Lyonel Trouillot

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Lyonel Trouillot

Lyonel Trouillot (* 31. Dezember 1956 in Port-au-Prince, Haiti) ist ein haitianischer Schriftsteller, der als Lyriker, Journalist, Liedtexter, Essayist, Herausgeber und Romancier tätig ist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lyonel Trouillot entstammte dem gehobenen haitianischen Mittelstand. Schon sein Vater war Literaturprofessor und Lyonel wuchs mit Literatur auf. Er begann ein Jurastudium und entschied sich anschließend, Schriftsteller zu werden.

Aufgrund der Repressionen der Regierung von Jean-Claude Duvalier verließ er in den 1980er Jahren Haiti und ging in den USA ins Exil. Später wurde er Sprecher der oppositionell-intellektuellen Bewegung Collectif Non, die sich gegen die diktatorischen Ambitionen von Jean-Bertrand Aristide stellten.

Er schrieb für diverse haitianische Zeitungen und war Mitbegründer von Zeitschriften wie Lakansyel und Tem et Langay. Auch war er Liedtexter für einige bekannte haitianische Sänger.

Trouillot bemüht sich um die Förderung junger Autoren. So fördert er die Literaturwerkstatt „Ateliers du jeudi soir“, wo junge Literaten Texte vortragen können und dort den Rat von erfahrenen Autoren erhalten. 2011 gründete er das Kulturzentrum „Anne-Marie Morisset“. Er ist Herausgeber der Literaturzeitschrift Demembre, die Beiträge junger Autoren veröffentlicht.

Die Literatur von Trouillot ist gesellschaftskritisch geprägt und hinterfragt beispielsweise die Rolle der Hilfsorganisationen beim Erdbeben von 2010 oder die Abgründe haitianischer Politik.[1]

Trouillot lebt in Port-au-Prince und lehrt dort als Professor Kreolische und Französische Literatur. Er schreibt in französischer Sprache, nicht in haitianischem Créole (kreyole). 2011 wurde sein Roman La belle amour humaine für den renommierten Prix Goncourt nominiert.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Schwester Evelyne Trouillot ist eine in Haiti ebenfalls bekannte Dichterin und Romanautorin. Weitere Verwandte sind sein Onkel, der Historiker Henock Trouillot, sein Bruder, der Politikwissenschaftler Michel-Rolph Trouillot sowie eine weitere Schwester, die Kinderbuchautorin Jocelyne Trouillot.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In französischer Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rue des Pas-Perdus, 1998, Roman.
  • Therese en mille morceaux, Roman, 2000.
  • Les enfants des heroes, 2002, Roman.
  • Bicentaire, 2004, Roman.
  • L’amour avant que jeu oublie, 2007, Roman.
  • Yanvalou pour Charlie, 2009, Roman.
  • La belle amour humaine, 2011, Roman.

In deutscher Übersetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jahrestag, Roman, dt. von Peter Trier. Litradukt-Verlag, Trier 2012, ISBN 978-3-940435-12-5.
  • Die Straße der verlorenen Schritte, Roman, dt. von Barbara Heber-Schärer und Claudia Steinitz. Liebeskind-Verlag, München 2013, ISBN 978-3-95438-015-2.
  • Die schöne Menschenliebe, Roman, dt. von Barbara Heber-Schärer und Claudia Steinitz. Liebeskind-Verlag, München 2014, ISBN 978-3-95438-032-9.
  • Yanvalou für Charlie (Vermächtnis für Charlie), Roman, dt. von Barbara Heber-Schärer und Claudia Steinitz. Liebeskind-Verlag, München 2016, ISBN 978-3-95438-066-4.

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Prix Carbet des Institut du tout Monde, Martinique, 2013.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Margrit Klingler-Clavijo: Die Pflicht, zu staunen. In: Weltsichten, Jg. 2014, Heft 3 (März), S. 46–47 (über die Literaturszene in Haiti).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • www.frenchbooknews.com/detail.php?bise_id=68&
  • www.jstar.org/discovery/10.2307/2931242?vid37378648
  • www.wordswithauthororders.org/contributor/lyonel-trouillot
  • www.hispaniola.eu/news/kultur/1469-haiti-kultur-neu
  • www.litradukt.de/?/Autoren/Lyonel-Trouillot
  • www.perlentaucher.de/autor/lyonel-trouillot.html

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kein Ende des Klassenkampfes. Der Schriftsteller Lyonel Trouillot im Gespräch mit Barbara Wahlster. Deutschlandradio, 2. Januar 2015