feuchtheiden und am Rande von Heideweihern. Der Lungen-Enzian ist in Mitteleuropa eine Chakatrerat des Molinion-Verbands, kommt aber in Nordwestdeutschland auch in Gesellschaften des Juncion squarrosi vor.[1]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorkommen im Naturpark Südheide

Durch Intensivierung der Grünlandwirtschaft und Trockenlegung von Feuchtwiesen und -heiden ist die Art stark gefährdet. Deutschland: Gefährdungskategorie 3+ (gefährdet, regional stärker gefährdet). Die Art ist durch die Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) besonders geschützt. Die jungen Raupen des Lungenenzian-Ameisenbläulings (ein Schmetterling) leben monophag vom Lungen-Enzian; ältere Raupen werden dann von Knotenameisen der Gattung Myrmica, die durch Zuckersaft angelockt und durch Pheromone besänftigt werden, in ihre Nester geschleppt und bis zur Verpuppung dort verköstigt. Man kann hier von einem Brutparasitismus sprechen, ähnlich wie beim Kuckuck. Der Lungen-Enzian war 1980 Blume des Jahres.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe, Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 755–756.