Männerrock

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Zeitgenössischer Männerrock in Form eines Kilts

Männerröcke sind Röcke, die von Männern getragen werden. Der Männerrock ist nicht mit dem Herrenrock zu verwechseln. Männerröcke können wie der Kilt speziell für Männer entworfen worden sein.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unabhängig von dem hier verwendeten Männerrock-Begriff wird unter „Rock“ in Bezug auf die männliche Garderobe oft auch ein Jackett verstanden. Das kommt daher, dass das althochdeutsche „roc“ ein Kleidungsstück bezeichnete, das von den Schultern bis ungefähr zu den Knien oder auch darüber hinaus herabhing, also wie ein Kleid aus einem Ober- und einem Unterteil in einem Stück bestand. Im 19. Jahrhundert war auch der Begriff „Gehrock“ in ebendiesem Sinne gebräuchlich.

In diesem Artikel geht es aber ausschließlich um Röcke und Kleider, die einröhrig die Beine bedecken und den Körper von der Taille oder Hüfte abwärts umhüllen. [1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sumerer im Kaunakes
Sumerer im Zottenrock
Mann in knielangem Kleid (ca. 1325–1335)
Der Prophet Jesaja im rosa Kleid (Darstellung Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle des Vatikans)
Der französische Kanzler Seguier mit einigen berockten Höflingen (Gemälde von Ch. Le Brun, 1656)
Englischer Junge im Kleid, Michael Cahne Seymour (1871)
Indonesische Männer im Sarong (Surabaya, Ost-Java)

Antike (Naher Osten und Ägypten)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Röcke im Sinne dieses Artikels wurden von Männern schon in prähistorischer Zeit getragen. Röcke und Kleider haben den größten Teil unserer Modegeschichte bestimmt. Über Jahrtausende wurden sie getragen. In allen antiken Hochkulturen waren Röcke oder Kleider die Standardbekleidung für Frauen und Männer.

Die Männer der Sumerer in Mesopotamien trugen bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. den Kaunakes – einen Zottenrock aus Fellen oder Fellteilen, die durch einen Gürtel zusammengehalten wurden. Die Kleidung der Frauen unterschied sich davon nur in Details.[2] Die Babylonier und Assyrer (2105–539 v. Chr.) trugen genähte Tuniken. Bei den gemeinen Bürgern und Kriegern war sie knielang. Unter dem Kleid wurde teilweise ein sogenannter Schurzrock getragen. Hohe Beamte, Priester und Könige trugen die Tunika lang. Dieses Hemdgewand ist als Galabiya (in Ägypten Dschallabija) noch heute im Orient in Gebrauch. Als Gewänder gelten Kleider aus quadratischen oder rechteckigen Tüchern, die nicht extra auf die Körperform zugeschnitten sind.[3] Im alten Ägypten wurden für die Kleider der Männer Leinengewebe verwendet. Der Unterkörper wurde mit Lendenschurzen und Wickelgewändern bedeckt. Im Neuen Reich wurden auch Schärpenschurze getragen. Die archaischen Wickelgewänder gab es für Frauen und Männer. Ab etwa 1600 v. Chr. wurde die Kalasiris – eine Sacktunika mit Ärmeln. Die Gewänder der Pharaonen unterschieden sich nur in der Ausschmückung.[4]

Europäische Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Antiken Griechenland war das Hauptgewand der Männer der gegürtete Chiton. Bauern, Handwerker und Krieger trugen ihn kurz. Die lange Version war beonderen Gruppen vorbehalten. Als Staats- und Festgewand wurde wurde er für mehr Volumen plissiert. Daneben gab es mit der Exomis eine Chitonvariante mit freier Schulter.[5] Die Kleidung der Frauen und Männer im Römischen Reich besaß weitgehend die gleiche Grundform. Differenzen gab es bei der Bevorzugung unterschiedlicher Stoffe und Farben. Der römische Schriftsteller Juvenal beklagte sich über Juristen, die vor Gericht in Roben aus Chiffon erschienen. Die waren ihm zu transparent und damit zu weiblich.[6] Die Tunika war das Kleid für die unteren Schichten. Sie wurde aus zwei Teilen gefertigt, die an den Schultern und auf den Seiten zusammengenäht wurden. Krieger trugen kurze Tuniken. So konnten sie u. a. besser reiten. Hosen setzten sich erst mit den Feldzügen nördlich der Alpen und nach erheblichem Widerstand durch. Der praktische Nutzen von Hosen wurde erkannt, aber sie erlaubten auch den Blick zwischen die Beine und auf das Geschlecht. Deswegen galten sie als unmoralisch und barbarisch. Bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. blieben Hosen unter Strafandrohung untersagt. Die Oberschicht trug Tuniken als Untergewand. Als Obergewand diente die weiße und längere Tunika virilis. Besonders prächtig war die Toga trabea der Kaiser und Feldherren.[7] Im Byzantinischen Reich wurden Tuniken mit Ärmeln getragen, deren Länge von Standesvorschriften vorgegeben war. Die Tunika der Männer war nicht wie bei den Frauen unterhalb der Brust gegürtet. Die Dalmatica war eine geschlitzte Tunika mit weiten Ärmeln, die der Kaiser über einer schlichten weißen Tunika trug. Später wurde sie Sakraltracht kirchlicher Würdenträger. Die heutigen Lithurgischen Gewänder von Priestern gehen auf diese byzantinische Männertoga zurück.[8]

Kelten, Germanen und Franken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kelten trugen Hosen und darüber ein Kleid, das Kittelbluse genannt wird. Es wird angenommen, dass die kurzen Hosen vom Reitervolk der Skythen übernommen worden sind.[9] Die Männer der Germanen kombinierten ebenso Hosen mit Kitteln, die ähnlich einem heutigen Longshirt bis deutlich über die Hüften reichen konnten. Dazu wurden im Winter aus Leder und Fellen gefertigte Umhänge, Röcke und Beinbinden getragen. Die Kleidung der Franken hatte keltisch-germanische Ursprünge, die mit römischen Elementen vermischt wurden. Beide Geschlechter trugen eine gegürtete Tunika mit weniger Weite als das römische Vorbild. Darunter wurde ein Untergewand angezogen. Dazu trugen die Männer zwei Strümpfe (Beinlinge), die mit Bändern an der Bruoch (Unterhose) zu befestigen waren. Die Tunika der Bauern war kürzer. In der Kaiserchronik zu Karl dem Großen ist beschrieben, dass für ein Bauerngewand nicht mehr als sechs Ellen von grauer oder schwarzer Farbe verwendet werden durften und maximal vier Gerren. Die Kleidung der Vornehmen orientierte sich an den langen Trachten der Römer. Karl der Große trug ein Leinenhemd und kurze Leinenhosen. Darüber zog er eine mit Seide eingefasste Tunika in gleicher Länge wie der Hose. An Festtagen trug er golddurchwirkte Kleider und Umhänge, die mit einer goldenen Spange zusammengehalten wurden.[10] In der Romanik waren in den gehobenen Ständen kostbare und bunte Stoffe für die Untergewänder beliebt, um sie unter den Obergewändern hervorblicken zu lassen. Die Obergewänder fielen nicht mehr lose oder wurden drapiert, weil sie zunehmend auf die Körperform zugeschnitten wurden. So entstanden Kleider, die die Geschlechter unterschieden. Und es entstand das Handwerk des Schneiders. Zur Kleidung der Ritter gehörte eine Tunika, ein Waffenrock und im Winter ein gefütterter Unterrock.[11]

Gotik und Renaissance[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch neue Webtechniken und die Entwicklung des Schneiderhandwerks wurden die Menschen in der Gotik sehr modebewusst. Die Burgunderbeute der Schweizer Eidgenossen aus dem Jahr 1476 aus dem Sieg über Karl dem Kühnen enthielt 100 goldbestickte Röcke des Herzogs. Die Röcke der Männer mussten zeitweise besonders weit gearbeitet sein für einen faltenreichen Fall. Dann wieder verlangte die Mode sie so eng zu tragen, dass das Gehen mühevoll wurde und die junge Generation zum Gespött der Älteren wurde. Zudem wurden die Röcke der Männer immer kürzer und zeigten die darunterliegende Hose. Zu den Hosen wurden sogenannte Schecken getragen. Das waren Jacken, die meist knielang waren, aber auch nur knapp das Gesäß bedecken konnten. Eine sichtbare Hose wurde immer stärker moralisch akzeptiert. Kritik gab es anfangs reichlich. So steht in der Mainzer Chronik von 1367: „… ging die Torheit der Menschen so weit, dass die jüngeren Männer so kurze Röcke trugen, dass sie weder die Schamteile noch den Hintern bedeckten. Mußte sich jemand bücken, sah man ihm den Hintern. O, welch unglaubliche Schande.“ Dies war der Beginn der Hose als ausschließlich männliches Kleidungsstück.[12] In der Renaissance war die Bekleidung der Männer je nach Region sehr unterschiedlich. In Norditalien wurde die Giubone mit Gürtel bevorzugt Obergewänder konnten fußlang oder oberschenkellang sein. Das Wams gab es taillienkurz oder als Paltrock knielang mit tiefen Falten. Die Pluderhose und Heerpauke ersetzten später verstärkt den Rock.

Barock und Französische Revolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Letzte Männerröcke verschwanden im Barock. Der Justaucorps war nur noch ein taillierter, knielanger Mantel. In der Folge der Französischen Revolution wurden die Sansculottes der Jakobiner zum Vorreiter der langen Männerhose. Von nun an trennten Rock und Hose endgültig die Geschlechter.[13] Männer trugen von nun an schlichte, dunkle Kombinationen mit Hosen, die Seriosität, Rationalität und Überlegenheit ausdrücken sollten. Dieser Stil ist durch den Psychologen J.C. Flügel (1874–1955) und der englischen „The Men’s Dress Reform Party“ als „Great Masculine Renunciation“ in die Kulturgeschichte eingegangen. Schöne, bunte oder gar prächtige Kleidung mit Röcken und Kleidern war über Jahrtausende das Markenzeichen von reichen und mächtigen Männern. Jetzt war es zum Tabu für Männer geworden. Solche Freiheiten wurden als minderwertig gesehen und deswegen gerne den Frauen zugestanden, von deren „Irrationalität“ sich das Patriarchat abgrenzen wollte. Die Regeln dieser neuen Männermode gelten teilweise bis heute. Der dunkle Geschäftsanzug ist ein Beispiel dafür, nur bei der Krawatte ist noch Farbe erlaubt.[14] Die neuen Bekleidungsregeln dienten der hegemonialen Ausrichtung der Herrschaft durch den Mann. Der Rock ist deswegen bis heute feminin konnotiert und verbunden mit Attributen wie weich, schwach oder unterlegen. Für die Frauen war es eine Verbesserung und ein Aufstieg, das Recht auf Hosen zu erstreiten. Männer hingegen befürchten auch in Zeiten verbesserter Gleichberechtigung häufig durch einen Rock abzusteigen und an Status zu verlieren.[15]

18. bis 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

War mit den teils revolutionären gesellschaftlichen Umwälzungen des 18./19. Jahrhunderts die Hose für den erwachsenen Mann zur Pflichtbekleidung geworden, so mussten sich in vielen Teilen Europas und Nordamerikas die Jungen weiterhin das Recht auf Hosen erst erwerben. Ein Kinderbild des Schriftstellers Kurt Tucholsky in Hosen trägt die Beschriftung: Kurts erste Hosen. In Coeslin am Markt stand der Fünfjährige Modell beim Fotografen. Ein Foto von 1890 zeigt ihn noch im weißen Kleid. Bis etwa zu einem Alter von fünf bis sieben Jahren trugen Jungen und Mädchen die gleichen Kleider. Diese Sitte blieb bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts verbreitet. Vergleichbare Bilder des belgischen Comic-Zeichners Hergé (Tim & Struppi) sind auf das Jahr 1912 datiert.[16] Erst mit ausreichender Reife durften die kleinen Jungen den nächsten Schritt zur Erziehung zum Mann gehen. Der Tag an dem die Jungen zum ersten Mal Hosen trugen, wird im Englischen als „Breeching“ bezeichnet.

Asien und Ozeanien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Asien und Afrika gibt es eine Menge Kulturen, in denen der Männerrock integraler Bestandteil der Männermode war oder oftmals noch ist. Am verbreitetsten sind Wickelröcke. Der japanische Hakama ist ein Hosenrock der Männer, der bis in die 1940er Jahre meist mit einem Haori genannten Jackett getragen wurde. Heute sieht man ihn vor allem im Sport beim Kendō. Als Schulhakama ohne Zwickel war er als Rock gearbeitet.[17]

Der Dhoti wird in Indien, Nepal und Bangladesch getragen. Durch die besondere Wickeltechnik entstehen Falten, die ihn stärker zwischen den Beinen schwingen lassen, wodurch der Eindruck einer Hose oder eines Hosenrocks entstehen kann.[18] In Indien wird besonders im Süden überall im öffentlichen Leben der Lungi getragen. Es gibt knielange und wadenlange Varianten. Auch Politiker zeigen sich gerne vor den Kameras der Journalisten im langen Lungi. In Sri Lanka ist die Rockkultur ähnlich. Besonders bei traditionellen und formalen Anlässen gilt der Lungi als die feierlichere Alternative.

In Bhutan gibt es für Männer den Gho, der mit einem Stoffgürtel (Kera) getragen wird. Mit dem Gürtel wird die Kleidlänge eingestellt. Die männlichen Beschäftigten im öffentlichen Dienst müssen darin zur Arbeit erscheinen.

In Myanmar ist der Longyi verbreitet. Aus Indonesien kommt der Sarong, der im Westen häufig in bunt bedruckten Farben oder in Batik-Optik als Strandrock für Frauen angeboten wird. Der Sarong gehört untrennbar zum religiösen Leben. Die muslimischen Jungen tragen ihn zu ihrer Beschneidung. In den touristischen Gebieten wie auf Bali, liegen vor den buddhistischen Tempeln oft Sarongs aus, damit Besucher ihre nackten Beine vor dem Betreten eines Heiligtums züchtig bedecken können.[19]

In vielen Inselstaaten des Pazifiks (Mikronesien, Tonga, Vanuatu u.a.) ist der Lava Lava verbreitet für Frauen und Männer. Auf Samoa gehört ein blauer Lava-Lava in Kombination mit einem weißen Diensthemd zur Uniform der Polizei. Die Röcke der Männer sind häufiger schlichter gemustert und kürzer als die Röcke der Frauen.[20] Auf Fidschi tragen alle Geschlechter den Sulu. Männer tragen ihn zu formalen Ereignissen in Kombination mit Jackett, Anzugshemd und Krawatte. [21]

Naher Osten und Afrika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Ostafrika gibt es den Kikoi für Männer und den Kanga für Frauen. Sehr prächtig wirken die leuchtend roten Kleider und Röcke der Männer von den Cricket Massai.[22] In Madagaskar heißt der Rock für alle Lamba. In Somalia und in angrenzenden muslimischen Gebieten gibt es ebenfalls wie in Indonesien den Sarong. Durch die alten Beziehungen der Handelsschifffahrt zu Südostasien kam der Sarong in diesen Teil der Welt. Deswegen wird er auch im Jemen und Oman getragen. Dort heißt er Futah. Am Horn von Afrika ist der Sarong der Männer entweder weiß oder als Macawiis farbig.[23]

Der Männerrock im 20./21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saxophonist im Männerrock

Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, nachdem die Hose aufgehört hat, ein den Männern vorbehaltenes Kleidungsstück zu sein, entdecken auch zunehmend Männer den Rock wieder.

In den 60er Jahren begann mit den Hippies und der 68er-Bewegung eine gegenkulturelle Jugendbewegung die mit der Frauenbewegung zu mehr Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern führte. Sie setzte die Hose für die Frau durch. Mit ihrem Unisex-Gedanken schaffte sie die Voraussetzung für freiere Bekleidungsregeln und ein Klima, dass es in den 70er Jahren möglich machte über Röcke für Männer zu reden.[24] [25]

David Hall vom Stanford Research Institute (SRI) beschrieb in seinem Essay “Skirts for Men” die Vor- und Nachteile verschiedener Bekleidungen. In der us-amerikanischen Johnny Carson Show und in der Phil Donahue Show vertrat er die Meinung, dass Röcke für Frauen und Männer in warmen Klimaten besser geeignet sind als Hosen und das sich vor allem die Leistengegend im Rock weniger wund reibt.[26]

Röcke für Männer in der Mode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mode entdeckte den Männerrock in den 80er Jahren. Nachdem vor allem Vivienne Westwood durch androgyne Kollektionen aufgefallen war, schuf der französische Modedesigner Jean Paul Gaultier 1984 den ersten Rock für eine Männerkollektion. In den USA wurde Marc Jacobs zum führenden Vertreter des Männerrocks. Seitdem präsentieren immer mehr renommierte Designer neue Entwürfe, so u.a. Giorgio Armani, John Galliano, Kenzo, Rei Kawakubo und Yohji Yamamoto. Vor allem bei den Mailänder Männermodewochen und den New Yorker Fashion Shows sind häufig Männerröcke zu sehen.

Das schwedische Modelabel Hennes & Mauritz war das erste Unternehmen, das 2010 europaweit einen Männerrock anbot. Der knielange Faltenrock war zweiteilig. Unter dem Rock waren noch Shorts in der Weise eingearbeitet, wie es auch bei Tennisröcken verbreitet ist.[27] Zuletzt hat das spanische Modehaus Zara 2016 eine "ungendered" Kollektion in die Läden gebracht. In dem Zusammenhang gab es dann auch den Dark Skirt speziell für Männer.[28]

Männerröcke als Dienstkleidung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hannoverschen Verkehrsbetriebe (üstra) haben 2015 eine Werbekampagne zur Personalwerbung gestartet, in der männliche Fahrer zu ihrer Dienstkleidung einen Rock tragen. Im Zuge der Kampagne wurde die Kleiderordnung für Männer geändert. Seitdem haben die Fahrer Wahlfreiheit. Sie dürfen auch den von der Designerin Thekla Ahrens speziell zur Dienstkleidung entworfenen dunklenblauen Kilt bei der Arbeit tragen.[29] Eine vergleichbare Regelung gibt es von der Brauerei Welde aus Plankstadt im Badischen. Auch hier wurde der Männerrock zur Dienstkleidung gemacht. Die Brauerei stellt männlichen Mitarbeitern einen Kilt als Arbeitskleidung zur Verfügung.[30]

Kulturelles und öffentliches Lebens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manche Rockmusiker haben sich auch als Rockträger gezeigt. Mick Jagger von den Rolling Stones und Anthony Kiedis von den Red Hot Chili Peppers sind in Aufnahmen von Anton Corbijn im Kleid zu sehen. Für eine Fotoserie zu einer Gleichberechtigungskampagne der Bürgerrechtsbewegung FCKH8 posiert der „Godfather of Punk“ Iggy Pop, in einem schwarzen Kleid.[31] Martin Gore, der Keyboarder und Texter der Dark Wave Gruppe Depeche Mode, lebte von1984-195 mit seiner deutschen Freundin in Berlin. Zu dieser Zeit war er dafür bekannt, Röcke und schwarzen Nagellack zu tragen, womit er für Aufsehen sorgte. In einem Interview mit dem Pop Special Magazin (7/1985), sagte Gore über sein Aussehen: „Sexuelle Barrieren und Geschlechterrollen sind altmodisch und out. [...] Meine Freundin und ich tauschen oftmals die Klamotten oder das Make-up“. Der Leadsänger Axl Rose von der den Guns N' Roses trug Leder-Kilts und andere Röcke bei vielen seiner Auftritte während der “Use Your Illusion”-Periode.[32] Im Kilt trat wiederholt auch Robbie Williams auf, sowie Jonathan Davis von der Nu-Metall-Band Korn und Rapper Kanye West.[33]

Im Ballett und anderen Tanzproduktionen werden auch von den Tänzern Röcke getragen, wenn es den Zielen der Choreografie dient, einen ästhetischer Gewinn darstellt oder den künstlerischen Ausdruck verbessert.[34]

Die Schauspieler und Schauspielerinnen. der Science Fiction Serie Star Trek trugen in den ersten Folgen der Staffel „The Next Generation“ Uniformen mit einer Rockschürze. Im Buch: „The Art of Star Trek“ wird dazu erklärt, dass das eine logische Entwicklung darstellte für eine Gesellschaft im 24. Jahrhundert, in der die totale Gleichheit der Geschlechter herrscht.[35]

Vom englischen Fußballprofi David Beckham existieren Bilder in der Yellow Press, die ihn im Sarong an der Seite seiner Frau Victoria (Posh Spice von den Spice Girls) zeigen. Jaden Smith, der Sohn des us-amerikanischen Schauspielers und Komikers Will Smith machte 2016 Schlagzeilen, als er für eine Kampagne von Louis Vuitton dessen Rockentwürfe präsentierte.[36] Der deutsche Entertainer Thomas Gottschalk moderierte eine “Wetten das”-Show im Kilt.[37]

Welche Männer tragen Rock?[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Interessenten für diese Mode bilden seit Ende der 1990er Jahre eine langsam wachsende Männerrockbewegung, die sehr vielfältig und deswegen entsprechend heterogen ist. Sie organisiert sich primär in Internetforen, gelegentlich auch in Stammtischen. Sie unterteilt sich in verschiedene Richtungen. Die Kilt-Gruppe trägt ausschließlich Kilts, in traditionellen, schottischen Varianten oder in einem modernen Design, wie den vorwiegend us-amerikanischen Utility-Kilts. Eine andere Gruppe trägt daneben auch Damenröcke, die schlicht und unisexuell (Unisex) gehalten sind. Diese Gruppe legt Wert darauf, auch im Rock eine klar männliche Figur zu machen, die sich am klassischen Männerbild und der zugehörigen Bekleidung orientiert. Eine weitere Gruppe sucht mit dem Rock bewusst einen weiblichen Akzent. Manche dieser Männer folgen dabei dem Anima-Animus-Prinzip des Psychiaters und Psychoanalytikers Carl Gustav Jung, das Männern wie Frauen weitere unbewusste andersgeschlechtliche Anteile der Identität zuordnet. Andere Männer sind auf der Suche nach Ausdrucksmöglichkeiten für alternative Männlichkeiten jenseits der Kleiderordnung für den sogenannten "Einheitsmann". Eine weitere Gruppe männlicher Rockträger lehnt es ab sich geschlechtlich markieren zu müssen. Sie ignorieren bewusst gesellschaftlich verordnete Geschlechterrollen. Als „Gender Bender“ weichen sie die Grenzen zwischen den Geschlechtern auf. Daneben gibt es weitere kleine Gruppen mit anderen Anliegen.

Ziele der Männerrockbewegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ziel der Männerrockbewegung ist es, den Rock neben der Hose zur universellen Bekleidung für alle Menschen zu machen, ganz unabhängig von einer Geschlechtszugehörigkeit. Unterstützt werden sie dabei von Frauen, die erkannt haben, dass der Verzicht auf die Exklusivität dieses Kleidungsstücks als ausschließliche Bekleidung der Frauen, der Gleichberechtigung aller dient. Der Rock als weiblich konnotierte Bekleidung ist ein überflüssiges Relikt patriarchalischer Herrschaft. Strukturelle Reste dieser Hegemonie sind in der Gesellschaft noch immer so tief verankert, dass vielfach das Adjektiv „weiblich“ mit den Männern nachgeordneten Assoziationen verknüpft ist, was die Angst vieler Männer erklärt gegen ein vermeintlich efeminiertes Erscheinungsbild im Rock. Der erfolgreiche Kampf der Frauen für die Frauenhose beweist, dass modische Gleichstellung gesellschaftliche Auswirkungen hat, die direkt auf das Verhältnis der Geschlechter wirkt. So werden trennende kulturelle Barrieren beseitigt, die biologisch überhaupt nicht zu rechtfertigen sind.[38]

Im Jahr 2012 lockerte die University of Oxford ihren Dresscode, so dass künftig bei Examina oder formalen Anlässen auch Männer Röcke und Strumpfhosen und Frauen Anzüge und Krawatten tragen können.[39]

Männer, Röcke und Protest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Immer wieder tragen Männer Röcke im Zusammenhang mit Protestaktionen. Im Sommer 2013 kämpfen so schwedische Zugführer für das Recht auf kurze Hosen.[40] Die gleiche Intention hatten die französischen Fahrer 2017 in Nantes.[41] Im gleichen Jahr erschienen in England Schüler der Isca Academy in Exeter zum Unterricht in den Schulröcken der Mädchen, weil es ihn untersagt war im Sommer kurze Hosen zu tragen.[42]

Rockmänner in der Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 1997 stellte der bildende Künstler Gustavo del Rio aus Argentinien einen Minirock für Männer, der 1967 geschaffen wurde, zum ersten Mal zur Schau. Er präsentiert sein Kunstwerk während seiner Body Art Performance „Ich bin das Kunstwerk“ zum ersten Mal der Öffentlichkeit im Saal des Instituts Torcuado di Tella (Buenos Aires). Das geschah während des internationalen Preises ITDT und während der Woche zum Thema „Argentinischer Advent Kunst“. Er wurde von der Polizei der militärischen Regierung verhaftet. Ihm wurde Mord angedroht. Deshalb wurde er gezwungen nach Europa umzuziehen.[43]

Weitere Erscheinung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anhänger der schwarzen Szene im Männerrock

Zusätzlich gibt es einige andere Trends, die sich auch auf die Mode auswirken und dabei Röcke oder Kleider für Männer zusätzlich im Alltag normalisieren. Bei Visual Kei tragen die vorwiegend jugendlichen Fans sehr häufig Rock oder Kleid; teils einfach als Ausdruck ihres persönlichen Stils, aber auch als Kostüm zu Cosplay. Auch in der Teilen der Schwarzen Szene werden Männerröcke getragen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wiebke Koch-Mertens: Der Mensch und seine Kleider. Band 1: Die Kulturgeschichte der Mode bis 1900. Artemis & Winkler, Düsseldorf/Zürich 2000, ISBN 978-3-538-07103-2.
  • Wiebke Koch-Mertens: Der Mensch und seine Kleider. Band 2: Die Kulturgeschichte der Mode im 20. Jahrhundert. Artemis & Winkler, Düsseldorf/Zürich 2000, ISBN 3-538-07104-7.
  • Robert Ross: Clothing: A Global History. Polity, Cambridge 2008, ISBN 978-0-7456-3186-8 (Vorschau in der Google-Buchsuche).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Männer in Röcken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Koch-Mertens, W.: Der Mensch und seine Kleider. Band 1
  2. Zottenroecke der Sumerer In: Koch-Mertens, W.: Der Mensch und seine Kleider, Band 1, S. 21
  3. Maennerroecke der Assyrer In: Koch-Mertens, W.: Der Mensch und seine Kleider. Band 1, S. 26
  4. Männerröcke der alten Ägypter In: Koch-Mertens, W.: Der Mensch und seine Kleider. Band 1, S. 35
  5. Der Chiton der griechischen Männer In: Koch-Mertens, W.: Der Mensch und seine Kleider. Band 1, S. 66
  6. The Rules of Dress in Robert Ross: Clothing - A Global History, S. 13
  7. Männerröcke der Römer In: Koch-Mertens, W.: Der Mensch und seine Kleider. Band 1, S. 89
  8. Die Männertoga in Byzanz In: Koch-Mertens, Der Mensch und seine Kleider. Band 1, S. 104
  9. Die Kittelbluse der Kelten In: Koch-Mertens: Der Mensch und seine Kleider. Band 1, S. 114
  10. Die Franken In: Koch-Mertens: Der Mensch und seine Kleider. Band 1, S. 127–137
  11. Die Romanik In: Koch-Mertens: Der Mensch und seine Kleider. Band 1, S. 139–152
  12. Die Gotik In: Koch-Mertens: Der Mensch und seine Kleider. Band 1, S. 153–181
  13. Renaissance und Barock In: Koch-Mertens: Der Mensch und seine Kleider. Band 1, S. 183–289
  14. Redressing the Old World In: Robert Ross: Clothing – A Global History, S. 36, 58
  15. Michela Seggiani: Warum tragen Männer keine Röcke, Uni Basel
  16. Pierre Assouline: Hergé, Paris (1996)
  17. Kimono In: Kimono encyclopaedia (englisch)
  18. Costumes of Nepal: Dresses of Nepal: Nepalese Costumes In: imnepal.com (englisch)
  19. Julia Rosenberger: Asien: Sarong. (Memento vom 31. Juli 2012 im Internet Archive) In: In Asien. Nr. 4, 2009
  20. Samoan Police on Parade In: lisadorenfest.com, 27. September 2014.
  21. Clothing and dress in Fiji, Go-Fiji.com, abgerufen am 20. Juli 2017. (englisch)
  22. Maasai Cricket Warriors – Dropping the spear for bats, abgerufen am 20. Juli 2017
  23. Alfons Hofer: Textil- und Modelexikon. 7. Auflage, Band 2, Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 1997
  24. Sechziger Jahre, Koch-Mertens, W.: Der Mensch und seine Kleider - Die Kulturgeschichte der Mode im 20. Jahrhundert. S.193-197
  25. MS Aileen Ribeiro (2003). Dress and Morality. Berg Publishers. S.169
  26. https://news.google.com/newspapers?nid=1346&dat=19800715&id=6fEvAAAAIBAJ&sjid=H_sDAAAAIBAJ&pg=2713,4520035
  27. (11) Fashion: The return of men in skirts? – YouTube. In: youtube.com. France 24, 11. Dezember 2009, abgerufen am 15. Juli 2017 (englisch).
  28. Ein bisschen mehr Bi schadet nie, Mode Extra des Magazins Der Stern vom 22.05.2016
  29. Anna-Lena Roth: Hannover: Busfahrer tragen Rock – um Frauen für den Job zu begeistern. In: spiegel.de. 26. August 2015, abgerufen am 14. Juli 2017.
  30. Welde Brauerei macht Männerrock zur Dienstkleidung, https://www.youtube.com/watch?v=PLqCF4dQdls
  31. Anton Corbijn: „Werk“, Schirmer/ Mosel (2000), S. 70
  32. https://Guns N' Roses - Sweet Child O' Mine - Live In Tokyo www.youtube.com/watch?v=du1qwd-4V7I
  33. Kanye West wearing a skirt WTF https://www.youtube.com/watch?v=jhSqEJY4DmM
  34. Dance magazine, October 2000 - "Dress for Success - skirts for men common in dance productions" http://findarticles.com/p/articles/mi_m1083/is_10_74/ai_65862860
  35. Reeves-Stevens, Judith & Garfield: "The Art of Star Trek", New York:Pocket Books 1995), ISBN 0671898043
  36. Jaden Smith Wears Skirt As New Face of Louis Vuitton WOMENSWEAR https://www.youtube.com/watch?v=ws0saqa2B3Q
  37. Wetten, dass..? | Thomas Gottschalks Klamotten | Teil 1 https://www.youtube.com/watch?v=wz1eT28Xalc
  38. http://www.newsweek.com/why-men-are-claiming-back-skirt-628539
  39. Oxford University changes dress code to meet needs of transgender students, Guardian, 29. Juli 2012
  40. Sweden's Arriva lifts shorts ban for skirt-wearing drivers http://www.bbc.com/news/world-europe-22847008
  41. Nantes : les conducteurs CFDT de la SEMITAN en jupe pour protester contre leur direction https://www.francebleu.fr/infos/economie-social/nantes-les-conducteurs-cfdt-de-la-semitan-en-jupe-pour-protester-contre-leur-direction-1497976294
  42. Teenage boys wear skirts to school to protest against 'no shorts' policy https://www.theguardian.com/education/2017/jun/22/teenage-boys-wear-skirts-to-school-protest-no-shorts-uniform-policy
  43. Prima parte dell'articolo su La Obra Soy Yo Primera Plana, Oktober 1967