Mülldorf

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Koordinaten: 50° 47′ 3″ N, 7° 11′ 34″ O

Mülldorf
Postleitzahl: 53757
Vorwahl: 02241
„Induktion“ von Wolfgang Göddertz
„Induktion“ von Wolfgang Göddertz

Mülldorf ist ein Stadtbezirk der Stadt Sankt Augustin im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis, Nordrhein-Westfalen. Von 1816 bis 1969 bildete der Ort die eigenständige Gemeinde Siegburg-Mülldorf. Frühere Namen waren auch Oeckmüllendorp, Moelendorp, Mölendorp, Mulendorp, Mühldorf, Mulindorf, Müllendorf und Mullendorp. Der Name leitet sich von einer Wassermühle ab, die auf dem linken Siegufer von Mönchen der Siegburger Abtei errichtet war. Wo die Mühle stand, ist nicht mehr bekannt. Ortsvorsteher von Mülldorf ist Heinz-Peter Schumacher.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden markiert die Sieg die Grenze zu Siegburg, im Osten grenzt Mülldorf an Niederpleis, im Süden an Sankt Augustin-Ort und im Westen an Menden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Besiedlung des Gebietes von Mülldorf geht wenigstens bis auf 500 v. Chr. zurück, was Urnenfunde an der Bonner Straße bestätigen.

Ab dem 7. Jahrhundert wurde das Land an der Verkehrsverbindung zwischen Bonn und Siegburg als Weilersiedlung genutzt. Zwischen dem 10. und dem 13. Jahrhundert wuchsen die einzelnen Höfe zu Siedlungen zusammen. Unterdessen gab es um 1070 die erste Gründungsurkunde durch die Abtei Siegburg für Mulendorp bzw. auch Mulindorp bei der Übergabe des Landes vom Kölner Erzbischof Anno II. Der Name stammt von einer Mühle, die von den Mönchen der Abtei am linken Siegufer errichtet wurde.

1844 wurde die Verkehrsverbindung zwischen Bonn und Siegburg als befestigte Chaussee ausgebaut. 55 Jahre später wurde Mülldorf an das Bröltalbahn-Netz angeschlossen, was Anbindungen nach Beuel, Hennef, Ruppichteroth, ins Siebengebirge, Siegburg, Waldbröl sowie Teile des heutigen Rheinland-Pfalz mit sich brachte. Die Strecken wurden aber 1954 bzw. 1967 aufgegeben.

1906 musste die Gemeinde Siegburg-Mülldorf die rechts an der Sieg liegenden Gemeindeteile Hornpott und Zange an Siegburg abgeben, so dass die Sieg neue Gemeindegrenze wurde. Am 1. August 1969 entstand durch die kommunale Neugliederung die Großgemeinde Sankt Augustin (die heute eine Stadt ist), zu der auch Mülldorf gehört.[1] Mülldorf gab Gebiet für Teile des neuen Gemeindeteils Sankt Augustin-Ort ab.[2]

Zeitleiste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Geschehnis
um 500 v. Chr. Urnenfunde an der Bonner Straße auf einer Terrasse südlich des Friedhofes sind die ersten beweisbaren Nachweise einer Besiedlung.
um 100 v. Chr. Erste germanische Siedlungsvorstöße durch die Sigambrer sind nachgewiesen.
um 0600 Mülldorf wird als Weilersiedlung an der wichtigen Verkehrsverbindung von Bonn nach Siegburg genutzt.
um 700–0800 Einzelhofanlagen werden wegen der fränkischen Landnahme an der Sieg gegründet.
um 900–1200 Die einzelnen Höfe wachsen zu Siedlungen zusammen und bilden Grundlagen für ein Ortsbild. Gemeinschaften haben eigene Rechtssatzungen.
um 1070 Eine Gründungsurkunde durch die Abtei Siegburg mit der Bezeichnung Mulendorp bzw. auch Mulindorp wird anlässlich der Übergabe des Gebietes vom Erzbischof Anno II. von Köln ausgestellt.
1121 Mülldorf wird in einer Urkunde über „eine Mühle im Siegdorf“ von den Brüdern und Mönchen der Michelsberger Abtei erwähnt.
um 1380 Mülldorf und die anderen Honnschaften Buisdorf und Niederpleis waren dem Kirchspiel Niederpleis zugehörig. Alle unterstanden dem Amt Blankenberg und gehörten zum Herzogtum Berg.
1815 Das Gebiet wird vom Wiener Kongress dem Königreich Preußen zugesagt. Mülldorf wird in die Bürgermeisterei Menden in der Provinz Jülich-Kleve-Berg eingegliedert.
1816 Der Name der Gemeinde wird offiziell als Siegburg-Mülldorf bezeichnet. Damals hatte die Gemeinde 240 Einwohner.
1844 Die Verkehrsverbindung von Bonn nach Siegburg durch Mülldorf wird mit einer befestigten Chaussee ausgebaut.
1899 Mülldorf wird an das Bröltalbahn-Netz angeschlossen. Diese bietet Anschlüsse nach Beuel, zu anderen Orten im heutigen Sankt Augustin, nach Hennef und Ruppichteroth, ins Siebengebirge, nach Siegburg und Waldbröl sowie in Teile des heutigen Rheinland-Pfalz. Die Bahn wurde jedoch 1954 bzw. 1967 aufgegeben.
1906 Aufgrund eines Antrags der am rechten Siegufer liegenden Orte Hornpott und Zange, Gemeindeteile von Siegburg-Mülldorf, auf Umgliederung in die Stadt Siegburg im Jahr 1867 wurde nunmehr nach beinahe 40 Jahren deren Wunsch entsprochen.
1923 Das Gut Friedrichstein wird durch den damaligen Architekten und Ziegeleibesitzer Fritz Becker erbaut.
1938 Die katholische Pfarrkirche St. Mariä Heimsuchung war die letzte, deren Bau unter nationalsozialistischer Herrschaft im Deutschen Reich genehmigt wurde.
1969 Die bisher selbständige Gemeinde wird am 1. August in die neue Gemeinde Sankt Augustin eingegliedert.[3] Mülldorf gibt ein Teilgebiet an den neugebildeten Gemeindeteil Sankt Augustin-Ort ab.
um 1970 Die Hochhäuser in der Ankerstraße werden errichtet.
1972 Die erste Sankt Augustiner Stadtbibliothek wird im Haus Mülldorf eröffnet.
1977 Die Gemeinde Sankt Augustin erhält die Stadtrechte.
1981 Das Dietrich-Bonhoeffer-Haus wird fertiggestellt und bietet eine Räumlichkeit für die Protestanten.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römisch-Katholisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kath. Pfarrkirche St. Mariä Heimsuchung (Gottfried-Salz-Straße)

Meindorf, Menden und Mülldorf bilden gemeinsam die Seelsorgegemeinschaft Sankt Augustin - Untere Sieg im Dekanat Siegburg/Sankt Augustin. Diese besteht aus rund 10.000 Katholiken. Der Zusammenschluss fand statt, da die Zahl der Katholiken und Priester zurückgeht, Kirchen und kirchliche Einrichtungen kaum genutzt werden und diese aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr haltbar sind. Hauptaufgabe der Kirchengemeinschaft ist es „die kleinen Lebensräume“ der „Kirchengemeinden zu erhalten, zu schützen und zu pflegen“.

Einrichtungen der Kirchengemeinschaft St. Mariä Heimsuchung ist die gleichnamige Pfarrkirche in der Gottfried-Salz-Straße, das Pfarrzentrum mit Bücherei und der Kindergarten Sternschnuppe im Pfarrweg wie auch die Grundschule St. Martin in der Gartenstraße.

Evangelisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtteile Mülldorf und Niederpleis sind in der Evangelischen Kirchengemeinde Sankt Augustin Niederpleis und Mülldorf zusammengefasst. Die Kirchengemeinde ist Teil des Kirchenkreises „An Sieg und Rhein“, welcher wiederum ein Kirchenkreis der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKIR) ist. In der Konzeption der Kirchengemeinde ist zu lesen, dass sie vereinbart haben, vermehrt das Ehrenamt auszubauen, verstärkt Veranstaltungen durchzuführen, mehr mit anderen Institutionen zusammenzuarbeiten, sowie die Jugendarbeit auszubauen.

Zu den Einrichtungen gehören das Dietrich-Bonhoeffer-Haus in der gleichnamigen Straße, sowie der gemeinsame Kindergarten Menschenkinder und eine Bücherei in der Schulstraße in Niederpleis.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mülldorf hat von 1969 bis 2002 seine Einwohnerzahl mehr als verdoppelt und hat mit Niederpleis das höchste Bevölkerungswachstum. Diese Entwicklung ist vermutlich auf den Bau der Hochhäuser zurückzuführen.

1969 hatte Mülldorf 3.852 Einwohner (11,93 % der Einwohner Sankt Augustins), 2002 dagegen 8.757 (15,29 % der Einwohner Sankt Augustins). Ein besonders hohes Wachstum ist zwischen den Jahren 1969 und 1975 zu erkennen (1.815 zugezogen), als die kommunale Neugliederung durchgeführt wurde, sowie zwischen 1985 und 1990 (2.402 zugezogen), wo wohl die Hochhäuser bewohnt wurden.

Jahr Einwohner[4]
1816 240
1843 320
1871 569
1905 1282
1961 3338

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswert in Mülldorf ist der Lindenhof an der Bonner Straße, der heute restauriert eine Gaststätte ist. Ebenfalls interessant ist das Gut Friedrichstein an der Schulstraße, welches um 1923 durch den damaligen Architekten und Ziegeleibesitzer Fritz Becker erbaut wurde.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maibrauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. April wird auf der Wiese hinter der Pfarrkirche St. Mariä Heimsuchung durch den Maiclub Mülldorf jedes Jahr ein hoher, geschmückter Maibaum aufgestellt. Zur Sicherung der Stabilität ist noch ein Drehleiterfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr da. Auf der Pfarrwiese ist außerdem noch ein großes Zelt, in dem u.a. der Tanz in den Mai gefeiert wird.

Jedes Jahr findet ein Verkauf der Maibräute statt. Dabei werden alle „Jungfrauen“, also die unverheirateten Mädchen ab 16 Jahren, unter den Junggesellen versteigert. So wird ein Maikönigspaar, wie auch ein 1. und 2. Grafenpaar ermittelt. Hinzu kommt noch ein sogenannter Rötzjesvadder (auch Maivater). Die Höchstbietenden des Maiverkaufs sind bis zum nächsten Jahr das jeweilige Paar. Zu Ehren des Maikönigspaares wird das Maifest gefeiert.

Junggesellen stecken ihrer Liebsten einen mehr oder minder großen „Mai“, d. h., sie schmücken eine Birke oder wenigstens einen Birkenzweig und befestigen ihn am Haus oder Fenster der Auserwählten. Jener hat meist auch ein aus Holz gesägtes, rot angemaltes Herz mit dem Namen der Geliebten. Maibaum und Maie werden erst am Monatsende abgebrochen bzw. abgehängt. Dann erhält man einen Kasten Bier, wenn man „unerwünscht“ ist oder es sich nur um einen Freundschaftsbaum handelt, bei Zweigen ist es jedoch nur eine Flasche Bier.

Siehe auch: Maibrauchtum im Rheinland.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernstraßen durch Mülldorf


Haltestelle Sankt Augustin-Mülldorf (Mendener Straße)

Die Autobahnanschlussstelle Sankt Augustin (AS3) an die A 560 liegt in Mülldorf. Auch liegt Mülldorf an der Siegburger Bahn der Bonner Stadtbahn. Deren dortige Haltestelle heißt Sankt Augustin-Mülldorf.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freiwillige Feuerwehr - Löschzug Mülldorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1890 trat erstmals der Löschzug (LZ) als Feuer-Corps bei einem Zusammenschluss von Bürgern Sieburg-Mülldorfs und Mendens auf. Heute jedoch ist er Teil der Freiwilligen Feuerwehr Sankt Augustin als Löschzug Mülldorf. Als Feuerwehrhaus wird seit 1965 das Haus an der Gartenstraßen genutzt. In diesem ist eine Werkstatt für die Wartung von Atemschutz, sowie ein großer Schulungsraum und eine Einsatzzentrale. Der LZ Mülldorf verfügt über 4 Fahrzeuge: ein Einsatzleitwagen (ELW 1), welcher Funk und Unterlagen bereithält und in dem der Einsatz koordinieren, ein Löschgruppenfahrzeug (LF 8/6), das die Mannschaft aufnimmt und die Geräte für den Löscheinsatz bereitstellt, sowie ein Tanklöschfahrzeug (TLF 16/25), um einen größeren Wasserbedarf decken zu können, zu dem ist er mit einem Wasser-Schaum-Ringwurfmonitor versehen, aber auch Geräte für technische Hilfeleistungen wie Spreizer und Trennschleifer sind auf dem TLF geladen, und ein Hubrettungsfahrzeug (DLK 23-12 n.B.), welcher zur Rettung von Personen aus höheren Etagen genutzt werden kann, wie auch für die Unterstützung des Innenangriffs beim Löscheinsatz.

Haus Mülldorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haus Mülldorf liegt an der Bonner Straße. Der vordere Bereich wird für das Kino und dazugehörige Café Studio genutzt. Das Kino gehört zu den kleinsten in Deutschland. Der hintere Teil des Gebäudes wird für Veranstaltungen genutzt. Ebenso befindet sich noch immer im Haus Mülldorf die erste Sankt Augustiner Stadtbibliothek.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochschule Bonn-Rhein-Sieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1995 gegründete Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ist eine staatliche Fachhochschule mit rund 6000 Studierenden. Sie hat ihren Hauptsitz im Südwesten von Mülldorf direkt am Stadtzentrum Sankt Augustin-Ort und an der Grenze zu Menden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970.
  2. Hans Luhmer: Von der Bürgermeisterei Menden zur Gemeinde Sankt Augustin In: Beiträge zur Stadtgeschichte, herausgegeben vom Stadtarchiv Sankt Augustin. Heft 20, 1994, ISSN 0936-3483
  3. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 85.
  4. Volkszählungsergebnisse von 1816 bis 1970 der Städte und Gemeinden. Beiträge zur Statistik des Rhein-Sieg-Kreises, Bd. 17/ Siegburg 1980, S. 138–139.