Lutz Felbick

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Lutz Felbick (* 22. Oktober 1954 in Hückeswagen) ist ein deutscher Musiker und Musikwissenschaftler.

Lutz Felbick, Aachen

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Künstlerische Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lutz Felbick begann seine musikalische Laufbahn 1971 im Bergischen Land zunächst mit öffentlichen Auftritten als Jazzpianist, Chorleiter und Organist. Nach seinem Staatsexamen an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf war er von 1982 bis 1992 Kantor der Dreifaltigkeitskirche in Aachen.[1] Dort realisierte er das künstlerisch breit angelegte Veranstaltungskonzept Musik in II mit eigenen Chor-, Orchester- und Orgelkonzerten, „Geöffnete-Ohren-Konzerten“ und Gastkonzerten.[2]Seine vielfältigen Aktivitäten fanden in der regionalen und überregionalen Presse große Beachtung.[3]

Als Konzertorganist und Mitglied der Improvisationsensembles „Common Sense“ und JATO gab er zahlreiche Konzerte im In- und Ausland und führte unter anderem das gesamte Orgelwerk von Johann Sebastian Bach und Jehan Alain auf.[4] Von einer bislang wenig bekannten Orgel-Symphonie von Germaine Labole realisierte er die Ersteinspielung. Zu Stationen seiner künstlerischen Laufbahn gehören seine Solokonzerte in der Kathedrale Notre-Dame de Paris, Westminster Abbey London, der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin, in der National City Christ Church und National Shrine in Washington,[5] an großen Orgeln in Kiew, Lund/Schweden, Jalta, Helsinki, an Orgeln in Italien, Spanien, den Niederlanden und in Belgien. JATO-Konzerte fanden unter anderem statt bei den Wiener Festwochen[6] und den Leverkusener Jazztagen.

Unter seinen zahlreichen Rundfunk-, Fernseh-, Schallplatten- und CD-Aufnahmen ist die Einspielung von Olivier Messiaens Messe de la Pentecôte (WDR, 1989), die 2007 bundesweit im ARD-Programm gesendet wurde. Besondere Beachtung fand die USA-Konzertreise von Felbick mit dem Saxophonisten Heribert Leuchter nach Washington und Tampa.[7] Von Felbicks JATO-Projekt wurden mehrere CDs eingespielt, die die früheren Tonträgeraufnahmen Felbicks ergänzen. Zusammen mit seiner ehemaligen Lehrerin Almut Rößler war er 2001 Künstlerischer Leiter der Aachener Messiaen-Tage und Initiator und Koordinator der euregionalen Veranstaltergemeinschaft „In-Front“ (B, D, NL) mit den Schwerpunkten Improvisation, Jazz, Neue Musik. Im gleichen Jahre erlangte er in den USA das Zertifikat Advanced Deep Listening (Pauline Oliveros).

Wissenschaftliche und pädagogische Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1993 ergänzte Lutz Felbick seine künstlerische Tätigkeit durch musikwissenschaftliche Arbeiten beim Bärenreiter-Verlag (MGG, Handbuch Orgelmusik u. a.). Seine 1991 Bibliographie von 178 russischen bzw. sowjetischen Orgelmusikkomponisten wurde von dem Musikwissenschaftler Hans Heinrich Eggebrecht herausgegeben und erschloss erstmals eine bislang unerforschte Musikliteratur.[8] Ähnliches gilt für seine mehr als 1000 Titel umfassende Bibliographie Gehörbildung/Hörerziehung.[9]

Felbick wurde 1994 Lehrbeauftragter für Musiktheorie und Gehörbildung an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf. Zusätzlich war er in der Gesellschaft für Zeitgenössische Musik Aachen (GZM) tätig und engagierte sich maßgeblich für den Aufbau der vereinseigenen Musikschule music loft und des städtischen Kulturhauses Klangbrücke mit einer Studiobühne für Neue Musik/Improvisation/Jazz, Probe- und Unterrichtsräumen für die Freie Musikschule music loft und einer entsprechenden Infrastruktur.[10]

Sowohl in der „Klangbrücke“ als auch auf Fachkongressen hielt er Vorträge zu den Themen Neue Musik, Musiktheorie, Hörerziehung und Improvisation. Felbick war ab 2006 Gastdozent an zahlreichen Musikhochschulen im In- und Ausland, unter anderem an der Hochschule für Musik und Theater München und der Schola Cantorum Basiliensis. Ab 2003 entwickelte er in Aachen das Konzept der privaten Singschule Tonart. Hier ist er als Chorleiter von zwei Chören und Lehrer für Gehör- und Stimmbildung tätig [11]. Seine 2011 abgeschlossene musikwissenschaftliche Dissertation über Lorenz Christoph Mizler wurde als Veröffentlichung beim Georg-Olms-Verlag (2012) in zahlreichen Rezension im In- und Ausland positiv besprochen.[12] Diese umfangreichste Schrift Felbicks wurde am 26. Juli 2011 in der Süddeutschen Zeitung und am 23. September 2013 in einer Sendung Tonart des WDR3 ausführlich vorgestellt. Dieser Rundfunksender stellte am 3. Dezember 2013 hier ebenfalls Felbicks Forschungen zu Begriffsgeschichte des „Kulturorchesters“ vor.[13]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tonträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • W. A. Mozart: Vesperae Solennes De Dominica, Missa Brevis in D Major, Tantum ergo sacramentum. Marianna Busching, Michael Crabill, St. Thomas More Cathedral Choir, Carolyn Dill Smith, Lutz Felbick, Gene Tucker, Peter Fay, Haig Mardirosian & St. Thomas More Cathedral Orchestra. 1990 (CD CRC 2074).
  • Lutz Felbick an der Orgel des Kulturhauses in Kiew. (1990) Werke von Bach, Mendelsohn, Reger u. a. (LP Мелодия C 1030351009).
  • Lutz Felbick an der Klais-Orgel der Dreifaltigkeitskirche Aachen. (1990) Germaine Labole: Symphonie en Si-Mineur, Jehan Alain: Trois Dances. (LP Mitra 16221).[14]
  • JATO: Von Hisdorisch nach Gesus. Juni 1992. Dreifaltigkeitskirche Aachen. Lutz Felbick (Orgel), Jörg Drewing (Posaune, Didgeridoo), Regina Pastuszyk (Klarinette, Flöte, Taragot), Michael Küttner (Trommel, Perkussion). (CD Drops 018).
  • JATO: Windladen (2011) mit Lutz Felbick (Orgel), Heribert Leuchter (Saxophone). (CD LUXMM13).
  • JATO: Konzertmitschnitt in St. Josef Köln-Porz am 29. September 2013. Lutz Felbick (Orgel), Heribert Leuchter (Saxophone). (CD Lupophon LUC 1002)

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geschichte der evangelischen Kirchenmusik in Aachen von 1898 bis 1943. In: Musik und Kirche, 5/1987, S. 241ff. Bärenreiter-Verlag, Kassel.
  • The Soviet-American Organ-Festival in Aachen, West-Germany. In: The American Organist 3/1989.
  • Sowjetische Orgelmusik. Eine Bibliographie von 178 Komponisten, die auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion geboren sind. In: Veröffentlichungen der Walcker-Stiftung – Musikwissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Bd.15, hrsg. von H.-H. Eggebrecht. Kleinblittersdorf 1991, S. 95–149.
  • Daten der Aachener Musikgeschichte, Chronologie und Bibliographie. Veröffentlichung der Öffentlichen Bibliothek der Stadt Aachen, Aachen 1993.
  • Aachen. Lexikonartikel in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. (MGG) Sachteil, Bd. 1. Bärenreiter/Metzler, Kassel 1994f.
  • Orgelmusik in den Staaten GUS/Baltikum. In: Rudolf Faber u. Philip Hartmann (Hrsg.): Handbuch Orgelmusik. Bärenreiter, Kassel 2002, S. 239–244, 508–516.
  • Auf der Grenze ist der beste Ort der Erkenntnis – Gedanken zur Gegenwartsmusik in Aachen. In: Rheinisches Musikfest 2002. (Hrsg. Westdeutscher Rundfunk Köln).
  • Kognitive Musikpsychologie – neue Perspektiven für die Tristan-Analyse. In: Zeitschrift Musiktheorie, 18 (2003), S. 373–374.
  • Über die Klarheit des Wassers an der Quelle – Ein kleiner Ausflug zu den improvisatorischen Wurzeln unserer Musikkultur. In: Üben & Musizieren 2/2005, S. 54ff
  • Vom Einfluss der Improvisation auf das mitteleuropäische Musikleben des 19. Jahrhunderts. In: Musiktheorie 20.2 (2005), S. 166–182.
  • Gehörbildung und Musikpsychologie. In: Markus Jans, Angelika Moths, John Mackeown, Balz Trümpy (Hrsg.): Musiktheorie an ihren Grenzen: Neue und alte Musik. Bern 2009, S. 441–455.
  • Bachs Philosoph. In: Süddeutsche Zeitung, 26. Juli 2011. Online
  • Lorenz Christoph Mizler de Kolof – Schüler Bachs und pythagoreischer „Apostel der Wolffischen Philosophie“. Olms, Hildesheim 2012, (= Schriftenreihe der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig).
  • Der Universalgelehrte Lorenz Christoph Mitzler (1711–1778). In: Kwartalnik Historii Nauki i Techniki 2012 (57.3–4) S. 39–70.
  • J. S. Bach and Lorenz Mizler. In: Bachnotes (The Newsletter of the American Bach Society), Spring 2013, No. 18, S. 6f.online-Version.
  • Das methodisch-didaktische Konzept des argentinischen Lehrbuchs „Analisis Auditivo de la Musica“ im Vergleich zu europäischen Höranalyse-Werken. In: Ralf Kubicek (Hrsg.): Musiktheorie und Vermittlung. (= Paraphrasen – Weimarer Beiträge zur Musiktheorie, Schriftenreihe der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, Bd. 2) Olms, Hildesheim 2014.
  • Rezension der Gehörbildungs-Software EarMaster 6,, Egaa 2012. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Musiktheorie (ZGMTH), 11/2 (2014) Online-Version.
  • Das „hohe Kulturgut deutscher Musik“ und das „Entartete“ – über die Problematik des Kulturorchester-Begriffs. In: Zeitschrift für Kulturmanagement, 2/2015, S. 85–115. Abstract
  • Leonhard Euler: Tentamen novae theoriae musicae, St. Petersburg 1739. In: Lexikon Musikschrifttum, Bd. 1, hrsg. von Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, 2017
  • Der Compositor extemporaneus Beethoven als „Enkelschüler“ J. S. Bachs. In: Symposiumsbericht Beethovens „Fantasie“, Hochschule der Künste Bern, 2017

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Umzug der Klais-Orgel von Aachen nach Köln; Klais-Orgel der Dreifaltigkeitskirche
  2. Dokumentation in der Stadtbibliothek Aachen
  3. Regionale und überregionale Medienberichte zu Lutz Felbick auf der Website von Lutz Felbick.
  4. Regionale und überregionale Konzerttätigkeit von Lutz Felbick auf der Website von Lutz Felbick.
  5. National Shrine; NCCC (Zentren der Orgelmusikpflege in Washington)
  6. Die Bühne. Verlag Austria International, Wien (1992), S. 133.
  7. Washington Post; PNC Bank Concert Series; Pressebericht zur USA-Konzertreise in der Aachener Zeitung.
  8. Lutz Felbick: Sowjetische Orgelmusik. Eine Bibliographie von 178 Komponisten, die auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion geboren sind. In: Veröffentlichungen der Walcker-Stiftung – Musikwissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Bd. 15, hrsg. von H.-H. Eggebrecht. Kleinblittersdorf 1991, S. 95–149.
  9. Bibliographie Gehörbildung/Hörerziehung auf der Website von Lutz Felbick; Ulrich Kaiser: Gehörbildung in Deutschland
  10. Winfried Pape und Hans-Walter Staudte: Die Gesellschaft für Zeitgenössische Musik Aachen. In: Robert von Zahn (Hrsg.) Neue Musik in Nordrhein-Westfalen – Die neun Gesellschaften für Neue Musik zwischen Aachen und Lippe. Kassel 2014, S. 42–52, hier S. 44; Music loft Festschrift 1994, Internetpräsenz der GZM in der Aachener Klangbrücke
  11. Christine Moraal, Musik in Aachen - Eine Musikgeschichte der Kaiserstadt, Aachen 2007, S. 106.
  12. In der Zeitschrift Forum Musikbibliothek (Jg. 34, Heft 1 / März 2013, S. 79) wurde Felbicks Buch vom Rezensenten Manuel Bärwald als "neues Standardwerk" bezeichnet. Die "sorgfältige Untersuchung des universellen Schaffens eines Gelehrten, der bislang immer im Schatten stand" sei eine "lesenwerte, materialreiche und kundige Arbeit" (Rezension von Birger Petersen in: Die Musikforschung 68.1/2015, S. 79–80.) Weitere Medienberichte zur Mizler-Dissertation auf der Website von Lutz Felbick.
  13. 75 Jahre Kulturorchester (Memento vom 14. Juli 2014 im Internet Archive)
  14. Rezension in: The American Organist 25 [1991], S. 46

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]