Luthe

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Luthe
Stadt Wunstorf
Wappen von Luthe
Koordinaten: 52° 25′ 37″ N, 9° 28′ 22″ O
Höhe: 43 m ü. NHN
Fläche: 11,31 km²[1]
Einwohner: 5711 (1. Mrz. 2020)[2]
Bevölkerungsdichte: 505 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 31515
Vorwahl: 05031
Luthe (Niedersachsen)
Luthe

Lage von Luthe in Niedersachsen

Luthe
Luthe

Luthe ist eine Ortschaft der Mittelstadt Wunstorf in der niedersächsischen Region Hannover. Luthe ist nach Wunstorf selbst die zweitgrößte Ortschaft.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Luthe leitet sich vom alt-deutschen Wort „Luthi“ ab. Das bedeutet ungefähr so viel wie „Platz/Ort am klaren Wasser“.[3] Dieser Name ist wahrscheinlich auf die erste Luther Siedlung am Luther See zurückzuführen. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1228 in einer Urkunde des Stifts Wunstorf. Nach der Herrschaft der Grafen von Wunstorf übernahmen 1447 die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg, die es dem Amt Blumenau zuordneten. Bis 1859 gehörte der Ort zum Amt Blumenau.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts erlebte der Ort Luthe einen gravierenden Strukturwandel durch die Ansiedlung einiger bedeutender Industriebetriebe (u. a. Portland-Zement und Fulgurit). Daraus resultierte in der Folge auch ein erhebliches Bevölkerungswachstum. In der Luther Masch wurde 1945 ein Entlassungslager für deutsche Kriegsgefangene eingerichtet. Dem bestehenden Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges an der evangelischen Kirche wurden 1959/60 Gedenktafeln für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges hinzugefügt.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen, die am 1. März 1974 stattfand, wurde die zuvor selbständige Gemeinde Luthe in die Stadt Wunstorf eingegliedert.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1910 1925 1933 1939 1950 1956 1973 2018 2020
Einwohner 1366 1392 1318 1505 2483 2353 4004 5767 5711
Quelle [5] [6] [7] [1] [8] [2]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsrat von Luthe setzt sich aus neun Ratsfrauen und -herren folgender Parteien zusammen:[9][10]

(Stand: Kommunalwahl 11. September 2016)

Ortsbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbürgermeister ist Rolf-Joachim Hoch (SPD). Sein Stellvertreter ist Uwe Riemenschneider (SPD).[9]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Entwurf des Kommunalwappens von Luthe stammt von dem Heraldiker und Wappenmaler Gustav Völker, der sämtliche Wappen in der Region Hannover entworfen hat. Die Genehmigung des Wappens wurde durch den Regierungspräsidenten in Hannover am 25. Oktober 1960 erteilt.[11]

Wappen von Luthe
Blasonierung: „Durch Wellenlinie geteilt, in dem dreimal von Blau und Rot geteilten, oberen Feld ein wachsender, gold-bewehrter, blau-bezungter, silberner Löwe, unten in Silber auf drei grünen Seeblättern eine silberne Seerose.“[11]
Wappenbegründung: Der steigende Löwe auf dem blau und rot gestreiften Feld der oberen Hälfte des Wappenschildes weist auf die frühere Herrschaft der Wunstorfer Grafen in diesem Raum hin. Die blühende Seerose auf der unteren Hälfte ist ein Hinweis auf den Luther See, an dessen Ufer sich die ersten Dorfbewohner ansiedelten. Die Seerosen haben sich bis heute hier gehalten und stehen seit mehreren Jahren unter Naturschutz.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche
Pfarrhaus von 1783
ehemalige Heilig-Kreuz-Kirche (2012 abgerissen)

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Mittelpunkt von Luthes altem Ortsteil bildet die evangelische Kirche. Die 1819 bis 1820 erbaute Kirche hatte eine kleinere Vorgängerkirche. Der Kirchturm von 1490/95 blieb bis heute erhalten. Im Inneren befindet sich eine Taufe aus dem Jahr 1639. Die Orgel hat Ph. Furtwängler aus Elze 1849 erbaut.

Das Pfarrhaus direkt neben der Kirche wurde 1639 erstmals erbaut, brannte 1783 ab und wurde im gleichen Jahr wieder erstellt. Seit der Renovierung im Jahre 1983 wird das Haus als Gemeindehaus und Küsterwohnung genutzt.

Die römisch-katholische Heilig-Kreuz-Kirche wurde 1971 als schlichter Saalbau mit freistehendem Glockenturm errichtet, 2010 erfolgte die Profanierung, 2012 schließlich der ersatzlose Abriss.

Natur und Naherholung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das NaturErlebnisBad Luthe ist mit dem Preis „Deutschland – Land der Ideen“ ausgezeichnet worden und ist das erste genossenschaftlich betriebene Freibad Deutschlands.
  • Als Naherholungsgebiet sehr beliebt ist der Luther See am nördlichen Ortsende, ein toter Arm der Leine. Typisch sind die Seerosen, die hier im Frühling blühen.
  • Ein weiteres Erholungsgebiet ist die Tongrube im Zentrum Luthes sowie die umliegende Feldmark.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sportlich betätigen kann man sich in Luthe auf einem der insgesamt drei Fußballplätze (drei Rasenplätze im Besitz des TSV Luthe), auf der Tennisanlage mit fünf Tennisplätzen, auf einem der zehn Spielplätze und nachmittags auf dem Schulhof der Grundschule.

Die intakte Dorfgemeinschaft zeigt sich auch bei verschiedensten Aktivitäten im Ort, wenn mehrere Vereine und Parteien gemeinsame Ziele (wie zum Beispiel den Erhalt des Freibades) verfolgen. Das Schützen-, Volks- und Erntefest in Luthe wird von einer aus vier Vereinen gebildeten Veranstaltergemeinschaft organisiert.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luthe bietet sehr gute Einkaufsmöglichkeiten und viele Lokale. Auch die Zahl der in Luthe ansässigen Betriebe übersteigt deutlich den Durchschnitt der Region.

Der Ort verfügt über eine gute Verkehrsanbindung (Bahnhof, Bundesautobahn 2 und Bundesstraße 441 befinden sich in unmittelbarer Nähe) und hat sich seinen Dorfcharakter erhalten. Luthe verfügt über eine ausgeprägte Vereinskultur. Neben dem Schützenverein Luthe, dem TSV Luthe und dem Volkstanzkreis Luthe gibt es viele weitere Vereine. So haben nicht nur beide Kindergärten und die Grundschule, sondern auch das NaturErlebnisbad einen eigenen Förderverein.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Gäpel (1900–1998), niederdeutscher Schriftsteller und Lyriker

Personen, die mit dem Ort in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Heinrich Christoph Weidemann (1717–1785), Glockengießer, er schuf 1770 eine der ersten großen sogenannten Schlangenrohrfeuerspritzen für das Amt Blumenau, die in Luthe untergestellt wurde
  • Fritz Rößler alias Dr. Franz Richter (1912–1987), Politiker (NSDAP, DKP-DRP, SRP), er war vom 7. Juni 1946 bis 20. Mai 1949 Volksschullehrer in Luthe
  • Bärbel Tewes-Heiseke (* 1940), Politikerin (SPD) und von 1986 bis 1994 Mitglied des Niedersächsischen Landtages, sie war von 1970 bis 1986 Lehrerin in Luthe

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Luthe (Wunstorf) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Niedersächsisches Landesverwaltungsamt (Hrsg.): Gemeindeverzeichnis für Niedersachsen. Gemeinden und Gemeindefreie Gebiete. Eigenverlag, Hannover 1. Januar 1973, S. 24 (Digitalisat [PDF; 21,3 MB; abgerufen am 16. September 2019] Landkreis Neustadt am Rübenberge).
  2. a b Zahlen Daten Fakten. (PDF; 332 kB) In: Webseite Stadt Wunstorf. 1. März 2020, S. 1, abgerufen am 7. Oktober 2020.
  3. Geschichte. In: Webseite Heimatverein Luthe. Abgerufen am 16. September 2019.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 198.
  5. Ulrich Schubert: Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Landkreis Neustadt am Rübenberge. Angaben vom 1. Dezember 1910. In: gemeindeverzeichnis.de. 5. Januar 2020, abgerufen am 7. Oktober 2020.
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Neustadt am Rübenberge. (Siehe unter: Nr. 29; Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Statistisches Bundesamt Wiesbaden (Hrsg.): Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland – Ausgabe 1957 (Bevölkerungs- und Gebietsstand 25. September 1956, für das Saarland 31. Dezember 1956). W. Kohlhammer, Stuttgart 1958, S. 160 (Digitalisat).
  8. Zahlen Daten Fakten. (PDF; 167 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) In: Webseite Stadt Wunstorf. 1. März 2018, S. 1, ehemals im Original; abgerufen am 1. März 2019.@1@2Vorlage:Toter Link/www.wunstorf.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  9. a b Ortsrat Luthe. (PDF; 86 kB) In: Webseite Stadt Wunstorf. 1. August 2019, S. 8, abgerufen am 7. Oktober 2020.
  10. Wahlbekanntmachung Nr. 10 – Bekanntgabe der endgültigen Wahlergebnisse der Kommunalwahlen in Wunstorf vom 11. September 2016. (PDF; 87 kB) In: Webseite Stadt Wunstorf. 14. September 2016, S. 13–14, abgerufen am 17. September 2019.
  11. a b Landkreis Hannover (Hrsg.): Wappenbuch Landkreis Hannover. Selbstverlag, Hannover 1985, S. 538–539.