Lutz Heck

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Ludwig Georg Heinrich Heck, genannt Lutz Heck (* 23. April 1892 in Berlin; † 6. April 1983 in Wiesbaden) war ein deutscher Zoologe, Tierforscher und Tierbuchautor. Zwischen 1932 und 1945 war Heck Direktor des Zoologischen Gartens Berlin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lutz Heck kam am 23. April 1892 als drittes Kind von Zoodirektor Geheimrat Ludwig Heck und seiner Frau Margarete, geborene Nauwerk, im Zoologischen Garten Berlin zur Welt.[1] Nach dem Studium an den Universitäten von Berlin, wo er 1922 zum Dr. phil. promoviert wurde, Freiburg im Breisgau sowie von Königsberg i. Pr. wurde er Assistent und schließlich stellvertretender Direktor des Zoos in Halle (Saale). 1924 übernahm er die Assistentenstelle und 1927 die stellvertretende Leitung des Zoologischen Gartens von Berlin. Im Jahre 1932 wurde er Nachfolger seines Vaters als wissenschaftlicher Direktor und hatte diese Funktion inne bis zur Zerstörung des Zoologischen Gartens 1945.

Zoodirektor in der Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter seiner Leitung wurde der Zoo umfassend modernisiert. Es gab erstmals Freianlagen ohne Trenngitter. Schon 1925 hatte er die Errichtung des ersten Tierkinderzoos veranlasst. Heck, der bereits ab dem 1. Juni 1933 Förderndes Mitglied der SS gewesen war, trat am 1. Mai 1937 auch in die NSDAP ein.[2]

Zusammen mit seinem Bruder Heinz Heck, dem Leiter des Tierparks Hellabrunn in München, unternahm Heck Versuche, aus von ihnen als ursprünglich erachteten Rinderrassen ein dem Auerochsen ähnliches Rind zu züchten. Diese Zuchtmethode ist heute als Abbildzüchtung bekannt. Obwohl der Erfolg in wissenschaftlicher Literatur bereits früh als unzureichend bezeichnet wurde,[3] präsentierten die Hecks ihre Rinder publikumsträchtig als „rückgezüchteten Auerochsen“, eine Fehlbezeichnung, die man auch heute noch oft in Tierparks findet. Die heutigen Heckrinder gehen auf die Versuche seines Bruders Heinz Heck in München zurück, da die Berliner Linie am Ende des Zweiten Weltkriegs verlorenging. Bereits im Jahre 1934 setzte er sich für die erfolgreiche Wiedereinbürgerung des Alpensteinbocks bei Berchtesgaden ein.

Heck stand in engem freundschaftlichem Kontakt zu Hermann Göring, mit dem er die Leidenschaft für die Großwildjagd teilte.[4] Dieser förderte persönlich Hecks Abbildzüchtungsversuche des Auerochsen und veranlasste 1935 eine großzügige Geländeschenkung aus preußischem Staatsbesitz an den Berliner Zoo. Das ermöglichte es Heck, angrenzend an die bestehenden Anlagen einen eigenständigen „Deutschen Zoo“ einzurichten.[5]

1938 wurde der promovierte Zoologe – anlässlich des „Führergeburtstages“ – ehrenhalber zum Professor ernannt. Im selben Jahr wurde er Leiter der Abteilung Naturschutz im Reichsforstamt.

Während der Besetzung Osteuropas spielte das SS-Fördermitglied Heck eine maßgebliche Rolle bei der systematischen Verschleppung von Elefanten, Kamelen, Nilpferden und Zebras ins Deutsche Reich. Alle anderen Tiere im Warschauer Zoo schoss er zur Jahreswende 1939/40 zusammen mit seinen SS-Kumpanen zur Belustigung ab. Zuvor verschickte er persönliche Einladungen zu seinem „Silvesterschießen“, auch an Hermann Göring.[6] Während seiner Dienstzeit am Berliner Zoo wurden Zwangsarbeiter ausgebeutet.[7]

Der Vorsitzende des Westfälischen Heimatbundes Karl-Friedrich Kolbow fasste Lutz Heck als Gegenspieler auf. Dieser habe, so Kolbow, Pläne vereitelt, eine volkstumsgemäße Landschaftsgestaltung im Gefüge des NS-Staates zu verankern, und rechnete ihn abwertend zu den „Berliner Asphaltmenschen“.[8] Hecks Eintreten für einen einheitlichen Reichsnaturschutzbund wurde von dieser Warte aus scharf kritisiert.

Nach Kriegsende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Kriegsende wurde Heck wegen seiner Straftaten im besetzten Polen von den sowjetischen Behörden zur Fahndung ausgeschrieben.[9] Er entzog sich der Verhaftung durch Flucht in die westlichen Besatzungszonen.

Direkte Nachfolgerin als Direktorin des Berliner Zoos wurde 1945 Katharina Heinroth, die erste Frau auf diesem Posten. Sein Sohn Lutz Heck jun. arbeitete später als Direktor des Tierparks Hellabrunn in München.

Lutz Heck starb am 6. April 1983 im Alter von 90 Jahren in Wiesbaden.[10]

Werksauswahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit M. Proshauer (Hrsg.): Aus der Wildnis in den Zoo. Auf Tierfang in Ostafrika, 1930
  • Schrei der Steppe, 1933 (erste Tonaufnahmen afrikanischer Tiere in Verbindung mit einem Buch)
  • mit F. Peltzer: Der Bilder-Zoo, 1934
  • Der Wald erschallt, 1934
  • Auf Urwild in Kanada. Berichte, Beobachtungen und Gedanken einer glücklichen Fahrt, 1935
  • Der deutsche Edelhirsch, 1935
  • Wegweiser durch den Zoologischen Garten Berlin, 1940
  • Auf Tiersuche in weiter Welt, Parey, 1941
  • Schwarzwild. Lebensbild des Wildschweins, 1950
  • Tiere, mein Abenteuer. Erlebnisse in Wildnis und Zoo, 1952
  • Großwild im Etoschaland. Erlebnisse mit Tieren in Südwest-Afrika, 1955
  • Der Rothirsch. Ein Lebensbild, 1956 (Neuausgabe v. Der deutsche Edelhirsch)
  • Fahrt zum weißen Nashorn. Im Auto durch Südafrika, 1957
  • Tiere in Afrika, 1957
  • mit Eva Heck: Wildes schönes Afrika, 1960
  • Waidwerk mit bunter Strecke. Jagd in heimischen Revieren, 1968
  • Wilde Tiere unter sich. Beobachtungen ihres Verhaltens in Afrika, 1970
  • Das doppelte Äffchen. Die Hellabrunner Orang-Utan-Zwillinge, 1972
  • mit G. Raschke: Die Wildsauen. Naturgeschichte, Ökologie, Hege und Jagd, 1980, verm. Neuausgabe 1985

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Oscar Neumann: Auf Tierfang in Abessinien, 1926
  • Im Reich des Löwen
  • Mit Büchse und Lasso in Afrika
  • Urwild in Canada

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als eine besondere Ehrung erhielt er 1940 die silberne Leibniz-Medaille durch die Preußische Akademie der Wissenschaften und 1984 wurde ihm zu Ehren eine Bronzebüste des Künstlers Heinz Spilker im Zoo von Berlin aufgestellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wer ist wer? 16. Ausgabe von Degeners Wer ist’s? Hrsg. v. Walter Habel. Arani, Berlin 1969/70, ISBN 3-7605-2007-3.
  • Heinz-Georg Klös: In memoriam Professor Dr. Lutz Heck. In: Bongo. Beiträge zur Tiergärtnerei und Jahresberichte aus dem Zoo Berlin. Band 8, 1984, S. 105–110, ISSN 0174-4038.
  • Max Alfred Zoll: Prof. Dr. Lutz Heck 75 Jahre. In: Der Zoologische Garten (N.F.). Band 35, 1968, S. 179–180.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lutz Heck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klös (1984), S. 106
  2. Andreas Gautschi: Der Reichsjägermeister. 4., überarbeitete Auflage. Nimrod, Melsungen 2006, Seite 66, ISBN 978-3-7888-1038-2.
  3. Cis van Vuure: Retracing the Aurochs – History, Morphology and Ecology of an Extinct Wild Ox. 2005, ISBN 954-642-235-5.
  4. Berliner Zoo: Urmacher unerwünscht. In: Der Spiegel. Nr. 26, 1954 (online23. Juni 1954).
  5. Frank Nicolai: Keine Ehrung für Nazi-Zoodirektor. Brief an Berliner Zoodirektor, den Regierenden Bürgermeister von Berlin und die Abgeordnetenfraktionen / Petition gestartet. In: Humanistischer Pressedienst. 10. September 2015, abgerufen am 10. September 2015 (Zeitungsartikel, deutsch).
  6. Katja Iken: Vergessene Judenretter: Das Versteck im Zoo. In: Spiegel Online. 13. September 2017 (spiegel.de [abgerufen am 15. September 2017]).
  7. Foto: Gedenktafel mit Information über Kriegsverbrechen, an denen Lutz Heck beteiligt war (Zwangsarbeit). Wikimedia Commons, abgerufen am 15. September 2017 (deutsch).
  8. Willi Oberkrome: Deutsche Heimat. Nationale Konzeption und regionale Praxis von Naturschutz, Landschaftsgestaltung und Kulturpolitik in Westfalen-Lippe und Thüringen (1900–1960) (Forschungen zur Regionalgeschichte 47), Schöningh, Paderborn u. a. 2004, ISBN 3-506-71693-X, S. 254 f.
  9. Willi Oberkrome: Deutsche Heimat, S. 273.
  10. Klös (1984), S. 109.