Möhne

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Fluss in Nordrhein-Westfalen. Zur Bedeutung im rheinischen Karneval siehe Möhnen.
Möhne
Möhnequelle am Poppenberg bei Brilon

Möhnequelle am Poppenberg bei Brilon

Daten
Gewässerkennzahl DE: 2762
Lage Hochsauerlandkreis, Kreis Soest; Nordrhein-Westfalen (Deutschland)
Flusssystem Rhein
Abfluss über Ruhr → Rhein → Nordsee
Quelle bei Brilon am Poppenberg
51° 22′ 43″ N, 8° 34′ 35″ O
Quellhöhe ca. 556 m ü. NHN[1]
Mündung bei Neheim in die RuhrKoordinaten: 51° 27′ 26″ N, 7° 57′ 17″ O
51° 27′ 26″ N, 7° 57′ 17″ O
Mündungshöhe 153 m ü. NHN[2]
Höhenunterschied ca. 403 m
Länge 65,1 km[3]
Einzugsgebiet 468,579 km²[3]
Abfluss am Pegel Günne[4]
AEo: 440 km²
Lage: 11,1 km oberhalb der Mündung
NNQ (12.12.1982)
MNQ 1961/2010
MQ 1961/2010
Mq 1961/2010
MHQ 1961/2010
HHQ (10.08.2007)
190 l/s
874 l/s
6,56 m³/s
14,9 l/(s km²)
39 m³/s
85,1 m³/s
Linke Nebenflüsse siehe unten
Rechte Nebenflüsse siehe unten
Durchflossene Stauseen Möhnesee
Mittelstädte Brilon, Warstein, Arnsberg
Kleinstädte Rüthen
Gemeinden Möhnesee, Ense
Die Möhne bei Warstein-Mülheim

Die Möhne ist ein 65,1 km[3] langer, östlicher und orographisch rechter Zufluss der Ruhr im Hochsauerlandkreis und Kreis Soest in Nordrhein-Westfalen (Deutschland).

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Möhne entspringt im Hochsauerlandkreis am Südrand der weitläufigen Briloner Hochfläche etwa 2 km südsüdöstlich der Innenstadt von Brilon. Die Quelle liegt am Osthang des Poppenbergs auf etwa 556 m ü. NHN im Gewann Helle, der so genannten „Kleinen Schweiz“. Südlich der Quelle liegt die Feriensiedlung Poppenberg und jenseits davon der Stadtteil Gudenhagen-Petersborn. Östlich verläuft ein Abschnitt der Bundesstraße 251, die von Brilon in Richtung Süden nach Willingen führt. Ein Abschnitt des Rothaarsteigs, eines von Brilon bis Dillenburg überwiegend auf dem Hauptkamm des Rothaargebirges verlaufenden Fernwanderweges, passiert die Quelle an einer etwas unterhalb davon stehenden ehemaligen Sprungschanze.

Ein Teil der Möhne fließt als „Hunderbecke“ anfangs oberirdisch durch den Kurpark, wobei das Bachbett einbetoniert ist und zeitweilig trockenfällt, ein anderer Teil fließt durch die Kanalisation. Bei der Kläranlage am Ostring im Nordteil von Brilon taucht die Möhne wieder als „Hunderbecke“ auf und fließt entlang der B 480 nach Norden. Ab dem Zufluss der Aa (Möhneursprung) heißt sie dann Möhne.

Etwas weiter nordnordwestlich passiert die Möhne den etwas abseits bzw. östlich und zugleich oberhalb des Flusses gelegenen Briloner Stadtteil Wülfte, wobei am dortigen Osterhof der von Südwesten kommende Goldbach einmündet. Vom anschließenden Abzweig der B 516 von der B 480 wendet sie sich etwas mehr nach Nordwesten.

Dann übertritt die Möhne die Grenze zum Kreis Soest, wobei ihr Tal nordöstlich von den südwestlichen Ausläufern des Sintfelds begrenzt wird. Ab Rüthen, das sie südlich tangiert und wonach die Glenne als längster Möhne-Zufluss einmündet, verläuft die Möhne zwischen dem Haarstrang im Norden und dem Oberen Arnsberger Wald im Süden.

Dabei erreicht die Möhne die Gemarkung der Stadt Warstein, in dem sie erst den Ortsteil Belecke durchfließt, wo von Süden kommend die Wester als zweitlängster Möhne-Zufluss einmündet. Dann fließt sie durch die Ortsteile Mülheim und Sichtigvor hindurch. Hierauf durchquert der Fluss Allagen, von wo an er zwischen dem Haarstrang im Norden und dem Unteren Arnsberger Wald im Süden in westlicher Richtung verläuft. Dabei passiert er die nördlich des Flusses gelegenen Allagener Ortslage Westendorf und fließt danach durch Niederbergheim mit der etwas nördlich des Flusses liegenden Ortslage Oberbergheim; bei Niederbergheim verlässt die B 516 den Fluss nordwestwärts.

Hiernach verläuft die Möhne in der Gemeinde Möhnesee durch den Ortsteil Völlinghausen, wobei sie in den Ostteil des 10,37 km² großen Möhnesees (213,7 m)[3] einfließt. Bei Durchfließen des Stausees passiert der weiterhin westwärts strebende Fluss die Gemeindeteile Wamel, Stockum, Körbecke, Südrandweg und Delecke, wo das Stillgewässer von der B 229 überbrückt ist. In die Vorsperre Hevesee und dann in den Hevearm des Möhnsees mündet von Ostsüdosten kommend mit der Heve der drittlängste Möhne-Zufluss. Den See verlässt die Möhne durch die zwischen Günne im Norden und Brüningsen im Süden stehenden „Möhnetalsperre“.

Unterhalb dieser Staumauer erreicht die Möhne, etwas nach Durchfließen des Ausgleichsbeckens Ausgleichsweiher, das Gemeindegebiet von Ense, in dem sie südwärts verläuft. Fortan fließt sie zwischen dem Haarstrang im Westen und dem Unteren Arnsberger Wald im Osten. Dabei tangiert sie den Ortsteil Niederense südöstlich, um erst unterhalb des Ortsteils Steetsberg, den sie westlich passiert, den kleinen Enser See (162,5 m)[3] zu durchfließen und danach wieder im Hochsauerlandkreis zu verlaufen.

Hiernach erreicht die Möhne den nordwestlichen Arnsberger Stadtteil Neheim-Hüsten und dann dessen Ortsteil Moosfelde. Sie unterquert anschließend zwischen den Ortsteilen Totenberg im Norden und Binnerfeld im Süden die Bundesautobahn 46. Unmittelbar westlich der Anschlussstelle Neheim mündet die Möhne schließlich von Osten kommend auf rund 153 m Höhe in die dort von Süden heran fließende Ruhr.

Streit um Möhnequelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Möhnezufluss kurz hinter der Quelle in den Kurgartenteich in Brilon

Im Jahr 1971 wurde die Lage der Möhnequelle nach heftigen Diskussionen auf eine Stelle oberhalb des Briloner Kurparks festgelegt. Trotzdem „beanspruchen“ auch die Stadtteile Altenbüren, Gudenhagen-Petersborn und Scharfenberg die Lage des Flussursprungs.

Der Deutschen Grundkarte (DGK) kann man folgende Informationen entnehmen: Bei der DGK5 4617/8 wurde nahe dem Poppenberg südlich von Brilon die Möhnequelle eingezeichnet. Auf der DGK5 4517/23 beginnt die Möhne aber erst nach dem Zusammenfluss von Hunderbecke und Aa. Die Vereinigung beider Fließgewässer heißt wissenschaftlich Möhneursprung. Demzufolge ist die eingezeichnete Möhnequelle die Quelle der Hunderbecke.

Bevor der Briloner Kurpark angelegt wurde, durchfloss die Hunderbecke ein Sumpfgebiet. Heute bewahrt und kanalisiert sie eine Betonrinne und verhindert die vorzeitige Versickerung. Auch die Aa durchfließt die Briloner Hochfläche. Im Massenkalk dieses Höhenzugs verschwinden die meisten Bäche in Bachschwinden oder Schwalglöchern im Untergrund. Viele dieser Bachschwinden wurden jedoch von Landwirten verfüllt, so dass die Wasser von Aa und Hunderbecke nicht mehr gänzlich im Erdreich verschwinden und ihre Bachbetten nicht mehr trockenfallen.

In früheren Zeiten floss die Möhne erst ab der Einmündung des Goldbachs ganzjährig durch, weshalb die Möhnequelle auf alten Karten mit der höchsten Quelle im Goldbach-Quellgebiet unterhalb des 553 m hohen Berges Sonder bei Scharfenberg eingezeichnet wurde. Somit wäre der Scharfenberger Anspruch aus historischer und „wasserführender“ Sicht berechtigt. Bürger von Altenbüren sehen sich an der Quelle der Aa, und läge dort die Möhnequelle, wäre die Möhne länger als über die Quellflüsse Hunderbecke oder Goldbach. Spätestens jetzt erhebt man auch in Petersborn Einspruch, denn der Aa-Zulauf Hilbringsen ist noch länger, verschwand aber auch früher im Massenkalk.

Ungeachtet der Diskussion, welcher Quellfluss nun der wichtigste Quellfluss der Möhne ist, entspringt die Möhne bei Brilon. Ihre Quellflüsse heißen Goldbach, Aa und Hunderbecke.

Quellbäche, Zuflüsse und Stauseen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereinigung der Hunderbecke und der Aa am Möhneursprung nördlich von Brilon

Quellbäche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den historisch bedingt als Möhne-Quellbäche betrachteten Fließgewässern gehören diese (am Zusammenfluss von folgend genannter Hunderbecke und Aa liegt der Möhneursprung; Aa und Goldbach können auch als Zuflüsse betrachtet werden):

  • Hunderbecke (von der Möhnequelle unterhalb des Poppenbergs kommend; zum Möhneursprung fließend)
  • Aa (Einmündung am Möhneursprung; 800 m nördlich vom Rand der Briloner Kernstadt bei „Fünf Brücken“)
  • Goldbach (Einmündung zwischen Brilon und Wülfte am Osterhof)

Einzugsgebiet und Zuflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Einzugsgebiet der Möhne ist 468,579 km²[3] groß. Wichtigster Möhne-Zufluss ist die Heve, die in die Vorsperre Hevesee und dann in den Hevearm des Möhnsees mündet. Mit einem 91,127 km² großen Einzugsgebiet hat sie einen Anteil von etwa 20 % an dem der Möhne. Weitere wichtige Zuflüsse sind Glenne und Wester.

Möhne-Zuflüsse im Überblick:[3][2]

Erlenbach, rechter Möhnezufluss bei Neheim-Moosfelde

Zur besseren Übersicht und Sortierung flussabwärts ist pro Fließgewässer in die Fließgewässerkennziffer (DGKZ) nach der Ziffer „2762“, die für die Möhne steht, jeweils ein Bindestrich eingefügt.

Name Seite Länge
(km)
EZG
(km²)
Mündungshöhe
(m ü. NHN)
Möhne-km DGKZ
N.N. links 1,3 438 63,793 2762-112
Aa links 7,4 23,071 385 59,934 2762-12
Goldbach links 3,3 2,477 373 58,523 2762-132
Bermecke links 4,7 4,400 358 56,159 2762-14
Steinbecke links 3,1 2,492 352 55,011 2762-152
Kettlersiepen links 0,9 350 54,613 2762-1532
Kielhackensiepen rechts 0,9 0,337 349 54,441 2762-1534
Altes Knicksiepen links 1,0 343 53,748 2762-154
Hengelsbach rechts 1,9 1,120 335 52,567 2762-156
N.N. links 1,8 318 50,161 2762-158
Romecke rechts 4,3 7,087 314 49,450 2762-16
Pottsiepen links 1,5 0,555 312 48,944 2762-1712
Kniesiepen links 1,5 311 48,766 2762-172
Aalbach/Aalbecke rechts 2,0 303 47,294 2762-174
Große Siemecke rechts 1,5 298 46,506 2762-176
Rißneibach rechts 3,5 4,930 291 45,409 2762-178
Biber links 8,2 10,929 292 45,368 2762-18
Küttelbieke rechts 5,3 9,016 279 42,964 2762-194
Silberbach links 1,9 278 42,696 2762-196
Glenne links 17,1 67,296 271 40,879 2762-2
Belecker Siepen links 1,8 264 39,722 2762-312
Große Dumecke rechts 2,9 10,139 258 37,962 2762-32
Wester links 14,3 54,496 252 36,360 2762-4
Mülmecke links 3,2 1,653 251 35,986 2762-512
Bormelsbach rechts 1,6 2,730 247 35,404 2762-514
Breites Siepen links 1,5 245 34,443 2762-5152
Remelsbach rechts 1,8 2,851 245 33,965 2762-516
Quamecke links 3,8 5,428 238 32,259 2762-52
Mühlengraben rechts 1,8 230 31,954 2762-53312
N.N. rechts 1,2 233 30,653 2762-532
N.N. links 0,9 233 30,595 2762-5332
Eilmecke links 1,4 227 27,684 2762-534
Untergraben rechts 1,0 224 26,374 2762-536
Wanne links 3,8 6,261 222 25,955 2762-54
N.N. rechts 1,2 220 25,336 2762-552
Merpke rechts 2,7 219 24,827 2762-554
Fismecke links 2,6 218 23,797 2762-556
Burmecke links 1,9 216 23,372 2762-558
Srietmecke links 1,4 0,654 214 22,169 2762-56
Bremecke links 2,4 214 21,951 2762-572
Halbefuhrsiepen links 1,7 214 21,792 2762-5732
N.N. links 2,2 214 20,755 2762-574
Wameler Bach rechts 2,7 214 20,597 2762-576
Ohlenbusch rechts 0,9 214 20,227 2762-578
Förmeckesiepen links 2,0 1,055 214 20,115 2762-58
N.N. links 1,8 214 19,301 2762-592
Mühlensiepen links 0,7 214 17,762 2762-594
Messenhelle rechts 1,9 214 16,718 2762-598
Heve links 13,8 91,127 214 13,276 2762-6
Westricher Bach rechts 1,8 2,225 184 11,668 2762-714
Brünningser Bach links 2,2 177 10,178 2762-7152
N.N. rechts 0,9 8,642 2762-7154
Mahlmecke links 2,7 1,771 173 8,247 2762-716
Obergraben rechts 1,1 173 7,304 2762-7172
Ostbach links 2,1 0,848 6,800 2762-718
Hohlsiepen rechts 2,0 3,185 165 5,745 2762-72
N.N. links 0,9 0,259 167 5,106 2762-792
N.N. links 0,9 4,537 2762-794
N.N. links 1,6 161 4,342 2762-796
Aupke links 5,5 7,309 160 3,296 2762-8
Erlenbach rechts 1,7 3,053 2762-912
Höinger Bach rechts 1,8 0,963 159 2,763 2762-92
Herbecke links 1,6 2,070 155 1,377 2762-94

Stauseen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stütings Mühle ist ein altes, wasserbetriebenes Sägewerk in Belecke; hier wird die Wasserkraft der aufgestauten Wester kurz vor ihrer Mündung in die Möhne zum Antrieb der Säge genutzt.

Die Möhne wird zwischen Völlinghausen und Günne im Möhnesee (213,7 m)[3] gestaut. Die Sperrmauer befindet sich bei Stationierungskilometer 12,15. Der dahinter liegende See erstreckt sich über 10,4 km und endet bei Stationierungskilometer 22,5. Unterhalb der Sperrmauer liegt das Ausgleichsbecken (Ausgleichsweiher genannt) der Talsperre zwischen Stationierungskilometer 11,4 und 12,15.

Unterhalb von Steetsberg wird die Möhne zwischen den Stationierungskilometern 4,45 und 5,15 durch den Enser See (162,5 m)[3] erneut gestaut.

Wasserwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Möhne hat besondere Bedeutung für die Trinkwassergewinnung, insbesondere für das Ruhrgebiet. Über den Möhnestausee und weitere Stauseen im Einzugsgebiet der Ruhr kann der Wasserstand der Ruhr so geregelt werden, dass etwa 2,2 Mio. Menschen im größten Ballungsraum Nordrhein-Westfalens gleichmäßig mit Wasser versorgt werden können. Jedoch hat die gesetzeswidrige Ausbringung von Klärschlämmen durch Bauern im Einzugsgebiet der Möhne das Wasser des Flusses nachhaltig mit perfluorierten Tensiden (PFT) belastet. Im Sommer 2006 wurden im Wasser des Rheins unterhalb der Ruhrmündung erhöhte Konzentrationen perfluorierter Tenside nachgewiesen. Die Verunreinigungen konnten bis in die Möhne verfolgt werden. Als Folge muss die Konzentration des als krebserregend geltenden Stoffes im Flusssystem der Ruhr durch Wasser aus anderen Stauseen als dem Möhnesee so weit herabgesetzt werden, dass sie als unbedenklich gelten. Nach einer 2007 erfolgten Teilsanierung von belasteten Ackerflächen in Brilon-Scharfenberg sollte 2008 ein weiterer verseuchter Acker in Rüthen aufwendig saniert werden, um die Belastung des Wassers weiter zu verringern.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Topografische Karte 1:25.000
  2. a b Deutsche Grundkarte 1:5.000
  3. a b c d e f g h i Topographisches Informationsmanagement, Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis NRW (Hinweise)
  4. Deutsches gewässerkundliches Jahrbuch Ruhr/Günne 2010 (PDF, 14,5 kB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Möhne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien