Männerrock

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Zeitgenössischer Männerrock in Form eines Kilts

Männerröcke sind Röcke, die von Männern getragen werden. Der Männerrock ist nicht mit dem Herrenrock zu verwechseln. Aufgrund von Unterschieden in der Körperform zwischen Männern und Frauen werden Röcke in speziellen Größen und Schnitten für Männer hergestellt.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unabhängig von dem hier verwendeten Männerrock-Begriff wird unter „Rock“ in Bezug auf die männliche Garderobe oft auch ein Jackett verstanden. Das kommt daher, dass das althochdeutsche „roc“ ein Kleidungsstück bezeichnete, das von den Schultern bis ungefähr zu den Knien oder auch darüber hinaus herabhing, also wie ein Kleid aus einem Ober- und einem Unterteil in einem Stück bestand. Männer- oder Herrenröcke in diesem Sinn sind heute etwa Jacketts oder Jacken, deren Unterteil aber selten bis zu den Knien reicht, sondern im Bereich des Oberschenkels aufhört. Im 19. Jahrhundert war auch der Begriff „Gehrock“ in ebendiesem Sinne gebräuchlich. Schnitttechnisch unterscheiden sich Röcke und Sakkos dadurch, dass Röcke aus Oberteil (bis zur Taille) und Rockschößen (unterhalb der Taille) bestehen und immer durch eine Taillennaht verbunden sind, während Sakkos durchgehend geschnitten sind. Die Taillierung der Sakkos entsteht rein schnitttechnisch.

In diesem Artikel geht es aber um Röcke im Sinne von einröhrigen Beinkleidern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sumerer im Kaunakes
Sumerer im Zottenrock
Mann in knielangem Kleid (ca. 1325–1335)
Der Prophet Jesaja im rosa Kleid (Darstellung Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle des Vatikans)
Der französische Chancellor Seguier mit einigen berockten Höflingen (Gemälde von Ch. Le Brun, 1656)
Englischer Junge im Kleid, Michael Cahne Seymour (1871)
Indonesische Männer im Sarong (Surabaya, Ost-Java)

Röcke im Sinne dieses Artikels wurden von Männern schon in prähistorischer Zeit getragen. Röcke und Kleider haben den größten Teil unserer Modegeschichte bestimmt. Über Jahrtausende wurden sie getragen. In allen antiken Hochkulturen waren Röcke oder Kleider die Standardbekleidung für Frauen und Männer.

Die Männer der Sumerer in Mesopotamien trugen bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. den Kaunakes – einen Zottenrock aus Fellen oder Fellteilen, die durch einen Gürtel zusammengehalten wurden. Die Kleidung der Frauen unterschied sich davon nur in Details.[1] Die Babylonier und Assyrer (2105–539 v. Chr.) trugen genähte Tuniken. Bei den gemeinen Bürgern und Kriegern war sie knielang. Unter dem Kleid wurde teilweise ein sogenannter Schurzrock getragen. Hohe Beamte, Priester und Könige trugen die Tunika lang. Dieses Hemdgewand ist als Galabiya (in Ägypten Dschallabija) noch heute im Orient in Gebrauch. Als Gewänder gelten Kleider aus quadratischen oder rechteckigen Tüchern, die nicht extra auf die Körperform zugeschnitten sind.[2] Im alten Ägypten wurden für die Kleider der Männer Leinengewebe verwendet. Der Unterkörper wurde mit Lendenschurzen und Wickelgewändern bedeckt. Im Neuen Reich wurden auch Schärpenschurze getragen. Die archaischen Wickelgewänder gab es für Frauen und Männer. Ab etwa 1600 v. Chr. wurde die Kalasiris – eine Sacktunika mit Ärmeln. Die Gewänder der Pharaonen unterschieden sich nur in der Ausschmückung.[3]

Im Antiken Griechenland war das Hauptgewand der Männer der gegürtete Chiton. Bauern, Handwerker und Krieger trugen ihn kurz. Die lange Version war beonderen Gruppen vorbehalten. Als Staats- und Festgewand wurde wurde er für mehr Volumen plissiert. Daneben gab es mit der Exomis eine Chitonvariante mit freier Schulter.[4] Die Kleidung der Frauen und Männer im Römischen Reich besaß weitgehend die gleiche Grundform. Differenzen gab es bei der Bevorzugung unterschiedlicher Stoffe und Farben. Die Tunika war das Kleid für die unteren Schichten. Sie wurde aus zwei Teilen gefertigt, die an den Schultern und auf den Seiten zusammengenäht wurden. Krieger trugen kurze Tuniken. So konnten sie u. a. besser reiten. Hosen setzten sich erst mit den Feldzügen nördlich der Alpen und nach erheblichem Widerstand durch. Der praktische Nutzen von Hosen wurde erkannt, aber sie erlaubten auch den Blick zwischen die Beine und auf das Geschlecht. Deswegen galten sie als unmoralisch und barbarisch. Bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. blieben Hosen unter Strafandrohung untersagt. Die Oberschicht trug Tuniken als Untergewand. Als Obergewand diente die weiße und längere Tunika virilis. Besonders prächtig war die Toga trabea der Kaiser und Feldherren.[5] Im Byzantinischen Reich wurden Tuniken mit Ärmeln getragen, deren Länge von Standesvorschriften vorgegeben war. Die Tunika der Männer war nicht wie bei den Frauen unterhalb der Brust gegürtet. Die Dalmatica war eine geschlitzte Tunika mit weiten Ärmeln, die der Kaiser über einer schlichten weißen Tunika trug. Später wurde sie Sakraltracht kirchlicher Würdenträger. Die heutigen Lithurgischen Gewänder von Priestern gehen auf diese byzantinische Männertoga zurück.[6]

Die Kelten trugen Hosen und darüber ein Kleid, das Kittelbluse genannt wird. Es wird angenommen, dass die kurzen Hosen vom Reitervolk der Skythen übernommen worden sind.[7] Die Männer der Germanen kombinierten ebenso Hosen mit Kitteln, die ähnlich einem heutigen Longshirt bis deutlich über die Hüften reichen konnten. Dazu wurden im Winter aus Leder und Fellen gefertigte Umhänge, Röcke und Beinbinden getragen. Die Kleidung der Franken hatte keltisch-germanische Ursprünge, die mit römischen Elementen vermischt wurden. Beide Geschlechter trugen eine gegürtete Tunika mit weniger Weite als das römische Vorbild. Darunter wurde ein Untergewand angezogen. Dazu trugen die Männer zwei Strümpfe (Beinlinge), die mit Bändern an der Bruoch (Unterhose) zu befestigen waren. Die Tunika der Bauern war kürzer. In der Kaiserchronik zu Karl dem Großen ist beschrieben, dass für ein Bauerngewand nicht mehr als sechs Ellen von grauer oder schwarzer Farbe verwendet werden durften und maximal vier Gerren. Die Kleidung der Vornehmen orientierte sich an den langen Trachten der Römer. Karl der Große trug ein Leinenhemd und kurze Leinenhosen. Darüber zog er eine mit Seide eingefasste Tunika in gleicher Länge wie der Hose. An Festtagen trug er golddurchwirkte Kleider und Umhänge, die mit einer goldenen Spange zusammengehalten wurden.[8] In der Romanik waren in den gehobenen Ständen kostbare und bunte Stoffe für die Untergewänder beliebt, um sie unter den Obergewändern hervorblicken zu lassen. Die Obergewänder fielen nicht mehr lose oder wurden drapiert, weil sie zunehmend auf die Körperform zugeschnitten wurden. So entstanden Kleider, die die Geschlechter unterschieden. Und es entstand das Handwerk des Schneiders. Zur Kleidung der Ritter gehörte eine Tunika, ein Waffenrock und im Winter ein gefütterter Unterrock.[9]

Durch neue Webtechniken und die Entwicklung des Schneiderhandwerks wurden die Menschen in der Gotik sehr modebewusst. Die Burgunderbeute der Schweizer Eidgenossen aus dem Jahr 1476 aus dem Sieg über Karl dem Kühnen enthielt 100 goldbestickte Röcke des Herzogs. Die Röcke der Männer mussten zeitweise besonders weit gearbeitet sein für einen faltenreichen Fall. Dann wieder verlangte die Mode sie so eng zu tragen, dass das Gehen mühevoll wurde und die junge Generation zum Gespött der Älteren wurde. Zudem wurden die Röcke der Männer immer kürzer und zeigten die darunterliegende Hose. Zu den Hosen wurden sogenannte Schecken getragen. Das waren Jacken, die meist knielang waren, aber auch nur knapp das Gesäß bedecken konnten. Eine sichtbare Hose wurde immer stärker moralisch akzeptiert. Kritik gab es anfangs reichlich. So steht in der Mainzer Chronik von 1367: „… ging die Torheit der Menschen so weit, dass die jüngeren Männer so kurze Röcke trugen, dass sie weder die Schamteile noch den Hintern bedeckten. Mußte sich jemand bücken, sah man ihm den Hintern. O, welch unglaubliche Schande.“ Dies war der Beginn der Hose als ausschließlich männliches Kleidungsstück.[10] In der Renaissance war die Bekleidung der Männer je nach Region sehr unterschiedlich. In Norditalien wurde die Giubone mit Gürtel bevorzugt Obergewänder konnten fußlang oder oberschenkellang sein. Das Wams gab es taillienkurz oder als Paltrock knielang mit tiefen Falten. Die Pluderhose und Heerpauke ersetzten später verstärkt den Rock.

Letzte Männerröcke verschwanden im Barock. Der Justaucorps war nur noch ein taillierter, knielanger Mantel. In der Folge der Französischen Revolution wurden die Sansculottes der Jakobiner zum Vorreiter der langen Männerhose. Von nun an trennten Rock und Hose endgültig die Geschlechter.[11] Männer trugen von nun an schlichte, dunkle Kombinationen mit Hosen, die Seriosität, Rationalität und Überlegenheit ausdrücken sollten. Dieser Stil ist durch den Psychologen J.C. Flügel (1874–1955) und der englischen „The Men’s Dress Reform Party“ als „Great Masculine Renunciation“ in die Kulturgeschichte eingegangen. Schöne, bunte oder gar prächtige Kleidung mit Röcken und Kleidern war über Jahrtausende das Markenzeichen von reichen und mächtigen Männern. Jetzt war es zum Tabu für Männer geworden. Solche Freiheiten wurden als minderwertig gesehen und deswegen gerne den Frauen zugestanden, von deren „Irrationalität“ sich das Patriarchat abgrenzen wollte. Die Regeln dieser neuen Männermode gelten teilweise bis heute. Der dunkle Geschäftsanzug ist ein Beispiel dafür, nur bei der Krawatte ist noch Farbe erlaubt.[12] Genau hier liegt der Schlüssel zum Verständnis, warum Männer sich heute auch bei heißem Sommerwetter schwer tun, ein bequemes Kleid oder einen luftigen Rock anzuziehen, obwohl die Geschichte zeigt, dass Männer das in fast allen Kulturen und über Jahrtausende gemacht haben. Die neuen Bekleidungsregeln dienten der hegemonialen Ausrichtung der Herrschaft durch den Mann. Der Rock ist deswegen bis heute feminin konnotiert und verbunden mit Attributen wie weich, schwach oder unterlegen. Für die Frauen war es eine Verbesserung und ein Aufstieg, das Recht auf Hosen zu erstreiten. Männer hingegen befürchten auch in Zeiten verbesserter Gleichberechtigung häufig durch einen Rock abzusteigen und an Status zu verlieren.[13]

War mit den teils revolutionären gesellschaftlichen Umwälzungen des 18./19. Jahrhunderts die Hose für den erwachsenen Mann zur Pflichtbekleidung geworden, so mussten sich in vielen Teilen Europas und Nordamerikas die Jungen weiterhin das Recht auf Hosen erst erwerben. Ein Kinderbild des Schriftstellers Kurt Tucholsky in Hosen trägt die Beschriftung: Kurts erste Hosen. In Coeslin am Markt stand der Fünfjährige Modell beim Fotografen. Ein Foto von 1890 zeigt ihn noch im weißen Kleid. Bis etwa zu einem Alter von fünf bis sieben Jahren trugen Jungen und Mädchen die gleichen Kleider. Diese Sitte blieb bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts verbreitet. Vergleichbare Bilder des belgischen Comic-Zeichners Hergé (Tim & Struppi) sind auf das Jahr 1912 datiert.[14] Erst mit ausreichender Reife durften die kleinen Jungen den nächsten Schritt zur Erziehung zum Mann gehen. Der Tag an dem die Jungen zum ersten Mal Hosen trugen, wird im Englischen als „Breeching“ bezeichnet.

In Asien und Afrika gibt es eine Menge Kulturen, in denen der Männerrock integraler Bestandteil der Männermode war oder oftmals noch ist. Am verbreitetsten sind Wickelröcke. In Japan gibt es den Kimono in unterschiedlichen Varianten für Frauen und Männer. Ein Herrenkimono ist deutlich schlichter und dunkler gehalten. Auch hat ein Damenkimono mehr Länge. Männer tragen das traditionelle Kleid zur Hochzeit, zu Teezeremonien und anderen formalen Gelegenheiten. Der Hakama ist ein Hosenrock der Männer, der bis in die 1940er Jahre meist mit einem Haori genannten Jackett getragen wurde. Heute sieht man ihn vor allem im Sport beim Kendō. Als Schulhakama ohne Zwickel war er als Rock gearbeitet.[15] In China wurden meist lange Kleider bis zum Ende der letzten Qing-Dynastie am Anfang des 20. Jahrhunderts getragen. Lange blaue Kleider waren die offizielle Bekleidung der kaiserlichen Beamten. Die Ausfertigung war je nach Ranggruppe unterschiedlich. Zum Ende der letzten Dynastie wurden die Kleider mit Hosen kombiniert.[16]

Der Dhoti wird in Indien, Nepal und Bangladesch getragen. Durch die besondere Wickeltechnik entstehen Falten, die ihn stärker zwischen den Beinen schwingen lassen, wodurch der Eindruck einer Hose oder eines Hosenrocks entstehen kann.[17] In Indien wird besonders im Süden überall im öffentlichen Leben der Lungi getragen. Es gibt knielange und wadenlange Varianten. Auch Politiker zeigen sich gerne vor den Kameras der Journalisten im langen Lungi. In Sri Lanka ist die Rockkultur ähnlich. Besonders bei traditionellen und formalen Anlässen gilt der Lungi als die feierlichere Alternative.

In Bhutan gibt es für Männer den Gho, der mit einem Stoffgürtel (Kera) getragen wird. Mit dem Gürtel wird die Kleidlänge eingestellt. Die männlichen Beschäftigten im öffentlichen Dienst müssen darin zur Arbeit erscheinen.

In Myanmar ist der Longyi verbreitet. Aus Indonesien kommt der Sarong, der im Westen häufig in bunt bedruckten Farben oder in Batik-Optik als Strandrock für Frauen angeboten wird. Der Sarong gehört untrennbar zum religiösen Leben. Die muslimischen Jungen tragen ihn zu ihrer Beschneidung. In den touristischen Gebieten wie auf Bali, liegen vor den buddhistischen Tempeln oft Sarongs aus, damit Besucher ihre nackten Beine vor dem Betreten eines Heiligtums züchtig bedecken können.[18]

In vielen Inselstaaten des Pazifiks (Mikronesien, Tonga, Vanuatu u.a.) ist der Lava Lava verbreitet für Frauen und Männer. Auf Samoa gehört ein blauer Lava-Lava in Kombination mit einem weißen Diensthemd zur Uniform der Polizei. Die Röcke der Männer sind häufiger schlichter gemustert und kürzer als die Röcke der Frauen.[19] Auf Fidschi tragen alle Geschlechter den Sulu. Männer tragen ihn zu formalen Ereignissen in Kombination mit Jackett, Anzugshemd und Krawatte. [20]

Im Nahen Osten und in Nordafrika prägen vor allem Kaftane die einröhrigen Beinkleider der Männer in den muslimischen Kulturen. Sehr bekannt ist die gerade geschnittene weiße Thobe der Saudis oder die Dschallabija der Ägypter, die mit einer A-Linie mehr Weite hat. In Westafrika findet man den kurzärmeligen, marokkanischen Darra. Der mehrteilige nigerianische Bou Bou (Agbada) kombiniert weite Obergewänder mit Hosen.[21] Manche Kaftanvariante hat antike Vorbilder, die in biblische Zeiten zurückreichen.[22] Besonders farbenprächtig sind die Kleider, die im Niger die Männer der Woodabe zum Tanzwettbewerb des Guérewol tragen.[23] In Ostafrika gibt es den Kikoi für Männer und den Kanga für Frauen. Sehr prächtig wirken die leuchtend roten Kleider und Röcke der Männer von den Cricket Massai.[24] In Madagaskar heißt der Rock für alle Lamba. In Somalia und in angrenzenden muslimischen Gebieten gibt es ebenfalls wie in Indonesien den Sarong. Durch die alten Beziehungen der Handelsschifffahrt zu Südostasien kam der Sarong in diesen Teil der Welt. Deswegen wird er auch im Jemen und Oman getragen. Dort heißt er Futah. Am Horn von Afrika ist der Sarong der Männer entweder weiß oder als Macawiis farbig.[25]

Männerrockbewegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saxophonist im Männerrock

Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, nachdem die Hose aufgehört hat, ein den Männern vorbehaltenes Kleidungsstück zu sein, entdecken auch zunehmend Männer den Rock wieder.

Im September 1997 stellte der bildende Künstler Gustavo del Rio aus Argentinien einen Minirock für Männer, der 1967 geschaffen wurde, zum ersten Mal zur Schau. Er präsentiert sein Kunstwerk während seiner Body Art Performance „Ich bin das Kunstwerk“ zum ersten Mal der Öffentlichkeit im Saal des Instituts Torcuado di Tella (Buenos Aires). Das geschah während des internationalen Preises ITDT und während der Woche zum Thema „Argentinischer Advent Kunst“. Er wurde von der Polizei der militärischen Regierung verhaftet. Ihm wurde Mord angedroht. Deshalb wurde er gezwungen nach Europa umzuziehen.[26]

Geweckt wurde dieses Interesse unter anderem von Jean Paul Gaultier, der 1984 auf seinen Modenschauen die ersten neuen Röcke an Männern präsentierte. Seitdem präsentieren immer mehr Designer neue Entwürfe. Vor allem bei den Mailänder Männermodewochen und den New Yorker Fashion Shows sind häufig von verschiedenen Designern Männerröcke zu sehen. Interessenten für diese Mode bilden seit Ende der 1990er Jahre eine langsam wachsende Männerrockbewegung, die aber kein einheitliches Gebilde, sondern eher eine Interessengemeinschaft von Individualisten ist. Sie orientieren sich teilweise an den traditionellen Männerröcken, aber auch an eigenen Entwürfen und Röcken aus der Damenkonfektion, da eine nennenswerte Auswahl aufgrund des kleinen Anbietermarktes so gut wie nicht gegeben ist.

Das Ziel der Männerrockbewegung ist, den Rock für den Mann in breiten Teilen der Gesellschaft so alltagsüblich zu machen wie die Hose für die Frau. Unterstützt werden diese Männer dabei von Frauen, die erkannt haben, dass dieser Verzicht auf die Exklusivität dieses Kleidungsstücks als Frauenkleidung die Gleichberechtigung für die Frau fördert: Vielfach werde immer noch „weiblich“ mit einer Abwertung gleichgesetzt, was auch den Widerstand mancher Männer gegen ein vermeintlich weiblicheres Erscheinungsbild erkläre. Gerade durch diese modische Annäherung könnte jedoch diese Ungleichberechtigung weiter bröckeln. Dies beweist auch der Kampf der Frauen, in Hosen allgemein akzeptiert zu werden, als Teil ihrer gesellschaftlichen Emanzipationsbewegung.

Hersteller und Anbieter stellen sich bisher nur wenig auf diesen eventuellen neuen Trend ein. Das schwedische Modelabel Hennes & Mauritz war das erste Unternehmen, das europaweit einen Männerrock anbot.[27] Es gibt einige Labels, die sich auf das Thema spezialisiert haben.

Im Jahr 2012 lockerte die University of Oxford ihren Dresscode, sodass künftig bei Examina oder formalen Anlässen auch Männer Röcke und Strumpfhosen und Frauen Anzüge und Krawatten tragen können.[28]

Die Hannoverschen Verkehrsbetriebe (üstra) haben 2015 eine Werbekampagne zur Personalwerbung gestartet, in der männliche Fahrer zu ihrer Dienstkleidung einen Rock tragen. Im Zuge der Kampagne wurde die Kleiderordnung für Männer geändert. Seitdem haben die Fahrer Wahlfreiheit. Sie dürfen auch den von der Designerin Thekla Ahrens speziell zur Dienstkleidung entworfenen dunklenblauen Kilt bei der Arbeit tragen.[29]

Weitere Erscheinung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anhänger der schwarzen Szene im Männerrock

Zusätzlich gibt es einige andere Trends, die sich auch auf die Mode auswirken und dabei Röcke oder Kleider für Männer zusätzlich im Alltag normalisieren. Bei Visual Kei tragen die vorwiegend jugendlichen Fans sehr häufig Rock oder Kleid; teils einfach als Ausdruck ihres persönlichen Stils, aber auch als Kostüm zu Cosplay. Auch in der Teilen der Schwarzen Szene werden Männerröcke getragen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wiebke Koch-Mertens: Der Mensch und seine Kleider. Band 1: Die Kulturgeschichte der Mode bis 1900. Artemis & Winkler, Düsseldorf/Zürich 2000, ISBN 978-3-538-07103-2.
  • Wiebke Koch-Mertens: Der Mensch und seine Kleider. Band 2: Die Kulturgeschichte der Mode im 20. Jahrhundert. Artemis & Winkler, Düsseldorf/Zürich 2000, ISBN 3-538-07104-7.
  • Robert Ross: Clothing: A Global History. Polity, Cambridge 2008, ISBN 978-0-7456-3186-8 (Vorschau in der Google-Buchsuche).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Männer in Röcken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zottenroecke der Sumerer In: Koch-Mertens, W.: Der Mensch und seine Kleider, Band 1, S. 21
  2. Maennerroecke der Assyrer In: Koch-Mertens, W.: Der Mensch und seine Kleider. Band 1, S. 26
  3. Männerröcke der alten Ägypter In: Koch-Mertens, W.: Der Mensch und seine Kleider. Band 1, S. 35
  4. Der Chiton der griechischen Männer In: Koch-Mertens, W.: Der Mensch und seine Kleider. Band 1, S. 66
  5. Männerröcke der Römer In: Koch-Mertens, W.: Der Mensch und seine Kleider. Band 1, S. 89
  6. Die Männertoga in Byzanz In: Koch-Mertens, Der Mensch und seine Kleider. Band 1, S. 104
  7. Die Kittelbluse der Kelten In: Koch-Mertens: Der Mensch und seine Kleider. Band 1, S. 114
  8. Die Franken In: Koch-Mertens: Der Mensch und seine Kleider. Band 1, S. 127–137
  9. Die Romanik In: Koch-Mertens: Der Mensch und seine Kleider. Band 1, S. 139–152
  10. Die Gotik In: Koch-Mertens: Der Mensch und seine Kleider. Band 1, S. 153–181
  11. Renaissance und Barock In: Koch-Mertens: Der Mensch und seine Kleider. Band 1, S. 183–289
  12. Redressing the Old World In: Robert Ross: Clothing – A Global History, S. 36, 58
  13. Michela Seggiani: Warum tragen Männer keine Röcke, Uni Basel
  14. Pierre Assouline: Hergé, Paris (1996)
  15. Kimono In: Kimono encyclopaedia (englisch)
  16. Holger Hähle: Rock wie Hose – Auf der Suche nach dem Menschen hinter dem Geschlecht. 3. Auflage, Neopubli, Berlin 2016, ISBN 978-3-7418-2222-3.
  17. Costumes of Nepal: Dresses of Nepal: Nepalese Costumes In: imnepal.com (englisch)
  18. Julia Rosenberger: Asien: Sarong. (Memento vom 31. Juli 2012 im Internet Archive) In: In Asien. Nr. 4, 2009
  19. Samoan Police on Parade In: lisadorenfest.com, 27. September 2014.
  20. Clothing and dress in Fiji, Go-Fiji.com, abgerufen am 20. Juli 2017. (englisch)
  21. Kerstin Bauer: Kleidung und Kleidungspraktiken im Norden der Côte d'Ivoire. Geschichte und Dynamiken des Wandels vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. LIT, Münster 2007
  22. Wiebke Koch-Mertens: Der Mensch und seine Kleider. Band 1: Die Kulturgeschichte der Mode bis 1900. Artemis & Winkler, Düsseldorf/Zürich 2000
  23. Mette Bovin: Nomads who cultivate beauty: Wodaabe dances and visual arts in Niger. Nordiska Afrikainstitut, Uppsala 2001, ISBN 91-7106-467-2.
  24. Maasai Cricket Warriors – Dropping the spear for bats, abgerufen am 20. Juli 2017
  25. Alfons Hofer: Textil- und Modelexikon. 7. Auflage, Band 2, Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 1997
  26. Prima parte dell'articolo su La Obra Soy Yo Primera Plana, Oktober 1967
  27. (11) Fashion: The return of men in skirts? – YouTube. In: youtube.com. France 24, 11. Dezember 2009, abgerufen am 15. Juli 2017 (englisch).
  28. Oxford University changes dress code to meet needs of transgender students, Guardian, 29. Juli 2012
  29. Anna-Lena Roth: Hannover: Busfahrer tragen Rock – um Frauen für den Job zu begeistern. In: spiegel.de. 26. August 2015, abgerufen am 14. Juli 2017.