Mühlendamm (Berlin)

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Koordinaten: 52° 30′ 54,6″ N, 13° 24′ 25,3″ O

B1 Mühlendammbrücke
 Mühlendammbrücke
Blick von der Fischerinsel auf die Mühlendammbrücke
Dahinter Nikolaikirche, Rotes Rathaus und Molkenmarkt (1978)
Nutzung Straßenverkehr, Fußgänger
Überführt

Bundesstraße 1

Querung von

Spree

Ort Berlin-Mitte
Konstruktion zwei getrennte Brückenteile
Gesamtlänge 114,2 m
Breite 45,2 m
Längste Stützweite 70,2 m
Lichte Höhe 4,3 m
Baubeginn 1966
Fertigstellung 31. Dezember 1968
Lage
Mühlendamm (Berlin) (Berlin)
Mühlendamm (Berlin)

Der Mühlendamm in Berlin ist eine der Hauptverkehrsstraßen im Ortsteil Mitte und Teil der Bundesstraße 1. Der Name geht auf einen zwischen 1220 und 1230 geschaffenen Damm zurück, der zum Wehr ausgebaut mehrere Wassermühlen betrieb.[1]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mühlendammbrücke, eine 1968 gebaute Spannbetonbrücke über die Spree, verbindet den auch Fischerinsel genannten südlichen Teil der Spreeinsel mit dem Molkenmarkt auf dem nordöstlichen Spreeufer. Von dort verläuft der Straßenzug aus Gruner- und Alexanderstraße weiter zum Alexanderplatz im Nordosten. In der Gegenrichtung führt im Verlauf der Gertraudenstraße die Gertraudenbrücke über den Spreekanal zum Spittelmarkt und von dort die Leipziger Straße zum Leipziger Platz und Potsdamer Platz.

Neben der nördlich verlaufenden Magistrale aus Straße des 17. Juni, Unter den Linden, Schloßplatz und Karl-Liebknecht-Straße trägt der Mühlendamm im Bereich der historischen Mitte Berlins den Hauptteil des Verkehrs von der City West (Kurfürstendamm, Breitscheidplatz und Tauentzienstraße) in Richtung Alexanderplatz bzw. die nordöstlichen Berliner Bezirke (Pankow, Lichtenberg, Ortsteil Friedrichshain von Friedrichshain-Kreuzberg, Marzahn-Hellersdorf) und ist daher entsprechend frequentiert.

Östlich der Straßenbrücke befindet sich die Mühlendammschleuse.

Geschichte der Straße und der Brücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Künstlerisch-phantasievolle Darstellung von Berlin (rechts)
und Cölln (links), um 1400

Der Mühlendamm gilt als Keimzelle der spätmittelalterlichen Doppelstadt Berlin-Cölln, die sich ab ca. 1200 um das Nikolaiviertel mit dem Olde Markt (Alter Markt, der heutige Molkenmarkt) sowie dem Petriplatz in der Stadt Cölln auf der heutigen Spreeinsel entwickelte.[2]

Seine Entstehungsgeschichte hängt mit der Lage an einem Fernhandelsweg zwischen dem Teltow (von Halle und Wittenberg her) und dem Barnim (Richtung Oderberg und Stettin) zusammen, der an dieser schmalen und flachen Stelle den Spreefluss kreuzte. Im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts angelegt, entstand der neue Spreepass in Konkurrenz zu den bisherigen Übergängen in Spandau und Köpenick. An der Furt wurde zunächst eine Brücke errichtet, die zur Regulierung des Wasserstandes zu einem Stauwehr ausgebaut wurde, um die Wasserkraft für verschiedene Mühlen zu nutzen.[3]

Die jüngere Forschung hat durch eine neue Auswertung der baugeologischen Karte von Berlin 2003 festgestellt, dass der Mühlendamm keineswegs an der engsten Stelle der Spree errichtet wurde. Dieser Stelle mit 160 Metern steht eine deutlich engere Stelle von 80 Metern an der heutigen Rathausbrücke gegenüber. Der Spreearm hatte an beiden Stellen steile Ufer von ungefähr drei Metern Höhe, die Wassertiefe betrug ebenfalls deutlich mehr als zwei Meter. Eine Furt kam also nicht in Frage, zumal die Möglichkeit von Rampen nicht gegeben war. Die deutlich engere Stelle musste also frühdeutschen Siedlern für die Überquerung der Spree geeigneter erscheinen als die Situation am Mühlendamm und dem späteren Köllnischen Fischmarkt.[4]

Der Name Mühlendamm („Molendam tu Berlin“) stammt aus der Zeit der Stadtgründung, als der Damm der einzige befestigte Spreeübergang zwischen den Städten Berlin und Cölln war. Dort liefen die im Spreetal angelegten Fernstraßen zusammen. Zugleich diente der Mühlendamm als Staudamm für die ab 1220 betriebenen Wassermühlen. Die sechs Korn-, Walk- und Schneidemühlen lagen quer durch den Fluss, nur ein Mittelstück zur Schiffspassage wurde freigehalten. Die einträglichen Mühlen befanden sich ab 1448 im Besitz des Landesherrn, verwaltet durch das Kurfürstliche Amt Mühlenhof (heute Standort Neue Münze). Die hier bearbeiteten Erzeugnisse wurden in einfachen hölzernen Buden an Ort und Stelle zum Verkauf angeboten. Das bestehende Stapelrecht beim Umladen der Schiffe auf ihrem Weg zwischen Schlesien und Hamburg führte zur Niederlassung weiterer Händler, was der Stadtkasse wiederum zu guten Einnahmen verhalf. Am Mühlendamm herrschte ein reges Markttreiben.

Die einfachen alten Verkaufsstände wurden 1687 auf Geheiß des Großen Kurfürsten im Zusammenhang mit einem befestigten Flussübergang in Stein neu errichtet:

„Um dem Ganzen ein besseres Aussehn zu geben, wurde das Untergeschoss des Baues als Arkaden eingerichtet, während auf der südlichen Seite des Mühlendamms der Durchgang auf die sogenannte Fischerbrücke mit einem hohen Portal verziert wurde, über dessen Schlussstein die Büste des Kurfürsten aufgestellt ward. Die fünf Gänge, wodurch das Wasser gegenwärtig auf die Mühlen einströmt, liess Friedrich I. in den Jahren 1706 bis 1710 durch den Baumeister Soothé aus Quadern ausführen.“

Samuel Heinrich Spiker: Berlin und seine Umgebung im 19. Jahrhundert

Die neuen Verkaufseinrichtungen – sechs massive Gewölbe – wurden nach Plänen von Johann Arnold Nering gebaut und Mühlenkolonnaden genannt. Über ihnen befand sich ein Saal, der den Kaufleuten für Zusammenkünfte diente und bis 1739 auch als Börse fungierte.[5]

Blick vom Molkenmarkt auf den Mühlendamm, im Vordergrund das Ephraim-Palais; um 1830
Mühlendamm mit Mühlendammgebäude, 1902

Nach mehreren Bränden in den folgenden Jahrzehnten wurden die Kolonnaden Anfang des 19. Jahrhunderts aus Sandstein neu errichtet. Der Mühlendamm war zu dieser Zeit eine belebte Geschäftsstraße.

Eine neu gebaute 110 Meter lange Schleuse am Mühlendamm ersetzte 1888 die seit dem Mittelalter mehrfach vergrößerte Schleuse im Spreekanal. Das Spreebett wurde für die zunehmenden Schiffstransporte vertieft und die Brücke umgestaltet. Die Mühlen stellten nun ein Hindernis dar, weswegen der Mühlenbetrieb eingestellt und die Gebäude bis 1892 abgerissen wurden. Das 1850 errichtete „Mühlendammgebäude“, eine burgenartig aus rot-gelben Ziegelsteinen mit Türmen und Zinnen gestaltete Getreidemühle, wurde bis 1893 von Hermann Blankenstein zum Sitz der Städtischen Sparkasse umgebaut. Die Sparkasse war zuvor zusammen mit der Armenverwaltung im alten Berliner Rathaus untergebracht. Bei den Berlinern hieß das Gebäude die „Normannenburg“, was von der Bezeichnung des früher an dieser Stelle vorhandenen Kastells abgeleitet worden war. Dabei handelte es sich aber um einen Mehlspeicher. Gottfried Keller, der 1850 bis 1855 in Berlin weilte, erwähnte dieses Gebäude in seinem Gedicht Mühlenromantik mit folgenden Reimen:

„Doch zu Berlin, im ästhetisch erweckten,
da sah ich nagelneu und auf das beste
ausgeführt vom Staatsarchitekten
eine gewaltige normannische Feste.
Und es war eine Mehlfabrike,
hoch und herrlich mit Zinnen und Türmen.
Schäumend und brausend unter der Brücke
sehen die Berliner die Spree herstürmen!“[5]

Erstmals ließen die Stadtoberen – nach einer Vertiefung des Flussbettes – eine auch als Brücke erkennbare Stahlkonstruktion errichten. Zusätzlich mussten weitere Brücken angelegt werden, um die „Gerinne“ und die Kammerschleuse überqueren zu können. Sieben verschiedene eiserne Brückenkonstruktionen verbanden schließlich die Schleuse mit den beiden Ufern der Spree. Es handelte sich unter anderem um die Straßenbrücken Fischerbrücke und Mühlendammbrücke, deren Stützen aus Gusseisen bestanden und die auf eisernen Trägern unterhalb der Fahrbahnen lagerten. Die Mühlendammbrücke erhielt eine 15 Meter breite Fahrbahn für den inzwischen enorm angewachsenen Kutschenverkehr. Für die Fußgänger gab es beiderseits 8,5 Meter breite Gehwege. Die den Fußgängern vorbehaltene neue bogenförmige Mühlenwegbrücke über das „Große Gerinne“ war 4,5 Meter breit und ornamental verziert.

Teilansicht der Schleuse, links hinten das Märkische Museum

Zwischen 1936 und 1940 wurde der Mühlendamm erneut umgestaltet, wobei das Mühlendammgebäude und das Wehr verschwanden, genauso wie das Ephraim-Palais an der Ecke Poststraße. Der Beginn des Zweiten Weltkriegs verhinderte die Vollendung der Umbauarbeiten. Zwei je 35 Meter lange und elf Meter breite stählerne Fachwerkbrücken nach beiden Seiten der Schleuse und eine Stahlbalkenbrücke über den Wehrkanal standen zur Verfügung. In den letzten Kriegstagen wurden die Brücken von der Wehrmacht gesprengt.

Mühlendammschleuse mit Schleusenwärter-Häuschen und der Behelfsbrücke von 1946,
Foto von 1956

Im Jahr 1946 begann eine behelfsmäßige Wiederherstellung der stählernen Tragwerksteile, die aus der Spree geborgen werden konnten. Die reparierte Mühlendammbrücke wurde am 1. September 1946 dem Verkehr übergeben. In den 1960er Jahren wurde die Anlage eines modernen Brückenbauwerks geplant. 1964 mussten zunächst Reste der alten Schleusenanlagen abgetragen und der Spreegrund beräumt werden. Zwischen 1966 und 1968 entstand eine schmucklose dreifeldrige Spannbetonbrücke. Die Brücke besteht aus zwei getrennten Brückenteilen, jedes Teil besitzt zehn Meter breite Gehwege und mehrere Fahrspuren. Die Hohlkästen enthalten die notwendigen Versorgungsleitungen. Die Brücke galt bei ihrer Fertigstellung als die größte in der DDR gebaute Straßenbrücke. Anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins wurde von 1985 bis 1987 das Ephraim-Palais etwa zwölf Meter nördlich von seinem Vorkriegsstandort wieder aufgebaut.[6]

Institutionen im näheren Bereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene Dachverbände der deutschen Arbeitgeber sind an der Ecke Breite Straße im Haus der Deutschen Wirtschaft vertreten. Hier haben unter anderen der BDI, der DIHK und die BDA seit 1999 ihren Sitz.

Sehenswertes in der Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[7]

Fries (Kopie der Schadowschen Fassung) am Münzgebäude Molkenmarkt 1–3

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eckhard Thiemann, Dieter Deszyk, Horstpeter Metzing: Berlin und seine Brücken. Jaron, Berlin 2003, Seiten 45–50, ISBN 3-89773-073-1
  • Herbert Schwenk: Lexikon der Berliner Stadtentwicklung. Haude & Spener, Berlin 2002, ISBN 3-7759-0472-7, S. 36.
  • Ehrenfried Kluckert: Berlin – Photographien von Waldemar Titzenthaler. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 1987, ISBN 3-87584-195-6, S. 42
  • G. Flügge: Mühlendammbrücke. Berliner ABC. Serie in der BZ am Abend, 1968

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mühlendammbrücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Mühlenstau reichte bis nach Köpenick, wo er zwischen 1220 und 1230 erkennbar wird (Michael Malliaris: Ausgrabungen in der Altstadt von Berlin-Köpenick. In: Miscelleanea Archaeologica, Berlin 2000, S. 124.)
  2. Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Geschichte Berlins, Bd. 1, München 1987, S.  152f.
  3. Hansjürgen Vahldiek: Cölln an der Spree. Ursprung und Wandel der Berliner Spreeinsel. Neue Ansätze in der Forschung. 2. Aufl. Berlin 2005.
  4. Vahldiek, Hansjürgen: Cölln an der Spree. Ursprung und Wandel der Berliner Spreeinsel. Neue Ansätze in der Forschung, Berlin 2005. Ders: Berlin. Neue Erkenntnisse zur Gründung und Stadtentwicklung, Berlin 2007.
  5. a b Winfried Löschburg: Die „Normannenburg“ vom Mühlendamm. Vom ältesten Platz unserer Stadt an der schmalsten Stelle der Spree. Spaziergänge durch die Berliner Geschichte. In: Berliner Zeitung, 13. April 1982
  6. Mühlendamm. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  7. Mühlendamm, Mühlendammbrücke auf Berlin.de