Lutz Pfannenstiel

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Lutz Pfannenstiel
Lutz Pfannenstiel
Spielerinformationen
Geburtstag 12. Mai 1973
Geburtsort ZwieselDeutschland
Größe 186 cm
Position Tor
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1991–1993
1993
1994–1995
1994–1995
1995–1997
1995–1997
1996
1996
1997–1998
1998
1998
1998–1999
1999–2000
2001
2001
2001–2002
2002
2002–2003
2003
2003
2004
2004–2006
2006–2007
2007
2007
2008
2008–2009
2009
2009–2010
1. FC Kötzting
Penang FA
FC Wimbledon Res.
FC Wimbledon
Nottingham Forest Res.
Nottingham Forest
Orlando Pirates (Leihe)
→ Sembawang Rangers (Leihe)
TPV Tampere
Haka Valkeakoski
→ PK Isalmi (Leihe)
Wacker Burghausen
Geylang United
Dunedin Technical
Bradford Park Avenue (Leihe)
ASV Cham
Dunedin Technical
→ Bradford Park Avenue (Leihe)
Dunedin Technical
Bærum SK
Calgary Mustangs
Otago United
KS Vllaznia Shkodra
Bærum SK
Vancouver Whitecaps
CA Hermann Aichinger
Flekkerøy IL
Manglerud Star
Ramblers
68 (0)
12 (0)
12 (0)
0 (0)
5 (0)
0 (0)
7 (0)
22 (0)
8 (0)
14 (0)
8 (0)
14 (0)
46 (0)
18 (0)
1 (0)
12 (0)
18 (0)
14 (0)
18 (0)
13 (0)
28 (0)
36 (0)
14 (0)
9 (0)
4 (0)
24 (0)
11 (0)
8 (0)
14 (0)
Nationalmannschaft
Deutschland U-17
Stationen als Trainer
2003
2007
2008–2009
2009–2010
2009–2010
2011–
Dunedin Technical (Spielertrainer)
FC Betonit Ijevan (Trainer)
Kuba (Torwarttrainer)
Ramblers (Spielertrainer)
Namibia (Co- und Torwarttrainer)
TSG 1899 Hoffenheim (Scout)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.
Stand: 5. Oktober 2009

Lutz Pfannenstiel (* 12. Mai 1973 in Zwiesel) ist ein ehemaliger deutscher Fußballtorhüter. Er ist der weltweit erste Fußballspieler, der in jedem der sechs anerkannten Kontinentalverbände einem professionellen Fußballverein angehörte. Seit 2010 ist er Experte bei verschiedenen Fernsehsendern – unter anderem für das ZDF, die BBC, CNN, den ORF und Eurosport – und seit 2011 Leiter International Relations und Scouting bei der TSG 1899 Hoffenheim.[1]

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfannenstiel war als Torwart in der deutschen U-17-Nationalmannschaft tätig und war dort u. a. Teamkollege von Markus Babbel und Markus Münch. Der damals beim 1. FC Kötzting spielende Jugendliche lehnte mit 18 Jahren ein Angebot vom FC Bayern München ab, bei den Amateuren im Tor zu stehen. Pfannenstiel war damals fest entschlossen, sofort Profi zu werden. Inspiration hierfür war der in Belgien spielende serbische Torwart Ratko Svilar.[2] Zunächst erfolgt ein siebenmonatiger Wechsel nach Malaysia zu Penang FA, an den der Einsatz im Reserveteam des englischen FC Wimbledon anschloss. Nach sieben Monaten zog es ihn zum FC Wimbledon nach England, wurde dort aber nur im Reserveteam eingesetzt. 1995 wurde er Ersatztorwart bei Nottingham Forest. Anschließend wechselte er auf Leihbasis für zwei Monate nach Südafrika zu den Orlando Pirates. Da Pfannenstiel gut spielte, erlebte er den angenehmen Nebeneffekt, dass ihn die fußballbegeisterten Straßengangs liebten und ihn nie ausraubten.[2] Nach seinem darauffolgenden Wechsel nach Singapur zu Sembawang Rangers absolvierte er als Stammtorhüter des Teams 22 Profispiele.

Mit dem erklärten Ziel, zurück in die englische Premier League zu kommen, wechselte er in die als Ausbildungsliga bekannte finnische Liga und unterschrieb einen Einjahresvertrag beim TPV Tampere. Nach wenigen Monaten wechselte er zum Rivalen Haka Valkeakoski und wurde 1998 Meister.

Nach acht Spielen dort wechselte Pfannenstiel zum SV Wacker Burghausen. Nachdem seine indonesische Freundin Opfer rassistischer Anfeindungen geworden war, ließ er sich nach 14 Spielen zu Geylang United in Singapur transferieren. Dort absolvierte er seine Karriere-Bestmarke von 46 Spielen. Mit Geylang kam er in die AFC Champions League. Er hielt in dieser Zeit so gut, dass er ernsthaft überlegte, seine Freundin zu heiraten, einen indonesischen Pass anzunehmen und für die Fußballnationalmannschaft von Indonesien anzutreten. 1999 wurde er wegen angeblichen Wettbetrugs bei Sportwetten verhaftet und später auch zu fünf Monaten Haft verurteilt: Er wurde beschuldigt, mit einem Buchmacher, der gegen ihn ausgesagt hatte, verbotene Absprachen getroffen zu haben. Von den drei Spielen, die er manipuliert haben sollte, gewann seine Mannschaft zwei und spielte einmal unentschieden. Ihm wurde vorgeworfen, „auffallend gut“ gehalten zu haben.

Nach 101 Tagen im Gefängnis wurde Pfannenstiel, teils wegen guter Führung, teils durch Intervention der deutschen Botschaft, vorzeitig aus der Haft entlassen. Er gilt bis heute in Deutschland nicht als vorbestraft. Pfannenstiel wurde lebenslang von der AFC, dem asiatischen Kontinentalverband, gesperrt. Die FIFA sperrte ihn für sechs Monate, datierte die Sperre allerdings zurück, sodass er nach der Haftentlassung wieder spielberechtigt war. Einige Wochen trainierte er in England bei Bradford Park Avenue mit, um sich wieder aufzubauen (Pfannenstiel hatte im Gefängnis 16 kg abgenommen) und wechselte schließlich zu Dunedin Technical in Neuseeland. Mit seinem Debüt für einen ozeanischen OFC-Verein brachte er die Zahl seiner Kontinentalverbände auf vier. In Neuseeland blieb er insgesamt fünf Jahre. Da die neuseeländische Meisterschaft nur von November bis April ging, suchte er sich für die andere Jahreshälfte ein weiteres Engagement im Ausland. Hinzu kamen der Verein ASV Cham in Deutschland und für eine Halbsaison Bradford Park Avenue. Während dieser Zeit bei Bradford wurde er bei einem Zusammenprall mit einem Gegenspieler so schwer verletzt, dass er auf dem Spielfeld drei Mal wiederbelebt werden musste.

Um sich besser mit seinem Neuseeland-Einsätzen arrangieren zu können, suchte Pfannenstiel nach Vereinen in Ländern, die ebenfalls eine kurze Meisterschaft spielten, um einen Kontrapunkt zu Neuseeland zu bilden und eine Meisterschaft zwischen April und Oktober spielen zu können. Er kam zunächst nach Norwegen beim Bærum SK unter Vertrag. Dort galt er als Topverdiener, bis der Klub in finanzielle Probleme geriet.

Aus diesem Grund ging Pfannenstiel nach Kanada und absolvierte 28 Spiele für die Calgary Mustangs. Mit seinem Profidebüt für einen Verein der nord- und mittelamerikanischen CONCACAF erhöhte er die Zahl seiner Kontinentalverbände auf fünf. Danach ging er wieder nach Neuseeland und wechselte zu Otago United, dem Lokalrivalen seines alten Vereins Dunedin. 2006 wechselte er nach einem Kontakt zum ehemaligen DDR-Nationaltorwart Ulrich Schulze nach Albanien zu KS Vllaznia Shkodra, wo Schulze Trainer geworden war. Als Schulze dort allerdings entlassen wurde, verließ Pfannenstiel den Klub ebenfalls.[3] 2007 folgte ein zweites Intermezzo bei Bærum, gefolgt von einer Verpflichtung bei den Vancouver Whitecaps. Mit seinem anschließendem Wechsel nach Brasilien zu CA Hermann Aichinger und seinem Debüt in einem südamerikanischen CONMEBOL-Profiverein wurde er der erste Spieler, der in allen sechs Kontinentalverbänden mindestens ein Profispiel absolviert hatte.

Sein offiziell letztes Spiel als aktiver Fußball-Profi bestritt er am 10. Juni 2011 im Dreiflüssestadion Passau bei einem Benefizspiel des Global United FC, der jeweils eine Halbzeit gegen die Mannschaft des 1. FC Passau sowie einer Niederbayern-Auswahl im Rahmen der 100-Jahr-Feierlichkeiten des gastgebenden 1. FC Passau antrat.

Trainer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits Anfang 2007 bekam Pfannenstiel die Offerte eines Millionärs in Armenien, dort als Trainer für FC Betonit Ijevan ein konkurrenzfähiges Team zu formen. In drei Monaten verpflichtete Pfannenstiel 18 Spieler aus der ganzen Welt, bis der Mäzen die Finanzierung des Vereins schließlich einstellte.

Im April 2008 kehrte Pfannenstiel nach Deutschland zurück und trat ein Engagement als Torwarttrainer der vom Deutschen Reinhold Fanz betreuten Nationalmannschaft Kubas an, die sich in Süddeutschland und Österreich auf die Qualifikationsspiele zur WM 2010 vorbereitete. Weiterhin war er jedoch auch als Spieler aktiv. Es folgten Verträge in (Flekkerøy IL und Manglerud Star). Anschließend war er Spielertrainer bei den Ramblers in Namibia und arbeitete gleichzeitig als Torwarttrainer und Co-Trainer der namibischen Nationalmannschaft.

Scout und Experte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Fußball-WM 2010 war Lutz Pfannenstiel als Experte bei den Übertragungen des ZDF im Einsatz.[4]

Nachdem Pfannenstiel 2010 seine aktive Karriere beendete, unterschrieb er am 28. Februar 2011 als Scout und Leiter der internationalen Beziehungen bei der TSG 1899 Hoffenheim. Von seinen Reisen weltweit berichtet der Hoffenheimer Videokanal regelmäßig in der Serie Lutz on Tour. Nebenbei arbeitet Pfannenstiel als Experte für Entwicklungsländer beim Deutschen Fußball-Bund.[5]

In der Saison 2012/2013 war er Experte der Ran-on-Webshow bei Europa-League-Übertragungen.[6]

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 arbeitete er wieder mit Rudi Cerne als Experte für das ZDF und darüber hinaus für BBC World.[7] Bei der Afrikameisterschaft 2015 war er als Co-Moderator bei den Übertragungen des Sportsenders Eurosport im Einsatz.[8]

Die Fifa führt ihn als offiziellen Trainerausbilder.[9]

Seit November 2014 schreibt Pfannenstiel für den Daily Mirror als Experte eine Fußballkolumne.[10]

Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Finnischer Meister mit Haka Valkeakoski (1998)
  • Meister in Singapur mit Geylang United (2000)

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfannenstiel ist in zweiter Ehe seit 2006 mit Amalia verheiratet.

Global United FC[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfannenstiels Projekt Global United FC will mit spektakulären Fußballspielen an besonderen Orten auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam machen. Im Januar 2014 war ein Spiel des Global United FC[11] in der Antarktis geplant,[12] weitere Stationen sollen das Amazonas-Gebiet, Nepal, Namibia und Tansania sein. Unterstützt wird das Projekt von prominenten ehemaligen Fußballspielern wie Aldair, Fredi Bobic, Carlos Valderrama, Cafu, Bebeto, Ole Gunnar Solskjær, Pavel Nedvěd, Christian Karembeu und Stig Tøfting.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Finnland machte er die Erfahrung, dass das Spiel wegen eines riesigen Moskitoschwarms in der ersten Halbzeit unterbrochen wurde, alle Zuschauer flüchteten und das Spiel in der zweiten Halbzeit vor völlig leeren Rängen fortgesetzt wurde.[3]
  • In Neuseeland machte er Schlagzeilen, als er einen Dieb, der bei ihm eingebrochen hatte und ihm 1500 neuseeländische Dollar, eine Playstation, Sonnenbrillen und sein Torwarttrikot gestohlen hatte, eigenhändig aufgriff und sein Eigentum zurückholte.
  • Pfannenstiel, der nach inoffizieller eigener Schätzung in „über 600 Stadien Fußball“ gespielt hat, nennt als Lieblingsstadien das Maracanã-Stadion in Brasilien und das Arsenal Stadium in London.
  • Als Tiefpunkte seiner Karriere nennt er neben der Singapur-Affäre „kakerlakenverseuchte Umkleidekabinen“ in Thailand und Sri Lanka sowie das Trainieren auf einem unfreiwillig gedüngten Platz in Armenien, da die Sanitärrohre im Stadion geplatzt waren.[13]
  • Über ein Kapitel seiner Karriere schweigt sich Pfannenstiel bis heute aus. Er stand einmal in der Ukraine unter Vertrag, wo er vermutlich mit der Mafia in Kontakt kam. Aus Angst vor Repressalien verschweigt er bis heute den Namen der Stadt, des Vereins und auch des Präsidenten: „Vor dem Klub, bei dem ich dort war, vor dem habe ich einen Heidenrespekt, ja sogar Angst. Das war alles ziemlich rau dort, und ich bin sehr froh, dass ich da heil rausgekommen bin.“[14] Von dieser Zeit ist die Anekdote bekannt, nach der ihm einmal sein Auto gestohlen wurde, Pfannenstiel sein Leid dem Präsidenten klagte, der seine guten Verbindungen zur Unterwelt spielen ließ und ihm binnen einer Stunde seinen Pkw zurückbrachte.[3]
  • Bei einem Spiel auf den Malediven wurde der Anstoß auf zwölf Uhr mittags gelegt und da die Zuschauer die Stimmung mit Feuern anheizten, wurde es so heiß, dass die ersten Spieler nach fünf Minuten kollabierten und Geylang das Spiel mit nur neun Spielern mit einem torlosen Unentschieden beendete. Das Rückspiel wurde mit 11:0 gewonnen.[15]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lutz Pfannenstiel mit Christian Putsch: Unhaltbar - Meine Abenteuer als Welttorhüter, Rowohlt, Reinbek 2009, ISBN 978-3-499-62508-4
  • Lutz Pfannenstiel: The Unstoppable Keeper, Vision Sports Publishing 2014, ISBN 978-1909534285

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mitarbeiterliste der TSG 1899 Hoffenheim
  2. a b Die Abenteuer eines Welttorhüters, n-tv.de
  3. a b c Sagenhafte Abenteuer eines unhaltbaren Torwarts, diewelt.de
  4. ZDF WM-Blog Beiträge von Lutz Pfannenstiel
  5. Traumjob für Lutz Pfannenstiel
  6. Ran-on-Webshow - ranON // Blog - ran.de, abgerufen am 16. Mai 2013
  7. Hoffenheim-Scout Lutz Pfannenstiel über seine Eindrücke von der Fußball-WM
  8. Afrika-Cup - Alle Spiele LIVE bei EUROSPORT.
  9. Liste der offiziellen FIFA Trainerausbilder
  10. http://www.mirror.co.uk/authors/lutz-pfannenstiel/
  11. M+Z-Motors engagiert sich bei Global United FC, Allgemeine Zeitung, 19. April 2010
  12. Fußball-Weltenbummler will nun Namibia voranbringen, Allgemeine Zeitung (Windhoek) vom 24. September 2009
  13. Pfannenstiel: Klinisch tot und unschuldig im Gefängnis, t-online.de
  14. Der Torwart von Welt, derwesten.de
  15. „Mein großes Vorbild ist Felix Magath“, faz.net