Mögelin

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Mögelin (Begriffsklärung) aufgeführt.

Koordinaten: 52° 33′ 46″ N, 12° 19′ 34″ O

Mögelin
Höhe: 29 m ü. NHN
Einwohner: 1350 (31. Dez. 2016)Stadtverwaltung Premnitz
Eingemeindung: 31. Dezember 2002
Postleitzahl: 14727
Vorwahl: 03386
Mögeliner Ortseingangsschild bis 2003

Mögelin ist seit dem 31. Dezember 2002 ein Ortsteil der Stadt Premnitz im Landkreis Havelland in Brandenburg[1], bis zum 30. Dezember 2002 war Mögelin eine eigenständige Gemeinde im ehemaligen Amt Premnitz.

Topografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt in einer Höhe von 30 m ü. NHN. Er umfasst eine Fläche von 14,39 km² und hat bei 1418 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2001)[2] eine Bevölkerungsdichte von 99 Einwohner/km². Der Ort liegt an der Bundesstraße 102 zwischen Premnitz und Rathenow und an der Brandenburgischen Städtebahn und verfügte von 1904 bis 1995 über einen Bahnhof und seit 1995 über einen eigenen Haltepunkt an selbiger.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Mögelin
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 3 5 8 14 19 22 24 24 19 13 7 3 Ø 13,5
Min. Temperatur (°C) -1 -1 1 4 9 12 14 14 10 6 2 0 Ø 5,9
Niederschlag (mm) 4,51 3,8 3,4 3,27 4,49 5,72 6,9 5,19 5,06 4,19 3,94 4,48 Σ 54,95
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Blick über die Havelwiesen auf den Kirchturm von Mögelin

Kommunikation und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mögelin ist im Rahmen des ÖPNV durch die Havelbus Linie 675 der HVGR mit Rathenow und Kaltenhausen und durch die Havelbus Linie 676 der HVGR mit Rathenow, Premnitz und Gapel verbunden. Der Haltepunkt Mögelin der Brandenburgischen Städtebahn verbindet den Ort mit Brandenburg an der Havel und Rathenow. Die postalische Erreichbarkeit der Mögeliner Bürger wird mittels der Postleitzahl: 14727 Premnitz (der Zusatz OT Mögelin ist möglich) und die telefonische Erreichbarkeit mittels der Vorwahl: 03386 sichergestellt. Mögelin ist größtenteils DSL-fähig, wobei im südlichen Bereich DSL-Geschwindigkeiten bis zu 3000 kBit/s erreicht werden, im nördlichen Bereich hingegen nur 1536 kBit/s, lediglich der Bereich Heiningsweg und ein Teilbereich der Ringstraße quälen sich mit DSL-Geschwindigkeiten von 384 bis 786 kBit/s wegen der größeren Entfernung zum Standort der Deutschen Telekom AG in der Premnitzer Bergstraße. Im Jahr 2012 hat die Deutsche Telekom neue Glasfaserleitungen zwischen Premnitz und Mögelin verlegt und neue DSL-Umsetzer im Ort installiert. Seit November sind im Ortsbereich bis zu 16000 kBits/s Übertragungsgeschwindigkeit möglich.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mögelin hat einen Ortsbeirat der sich aus fünf Mitgliedern zusammen setzt, ein Mitglied wird zum Ortsvorsteher gewählt. Ehrenamtlicher Ortsvorsteher ist Ralf Tebling, parteilos, als Kandidat auf der Liste der SPD.

Mögelin wird durch die Stadt Premnitz verwaltet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feuer und Wasser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche von Mögelin

Mögelin fand am 15. Juni 1345 erste urkundliche Erwähnung und die erste Mögeliner Kirche ist wahrscheinlich ein Bau von 1574. Während des Dreißigjährigen Krieges brannte Mögelin am 27. Mai 1638 nieder, angezündet von den Truppen des schwedischen Oberst Hünerbeck. Dem Element Feuer folgte am 13. Februar 1655 das Element Wasser, ein Ereignis welches in der Mögeliner Geschichte als die Große Überschwemmung verzeichnet ist, welche nicht nur großen Schaden an den Scheunen anrichtete, sondern durch die auch der Roggen auf den Feldern versoff.[3] Nachdem die Schäden von Feuer und Wasser im Dorf behoben waren, wurde im Jahre 1660 die abgebrannte Kirche wieder errichtet. Das Feuer war jedoch das beherrschende Element dieser Zeit. Es kam 1768, 1826 und 1874 zu verheerenden Dorfbränden. So brannte in der Nacht vom 5. zum 6. Dezember 1768 das gesamte Dorf, außer der Kirche und fünf Büdnerhäusern, vollständig nieder.

Die Mögeliner Ziegelherstellung geht bis auf die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück und ein Jocip Winkoop (Michael Wienkopp) wird um 1650 als Ziegelbrenner in der damaligen fürstlichen Ziegelei genannt. Der Name Wienkopp blieb für rund 200 Jahre mit der Mögeliner Ziegelei eng verbunden. Erst 1870, mit dem Verkauf der Ziegelei an Ferdinant Ziem, endete die Ära der Familie Winkoop als Ziegelbrenner in Mögelin. Ferdinant Ziem ließ die Mögeliner Ziegelproduktion durch den Bau eines Ringofens und durch den Betrieb von Maschinen wesentlich erweitern. Die Produktion von Ziegeln in Mögelin endete mit der Stilllegung der Ziegelei während des Ersten Weltkrieges.

Der Alte Fritz und die Raupen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Seidenraupenzucht mit welcher auch in Mögelin um 1750 gemäß einer Verordnung über die Anpflanzung von Maulbeerbäumen und Zucht von Seidenraupen vom November des Jahres 1742 vom Alten Fritzen begonnen wurde, wird jedoch nach langjährigen Bemühungen und ohne den erwünschten Erfolg wieder eingestellt.[3] Zuvor erließ der Alte Fritz im Jahre 1746 eine Vorschrift darüber, dass die Maulbeerbäume nicht zu beschädigen sind und stellte dies 1749 unter Strafe. Selbst das Anbringen einer Leine zwischen den Bäumen zum Trocknen der Wäsche wurde verboten. Die Mögeliner Seidenraupenzucht ist sicherlich auf die Prämien, welche man 1750 als Anreiz für die Prediger, Küster und Schulmeister aussetze damit diese sich dem Seidenbau stärker widmen, zurückzuführen. Im Jahre 1752 folgte ein Reglement für die Prediger, Küster und Schulmeister wie sie mit dem Anbau der Maulbeerbäume zu verfahren haben. Das Reglement weist Des Weiteren noch einmal darauf hin, dass es einen königlichen Befehl gibt, wo nach die Kirchhöfe mit Maulbeerbäumen zu bepflanzen sind. Trotzdem beklagt man, dass die Prediger und Inspektoren dem königlichen Befehl nicht genügend folgten. Deswegen man die Pfarrer und Schulmeister noch einmal anwies, sich der Sache ernsthafter anzunehmen. Die Kirchenpatrone sollten bei der Umsetzung letzter Anweisung einbezogen werden. In einer Broschüre erschienen 1774, wird nun mehr erklärt wie der Seidenbau praktisch auszusehen hat. In der Broschüre geht es von der Wartung der Bäume, über die Pflege der Seidenwürmer bis zur Zubereitung der Seide. Durch den Anbau von Maulbeerbäumen für die Zucht von Seidenraupen versuchte man eine brandenburgische Samt- und Seidenindustrie zu begründen, was die Errichtung der Seidenbauinspektion Potsdam um 1790 nochmals unterstreicht.[4]

19. Jahrhundert bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts änderte das Dorf mehrfach sein Gesicht. So wurde 1844 die Mögeliner Kirche umgebaut und 1854 der Neubau der Schule in der Hauptstraße eingeweiht, welcher bereits 1904 durch den Schulneubau in der Schulstraße ersetzt wurde. Die alte Schule in der Hauptstraße wurde später Sitz der Gemeindeverwaltung. Ein von Juni 1854 bis Mai 1856 langanhaltendes Hochwasser beeinträchtigte die Landwirtschaft so sehr, dass Gras im Wasser gemäht und auf Kähnen heraustransportiert wurde. Die Wiesen standen 22 Monate lang ständig unter Wasser.[3] Seit 1886, mit der Fertigstellung die Chaussee Rathenow – Mögelin – Premnitz – Milow bestand zwischen diesen Orten eine Pferdeomnibusverbindung. Mit der Aufnahme des Eisenbahnverkehrs am 25. März 1904 am Mögeliner Bahnhof durch die Brandenburgischen Städtebahn erhielt Mögelin nun Anschluss an die große weite Welt. 1913 setze sich mit dem Einzug des elektrischen Stroms der technische Fortschritt in Mögelin durch die Überlandzentrale Rathenow fort. Ein Jahr zuvor wurde der neue Friedhof eröffnet. Auch aus sportlicher Sicht war Mögelin voll auf Höhe der Zeit, denn am 11. Oktober 1913 wurde der Mögeliner Sportclubs 1913 e. V. gegründet.

Im Jahr 1934 erhielt der Kirchturm sein heutiges Aussehen und 1935 wurde der Güterschuppen am Bahnhof in Betrieb genommen. Mit dem Ausbau der Chaussee Rathenow-Premnitz 1936/37 wurde dem verstärkten Automobilverkehr Tribut gezollt. Ob der Bau des Fahrradweges Rathenow-Mögelin-Premnitz 1939 dem Erholungsbedürfnis der Industriearbeiter der umliegenden Industriestandorte zu verdanken ist oder einfach als Arbeitsweg dienen sollte, ist fraglich. 1942 gründete die Firma Baumgart einen Rüstungsbetrieb in Mögelin, in dem wohl Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter beschäftigt wurden. Dies lassen Gräber von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern auf dem Friedhof von Mögelin vermuten.[5] Nach dem Krieg, zu Zeiten der DDR waren auf dem Gelände der VEB Werkzeug- und Optikmaschinenfabrik Rathenow-Mögelin (WEMARA)  welcher unter anderem Drehmaschinen produzierte – und VEB Kombinat Carl Zeiss Jena, Ingenieurbetrieb für Rationalisierung ansässig. Seit der Wende ist auf dem Betriebsgelände eine Gewerbegebiet entstanden.

Im Jahre 1962 wurde der Bau der Umgehungsstraße der heutige Mögeliner Chaussee beendet. Die Döberitzer Straße erhielt 1988 eine neue Fahrbahndecke aus Beton und Mögelin wurde an das zentrale Trinkwassernetz angeschlossen. Am 28. Mai 1995 wurde der Mögeliner Bahnhof geschlossen, womit Mögelin nur noch ein Haltepunkt im bahntechnischen Sinne darstellt. 1995 wurde die Restaurierung der Kirche abgeschlossen und mit dem Bau der Eigenheimsiedlung an der Triftstraße begonnen. Seit dem 17. Dezember 1996 haben die Mögeliner die Möglichkeit, ihre Häuser mit Erdgas zu heizen, denn Mögelin wurde an das regionale Erdgasversorgungsnetz angeschlossen. Vom Oktober 1997 bis Juni 1998 dauerten die Rekonstruktionsbauarbeiten an der Hauptstraße und vom November 1999 bis Dezember 2000 entstand am Kirchplatz ein neues Feuerwehrhaus für die Freiwillige Feuerwehr. Im Zuge der Bevorstehenden Gemeindegebietsreform des Landes Brandenburg sprach sich die Gemeindevertretung am 24. Oktober 2001 für ein freiwilliges Zusammengehen mit der Stadt Premnitz aus, woraufhin am 20. Januar 2002 eine Abstimmung zur Gemeindegebietsreform stattfand.

Abstimmungsergebnis
Einwohner Anzahl
stimmberechtigt 1083
teilgenommen 541
für Premnitz 377
gegen Premnitz 159
ungültige Stimmen 5

Auf Grund des erzielten Ergebnisses war die Eingliederung beschlossen. Am 5. März 2002 fand die Unterzeichnung des „Vertrages über die Eingliederung der Gemeinde Mögelin in die Stadt Premnitz“ statt, welcher am 1. Januar 2003 in Kraft trat.[6] Am 15. Oktober 2003 wurde auf dem Gelände des Havelland-Sportplatzes mit den Bauarbeiten zum neuen Sport- und Gemeindezentrum begonnen und nach einer zehnmonatigen Bauzeit erfolgte am 19. August 2004 die Schlüsselübergabe und Einweihung des Sport- und Gemeindezentrums. Nachdem im Sommer 2004 mit der umfangreichen Rekonstruktion der Bahnlinie Brandenburg – Rathenow begonnen wurde, konnte diese am 27. Juni 2005 den Betrieb wieder aufnehmen. Im Rahmen der Baumaßnahmen erhielt der Haltepunkt Mögelin einen neuen Bahnsteig.[7] Am 31. Mai 2006 nutzte der Bundespräsident Horst Köhler den Mögeliner Bahnsteig zum Umstieg von Bahn auf Bus anlässlich seines Besuchs der Landesgartenschau in Rathenow. Auf dem Bahnsteig begrüßt wurde der Bundespräsident, welcher mit dem Weltmeisterzug von 1954 anreiste, vom Brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck.[8] Am 20. Mai 2005 wurde der Biwakplatz an der Mögeliner Havel eingeweiht und damit ein Beitrag zur Förderung des Wassertourismus der Region geleistet. Leider wurde dieser 2009 aufgrund ständigen Vandalismus fast vollständig wieder zurückgebaut.[9][10] Am 17. Juni 2005 fand der Jugendklub und das MultiMediaZentrum im Obergeschoss des Sport- und Gemeindezentrum sein neues Quartier.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl:[2]

  • 1875 – 448 Einwohner
  • 1910 – 591 Einwohner
  • 1939 – 1.065 Einwohner
  • 1950 – 1.130 Einwohner
  • 1989 – 824 Einwohner
  • 1998 – 1.258 Einwohner
  • 2000 – 1.399 Einwohner
  • 2010 - 1.249 Einwohner
  • 2012 - 1.277 Einwohner

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mögelin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002
  2. a b Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik (LDS) – Beitrag zur Statistik – Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg von 1875 bis 2005 – Landkreis Havelland vom Dez. 2006
  3. a b c Premnitz – Unsere Stadt – Geschichtliches Homepage der Stadt Premnitz (Memento vom 9. April 2010 im Internet Archive)
  4. Amtsblatt für das Amt Wustermark Amtsangehörige Gemeinden: BUCHOW-KARPZOW, ELSTAL, HOPPENRADE, PRIORT, WUSTERMARK, Jahrgang 9 Nr. 3, Seite 11, Wustermark, 14. August 2002 (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive) (PDF)
  5. Quelle: Der Umgang mit den Denkmälern. (PDF; 1,6 MB) Seite 75/76
  6. Amtsblatt für Brandenburg, 13. Jahrgang, Nummer 20, Seite 519, Potsdam, den 15. Mai 2002 (PDF)
  7. Foto vom Mögeliner Bahnsteig (Memento vom 23. April 2008 im Internet Archive)
  8. Begrüßungsfoto auf dem Mögeliner Bahnsteig (Memento vom 10. Juli 2007 im Webarchiv archive.is)
  9. Premnitz – Informationen für Wasserwanderer (Memento vom 9. Juni 2010 im Internet Archive)
  10. Sehenswürdigkeiten des Westhavellandes lassen sich vom Wasser aus erkunden (Memento vom 17. November 2004 im Internet Archive) In: Märkische Allgemeine