Ludwig Müller von Hausen

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Ludwig Müller von Hausen (eigentlich: Ludwig Müller, * 10. Mai 1851 in Wesel; † 17. August 1926 in Berlin) war ein deutscher antisemitischer Publizist und Verleger.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwig Müller wurde 1850 oder 1851 geboren.[1] 1912 gründete er den völkischen Verband gegen die Überhebung des Judentums, dessen Vorsitzender er wurde. Weitere Mitglieder waren unter anderem Martin Bormann, Alfred Rosenberg und Ernst Graf zu Reventlow. Müller gab die Verbandszeitschrift Auf Vorposten im gleichnamigen Verlag heraus. Die Redaktion befand sich in der Kantstraße in Charlottenburg. Während des Ersten Weltkriegs diente er als Hauptmann in einem Regiment der Fußartillerie und ließ seine Tätigkeit für den Verband ruhen. Außerdem war er auch Mitglied im Germanenorden.[2]

Nach dem Krieg bekam er 1919 von russischen Emigranten eine Ausgabe der Protokolle der Weisen von Zion zugespielt, einer Fälschung, die eine jüdische Weltverschwörung beweisen sollte.[3] Unter dem Pseudonym Gottfried zur Beek veröffentlichte er 1920 eine deutsche Übersetzung unter dem Titel Geheimnisse der Weisen von Zion. Es war die erste Edition der Protokolle außerhalb Russlands. Bis 1938 erlebte das Buch 22 Auflagen.[4]

1921 wurde Müller von Hausen Vorsitzender der „Femeritter“ der Thule-Gesellschaft, einer Gerichtsstelle für innere und äußere Streitigkeiten, deren Angehörige berechtigt waren, Todesurteile gegenüber Ordensmitgliedern auszusprechen. Zu Beginn der 1920er Jahre stand er in Verbindung zu den verbreiteten politischen Mordplänen gegen jüdische, linksstehende und republikanische Politiker und Publizisten. So wurde er verdächtigt, ein Attentat auf den russischen Sozialdemokraten Alexander Parvus in Auftrag gegeben zu haben. Mit Heinrich Tillessen und Heinrich Schulz, den Mördern von Reichsfinanzminister Matthias Erzberger, hatte er sich im Sommer 1921 kurz vor der Tat getroffen.[5] In den Jahren vor seinem Tod richtete Müller von Hausen seine verschwörungstheoretische Polemik gegen die Freimaurer, denen er unterstellte, im Krieg die Interessen des internationalen Weltbundes der Logenbrüder über die nationalen Interessen gestellt und damit Landesverrat begangen zu haben.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Geheimnisse der Weisen von Zion. Auf Vorposten, Charlottenburg 1919 (tatsächlich 1920)
  • Die Hohenzollern und die Freimaurerei. Auf Vorposten, Charlottenburg 1924
  • Die altpreußischen Logen und der National-Verband deutscher Offiziere. Auf Vorposten, Charlottenburg 1924

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Elke Kimmel: Müller von Hausen, Ludwig [Pseudonym: Gottfried zur Beek]. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Bd. 2: Personen. De Gruyter Saur, Berlin 2009, ISBN 978-3-598-44159-2, S. 566 f. (abgerufen über De Gruyter Online).
  2. Elke Kimmel: Müller von Hausen, Ludwig [Pseudonym: Gottfried zur Beek]. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Bd. 2: Personen. De Gruyter Saur, Berlin 2009, ISBN 978-3-598-44159-2, S. 566 f. (abgerufen über De Gruyter Online).
  3. Eintrag im Register der Akten der Reichskanzlei, Zugriff am 14. Oktober 2011; Kurzbiographie auf humanitas-international.org, Zugriff am 14. Oktober 2011.
  4. Wolfgang Wippermann, Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute, be.bra. Verlag, Berlin 2007, S. 76.
  5. Martin Sabrow, Die verdrängte Verschwörung. Der Rathenau-Mord und die deutsche Gegenrevolution, Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1999 S. 47 ff.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]