Mühlenberg (Hannover)

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Mühlenberg
Stadtteil Hannover
Koordinaten: 52° 20′ N, 9° 42′ O
Fläche: 1,2 km²[1]
Einwohner: 7392 (31. Dez. 2019)[2]
Bevölkerungsdichte: 6.160 Einwohner/km²
Vorwahl: 0511

Mühlenberg ist ein Stadtteil im Südwesten von Hannover im Bezirk Ricklingen. Teile des Stadtteils gelten als sozialer Brennpunkt.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mühlenberg liegt auf dem gleichnamigen langgestreckten Hügel. Die namensgebende ehemalige Windmühle steht auf der Südseite des Hügels bereits im Stadtteil Wettbergen. Der Stadtteil wird begrenzt im Norden durch die Bückeburger Allee (B 65), im Osten durch die Hamelner Chaussee (B 217), im Süden die IGS Mühlenberg und den Pater-Kolbe-Gang und im Westen durch die Stadtgrenze zu Ronnenberg-Empelde. In Mühlenberg leben etwa 7400 Menschen.

KZ-Gedenkstätte

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Anfang Februar bis zum 6. April 1945 befand sich auf dem Hügel das KZ-Außenlager Hannover-Mühlenberg. In der Nachkriegszeit wurde daraus ein Obdachlosenlager, das Mühlenberglager. Auch wegen des KZs wurden am Mühlenberg sämtliche Straßen nach Widerstandskämpfern gegen und Opfern der Nazis benannt, darunter beispielsweise Stauffenberg, Anne Frank, Bonhoeffer, Ossietzky, Scholl, Delp oder Beck. Der Stadtteil Mühlenberg wurde in den 1960er Jahren zunächst mit Reihenhäusern und für die damalige Zeit sehr modern und offen mit weitläufigen Grünanlagen umgeben angelegten viergeschossigen Eigentums- und Mietwohnungen erbaut, denen in den 1970er Jahren zahlreiche Hochhäuser im Stile von Großwohnsiedlungen folgten. Die ursprünglichen Pläne einer noch größeren Trabantenstadt wurden später verworfen.

Mühlenberg mit U-Bahntrasse
Leonore-Goldschmidt-Schule (IGS Mühlenberg), 2018

Freizeit, Infrastruktur und Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtrandlage mit einem von parkartigen Grünflächen umgebenen Teich und die aufwendige Infrastruktur mit einer großen integrierten Gesamtschule für rund 2000 Schüler, die das Freizeitheim Weiße Rose (ebenfalls nach den Widerstand benannt), Jugendzentrum, Stadtbibliothek, Bezirkssportanlage und andere Angebote beheimatet, im Weiteren ein relativ großer Sportverein, ein großer Bahnengolfplatz, Stadtbahn und Busbahnhof, ein ökumenisches Kirchenzentrum sowie eine Fußgängerzone mit vielen Geschäften und Marktplatz werten den Wohnwert und die Lebensqualität des Stadtteils auf. Zudem gibt es mehrere Kitas, eine Grundschule und diverse soziale Angebote; ein Spielhaus, einen sozial betreuten Nachbarschaftstreff mit Mittagstisch, Hausaufgabenhilfe und Internetcafé und eine umfassende Beratungsinfrastruktur für Migranten. Außerdem befinden sich im Stadtteil Mühlenberg zwei große Verwaltungsgebäude des e.on-Konzerns. Ein Teil des Mühlenbergs gilt nicht als sozialer Brennpunkt, sondern eher als durchschnittsbürgerliches Wohnumfeld, er wird auch nach dem sozialen Kollaps des Gesamtstadtteils noch von Menschen aus der Mittelschicht bewohnt. Dieser Teil befindet sich hauptsächlich in Richtung zur Stadtgrenze nach Empelde hin und beinhaltet den Delpweg, die Bonhoefferstraße und den unteren Teil der Leuschnerstraße. Auch Teile der Straßen Reichweinweg, Julius-Leber-Weg, Schollweg und Ossietzkyring gelten noch als bürgerlich. In diesen Bereichen gibt es viele Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen. Knapp 1000 der rund 3000 Mühlenberger Haushalte können als nicht brennpunkttypisch bezeichnet werden, darunter auch ein Hochhausblock: das in den 1970er Jahren als richtungsweisend für urbanes Leben geltende Terrassenhaus Bonhoefferstraße mit rund 200 überwiegend größeren Eigentumswohnungen.

Die U-Bahn-Station Mühlenberger Markt ist neben der U-Bahn-Station Brabeckstraße in Bemerode die einzige U-Bahn-Station außerhalb des Innenstadt-Tunnelnetzes. Dort fahren die Stadtbahnlinien 3 und 7 sowie einige Buslinien.

In den 2010er Jahren wurde das Gebäude der integrierten Gesamtschule Mühlenberg aus dem Jahr 1973, das viele Einrichtungen des Stadtteils beherbergt, schrittweise vollständig abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Nach dem Neubau bekam die IGS den Namen der Pädagogin Leonore Goldschmidt und heißt nun offiziell „Leonore Goldschmidt Schule – IGS Mühlenberg“.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Mühlenberg lebten Ende 2019 7.392 Einwohner[2], 2014 waren es knapp 6.700.[3]

Der Stadtteil ist mit 39 Jahren weit unter dem Durchschnittsalter Hannovers. 25,1 % der Bewohner sind unter 18 Jahren, was der höchste Wert in Hannover ist. Der Seniorenanteil ist mit etwa 23 % durchschnittlich.[2]

In Mühlenberg haben rund 68 % der Bewohner einen Migrationshintergrund.[2] Nach Schätzungen der Stadt Hannover sprechen 20 % zu Hause Arabisch.[2]

Entwicklung zum sozialen Brennpunkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plattenbauten bei Nacht in Mühlenberg
Wohnhäuser am Canarisweg

Nachdem der 1965 gegründete Stadtteil in den Anfangsjahren als moderner neuer Stadtteil im Grünen teilweise recht beliebt war und viele einheimische Familien aus der Mittelschicht anzog, kippte das soziale Gefüge in den 1980er Jahren und einige Wohnblöcke wurden zu einer Adresse für Menschen, die nirgendwo anders Wohnraum bekommen konnten oder ihn als erste und Durchgangsstation in Deutschland nutzen. Dieser Teil des Stadtteils hat sich zu einem sozialen Brennpunkt entwickelt.

Der Canarisweg mit rund 600 Wohnungen in einem langgezogenen Hochhausblock, der zu allen Seiten von Schnellstraßen umgeben quasi vom übrigen Mühlenberg abgetrennt ist, zählt zu den problematischsten Gebieten der Stadt.[4][5][6] Im Dezember 2019 wurde bekannt, dass die städtische Hanova 216 Wohnungen am Canarisweg von Vonovia kaufen will.[7] Weitere Problemlagen sind die Hochhausblöcke Ossietzkyring 31a bis 31f und Ossietzkyring 17 bis 25.

Der Stadtteil als Ganzes weist in fast allen Sozialdaten negative Rekordwerte auf. So erhielten am 31. Dezember 2017 über 66 % der Haushalte mit Kindern und Jugendlichen Transferleistungen[8], die mit großem Abstand höchste Kinderarmutsquote der Stadt. Mühlenberg hatte im Dezember 2019 mit 16,2 % die höchste Arbeitslosenquote in Hannover.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Neß: Mühlenberg. In: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Hannover (DTBD), Teil 2, Bd. 10.2, hrsg. von Hans-Herbert Möller, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Institut für Denkmalpflege, Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig 1985, ISBN 3-528-06208-8, S. 170
  • Helmut Zimmermann: Mühlenberg. Erinnerungen an eine schmerzvolle Vergangenheit, in ders.: Linden. Vom Bauerndorf zum Ihmezentrum. Historische Streifzüge zwischen Ricklingen und Ahlem, [Hannover]: Harenberg-Labs, 1986, ISBN 978-3-89042-019-6 und ISBN 3-89042-019-2, S.
  • Sigrid Eichstädt: 30 Jahre Mühlenberg – Ein Berg. Eine Mühle. Ein Name. –. Hannover: Kulturamt 1998
  • Freizeit- und Bildungszentrum „Weiße Rose“ (Hrsg.): Das KZ-Außenlager Mühlenberg. „Vernichtung durch Arbeit“ ( = Kulturinformation, Nummer 1), Hannover: [Kulturamt], 1981
  • Künstler im Stadtteil. Friedensobjekte für den Mühlenberg ( = Kulturinformation), Hrsg.: Kulturamt der Landeshauptstadt Hannover, [circa 1984]
  • Jutta Schiecke: Fidelet Dörp mit Kiesteich-Riviera. Rundgang 8: Ricklingen / Mühlenberg, in: Hannover zu Fuß. 18 Stadtteilrundgänge durch Geschichte und Gegenwart, Hamburg: VSA-Verlag, 1989, ISBN 3-87975-471-3, S. 121–130
  • Wir Kinder vom Mühlenberg. Ein Buch von Kindern für Kinder, Hrsg.: Landeshauptstadt Hannover, Der Oberstadtdirektor, Freizeit- und Bildungszentrum Weiße Rose, 1990
  • Ulfert Herlyn, Ulrich Lakemann, Barbara Lettko: Armut und Milieu. Benachteiligte Bewohner in großstädtischen Quartieren ( = Stadtforschung aktuell), Konferenzschrift zur Tagung „Sozialstationen“ 1992 in Berlin, Basel [u. a.]: Birkhäuser, 1991, ISBN 3-7643-2692-1; Inhaltsverzeichnis
  • Insa Reichwehr: Stilleübungen und Phantasiereisen im Unterricht : Beispiele von Unterrichtserfahrungen im zweiten und dritten Schuljahr der Grundschule Mühlenberg, 1. Auflage, zugleich Staatsexamensarbeit 1998 an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Hamburg: Diplom.de, 1999, ISBN 978-3-8386-1692-6
  • Christiane Klemke-Ferber: Aktionstag „Lese-Lust“. Leseförderung an der Schul- und Stadtbibliothek Mühlenberg in Hannover, in: mb – Mitteilungsblatt der Bibliotheken in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, 2004, Ausgabe 129, S. 9–10
  • Klaus Mlynek: Mühlenberg, in: Stadtlexikon Hannover, S. 451
  • Roman Früh, Jeanett Kirsch, Karolin Thieleking, Kirsten Klehn, Sabrina Stieger: Freiraumentwicklungskonzept Mühlenberg. Sanierung soziale Stadt, Hrsg.: Landeshauptstadt Hannover, Hannover 2018
  • Mühlenberg. Integriertes Entwicklungskonzept ... Sanierung Soziale Stadt, unregelmäßig erscheinende Zeitschrift, Hannover, 2015-

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mühlenberg (Hannover) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Strukturdaten der Stadtteile und Stadtbezirke 2019. (PDF; 12 MB) In: hannover.de. S. 8, abgerufen am 9. Dezember 2019.
  2. a b c d e f Strukturdaten der Stadtbezirke und Stadtteile von Hannover. Stadt Hannover, abgerufen am 9. August 2020.
  3. Strukturdaten der Stadtteile und Stadtbezirke. Stadt Hannover, 2014, abgerufen am 9. August 2020.
  4. haz.de: Mühlenberg: So kontrovers diskutiert wurde im HAZ-Forum, 2. Mai 2017
  5. So sieht es am Canarisweg in Mühlenberg aus. Abgerufen am 9. August 2020.
  6. Brennpunkt Canarisweg: Weltausstellung einmal anders. Abgerufen am 9. August 2020.
  7. Stadt-Anzeiger West vom 5. Dezember 2019, Seite 1
  8. Strukturdaten der Stadtteile und Stadtbezirke 2019. (PDF; 12 MB) In: hannover.de. S. 99, abgerufen am 9. Dezember 2019.

Koordinaten: 52° 20′ 28,3″ N, 9° 41′ 35,6″ O