Lutherkirche (Plauen)

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Bild des Hauptportals

Die evangelische Lutherkirche in Plauen/Vogtland wurde zwischen 1693 und 1722 erbaut und ist eine der ältesten barocken Zentralkirchen im Freistaat Sachsen. Ihren heutigen Namen erhielt sie im Lutherjahr 1883. Im Inneren der Kirche sind ein Flügelaltar aus dem 15. Jahrhundert und ein gotischer Chorraum zu finden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lutherkirche ist die zweitälteste Kirche in Plauen. Ihr Grundstein wurde am 24. August 1693 gelegt. Sie führt den Beinamen Bartholomäuskirche, da der 24. August der Todestag des Apostels Bartholomäus ist. Es dauerte 29 Jahre bis zur Kirchweihe am 10. Dezember 1722. Lange Zeit war sie die Friedhofskirche von Plauen. Direkt daneben lag der 1548 angelegte Friedhof (Gottesacker), der 1679 erweitert und 1899, nach Errichtung eines neuen Friedhofes, säkularisiert wurde.

Anfangs diente sie nur der Abhaltung der Leichenpredigten und regelmäßig jährlich wiederkehrenden Legatpredigten, 1813 nach der Völkerschlacht bei Leipzig als Lazarett. 1834 gab es eine Orgelweihe für die „Bäcker Herold ... am 15. April 1832 1.000 Taler legiert, seine Witwe die fehlenden 350 Taler freudig hinzufügt.“ Von 1840 bis 1861, nachdem sie sich einen eigenen Raum geschaffen hatten, diente die Gottesackerkirche den Katholiken in Plauen als Stätte für ihren Gottesdienst. 1877/78 wurde die Kirche renoviert und ein neues Geläut beschafft.

Ihren heutigen Namen erhielt sie zum 400. Jubiläum der Geburt des Reformators 1883 (vorher Gottesackerkirche). Mit der Gründung der Luthergemeinde, durch die Parochialteilung am 3. April 1893, wurde sie Pfarrkirche der Luthergemeinde in Plauen. 1900 erfolgte eine weitere bauliche Erneuerung, bei der die Kirche auch ein neues, „würdigeres“ Geläut erhielt. Bemerkenswert ist der spätgotische Flügelaltar, der um 1495 entstanden ist (in der Spätrenaissance erweitert) eines Erfurter Meisters. Er befand sich ursprünglich in der Thomaskirche zu Leipzig und gelangte als Geschenk des Leipziger Stadtrates zur Kirchweihe 1722 nach Plauen.

In den Jahren 2008 bis 2010 wurde der Innenraum der Kirche saniert; auch der einsturzgefährdete Kirchturm wurde von Grund auf renoviert. Abgeschlossen wurden die Arbeiten im Dezember 2010 durch drei neu Glocken der Glockengießerei Grassmayr aus Innsbruck, die größtenteils durch Spenden finanziert wurden.

Bekannt wurde die Kirche vor allem in der Zeit der politischen Wende 1989. An einem Seitenportal, direkt gegenüber dem Rathaus, wurden hunderte Kerzen aufgestellt, die zum friedlichen Protest aufriefen. Noch heute sind die Flecken des Wachses an den Stufen des Seiteneingangs sichtbar, der seitdem den Namen Kerzenportal trägt. Zum zehnten Jahrestag der Demonstrationen wurde dort eine Gedenktafel angebracht.

Andreas Gräßer ist seit September 2005 als Pfarrer tätig.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche beherbergt eine Orgel der Dresdener Firma Jehmlich. Die Vorgängerorgel stammte von dem Leipziger Orgelbaumeister Johann Gottlob Mende, von dem 1834 erbauten Instrument wurde das Gehäuse beim Neubau weiterverwendet. Das pneumatische Kegelladeninstrument wurde 1926 erbaut und besitzt 29 Register auf drei Manualen und Pedal. Im Jahre 1979 wurde die Orgel klanglich und technisch verändert. Die heutige Disposition ist wie folgt:[1]

I Hauptwerk C–a3
1. Pommer 16′
2. Prinzipal 8′
3. Oktave 4′
4. Quinte 223
5. Oktave 2′
6. Mixtur IV-V
7. Trompete 8′
II Schwellwerk C–a3
8. Quintadena 16′
9. Prinzipal 8′
10. Rohrgedackt 8′
11. Oktave 4′
12. Nachthorn 4′
13. Rohrquinte 223
14. Oktävlein 2′
15. Sifflet 1′
16. Sesquialter II
17. Scharff IV
18. Krummhorn 8′
Tremulant
III Manual C–a3
19. Rohrflöte 8′
20. Spitzflöte 4′
21. Flötenprinzipal 2′
22. Terz 135
23. Zimbel III
Tremulant
Pedal C–f1
24. Prinzipalbaß 16′
25. Subbaß 16′
26. Oktavbaß 8′
27. Choralbaß 4′
28. Italienisch Prinzipal 2′
29. Posaune 16′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
    • Suboktavkoppeln: II/I, III/I
    • Superoktavkoppeln: III/II, III/III
  • Spielhilfen: 3 freie Kombinationen, Generalkoppel, Druckregister ab, Koppeln ab

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Informationen zur Orgel

Koordinaten: 50° 29′ 43,8″ N, 12° 8′ 1,6″ O