Märtyrer der Täuferbewegung

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Felix Manz wird in der Limmat ertränkt. Darstellung aus dem 17. Jahrhundert.

An die 1000 historisch erfasste Täufer, von ihren Gegnern als Wiedertäufer oder Anabaptisten bezeichnet, ließen im 16. und 17. Jahrhundert aufgrund ihrer Glaubensüberzeugungen als Märtyrer der Täuferbewegung ihr Leben.[1]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die radikalreformatorisch-christliche Bewegung der Täufer entstand im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts in verschiedenen Teilen Europas. Wichtige Konzepte der frühen Täufer waren die Nachfolge Christi, die Kirche als Bruderschaft und die Gewaltlosigkeit.[2] Ihr Denken und Verhalten begründeten sie ganz aus der wortgetreuen Auslegung des Neuen Testamentes (sola scriptura), was auch in ihrem Sakramentsverständnis (Gläubigentaufe, Abendmahl) zum Ausdruck kam. Hinzu kamen Forderungen nach Glaubensfreiheit, nach Trennung von Kirche und Staat, nach Gütergemeinschaft und nach Absonderung (Gemeinschaft der Gläubigen).

Es setzte bald eine heftige Verfolgung der Täufer ein, wobei zu härtesten Maßnahmen wie Vertreibung, Folterung und Ermordung gegriffen wurde. Täufer wurden ihres Besitzes beraubt, außer Landes verwiesen und in die Sklaverei verkauft. Nur wenige Landesherren gewährten den Täufern – oft nur vorübergehend – Schutz.

Die rechtliche Grundlage der Täuferverfolgung im 16. und 17. Jahrhundert bildete das sogenannte Wiedertäufermandat, das 1529 auf dem Reichstag zu Speyer beschlossen worden war. Auch das nach wie vor gültige Augsburger Bekenntnis der lutherischen Kirchen legitimierte die Verfolgungen, indem es die Täufer ausdrücklich verdammte. An den Verfolgungen waren die jeweiligen Landesherren und gleichermaßen die Römisch-katholische Kirche, die lutherische und reformierte Geistlichkeit beteiligt.

Die Opfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszug aus der Märtyrer-Tafel des Geschichtbuchs der Hutterischen Brüder

Zu den ersten Märtyrern der Täuferbewegung gehörten Eberli Bolt, Hans Krüsi (auch Hans Nagel genannt) sowie Felix Manz, der am 5. Januar 1527 in der Limmat bei Zürich ertränkt wurde. Weitere bekannte Märtyrer waren Balthasar Hubmaier, Jörg Blaurock und Michael Sattler.

Der mennonitische Märtyrerspiegel führt etwa 800 täuferische Märtyrer namentlich auf.[3] Das Geschichtbuch der Hutterischen Brüder beschreibt auf rund 670 Seiten viele Einzelschicksale täuferischer Märtyrer[4] und enthält eine sogenannte Märtyrer Tafel.

Die Täuferforschung geht davon aus, dass die in den Schriften dokumentierte Opferzahl mindestens verdoppelt werden muss. Der Täuferforscher Wolfgang Krauß spricht im Blick auf das Ausmaß des Martyriums, das die Täufer durchlitten haben, von einem „Ekklesiozid“.[5]

Die Martertafel des Geschichtbuches der Hutterischen Brüder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im Geschichtbuch der Hutterischen Brüder aufgeführte sogenannte Märtyrer Tafel[4] enthält als Seitenanmerkung den Eintrag: „Märtyrer Tafel, wie Gott zu allen Ecken deutscher Lande sein Wahrheit mit Blut bezeuget und an Tag gebracht hat“.[6] Aufgelistet werden hier unter Angabe der Region und der Orte die Zahlen der Täufermärtyrer des 16. Jahrhunderts.[7]

Region Orte Täufermärtyrer insgesamt
Böhmen Prag (11) 11
Ungarn Kirchschlag (3), Loren (3), Nusel (2) 8
Mähren Brünn (4), Znaim (7), Olmütz (4) 15
Österreich Wien (23), Neustadt (2), Kreuzenstein (6), Melk (3), Grein (1), Lembach (45), Mödling (4), Pöggstall (1), Ybbs (1), Krems (3), Behemskirch (2), Ottental (4), Puttehofen (4), Feldsberg (1), Falkenstein (5) 105
Land ob der Enns Mathausen (1), Gmünden (2), Enns (1), Kropfhall (2), Steyr (30), Wels (10), Fesselspruck (4), Grametsteten (3), Freynstadt (10), Falkendorf (1), Vöcklabruck (8), Weißenburg (2), Linz (72) 146
Bayern München (9), Rosenheim (1), Aibling (3), Wasserburg (1), Mühldorf (5), Ötting (7), Landshut (5), Lampach (22), Burckhausen (7), Riedt (4), Schärding (3), Passau (2), Filzhofen (1), Meermeß (1), Ingolstadt (2), Nüneburg (3), Julbach bei Braune (1), Freyburg (2) 79
Steiermark Graz (7), Bruck an der Mur (12), Huntzmarkt (1), Grichsbach (5) 25
Kärnten Sankt Veit (7), Kemeten (3), Göppingen (5), Wolfsburg (3) 18
Pustertal Silgen (3), Taufers (1), St. Lorenzen (11), Kyens (5), Schöneck (4), Michelsberg (24) 48
Etschland Brixen (16), Clausen (7), Kaltern (4), Kuntersweg (9), Bozen (11), Neumarkt (9), Terlen (3), Sterzing (30), Gufidaun (19), Roteneck (4), Schlanders (1), Trient (1) 114
Salzburg Salzburg (38), Titmonig (4), Berchtesgaden (18), Marklibat (2), Kuchel im Kucheltal (3), Appenau (1) 66
Inntal Kopfstein (16), Rattenberg am Inn (71), Schwaz (20), Hall (2), Innsbruck(8), Landteck (1), Kitzbühel (68), Stams (3), Petersberg (2), Imst (8), Rotholz (1) 200
Frankenland Ansbach (1), Bamberg (1), Kitzingen (20), Frankenhausen (1), Fehelspruck (3), Würzburg (10) 34
Schwaben Augsburg (2), Landsberg (19), Laugingen (2), Tillingen (2), Höchstätt (2), Weißenhorn (1), Zusmarshausen (8), Nördlingen (1), Schwäbisch Gmünd (7), Mantelhof (20), Kaufbeuren (5), Sundhofen (1), Wardhausen (1), Günzburg (6), Reuten (1) 78
Markgräflerland Baden (20), Pforzheim (2), Pretheim (9), Durlach (12), Bruchsal (1), Pühel (2), Gersbach (1) 47
Württemberg Urach (1), Esslingen (3), Illingen (10), Schorndorf (1), Tübingen (5), Weil (2), Stuttgart (2), Rottenburg am Neckar (13), Rothenburg ob der Tauber (24), Herrenberg (12), Schlüsselfeld (1), Stätz (18), Deutschnofen (1), Ulmerfeld (2), Waldshut (5), Wilhelmsbruck (1), Weiden (3), Königsberg (3), Kirch an der Eck (1) 108
Kurpfalz Alzey (350) 350
Rheinstrom Speyer (1), Kislach (1), Pühelsberg (1) 3
Niederlande Aurea (1), Andorf (5), Lagrenzen (1), Brüssel (2), Aachen (5) 14
Hessen Fulda (18) 18
Elsass Ensisheim (600), Mühlhausen (17) 617
Schweiz Zürich (16), Basel (3), Bern (1), Schwyz (5), Appenzell (1), Konstanz am Bodensee (3), Walza (11), Ettach (1), Baden (3) 44
Welschland Venedig (3), Laffern (3), Lechensteg (4) 10

Liste von Täufermärtyrern (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste der Täufermärtyrer nennt historisch bezeugte Daten von Personen der Täuferbewegung, die wegen ihrer Überzeugungen im 16. und 17. Jahrhundert ihr Leben lassen mussten. Viele von ihnen blieben unbekannt; über andere liegen schriftliche Zeugnisse vor.[8] Neben chronologischen Angaben werden auch – soweit bekannt – die jeweilige Hinrichtungsart, der Hinrichtungsort sowie dessen derzeit konfessionelle Majorität genannt.

Datum Name Ort Gebiet
(ev./kath.)
Hinrichtungs-
art
Bemerkung Quelle


9. März 1524 Klaus Hottinger Luzern kath. enthauptet Hottinger, bekannt als einer der ersten Bilderstürmer von Zürich, Täufer avant la lettre (Prototäufer) Arnold C. Snyder: The Birth and Evolution of Swiss Anabaptism, 1520–1530. In: Mennonite Quarterly Review 80 (2006), S. 501–645.
29. Mai 1525 Eberli Bolt Schwyz kath. verbrannt auch Hyppolit Eberle genannt Andrea Strübind: Eifriger als Zwingli. Die frühe Täuferbewegung in der Schweiz, Berlin 2003
27. Juli 1525 Hans Krüsi Luzern kath. verbrannt Krüsi gilt als einer der frühen Märtyrer der Täuferbewegung. Andrea Strübind: Eifriger als Zwingli. Die frühe Täuferbewegung in der Schweiz, Berlin 2003
5. Januar 1527 Felix Manz Zürich
(Limmat)
ev. ertränkt In Höhe der Hinrichtungsstelle befindet sich eine Gedenktafel. Ekkehard Krajewski: Leben und Sterben des Zürcher Täuferführers Felix Mantz, Kassel, 1962
8. Februar 1527 Georg Wagner München kath. verbrannt Auch das Luthertum sieht Wagner als „seinen“ Blutzeugen und führt ihn in seinem Gedächtniskalender. Ludwig Keller: Wagner, Georg. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 40, Duncker & Humblot, Leipzig 1896, S. 499 f.; GAMEO; eingesehen am 6. April 2013
21. Mai 1527 Michael Sattler Rottenburg am Neckar kath. verbrannt Michael Sattler war der Ehemann von Margaretha Sattler. Elisabeth Schröder-Kappus / Wolfgang Wagner: Michael Sattler. Ein Märtyrer in Rottenburg (1490–1527), Tübingen 1998
24.(?) Mai 1527 Margaretha Sattler Rottenburg am Neckar kath. ertränkt Margaretha Sattler war die Ehefrau Michael Sattlers. Elisabeth Schröder-Kappus / Wolfgang Wagner: Michael Sattler. Ein Märtyrer in Rottenburg (1490–1527), Tübingen 1998
1528 Johannes Brötli unbekannt verbrannt Eintrag im Märtyrerspiegel: Hans Pretle James M. Stayer: Reublin and Brötli: The Revolutionary Beginnings of Swiss Anabaptism. In: Marc Lienhard (Hrsg.): The Origins and Characteristics of Anabaptism. The Hague 1977. S. 83–102
Januar (?) 1528 Leonhard Dorfbrunner Passau kath verbrannt Christian Hege, Christian Neff: Artikel Dorfbrunner, Leonhard, in: Mennonitisches Lexikon, Band 4, Frankfurt & Weierhof 1913
7. Januar 1528 Augustin Perwanger München kath. enthauptet Augustin Perwanger war ein Adliger aus Günzlhofen und Bruder des Christoph Perwanger. Ob er, um dem Scheiterhaufen zu entgehen, vor seiner Hinrichtung widerrufen hat, ist umstritten. Toni Drexler: Die Perwanger von Günzlhofen und Vogach. Hofmarksherren, Täufer und Domherren an der Wende zur Neuzeit, in: Zeitschrift Amperland. Heimatkundliche Vierteljahresschrift für die Kreis Dachau, Freising und Fürstenfeldbruck, 41. und 42. Jahrgang / 2005 und 2006, Dachau 2006, S. 279 ff.
7. Januar 1528 Christoph Perwanger München kath. enthauptet Christoph Perwanger war ein Adliger aus Günzlhofen und Bruder des Augustin Perwanger. Ob er, um dem Scheiterhaufen zu entgehen, vor seiner Hinrichtung widerrufen hat, ist umstritten. Toni Drexler: Die Perwanger von Günzlhofen und Vogach. Hofmarksherren, Täufer und Domherren an der Wende zur Neuzeit, in: Zeitschrift Amperland. Heimatkundliche Vierteljahresschrift für die Kreis Dachau, Freising und Fürstenfeldbruck, 41. und 42. Jahrgang / 2005 und 2006, Dachau 2006, S. 279 ff.
14. Januar 1528 Leonhard Schiemer Rattenberg kath. enthauptet Von Schiemer stammt das Märtyrerlied köstlich ist der Heiligen Tod Bericht eines Unbekannten im Märtyrerspiegel über das Martyrium Schiemers
30. Januar 1528 Elise Koch Bamberg kath. verbrannt Elise Koch wurde mit zwei Männern und zwei anderen Frauen hingerichtet. Kurzbiografie bei Andreas Fischer
4. Februar 1528 Hans Schlaffer Schwaz kath. enthauptet Schlaffer war auch ein Kirchenliederdichter der Täuferbewegung. Von ihm stammen die Lieder Ungnad Begehr ich nit von dir (Ausbund, Nr. 30) und Herr Gott, mein ewiger Vater Robert Friedmann: Schlaffer, Hans (d. 1528). In: Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online
6. Februar 1528 Ambrosius Spittelmayr Cadolzburg enthauptet Herbert C. Klassen: Spittelmayr, Ambrosius (1497–1528). In: Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online
10. März 1528 Balthasar Hubmaier Wien kath. verbrannt Hubmaier gilt auch als der Reformator Waldshuts. Seine Ehefrau wurde drei Tage nach seinem Märtyrertod ertränkt. Bernd Moeller: Hubmaier, Balthasar. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 703 (Digitalisat).
13. März 1528 Elsbeth Hügline Wien kath. ertränkt Drei Tage vor ihrem Märtyrertod wurde ihr Ehemann Balthasar Hubmaier verbrannt. Bernd Moeller: Hubmaier, Balthasar. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 703 (Digitalisat).
25. April 1528 Hans Leupold Augsburg ev. enthauptet Hans Guderian: Die Täufer in Augsburg. Ihr Geschichte und ihr Erbe. Ein Beitrag zur 2000-Jahr-Feier der Stadt Augsburg. Ludwig, Pfaffenhofen 1984, ISBN 3-7787-2063-5
11. Mai 1528 Eitelhans Langenmantel Weißenhorn kath. enthauptet Vorfahre Thomas Jeffersons Ludwig Keller: Langenmantel, Eitelhans. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 17, Duncker & Humblot, Leipzig 1883, S. 670 f.
Mai/Juni (?) 1528[9] Wolfgang Ulimann Waldsee kath. enthauptet Ulimann wurde gemeinsam mit 10 weiteren Täufern enthauptet. Ihre Ehefrauen wurden ertränkt, die Kinder außer Landes verwiesen. Samuel Geiser: Ulimann, Wolfgang (d.1528). In: Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online
13. Juni 1528 Martin Burkhard Kaufbeuren kath. enthauptet Burkhard wurde gemeinsam mit weiteren Mitgliedern der Kaufbeurer Täufergemeinde, deren Vorsteher er war, hingerichtet. Otto Hege: Burkhard, Martin (d.1528). In: Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online
5. September 1528 Jakob Falk Zürich
(Limmat)
ev. ertränkt Urs B. Leu / Christian Scheidegger (Hrsg.): Die Zürcher Täufer 1525–1700, Zürich 2007, S. 50
5. September 1528 Heini Reimann Zürich
(Limmat)
ev. ertränkt Urs B. Leu / Christian Scheidegger (Hrsg.): Die Zürcher Täufer 1525–1700, Zürich 2007, S. 50
1529 Wolfgang Brandhuber Linz kath. ? (enthauptet oder verbrannt) Brandhuber wurde gemeinsam mit Hänslin Mittermeier und 75 weiteren Täufern hingerichtet. Christian Hege: Brandhuber, Wolfgang (d. 1529). In: Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online
1529 Hänslin Mittermeier Linz kath. ? (enthauptet oder verbrannt) Mittermeier wurde gemeinsam mit Wolfgang Brandhuber und 75 weiteren Täufern hingerichtet. Christian Hege: Mittermaier, Hans (d. 1529). In: Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online
4. Februar 1529 Ludwig Hätzer Konstanz ev. enthauptet Hätzer gilt als einer der ersten deutschsprachigen Antitrinitarier der Reformationszeit. Kurt Guggisberg: Hätzer, Ludwig. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 7, Duncker & Humblot, Berlin 1966, ISBN 3-428-00188-5, S. 455 (Digitalisat).
8. (?) Februar 1529 Philipp Schwitzer Luzern kath. geschwemmt Willy Brändli: Täuferprozesse in Luzern im XVI. Jahrhundert. In: ZWINGLIANA, Band VIII / Heft 2, 1944 / Nr. 2, S. 65ff
6. September 1529 Jörg Blaurock Klausen kath. verbrannt Blaurock, ein ehemaliger römisch-katholischer Priester, gilt als erster „Täufer“ der Täuferbewegung. Fritz Jecklin: Jörg Blaurock vom Hause Jacob. Ein Märtyrer der Wiedertäufer, Graubünden 1891
7. Dezember 1529 Martin Zehentmayer Schwäbisch Gmünd kath. enthauptet Mit Zehentmayer wurden sechs weitere Täufer hingerichtet. Peter Hover: The Secret of Strength. What Would the Anabaptists Tell This Generation? (PDF, englisch; 3,6 MB) o. O. 2008, S. 47ff
18. Januar 1530 Barbara Unger Reinhardsbrunn (Thüringen) ev. verbrannt? durch das Schwert? Unger wurde zusammen mit Andreas Kolb, Katharina Kolb, Christoph Ortlep, Katharina König und Elsa Kuntz ermordet. Christian Hege und Christian Neff: Reinhardsbrunn (Thuringia, Germany). In: Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online
20. Januar 1530 Konrad Winkler Zürich
(Limmat)
ev. ertränkt Urs B. Leu / Christian Scheidegger (Hrsg.): Die Zürcher Täufer 1525–1700, Zürich 2007, S. 50
26. März 1530 Gall Fischer Nürtingen kath. enthauptet Die Reformation wurde in Nürtingen erst 1535 eingeführt. Zum Zeitpunkt der Hinrichtung Fischers war die Stadt noch katholisch. Christian Hege: Fischer, Gall (d.1530). In: Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online
30. März 1530 Augustin Bader Stuttgart kath. enthauptet Anselm Schubert: Täufertum und Kabbalah. Augustin Bader und die Grenzen der Radikalen Reformation. Gütersloh 2008, ISBN 978-3-579-05372-1
20. März 1531 Sikke Snyder Leeuwarden kath. enthauptet Die Hinrichtung geschah vor der Leeuwardener Kanzlei. Kirchengeschichtliche Seite in Plautdietsch; (eingesehen am 8. März 2009)
5. Dezember 1531 Jan Folkertsz Trypmaker Den Haag kath. enthauptet Trypmaker wurde mit sieben weiteren Täufern hingerichtet. Nanne van der Zijpp: "Jan Volkertsz Trypmaker (d. 1531), in: "Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online, 1957; eingesehen am 8. März 2011
23. März 1532 Heini Karpfis Zürich
(Limmat)
ev. ertränkt Urs B. Leu / Christian Scheidegger (Hrsg.): Die Zürcher Täufer 1525–1700, Zürich 2007, S. 50
23. März 1532 Hans Herzog Zürich
(Limmat)
ev. ertränkt Urs B. Leu / Christian Scheidegger (Hrsg.): Die Zürcher Täufer 1525–1700, Zürich 2007, S. 50
1. Februar 1535 Johann Klopreis Brühl (Rheinland) kath. verbrannt Roland Böhm: Klopreis (Cloprys, Klopriss), Johann. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 4, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-038-7, Sp. 78–79.
25. Februar 1536 Jakob Hutter Innsbruck kath. verbrannt Nach ihm wurden die Hutterer benannt. Friedrich Wilhelm Bautz: Huter, Jakob. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 2, Bautz, Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8, Sp. 1218–1221.
24. Januar 1539 Anna Jansz Rotterdam ertränkt Jansz dichtete Ick hoorde de Basuyne blasen. Das 18. Lied im Ausbund beschreibt ihr Schicksal. C. Arnold Snyder, Linda A. Hubert Hecht: Profiles of Anabaptist Women: Sixteenth-Century Reforming Pioneers. Waterloo, Ontario 1996. S. 336–351.
Januar (?) 1542 Andreas Fischer Krásnohorské Podhradie kath. von einer Mauer in die Tiefe gestürzt Es handelte sich um eine Mauer der Burg Krásna Hôrka Martin Rothkegel: Fischer, Andreas. In: Mennonitisches Lexikon. Band 5 (MennLex 5).
24. Juni 1545 Hans Blüetl Ried im Innkreis kath verbrannt Über das Martyrium Blüetls wurde das Lied Aus Eifer der göttlichen Ehr verfasst. GAMEO; eingesehen am 22. Dezember 2013
Herbst 1546 Oswald Glait Wien
(Donau)
kath. ertränkt Das Kirchenlied Ihr Jungen und Ihr Alten, nun höret das Gedicht thematisiert seinen Märtyrertod. Johann Loserth und Robert Friedmann: Glait, Oswald (d. 1546). In: Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online
1548 Fritz Erbe Eisenach
Südturm der Wartburg
ev. in langjähriger Kerkerhaft verstorben Die sterblichen Überreste Fritz Erbes wurden im September 2006 gefunden. Christian Neff: Erbe, Fritz (d. 1548). In: Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online
1557 Gerrit Hazenpoet Nimwegen/Niederlande kath. verbrannt Die Kosten seiner Gefangennahme, Haft und Hinrichtung wurden akribisch dokumentiert. Märtyrerspiegel, Bd II
5. März 1558 Thomas von Imbroich Köln kath. enthauptet Imbroich gehörte zu den ersten Mennoniten des Rheinlandes. Ludwig Keller: Thomas von Imbroich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 38, Duncker & Humblot, Leipzig 1894, S. 73 f.
19. Juli 1560 Claus Felbiger Landshut kath. enthauptet mennonews.de
19. Juli 1560 Hans Leitner Landshut kath. enthauptet mennonews.de
1561 Georg Ladenmacher im Rhein bei ? kath. ertränkt Ladenmacher war ein Liederdichter der Täuferbewegung.
16. Mai 1569 Dirk Willems Asperen / NL verbrannt Artikel Dirk Willems im Märtyrerspiegel
20. Oktober 1571 Hans Haslibacher Bern ev. enthauptet Von ihm stammt das sogenannte Haslibacher-Lied Hanspeter Jecker: Haslibacher, Hans. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
4. Januar 1576 John Bret Antwerpen ev. verbrannt Die Verbrennung erfolgte nach acht Monaten Gefängnis. Kurz vorher wurde ihm die Zunge mit einer Schraube am Unterkiefer befestigt, um ihn am Predigen zu hindern. Dieter Götz Lichdi: Die Mennoniten in Geschichte und Gegenwart, S. 80
19. Juli 1597 Anneken van den Hove bei Brüssel kath. lebendig begraben Nanne van der Zijpp: Anneken vanden Hove (d. 1597). In: Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online (englisch)
30. September 1614 Hans Landis Zürich ev. enthauptet Landis dichtete das Ausbund-Lied: Ich hab ein schön neu Lied gemacht. Er gilt als letzter Täufermärtyrer der Schweiz. Hans Ulrich Bächtold: Landis, Hans. In: Historisches Lexikon der Schweiz.

Historische Darstellungen – Kupferstiche Jan Luykens (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Aufarbeitung und Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Geschichtbuch der Hutterischen Brüder gehört der von Thieleman van Braght 1684 in Amsterdam verfasste Märtyrerspiegel (Der blutige Schauplatz – oder Märtyrer-Spiegel der Taufgesinnten oder Wehrlosen Christen..) zu den Büchern, die die Erinnerung an die Täufermärtyer über Jahrhunderte bewahrt haben. „Neben der Bibel hat kein anderes Buch die Mennoniten […] in ihrem Glauben mehr bewahrt und gestärkt“ als dieses Buch.[10] Besonders geschätzt wurde die zweite Auflage des Märtyrerspiegels, dem 104 Kupferstiche des bekannten mennonitischen Künstlers Jan Luyken beigegeben worden waren. In neuerer Zeit erschien das Gedenkbuch Märtyrerschicksale von John S. Oyer und Robert S. Kreider, das im Wesentlichen auf den genannten älteren Chroniken fußt, seine biographischen Artikel aber durch jüngere Forschungsergebnisse ergänzt und zum Teil auch korrigiert.

Anlässlich des Täuferjahres 2007 baten Vertreter der Reformierten Kirche der Schweiz die Nachfahren der Täuferbewegung um Vergebung.[11] Im Juli 2010 entschuldigte sich auch der Lutherische Weltbund bei seiner Vollversammlung in Stuttgart für die brutale Unterdrückung, Verfolgung und Tötung von Mennoniten im 16. und 17. Jahrhundert, die damals mit der Billigung des Reformators Martin Luther geschah.[12]

Im Rahmen des Themenjahres „Reformation und Toleranz“ im Vorfeld der 500-Jahr-Feier des Thesenanschlages wurde am 18. Januar 2013 an die Ermordung von sechs Täufern im vormaligen Kloster Reinhardsbrunn in Thüringen am 18. Januar 1530 erinnert. Nach einem Bußgottesdienst mit Bischöfin Ilse Junkermann und dem Thüringer Kultusminister Christoph Matschie wurde zum Gedenken an die politischen und religiösen Verfolgungen der Täuferbewegung in Reinhardsbrunn eine Gedenkstele enthüllt.[13]

Denkmäler und Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Hover: Feuertaufe. Das radikale Leben der Täufer – eine Provokation. Berlin 2006, ISBN 978-3-935992-23-7
  • John S. Oyer, Robert S. Kreider: Märtyrerschicksale. Berichte über Täufer des 16. Jahrhunderts, die für ihren Glauben ihr Leben hingaben. 1. Auflage. Lage (Lippe) 2002, ISBN 3-933828-84-8
  • Peter Burschel: Sterben und Unsterblichkeit. Zur Kultur des Martyriums in der frühen Neuzeit. München 2004, ISBN 3-486-56815-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. dazu Auszug aus dem Märtyrerspiegel (englisch) eingesehen am 22. Februar 2009
  2. Vgl. Bender: The Anabaptist Vision (Memento des Originals vom 24. Juni 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mcusa-archives.org (1944).
  3. Märtyrer. In: Christian Hege, Christian Neff (Hrsg.): Mennonitisches Lexikon,. Band III. Eigenverlag, Karlsruhe 1958, S. 47.
  4. a b Rudolf Wolkan (Hrsg.): Geschicht-Buch der Hutterischen Brüder. Wien 1923. Im vorangestellten Register des Buches findet sich auf S. XXXII ff. eine chronologische Zusammenstellung der beschriebenen Täuferschicksale; auf Seite 182–184 findet sich eine Tafel der Märtyrer im Zeitraum 1527 bis 1544.
  5. Wolfgang Krauss:Niemanden zu sich hereinlassen. Kündigen wir die Mennistenkonzession nach 350 Jahren? (Memento des Originals vom 19. September 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/lesbar.down-to-earth.de (PDF; 92 kB) S. 3; abgerufen am 1. Januar 2010. Krauss spricht von „Ekklesiozid“ (= Kirchenmord) in Parallele zum „Genozid“ (= Völkermord)
  6. Rudolf Wolkan (Hrsg.): Geschicht-Buch der Hutterischen Brüder. Wien 1923, S. 182.
  7. Die Martertafel findet sich auch abgedruckt bei Michael Holzach: Das vergessene Volk. Ein Jahr bei den deutschen Hutterern in Kanada, Hamburg 1980, ISBN 3-455-08844-9 (als Taschenbuch: dtv 30008, München 1996, ISBN 3-423-30008-6), S. 244–246 (Anhang)
  8. Zum Beispiel: Märtyrerspiegel der Taufgesinnten (Memento des Originals vom 26. Juli 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/bitimage.dyndns.org (PDF; 19,2 MB) eingesehen am 27. Februar 2009
  9. um Himmelfahrt – Die Angaben über das Hinrichtungsjahr variieren. In verschiedenen Quellen wird 1528 angegeben. In der Geschichtsschreibung von Waldsee wird die Hinrichtung auf 1530 festgelegt. Vgl. J. D. G. Memminger: Beschreibung des Oberamts Waldsee, 1884. S. 76.
  10. John S. Oyer / Robert S., Kreider: Märtyrerschicksale. Berichte über Täufer des 16. Jahrhunderts, die für ihren Glauben ihr Leben hingaben. Lage (Lippe) 2002 (1. Auflage), S. 7
  11. Informationen über die Veranstaltungen des „Täuferjahres 2007“; eingesehen am 22. Februar 2009
  12. Lutheraner versöhnen sich mit Mennoniten. In: tagesschau.de. Die Nachrichten der ARD. 22. Juli 2010, archiviert vom Original am 25. Juli 2010; abgerufen am 22. Dezember 2013.
  13. Mennonews: Thüringen eröffnet Themenjahr „Reformation und Toleranz“; eingesehen am 31. Januar 2013