Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden

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Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden e.V. (MV)
Mülheimer Verband Logo.jpg
Rechtsform e. V.
Gründung 1909 (1909 fand die erste Mülheimer Konferenz statt)
Sitz Bremen
Personen Ekkehart Vetter (Präses); Hans-Peter Pache (stellvertretender Präses)
Aktionsraum Deutschland
Mitglieder 43 Gemeinden, ca. 4.700 Mitglieder (Stand 31.12.2015)[1]
Website www.muelheimer-verband.de

Der Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV) ist eine Freikirche evangelikal-charismatischer Prägung.

Selbstverständnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband versteht sich als eine evangelische Freikirche in Deutschland auf der Grundlage einer evangelikal-charismatischen Frömmigkeit bzw. Theologie und bietet selbständigen Ortsgemeinden eine geistliche Lebens- und Dienstgemeinschaft.

Im Verständnis des MV ist Gemeinde Jesu die Gemeinschaft von Menschen, die durch den gemeinsamen Glauben an Jesus Christus miteinander verbunden sind. Durch Glaubenstaufe und Abendmahl wird das Heilsangebot Jesu ganzheitlich erfahrbar gemacht. Die Bibel ist die Grundlage für Glauben und Leben der einzelnen Glaubenden, sowie der Gemeinde.

Organisation und Aufgabenschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband ist als eingetragener Verein organisiert, dem die einzelnen rechtlich selbstständigen Ortsgemeinden als Mitglieder angehören. Er wird von einem Vorstand geleitet, welcher der Mitgliederversammlung gegenüber rechenschaftspflichtig ist. Erster Vorsitzender des Vereins und damit gleichzeitig Präses des MV ist zurzeit Pastor Ekkehart Vetter, Mülheim an der Ruhr. Der Paulus-Gemeinde Bremen des Mülheimer Verbandes wurde im November 2015 die Rechtsstellung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR) verliehen

Oberstes Entscheidungsgremium des MV ist die einmal jährlich stattfindende Delegiertentagung, die sich aus den Delegierten der einzelnen Gemeinden zusammensetzt.

Derzeit gehören dem Verband 43 Gemeinden mit insgesamt ca. 4.700 Mitgliedern an (ohne Kinder und regelmäßig teilnehmende Nichtmitglieder; Stand 2015).[1] Die meisten Gemeinden des Mülheimer Verbands sind ihrem Rechtsstatus nach eingetragene Vereine. Damit sind sie innerhalb des Verbandes in ihren Ordnungen, Einrichtungen und Beschlüssen selbständig. Die Ortsgemeinde ist also autonom und bleibt maßgebend die Trägerin des geistlichen Lebens.

Die Leitung jeder Ortsgemeinde wird in der Regel durch einen berufenen Gemeindeleitungskreis (Ältestenkreis) ausgeübt. Der/die ordinierte Pastor/in beziehungsweise der Gemeindeleiter übt seinen/ihren Dienst in diesem Leitungskreis als primus inter pares aus. Die Finanzierung der Gehälter und des gemeindlichen Lebens geschieht über freiwillige Spenden der Gemeindeglieder.

Der Verband legt einen Schwerpunkt auf die Reevangelisierung Deutschlands, besonders mit dem Ziel, neue Gemeinden zu gründen. Daneben werden Partnerkirchen in Sambia und Indonesien unterstützt.

Neben dem Verein besteht auch weiterhin die 1913 gegründete GmbH. Sie übernimmt entsprechend ihrer ursprünglichen Aufgabe als Hilfswerk für den MV und die ihm angeschlossenen Gemeinden wichtige Unterstützungsaufgaben, wie z. B. Verlag, Zeitschrift, Veranstaltungen, Versorgung von Pastoren im Ruhestand und Immobilienverwaltung.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband ist der älteste pfingstkirchliche Verband Deutschlands. Er hat seine geschichtlichen Wurzeln in einer Erweckung, die im Jahr 1905 in Mülheim an der Ruhr begann und sich in anderen Regionen Deutschlands fortsetzte. Bereits im Vorfeld hatte es in Deutschland, ausgelöst durch die Erweckungsbewegung von Wales und unter dem Einfluss der Heiligungsbewegung seit Entstehung der Keswick-Bewegung, eine starke Erwartung für eine Erweckung und ein neues Pfingsten gegeben. Die führenden Männer der deutschen Gemeinschaftsbewegung waren durch diese Erwartungen geprägt. Einflussreich waren z. B. die Mülheimer Pfarrer Ernst Modersohn und Martin Girkon, der Evangelist und Gründer der Deutschen Zeltmission Jakob Vetter sowie Jonathan Paul. Die 1905 ausgebrochene Erweckung in Mülheim und Umgebung wurde daher als Parallele zu den Ereignissen in Wales gesehen aber auch als ein neues Pfingsten gedeutet.[2]

Parallel zu der Erweckung in Mülheim kam die Pfingstbewegung, die 1906 mit dem Azusa Street Revival ihren Anfang genommen hatte, auch nach Europa und Deutschland und nahm Einfluss auf die Erweckung. Innerhalb der Gemeinschaftsbewegung kam es in den folgenden Jahren jedoch zu einer unterschiedlichen Beurteilung der sich entwickelnden Heilig-Geist-Bewegung. Die anfängliche Hoffnung, mit den neuen Heilig-Geist-Erfahrungen einen Reformimpuls in die etablierten Kirchen zu geben, erfüllte sich somit nicht. In der Berliner Erklärung von 1909 verurteilten führende Männer des Gnadauer Verbandes und der Evangelischen Allianz die Erscheinungen der Pfingstbewegung als „nicht von oben, sondern von unten“ und Jonathan Pauls Heiligungslehre vom „reinen Herzen“ als unbiblisch.[3]

Personen und Gemeinschaften, die an der Pfingsterweckung festhielten, wurden in der Folge aus der Gemeinschaftsbewegung und der Evangelischen Allianz hinausgedrängt. Die Betroffenen schlossen sich 1913 unter Jonathan Paul zur Christlichen Kolportage-Gesellschaft mbH zusammen. Ab 1938 war die offizielle Benennung Christlicher Gemeinschaftsverband Mülheim a. d. Ruhr (CGV). Der Name verdeutlicht die Nähe zur Gemeinschaftsbewegung. Die Organisationsform als GmbH wurde gewählt, da die Gründer nicht an eine endgültige Trennung von der Gemeinschaftsbewegung glaubten und daher keine Körperschaftsrechte anstrebten.[4]

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der Mülheimer Gemeinschaftsverband zu einer gemäßigt pfingstkirchlichen Organisation. Verstanden sich die Gemeinden des Verbandes in den ersten Jahrzehnten eher als Gemeinschaften mit enger Verbundenheit zu ihren landeskirchlichen Wurzeln, so entwickelten sie sich, lokal in durchaus unterschiedlicher Geschwindigkeit, immer mehr zu Gemeinden eines freikirchlichen Typus. Im Februar 1998 mündete dieser Prozess in der Verabschiedung eines neuen Selbstverständnisses und einer neuen Namensgebung: Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden.

2009, 100 Jahre nach der Verabschiedung der Berliner Erklärung, verabschiedete der Mülheimer Verband und der Evangelische Gnadauer Gemeinschaftsverband eine gemeinsame Erklärung zur Berliner Erklärung von 1909. Darin heißt es: "Wir erkennen in der >Berliner Erklärung< wie auch in der Mülheimer Erwiderung ein ernsthaftes geistliches Ringen, in kritischer Zeit Schaden von der Gemeinde Jesu abzuwenden. Diese historischen Dokumente haben jedoch für das gegenwärtige Miteinander von Gnadauer und Mülheimer Verband keine Bedeutung. Wir wissen, dass in der jeweils anderen Bewegung der Geist Jesu Christi wirkt."

Im April 2013 gab sich der Verband auf seiner Delegiertentagung in Bremen eine neue Rechtsform als eingetragener Verein. Bis dahin war der MV historisch bedingt als gemeinnützig anerkannte GmbH organisiert, wobei die Entscheidungsabläufe und das Miteinander der Gemeinden von Anfang an eher einem Verein als einer GmbH entsprachen.[1]

Ökumene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf verschiedenen Ebenen pflegt der Mülheimer Verband Beziehungen zu anderen Kirchen. Seit 1970 bestand eine Gastmitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), seit 2009 ist der Mülheimer Verband Vollmitglied der ACK. Seit 1981 besteht eine Vollmitgliedschaft in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF).

Die frühere Zugehörigkeit zum Forum Freikirchlicher Pfingstgemeinden (FFP) wurde 2002 vom Mülheimer Verband beendet, einmal um keine Parallelstruktur zur Vereinigung Evangelischer Freikirchen zu fördern, aber auch, weil der Verband sich lehrmäßig nicht als klassische Pfingstkirche begreift.[5]

Die Gemeinden des Mülheimer Verbandes sind der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) eng verbunden. MV-Präses Ekkehart Vetter gehört seit 2004 zum Hauptvorstand der DEA und ist seit 2012 Zweiter Vorsitzender dieses bundesweiten Netzwerks evangelischer Christen.

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lange lagen für den Mülheimer Verband keine genauen statistischen Zahlen vor. Die Zahl der Zugehörigen vor 1945 dürfte bei ca. 30.000 gelegen haben. Nach 1945 war der Verlust der starken Mitgliederverbände im Osten zu verkraften. Hinzu kam ein starker Schrumpfungsprozess in der Bundesrepublik in den ersten Nachkriegsjahrzehnten.[6] Die statistische Entwicklung der Mitgliederzahlen (Personen ab 14 Jahren) seit 2006:

Jahr 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Mitglieder 3425 3514 3659 3858 4037 4103 4374 4419 4478
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Die DNA des Mülheimer Verbandes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2015 verabschiedete die Delegiertentagung des MV die sogenannte DNA des Mülheimer Verbandes. Dieser Text wurde dem MV-Selbstverständnis hinzugefügt. Darin heißt es:

Unsere Berufung

Der Mülheimer Verband ehrt Gott, indem er durch seine Gemeinden das Beste für die Menschen und Städte unseres Landes sucht.

Unsere Vision

Wir erstreben gesunde Gemeinden,

  1. die sich ständig erneuern lassen.
  2. die vor allem dadurch wachsen, dass Menschen zum Glauben finden.
  3. die sich für die Gründung neuer Gemeinden einsetzen.
  4. die sich sozial und gesellschaftlich engagieren.

Unsere Glaubenskultur

  • Vertrauen in Gott, unseren Vater
  • Leidenschaft für Jesus Christus
  • Erfüllung mit dem Heiligen Geist
  • Wachstum in der Christusähnlichkeit
  • Begeisterung im Bezeugen des Evangeliums
  • Erwartung von Zeichen und Wundern
  • Sehnsucht nach dem Reich Gottes

Unsere Werte – Wir entscheiden uns für:

  • Vertrauen auf die Zuverlässigkeit der Bibel
  • Verantwortung in allen Lebensbereichen
  • Verbindlichkeit in unseren Beziehungen
  • Wertschätzung von Mitarbeitern und Leitern
  • Verpflichtung zur Einheit in Vielfalt
  • Inspiration durch unser geistliches Erbe
  • Zusammenarbeit mit anderen Partnern

Unser grundlegender Arbeitsauftrag

Wir engagieren uns als Mülheimer Verband für die Förderung gesunder Führungspersönlichkeiten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ekkehart Vetter: Jahrhundertbilanz – erweckungsfasziniert und durststreckenerprobt. Missionsverlag des Mülheimer Verbandes, Bremen 2009, ISBN 978-3-923649-30-3.
  • Monatszeitschrift Gemeinde KONKRET

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Bericht auf der Website der Deutschen Evangelischen Allianz: Mülheimer Verband: nach 100 Jahren neuer Dachverband. Anmerkung: Offiziell sind 43 Gemeinden Mitglieder des Mülheimer Verbandes Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden e.V.
  2. Erich Geldbach: Freikirchen - Erbe, Gestalt und Wirkung. Bensheimer Hefte 70. 2. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, S. 270 f.
  3. Erich Geldbach: Freikirchen - Erbe, Gestalt und Wirkung. Bensheimer Hefte 70. 2. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, S. 272 f.
  4. Erich Geldbach: Freikirchen - Erbe, Gestalt und Wirkung. Bensheimer Hefte 70. 2. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, S. 273f.; Aus der Geschichte des Mülheimer Verbandes auf muehlheimer-verband.de (abgerufen: 4. Juli 2012); Ekkehart Vetter: Jahrhundertbilanz – erweckungsfasziniert und durststreckenerprobt. Missionsverlag des Mülheimer Verbandes Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden, Mülheim a. d. Ruhr 2009, S. 11.
  5. Mülheimer Verband verlässt Pfingst-Forum, 23. September 2002, auf livenet.de (abgerufen: 4. Juli 2012)
  6. Ekkehart Vetter: Jahrhundertbilanz. 1. Auflage. Missionsverlag des Mülheimer Verbandes, Bremen 2009, S. 334 ff.