Lutz Seiler

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Lutz Seiler 2010.
Lutz Seiler stellt auf dem Erlanger Poetenfest 2014 seinen Roman Kruso vor.

Lutz Seiler (* 8. Juni 1963 in Gera) ist ein deutscher Schriftsteller. Er trat zunächst vor allem als Lyriker hervor. Für seinen Debütroman Kruso wurde er 2014 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lutz Seiler wuchs in Ostthüringen auf. Sein Heimatdorf Culmitzsch wurde 1968 für den Uranerzbergbau der SDAG Wismut geschleift, woraufhin die Familie zunächst nach Korbußen zog, bis ihr schließlich eine Neubauwohnung in Gera-Langenberg zugewesen wurde. Hier besuchte Seiler die Polytechnische Oberschule „Bruno Kühn“.[1] In Gera schloss er eine Berufsausbildung mit Abitur als Baufacharbeiter ab und arbeitete als Zimmermann und Maurer. Er absolvierte den Grundwehrdienst der NVA in Merseburg. Während seiner Armeezeit begann er sich für Literatur zu interessieren und selbst zu schreiben.[2] Im Sommer 1989 arbeitete Seiler als Saisonkraft auf der Insel Hiddensee; eine Erfahrung, die er später in seinem Romandebüt verarbeitete [3]. Bis Anfang 1990 studierte er Geschichte und Germanistik an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale). 1990 ging Seiler nach Berlin, wo er einige Jahre als Kellner arbeitete. Von 1993 bis 1998 war er Mitbegründer und Mitherausgeber der Literaturzeitschrift moosbrand. Seit 1997 leitet er das literarische Programm im Peter-Huchel-Haus in Wilhelmshorst bei Potsdam. 2004/2005 war er Gastprofessor am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Seiler lebt als freier Schriftsteller in Wilhelmshorst und Stockholm. Er ist seit 2009 mit einer schwedischen Germanistin verheiratet.[1]

Seit 2005 ist Seiler Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland, seit April 2007 Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz[4] und seit 2010 der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, der Sächsischen Akademie der Künste sowie der Akademie der Künste Berlin. 2011 wählte ihn die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung zum Mitglied. Seiler war Gast der Villa Aurora in Los Angeles und der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom. 2015 übernahm er die Heidelberger Poetikdozentur unter dem Motto Laubsäge und Scheinbrücke. Aus der Vorgeschichte des Schreibens.[5]

2007 wurde Lutz Seiler für die Erzählung Turksib mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Sein Erzählband Die Zeitwaage war 2010 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Für sein im September 2014 erschienenes Romandebüt Kruso erhielt er den Deutschen Buchpreis. Der Roman wurde in 22 Sprachen übersetzt, mehrfach für das Theater adaptiert und von der UFA verfilmt.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzeltitel (Lyrik und Prosa)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • berührt / geführt. Gedichte, Oberbaum Verlag, Chemnitz 1995.
  • pech & blende. Gedichte, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000, ISBN 978-3-518-12161-0.
  • Heimaten (mit Anne Duden und Farhad Showghi), Wallstein Verlag, Göttingen 2001, ISBN 978-3-89244-464-0.
  • Hubertusweg. Drei Gedichte, Verlag Ulrich Keicher, Warmbronn 2001.
  • vierzig kilometer nacht. Gedichte, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003, ISBN 978-3-518-41457-6.
  • Sonntags dachte ich an Gott. Aufsätze, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN 978-3-518-12314-0.
  • Die Anrufung. Essay, Verlag Ulrich Keicher, Warmbronn 2005.
  • Turksib. Zwei Erzählungen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-518-41968-7.
  • Die Zeitwaage. Erzählungen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009. ISBN 978-3-518-42115-4.
  • Aranka. Gedicht und Kommentar, Verlag Ulrich Keicher, Warmbronn 2010.
  • In die Mark. Gedichte mit Originalholzschnitten von Stefan Knechtel, hrsg. von Bettina Haller, Sonnenberg-Presse, Chemnitz 2011.
  • im felderlatein. Gedichte, Suhrkamp Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-518-42169-7.
  • Im Kieferngewölbe. Peter Huchel und die Geschichte seines Hauses (Mit Peter Walther und Hendrik Röder), Lukas Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86732-142-6.
  • Im Kinobunker. Erzählung, Verlag Ulrich Keicher, Warmbronn 2012.
  • Kruso. Roman, Suhrkamp Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-518-42447-6.
  • Die römische Saison. Zwei Essays, mit Zeichnungen von Max P. Häring, Topalian & Milani Verlag, Ulm 2016, ISBN 978-3-946423-03-4.
  • Am Kap des guten Abends. Acht Bildgeschichten, Insel Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-458-19455-2.

Herausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • moosbrand. Zeitschrift für Literatur, 1993 bis 1995 als originalgraphische Hefte im Selbstverlag (Mit Klaus Michael), ab 1996 bei Gerhard Wolf Janus press Berlin (ab Heft 5 mit Birgit Dahlke und Peter Walther), Wilhelmshorst und Berlin 1993–1998.  
  • Jahrbuch der Lyrik 2003 (Mit Christoph Buchwald), C.H. Beck Verlag, München 2002.
  • Peter Huchel (Mit Peter Walther), Edition Text und Kritik, München 2003, ISBN 978-3-88377-727-6.
  • Christoph Meckel, Ungefähr ohne Tod im Schatten der Bäume. Ausgewählte Gedichte mit einem Gespräch als Nachwort, München 2003, ISBN 978-3-446-20275-7.
  • Oskar Loerke, Sämtliche Gedichte, hrsg. Von Uwe Pörksen und Wolfgang Menzel, mit einem Essay von Lutz Seiler, Wallstein Verlag, Göttingen 2010, ISBN 978-3-8353-0411-6.

Hörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Turksib, Regie: Thomas Fritz, Sprecher: Bernhard Schütz, Marina Frenk u. a., MDR, 2011.
  • Kruso, Bearbeitung und Regie: Ulrich Gerhardt, Sprecher: Jens Harzer, Deutschlandradio Kultur/MDR, 2015.

Hörbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 7 Poems by Lutz Seiler. 1 Mini-CD. Accompanied by Anna Homler (Percussion / Voice) and Michael Intriere (Violincello), Los Angeles 2003.
  • vor der zeitrechnung. 1 Audio-CD. Gedichte und eine Erzählung, gelesen von Christian Brückner und vom Autor, Argon Hörbuch Verlag, 2006, ISBN 978-3-935125-64-2.
  • Kruso. 9 Audio-CDs. Gelesen von Franz Dinda, Hörbuch Hamburg, 2014, ISBN 978-3-86909-184-6.

Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georges Castera, Gedichte, in: Vers Schmuggel, Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2003, ISBN 978-3-88423-208-8.
  • Ken Babstock, Gedichte, in: Vers Schmuggel, Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-88423-299-6.
  • Ken Babstock, Gedichte (aus dem kanadischen Englisch nach Interliniarversionen von Eva Bonné), in: Sprache im technischen Zeitalter, Heft 202, Juli 2012, ISBN 978-3-412-22327-4.

Anthologien (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Otto Conrady (Hrsg.), Der Große Conrady. Das Buch deutscher Gedichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Düsseldorf 2008.
  • Christoph Buchwald (Hrsg.), Jahrbuch der Lyrik, Frankfurt am Main, diverse Jahrgänge.
  • Christiane Collorio, Peter Hamm, Harald Hartung und Michael Krüger (Hrsg.), Lyrikstimmen. Die Bibliothek der Poeten, Hörverlag, München 2009, ISBN 978-3-86717-338-4.
  • Ron Winkler (Hrsg.), Schneegedichte, Frankfurt am Main 2011.
  • Martin Janowski (Hrsg.), Nachtbus nach Mitte, Berlin 2016, ISBN 978-3-945256-55-8.
  • Anja Bayer, Daniela Seel (Hrsg.): all dies hier, Majestät, ist deins – Lyrik im Anthropozän, kookbooks, Berlin 2016, ISBN 978-3937445809.

Werke in englischer Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In the year one. Selected Poems, übersetzt von Tony Frazer, Auswahl aus pech & blende und vierzig kilometer nacht, Sydney 2005, ISBN 1-920882-11-1.
  • Poems. Übersetzt von Andrew Duncan, Duration Press, 2005.
  • Kruso. Übersetzt von Tess Lewis, Scribe Publications, Melbourne, London 2017, ISBN 978-1-911344-00-1.
  • in field latin. Poems, übersetzt von Alexander Booth, Übersetzung von im felderlatein, Seagull books, London, New York, Calcutta 2015, ISBN 978-0857423368.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sibylle Cramer: Die spielerische Leichtigkeit der Verknüpfung weitgespannter Stoffe, eine Sprache, die weit hinausgreift über die Semantik unserer Wörterbücher. Laudatio zum Christoph-Wagner-Preis 2012 für Lutz Seiler. In: Warmbronner Schriften, Heft 26, hrsg. von Axel Kuhn im Verlag Ulrich Keicher, Warmbronn 2012.
  • Sebastian Kleinschmidt: Im Osten der Länder. Über Lutz Seiler. In: Sinn und Form, Heft 6, 2014, S. 841ff. ISBN 978-3-943297-20-1
  • Lothar Müller: Nachhut im Frühlicht. Laudatio auf Lutz Seiler zur Verleihung des Marie-Luiese-Kaschnitz-Preises 2015. http://web.ev-akademie-tutzing.de/cms/fileadmin/content/Die%20Akademie/Aktuelles/pdf/Laudatio-Mueller-2.pdf
  • Georg Brosche: Narrative der Männlichkeit(en) in Lutz Seilers Roman „Kruso“, Universität Greifswald 2015.
  • Christiane Baumann: Transformationsprozesse I. Der Roman „Kruso“ von Lutz Seiler auf der Bühne, in: Studia Niemcoznawcze, Warschau 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lutz Seiler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Frank Quilitzsch: Buchpreisträger Lutz Seiler: „Wollte nicht über Hiddensee schreiben“. Thüringische Landeszeitung, 19. April 2015, abgerufen am 8. Oktober 2018.
  2. Elmar Krekeler: Lutz Seiler ist der Dichter der Töne. Welt Online, 15. Juli 2007, abgerufen am 8. Oktober 2018.
  3. http://www.tagesspiegel.de/kultur/buchpreis-favorit-lutz-seiler-im-interview-hiddensee-war-eine-art-jenseitserfahrung/10795374.html
  4. Mitgliedseintrag von Lutz Seiler bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, abgerufen am 6.11.17
  5. Heidelberger Poetikdozentur mit Lutz Seiler. idw - Informationsdienst Wissenschaft, 21. Mai 2015, abgerufen am 25. Mai 2015.
  6. Lutz Seiler erhält den Deutschen Erzählerpreis 2010, Frankfurter Rundschau vom 10. April 2010
  7. Lutz Seiler erhält Uwe-Johnson-Preis, buchmarkt.de vom 21. Juli 2014
  8. 83. Kaschnitzpreis für Lutz Seiler. Lyrikzeitung.com, 24. September 2014, abgerufen am 26. September 2014.
  9. http://www.bild.de/lifestyle/aktuelles/literatur/thueringer-literaturpreis-fuer-lutz-seiler-51647238.bild.html, abgerufen am 17. Mai 2017