Mönchsfisch

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Mönchsfisch
Mönchsfisch (Chromis chromis)

Mönchsfisch (Chromis chromis)

Systematik
Ovalentaria
incertae sedis
Familie: Riffbarsche (Pomacentridae)
Unterfamilie: Chrominae
Gattung: Chromis
Art: Mönchsfisch
Wissenschaftlicher Name
Chromis chromis
(Linnaeus, 1758)

Der Mönchsfisch (Chromis chromis) ist einer der häufigsten Fische und die einzige Art der Riffbarsche im Mittelmeer. Ausgewachsen werden die Fische ca. 13 cm lang und sind damit eine verhältnismäßig kleine Art. Die Fische halten sich normalerweise an felsigen Riffen in kleinen, lockeren Schwärmen auf[1]. Ab dem juvenilen Stadium sind sie Karnivoren und fressen hauptsächlich Plankton und bodenlebende Beute[2]. Durch ihre stark eingekerbte Schwanzflosse lassen sich die Fische schon von weitem gut erkennen.

Bestimmungsmerkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fische sind mit einer Länge von 40-134 mm relativ klein und werden bis zu 40 g schwer. Die Größe der Fische hängt unter anderem von den ökologischen Verhältnissen und der Wassertemperatur der Umgebung ab[1]. Sie besitzen große Augen, große Schuppen und ein stark vorstülpbares Maul mit drei Reihen kleiner spitzer Zähne. Ihre Rückenflosse besteht aus 13-14 Hartstrahlen und 10-11 Weichstrahlen. Die Afterflosse aus 2 Hart- und 9-11 Weichstrahlen[3].  Der vordere Kiemenbogen besteht aus 30 dünnen Kiemenreusendornen. Der Kopf ist vollständig beschuppt und die Seitenlinie enthält 24-30 Schuppen. Sehr junge Fische sind noch schillernd blau wohingegen etwas ältere Artgenossen nur noch wenige blaue Streifen besitzen[3].

Chromis chromis mit Farbdimorphismus

Adulte Tiere sind dunkelbraun, wobei die Mitte jeder Schuppe eine etwas bleichere Stelle aufweist. Der hintere Rand der Schwanzflosse ist ungefärbt, sodass der Eindruck entsteht, dass diese sehr stark eingekerbt ist. Manchmal, zum Beispiel auf den Azoren kommt es vor, dass ein Farb-Dimorphismus zwischen Weibchen [null (und jungen, nicht-nestbauenden Männchen)] und nestbauenden Männchen herrscht[3]. Die Weibchen (und jungen, nicht-nestbauenden Männchen) sind hierbei goldbraun mit orange gefärbten Brust- Bauch-, After und Schwanzflossen, wobei durch letztere ein schwarzer Streifen zieht[3].

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mönchsfisch ist im Mittelmeer weit verbreitet. Zudem kann die Art auch an der Küste Portugals, bei den Azoren angetroffen werden. C. chromis wurde gelegentlich auch an der Ostküste des Atlantischen Ozeans bis zum Golf von Guinea (São Tomé) gefunden und kommt eventuell noch weiter südlich bis Angola vor [4].

Verhalten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mönchsfische halten sich normalerweise im Litoral nahe an Felsriffen oder über dem Seegras auf. In lockeren Schwärmen schwimmen sie in einer Tiefe von 3-35 m[1]. Mit Hilfe von Ruderbewegungen der Brustflossen bewegen sie sich im Wasser vorwärts. Diese Schwimmweise wird auch als „labriform“ bezeichnet[4].

Nahrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

C. chromis ist ab dem juvenilen Stadium ein Karnivore. Seine Nahrung besteht aus Plankton und bodenlebenden Wirbellosen. Darunter sind Ruderfußkrebse (Copepoden) ihre wichtigste Nahrungsquelle. Ab und zu fressen die Fische auch Vielborster (Polycheaten), Muschelkrebse (Ostracoden) und Schwebegarnelen. Im Frühling ist der Nahrungserwerb am größten, was durch das vermehrte Vorhandensein der Beute zu erklären ist. Sobald die Temperaturen sinken, sinkt auch der Nahrungserwerb der Fische[2].

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fortpflanzungsverhalten von C. chromis wurde unter anderem von Picciulin et al (2002) näher beschrieben. Die Laichzeit findet von Juni bis September statt. In dieser Zeit sammeln sich Männchen in kleinen Revieren auf Fels- oder Geröllgrund. Zu Beginn der Reproduktionszeit sammeln sich die Männchen in diesen Revieren zusammen, bereiten ihre Nester 0,01-0,5 m voneinander entfernt vor und locken die Weibchen an, indem sie diese bis auf kurze Entfernung anschwimmen und danach schnell zu ihren Nestern zurückkehren. Auch visuelle und akustische Signale spielen bei der Umwerbung der Weibchen eine wichtige Rolle. Ungefähr ein bis drei Tage nach dem Beginn der Reproduktionsphase fangen die Weibchen an, ihre Eier in die Nester abzulegen. Diese haften aufgrund ihrer klebrigen Oberfläche gut am felsigen Untergrund fest. In der parentalen Phase, welche zwei bis drei Tage lang dauert, bewachen die Männchen ihre Eier und fächeln ihnen mit ihren Flossen frisches Wasser zu, bis die jungen Fische schlüpfen. Die Wassertemperatur muss dabei bei ca. 22–23 °C liegen. Die Männchen, deren Eier unbefruchtet sind und daher nicht schlüpfen können geben ihre Nester nach einiger Zeit auf. Einige Männchen bereiten keine Nester vor und umwerben auch keine Weibchen. Sie halten sich im Wasser über den Nestern auf und „klauen“ die Eier der Weibchen von ihren Nachbarn, indem sie diese selbst befruchten. Dieses parasitische Laichverhalten wird auch bei Fischen beobachtet, welche eigene Nester besitzen[5].

Vorkommen von Chromis chromis
Lockerer Schwarm von Chromis chromis

Feinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Fressfeinden von C. chromis zählen unter anderem der Braune Zackenbarsch (Epinephelus marginatus) und der Braune Drachenkopf (Scorpaena porcus)[4], welche auch häufig im Mittelmeer anzutreffen sind.

Evolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die derzeit gängigste Theorie zur Artentstehung von C. chromis wurde unter anderem durch Domingues (2005) beschrieben. Nach dieser geht man davon aus, dass nach der Austrocknung des Mittelmeers und während der Messinischen Salinitätskrise, welche vor ungefähr 6,0-5,3 Millionen Jahren stattfand, die Gattung Chromis durch die Straße von Gibraltar mit der Wiederauffüllung des Mittelmeers in genau dieses gelangte und sich dort zu C. chromis entwickelte. Währenddessen evolvierte die atlantische Abstammungslinie zu C. limbata. Es kann dennoch nicht ausgeschlossen werden, dass C. limbata und C. chromis sich erst nach der Messinischen Salinitätskrise im Atlantik entwickelten und C. chromis daraufhin das Mittelmeer besiedelte. Diese Theorie scheint jedoch unwahrscheinlich, da mit ihr eine schnelle Kolonisation des Mittelmeers und ein schnelles Aussterben von C. chromis im Atlantik in einer kurzen Zeit einhergehen würde.

Zudem konnte herausgefunden werden, dass ein intensiver Genfluss zwischen den C. chromis Individuen des Atlantiks und des Mittelmeers stattfindet. Auch innerhalb des Mittelmeers findet ein Genfluss zwischen östlichen und westlichen Individuen statt. Dieser Genfluss ist ostwärts gerichtet, sodass man davon ausgeht, dass die Art im Westen ihren Ursprung hat und sich mit der Zeit in Richtung Osten bewegte[6]

Gefährdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut der „roten Liste der gefährdeten Arten“ (IUCN) ist C. chromis keine gefährdete Art und gehört deshalb zu der Kategorie „Least Concern“[4].

Studien haben gezeigt, dass eine Aussetzung der Fische mit Lärm, welcher durch Boote verursacht wird, sich langfristig auf die Bewachungsdauer der Nester auswirkt. Wenn die Fische jedoch nur kurzzeitig dem Lärm ausgesetzt sind, zeigen diese keine Veränderungen in ihrem Verhalten[7].

Zudem kann das Füttern von Fischen eine negative Auswirkung auf die Anzahl schlüpfender Individuen haben, indem sich durch das Füttern vermehrt Räuber von C. chromis an den Brutstellen aufhalten und die Nester mit den Eiern dabei zerstören[7]

Synonyme[4][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sparus chromis Linnaeus, 1758
  • Heliastes chromis Linnaeus, 1758
  • Chromis castanea Cuvier, 1814
  • Heliastes castanea Cuvier, 1814
  • Chromis mediteranea Cloquet, 1817

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Jakov Dulčić, Miro Kraljević: Age growth and mortality of damselfish (Chromis chromis L.) in the eastern middle Adriativ. In: Fisheries Research. Nr. 22, S. 255–264.
  2. a b Jakov Dulčić: Food and Feeding Habits of the Damselfish Chromis chromis (Teleostei: Pomacentridae) in the eastern Adriatic. In: Annales. Nr. 9, S. 31–44.
  3. a b c d P. J. P. Whitehead, M. L. Bauchot, J.-C. Hureau, J. Nielsen & E. Tortonese: Fishes of the North-Eastern Atlantic and the Mediterranean (FNAM). In: Marine Species Identification Portal. P. J. P. Whitehead, M. L. Bauchot, J.-C. Hureau, J. Nielsen & E. Tortonese, abgerufen am 29. Januar 18 (englisch).
  4. a b c d e D. Loris, J. Rucabado: Check-list of the fishes of the eastern tropical Atlantic (CLOFETA). In: fishbase.org. R. Froese, D. Pauly, abgerufen am 29. Januar 2018 (englisch).
  5. Marta Picciulin, Laura Verginella, Maurizio Spoto, Enrivo A. Ferrero: Colonial nesting and the importance of the brood size in male parasitic reproduction of the Mediterranean damselfish Chromis chromis (Pisces: Pomacentridae). In: Environmental Biology of Fishes. Nr. 70, S. 23–30.
  6. Vera S. Domingues, Giuseppe Bucciarelli, Vitor C. Almada, Giacomo Bernardi: Historical colonization and demography of the Mediterranean damselfish, Chromis chromis. In: Molecular Ecology. Nr. 14, S. 4051–4063.
  7. a b Marco Milazzo, Isabella Anastasi, Trevor J. Willis: Recreational fish feeding affects coastal fish behavior and increases frequency of predation on damselfish Chromis chromis nests. In: Marine Ecology Progress Series. Nr. 310, S. 165–172.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Chromis chromis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien