Lysistrata

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Lysistrata (Begriffsklärung) aufgeführt.
Lysistrata (2008)
Aubrey Beardsley: Aristophanes Lysistrata, Illustration zu Lysistrata von 1896
Aubrey Beardsley: Lysistrata verteidigt die Akropolis, Illustration zu Lysistrata, 1896

Lysistrata (altgr. Λυσιστράτη Lysistrátē, aus λύσις lysis „Auflösung“ und στρατός stratós „Heer“), Die Heeresauflöserin, gehört zu den bekanntesten Komödien des griechischen Dichters Aristophanes. Sie wurde von ihm im Frühjahr 411 v. Chr. – im zwanzigsten Jahr des Peloponnesischen Krieges – bei den Lenäen zur Aufführung gebracht. Im selben Jahr entmachteten in Athen Aristokraten durch einen Putsch die radikaldemokratische Regierung. Lysistrata ist das dritte der pazifistischen Stücke des Aristophanes, die den Krieg zum Thema haben.

Inhalt[Bearbeiten]

Das Stück thematisiert den Kampf einiger Frauen gegen die Männer als Verursacher von Krieg und den damit verbundenen Leiden. Getragen von dieser Erkenntnis verschwören sich die Frauen Athens und Spartas, um den Frieden zu erzwingen. Sie besetzen unter Führung der Titelheldin Lysistrata die Akropolis und verweigern sich fortan sexuell gegenüber ihren Gatten. In Sparta wird durch Lampito ähnliches veranlasst. Nach einigen Verwicklungen und Rückschritten – mehrfach versuchen liebestolle Frauen, die Burg in Richtung der Männer zu verlassen, oder die erbosten Herren, selbige zu erstürmen – führt der Liebesentzug tatsächlich zum Erfolg.

Nachwirkung[Bearbeiten]

Lysistrata heißt auch eine Operette von Paul Lincke, aus der insbesondere das „Glühwürmchen-Idyll“ von bleibender Bekanntheit ist. Ein 1918 vom deutschen Astronomen Max Wolf entdeckter Asteroid wurde nach der Titelfigur Lysistrata getauft. Alfred Stöger nahm sich des Themas 1947 in seiner Filmkomödie Triumph der Liebe an. Der Autor Hans Kasper griff Anfang der 1960er Jahre das Lysistrata-Motiv für sein preisgekröntes Hörspiel Geh David helfen (hr/BR 1962) auf. Lysistrata kann als Prototyp einer den Krieg anprangernden neueren Literatur verstanden werden, vgl. etwa auch das 1935 entstandene Theaterstück Der trojanische Krieg findet nicht statt von Jean Giraudoux.[1]

Im Januar 1961 wurde die Ausstrahlung einer Bearbeitung der Komödie durch Fritz Kortner unter dem Titel Die Sendung der Lysistrata vom Bayerischen Rundfunk boykottiert mit der Begründung, die Komödie verletze das sittliche Empfinden der Bevölkerung. Auch die CDU-regierten Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Saarland hatten ursprünglich Bedenken geäußert, strahlten die Sendung aber aus. In Bayern wurde die Komödie stattdessen in Kinos gezeigt. Hintergrund war die damalige Bestrebung der Adenauer-Regierung, die Bundesrepublik atomar aufzurüsten, worauf der Regisseur Kortner in seiner Inszenierung angespielt hatte.[2]

Rolf Hochhuths Inselkomödie (ursprünglicher Titel: Lysistrate und die NATO) aus dem Jahr 1974 verlegt die Handlung in die 1970er Jahre auf eine ungenannte Insel in der Ägäis, auf der die USA einen Raketenstützpunkt errichten wollen. Die Frauen der Insel fürchten, dass dieser Plan ihre Heimat im Ernstfall zum Ziel russischer Raketen machen würde, und verweigern sich – angestachelt von der Parlamentsabgeordneten Dr. Lysistrate Soulidis – ihren Männern, weil diese ihr Land verkaufen wollen. Sie quartieren sich im einzigen Gasthof der Insel ein, schlagen einen „Eroberungszug“ ihrer Männer zurück und lassen sich mit einigen Offizieren der griechischen Marine ein, die zur Erkundung geeigneter Standorte für die Raketenbasis angereist sind.

1976 wurde das Werk filmisch von Ludo Mich umgesetzt, alle Darsteller traten dabei nackt auf.

1987 wurde Lysistrata durch den Comickünstler Ralf König in Form eines gleichnamigen Comics interpretiert. Hierbei diente die Vorlage als Basis für eine mit Anachronismen gespickte Persiflage auf Geschlechterrollen und Sexualität, Krieg und Pazifismus sowie nicht zuletzt auch auf das Theater und die griechische Komödie an sich. Das Hauptaugenmerk der Handlung liegt dabei auf dem Thema Homosexualität. Der Stoff wurde 2002 in Spanien verfilmt und kam 2004 auch in die deutschsprachigen Kinos.

Während frühere Übersetzungen sehr gemäßigt waren und sich an der Sprache Schillers und Goethes orientierten (vgl. die vierte Szene in der Übersetzung von Ludwig Seeger[3]), bedient sich die Übersetzung des Altphilologen Niklas Holzberg von 2009 der modernen Sprache und gibt unverblümt, aber wissenschaftlich korrekt, die oft recht derbe Ausdrucksweise des Originals wieder.

Ausgaben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Dietrich: Lysistrata. In: Nigel J. Young (Hrsg.) The Oxford International Encyclopedia of Peace. Band 2, Oxford University Press, Oxford u. a. 2010, ISBN 978-0-19-533468-5, S. 645–646.
  • Martin Holtermann: Aristophanes. D. Lysistrata. In: Christine Walde (Hrsg.): Die Rezeption der antiken Literatur. Kulturhistorisches Werklexikon (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band 7). Metzler, Stuttgart/Weimar 2010, ISBN 978-3-476-02034-5, Sp. 107–119.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Drewermann, Eugen: Tiefenpsychologie und Exegese 1. Die Wahrheit der Formen. Traum, Mythos, Märchen, Sage und Legende. dtv Sachbuch 30376, München 1993, ISBN 3-423-30376-X, © Walter-Verlag, Olten 1984, ISBN 3-530-16852-1; Seiten 327 ff.
  2.  Na sowas - (siehe Titelbild). In: Der Spiegel. Nr. 5, 1961, S. 50 (25. Januar 1961, online).
  3. Vierte Szene in der Übersetzung von Ludwig Seeger (1845). Zeno.org. Abgerufen am 11. Januar 2011.