Märkisch Buchholz

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Märkisch Buchholz
Märkisch Buchholz
Deutschlandkarte, Position der Stadt Märkisch Buchholz hervorgehoben
Koordinaten: 52° 7′ N, 13° 46′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Dahme-Spreewald
Amt: Schenkenländchen
Höhe: 42 m ü. NHN
Fläche: 24,86 km²
Einwohner: 773 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 31 Einwohner je km²
Postleitzahl: 15748
Vorwahl: 033765
Kfz-Kennzeichen: LDS, KW, LC, LN
Gemeindeschlüssel: 12 0 61 328
Stadtgliederung: 1 Stadtteil

3 Wohnplätze

Adresse der
Stadtverwaltung:
Münchehofer Straße 1
15748 Märkisch Buchholz
Webpräsenz: http://www.maerkischbuchholz.de
Bürgermeisterin: Bianca Urban (Buchholz: Offen und bunt)
Lage der Stadt Märkisch Buchholz im Landkreis Dahme-Spreewald
Alt Zauche-Wußwerk Bersteland Bestensee Byhleguhre-Byhlen Drahnsdorf Eichwalde Golßen Groß Köris Halbe Heideblick Heidesee Jamlitz Kasel-Golzig Königs Wusterhausen Krausnick-Groß Wasserburg Lieberose Lübben Luckau Märkisch Buchholz Märkische Heide Mittenwalde Münchehofe Neu Zauche Rietzneuendorf-Staakow Schlepzig Schönefeld Schönwald Schulzendorf Schwerin Schwielochsee Spreewaldheide Steinreich Straupitz Teupitz Unterspreewald Wildau Zeuthen BrandenburgKarte
Über dieses Bild

Märkisch Buchholz ist eine Stadt im Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg. Sie ist die kleinste Stadt Brandenburgs und auch eine der kleinsten in Deutschland. Bis 1937 hieß sie Wendisch Buchholz. Die Stadt gehört seit 1992 zum Amt Schenkenländchen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt an der Dahme. Im Ortsbereich mündet der Dahme-Umflutkanal in die Dahme. Die Gegend wurde während der Eiszeiten überformt. Die Stadt selber liegt in einer Talsandfläche und bietet mit den Krausnicker Bergen und der dort erhaltenen höchsten geologischen Terrasse im Gebiet einige geografische Besonderheiten. Außerdem befindet sich die Stadt in einem möglichen Abflussgebiet der Spree, welche mit dem Dahme-Umflutkanal ausgenutzt wird.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt Märkisch Buchholz gehört laut ihrer Hauptsatzung der Stadtteil Köthen[2], der sich etwa 6 km südöstlich vom Stadtkern am Südufer des Köthener Sees befindet.

Wohnplätze der Stadt sind Neuköthen am nördlichen Ufer des Köthener Sees, Siedlung auf der linken Seite des Dahme-Umflutkanals sowie Herrlichenrath nördlich von Märkisch Buchholz.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Besiedlung des Gebietes um Märkisch Buchholz ist schon seit der Steinzeit belegt. Es wurden verschiedene Siedlungsplätze im Bereich des Dahmetals, bei Köthen und im weiteren Umfeld gefunden. Bei weiteren Ausgrabungen konnten Urnen, Äxte und Schmuck in die Bronzezeit datiert werden.[4] Die Slawen hinterließen im Bereich des Dorfes Köthen eine Siedlungsstätte. Im Mittelalter siedelten hier überwiegend Wenden (Sorben).

Die Besiedlung der Stadt aus deutscher Sichtweise wird in das 12. und 13. Jahrhundert gelegt. Dabei finden die ersten urkundlichen Nennungen im Konflikt der Markgrafen von Meißen mit dem Markgrafen aus askanischem Hause statt. Es wird vermutet, dass der Ort damals als Burgbefestigung mit einer angeschlossenen Siedlung angelegt war. Diese Vermutung wird durch die erste urkundliche Nennung belegt, welche die Gegend am 3. August 1301 als castrum et oppidum Bucholt beschreibt.

Der Ort lag in einer sehr konfliktreichen Gegend und wurde bis ins Jahr 1443 mehrmals verkauft, verschenkt, eingenommen oder als Lehen weitergegeben. Auslöser für diese Unruhen dürfte das Aussterben der brandenburgischen Askanier im Jahre 1319 gewesen sein. Erst im Jahre 1443 kam der Ort endgültig zu den Besitzungen des Markgrafen von Brandenburg. Es folgten Jahre relativer Ruhe. Der Dreißigjährige Krieg brachte dem Ort umfangreiche Verwüstungen. Am Ende des Krieges waren von der Bausubstanz nur ärmliche Hütten geblieben. Über 65 % der Bevölkerung waren ausgelöscht worden.

Kirche

Nach dem Krieg konnte sich allmählich ein Bürgertum etablieren, und es wurde mehr und mehr Gewerbe angesiedelt. Durch den Stadtbrand im Jahr 1752 wurde die seit mindestens 1346 bestehende Kirche so stark beschädigt, dass sie als Kronenkirche erneuert wurde. Die Stadt wuchs bis zum Jahr 1905 auf 1205 Einwohner an und erlangte eine regionale Bedeutung. Durch die ansässige Poststation war zudem auch eine direkte Verbindung nach Prag und Berlin möglich. Im Südosten der Stadt, wo vom 15. bis 17. Jahrhundert ist der Anbau von Hopfen belegt ist, wurden schon seit dem 16. Jahrhundert mehrere Bürgergärten angelegt.[5] Um 1716 befand sich in Märkisch Buchholz eine Wassermühle. An sie erinnert heute ein 21 cm starker, im Durchmesser 90 cm großer Mahlstein am Überfallwehr.

Durch die Lage an der Dahme und am Unterspreewald wurde der Ort bereits im 19. Jahrhundert ein beliebter Ausflugsort für die Berliner. So entstanden für einen Ort dieser Größe zahlreiche Restaurants und Hotels.

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wies der Ort mit 3 % einen für die Gegend ungewöhnlich hohen jüdischen Bevölkerungsanteil auf. Die Juden errichteten 1840 einen Friedhof an der Birkenstraße, auf dem bis 1917 bestattet wurde.[6] 1876 betrieb die Firma Schulze & Schramm in der Stadt ein Hobelwerk sowie eine Ölmühle. In den Jahren 1908–1910 entstand der Dahme-Umflutkanal, der zum Bau des Überfallwehrs an der Schützenstraße führte. 1929 übernahm der Schmiedemeister Friedrich Glomb das Mühlwerk. Er importierte Weizen aus Kanada und lieferte die Mahlerzeugnisse bis nach Berlin. 1935 errichtete er ein 35 m hohes Silo mit einem Fassungsvermögen von 600 Tonnen. Um die Versorgung der Bevölkerung mit Geflügel zu verbessern, baute die Stadt 1936 im Osten der Stadt eine Hühnerfarm, in der unter anderem das Weiße Leghorn gezüchtet wurde. 1937 wurde die Stadt entsprechend der nationalsozialistischen Politik, die sorbische Geschichte und Kultur Ostdeutschlands zu tilgen, von Wendisch Buchholz in Märkisch Buchholz umbenannt. Nationalsozialisten zerstörten weitgehend den Friedhof der Jüdischen Gemeinde.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt aufgrund ihrer Lage am Rand des Kessels von Halbe stark in Mitleidenschaft gezogen, mehr als 70 % der Bausubstanz wurden innerhalb einer Woche vernichtet. Dabei wurde auch die Mühle zerstört; das Silo blieb jedoch erhalten. Zu DDR-Zeiten errichteten und unterhielten die Grenztruppen der DDR das Pionier-FerienlagerEgon Schultz“.

1990 musste die Hühnerzucht geschlossen werden. 1994 entstand nordwestlich des Stadtzentrums ein Tierheim, das Platz für bis zu 120 Tiere bietet. In den Jahren 1999 bis 2002 sanierte die Stadt das Überfallwehr.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1875 1 227
1890 1 308
1910 1 188
1925 1 010
1933 1 060
1939 1 081
1946 1 027
1950 1 015
1964 915
1971 878
Jahr Einwohner
1981 941
1985 944
1989 888
1990 884
1991 861
1992 864
1993 868
1994 861
1995 862
1996 832
Jahr Einwohner
1997 847
1998 881
1999 871
2000 874
2001 872
2002 836
2003 842
2004 840
2005 833
2006 810
Jahr Einwohner
2007 818
2008 805
2009 793
2010 780
2011 759
2012 771
2013 769
2014 740
2015 773

Gebietsstand des jeweiligen Jahres[7][8], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fühmann-Begegnungsstätte, ehemalige Schule

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtverordnetenversammlung besteht neben der ehrenamtlichen Bürgermeisterin aus 10 Stadtverordneten. Nach der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 mit einer Wahlbeteiligung von 79,2 % setzt sie sich wie folgt zusammen:[9]

Partei / Liste Sitze Stimmenanteil
Buchholz: Offen und bunt 2 19,5 %
Heimatverein Märkisch Buchholz e.V. 2 18,8 %
Feuerwehrverein Märkisch Buchholz 1 14,2 %
Einzelbewerber Klaus-Dieter Schwarz 1 13,3 %
Bund der Gewerbetreibenden Märkisch Buchholz 1 12,6 %
Einzelbewerber Ingo König 1 8,1 %
NPD 1 7,3 %
SPD 1 5,6 %
Gesamt 10

Bürgermeisterin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bianca Urban (Buchholz: Offen und bunt) wurde in der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 mit 70,6 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von fünf Jahren[10] gewählt.[11]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 20. August 1999 genehmigt.

Blasonierung: „In Silber neben einer rechten blauen Flanke, belegt mit einem aufgerichteten, linksgewendeten silbernen Hecht und überhöht von einer aufgerichteten fünfendigen goldenen Hirschstange, eine bewurzelte grüne Buche.“[12]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Märkisch Buchholz und in der Liste der Bodendenkmale in Märkisch Buchholz stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale.

  • Dorfkirche, Sakralbau aus dem Jahr 1753, der auf einen Vorgängerbau aus dem 14. Jahrhundert zurückgeht. Er wurde von August Wilhelm von Preußen, dem jüngeren Bruder von Friedrich II., finanziert. Das Bauwerk konnte in den 2000er Jahren sukzessive saniert werden. Im Innern befinden sich eine denkmalgeschützte Taufschale sowie eine Turmspitze mit den Initialen AW des Kirchenpatrons. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg von der Turmspitze geschossen.
  • Überreste des Jüdischen Friedhofs von 1840 an der Birkenstraße
  • Dahmeblick nordwestlich des Stadtkerns, ermöglicht einen Ausblick auf den Zusammenfluss der Dahme mit dem Spree-Dahme-Umflutkanal.[6]
  • Überfallwehr, denkmalgeschützt, überbrückt einen Höhenunterschied von 5,5 Metern zwischen Ober- und Unterwasser. Die Wehröffnung hat eine Breite von 12 Metern, das Doppelschütz von 2 Metern. Die maximal zulässige Wasserabführung beträgt 35 m³/s. Um Aalen ein Passieren des Wehrs zu ermöglichen, baute die Stadt einen Aalleiter als Aufstieg sowie ein Aalrohr als Abstieg. Zur Förderung des Tourismus entstand weiterhin eine elektrische Bootsschleppe.[13]
  • Gedenkstein für den Schriftsteller Franz Fühmann, der ab 1959 in der Stadt arbeitete, an der Leibscher Chaussee. Ihm zu Ehren ist auch die ehemalige Schule benannt, die seit 2012 als Begegnungsstätte dient.
  • Lesefährten Waldweisen, rund 20 km langer touristischer Lehrpfad, der größtenteils entlang der Dahme führt. Der Landesbetrieb Forst Brandenburg hat entlang des Weges gemeinsam mit dem österreichischen Künstler Wolfgang Georgsdorf insgesamt 50 Tafeln mit literarischen Texten aufgestellt, die alle das Thema Wald aufgreifen, darunter Texte von Goethe, Canetti, Matthias Claudius, Shakespeare und Alexander von Humboldt.
  • Wanderweg durch Wälder und Äcker um den Ort herum, 7,5 km lang. An der Begegnungsstätte kann ein Abstecher zum jüdischen Friedhof vorgenommen werden. Der Weg ist mit einem rechteckigen, grünen Balken auf weißem Grund markiert.

Sport und Vereinswesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • SV Grün-Weiß Märkisch Buchholz e. V., 1899 als Radfahrverein gegründet, bietet im Jahr 2016 ein breites Sportangebot, darunter Tischtennis, Badminton, Volleyball, Kegeln, Seniorengymnastik, Aerobic, Gesundheitssport und Seniorentanz.
  • Freiwillige Feuerwehr Märkisch Buchholz mit dem Feuerwehrverein Märkisch Buchholz 1900 e. V.
  • Wasserwanderrastplatz mit Kanustation entlang der Dahme

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ansässigen Unternehmen dienen vor allem der Versorgung der Bevölkerung und der Touristen. Daneben gibt es einige Kleinbetriebe im Bereich der Renovierung/Modernisierung und des Neubaus von Häusern. Im primären Sektor gibt es noch die Fischerei in Köthen und einige kleine Holzfirmen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Märkisch Buchholz ist durch die B 179 über Königs Wusterhausen an Berlin angeschlossen. Die Landesstraße L 74 verbindet die Stadt mit der Anschlussstelle Teupitz an der A 13.

Der direkte Wasserweg nach Berlin führt über die Dahme. Eine Schiffsverbindung wurde bis Ende der 1990er Jahre von der Stern und Kreisschiffahrt aus Berlin angeboten.

Motorisierung 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Zugelassene PKW (zum 1.1.)[14] 474 466 469 474 470 479 494
PKW je 1.000 Einwohner (31.12. des Vorjahres) 579 579 591 608 619 621 642

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Fühmann (1922–1984), Schriftsteller, lebte und arbeitete in Märkisch Buchholz
  • Gerd Modrow (* 1938), Bahnradsportler, lebt in Märkisch Buchholz

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Märkisch Buchholz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2015 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Hauptsatzung der Stadt Märkisch Buchholz
  3. Das Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Abgerufen am 25. Oktober 2016.
  4. Geschichte, Webseite des Fremdenverkehrsvereins Märkisch Buchholz, abgerufen am 21. Dezember 2015.
  5. Informationstafel des Heimatvereins Märkisch Buchholz: Zur Geschichte der Gemarkung 2, aufgestellt östlich der Sperrschleuse, Inaugenscheinnahme im Dezember 2015.
  6. a b Stadtrundwanderung Märkisch Bucholz, Webseite des Fremdenverkehrsvereins Märkisch Buchholz, (PDF), abgerufen am 21. Dezember 2015.
  7. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Dahme-Spreewald. S. 22–25
  8. Bevölkerung im Land Brandenburg nach kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden 1991 bis 2014
  9. Ergebnis der Kommunalwahl am 25. Mai 2014
  10. § 73 des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes
  11. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014
  12. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  13. Informationstafel Überfallwehr Märkisch Buchholz am Wehr, Inaugenscheinnahme im Dezember 2015.
  14. Kraftfahrt-Bundesamt Statistik Fz3