Mülsen

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Mülsen führt kein Wappen
Mülsen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Mülsen hervorgehoben

Koordinaten: 50° 45′ N, 12° 35′ O

Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Zwickau
Höhe: 299 m ü. NHN
Fläche: 49,7 km2
Einwohner: 11.057 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 222 Einwohner je km2
Postleitzahl: 08132
Vorwahl: 037601
Kfz-Kennzeichen: Z, GC, HOT, WDA
Gemeindeschlüssel: 14 5 24 200
Gemeindegliederung: 8 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
St. Jacober Hauptstraße 128;
08132 Mülsen
Website: www.muelsen.de
Bürgermeister: Hendric Freund (parteilos)
Lage der Gemeinde Mülsen im Landkreis Zwickau
BernsdorfCallenbergCrimmitschauCrinitzbergDennheritzFraureuthGersdorfGlauchauHartensteinHartmannsdorfHirschfeldHohenstein-ErnstthalKirchbergLangenbernsdorfLangenweißbachLichtensteinLichtentanneLimbach-OberfrohnaMeeraneMülsenNeukirchen/PleißeNiederfrohnaOberlungwitzOberwieraReinsdorfRemseSchönbergSt. EgidienWaldenburgWerdauWildenfelsWilkau-HaßlauZwickauSachsenThüringenVogtlandkreisErzgebirgskreisChemnitzLandkreis MittelsachsenKarte
Über dieses Bild

Mülsen ist eine Gemeinde in Sachsen. Sie erstreckt sich im Landkreis Zwickau entlang des Mülsenbachs, der ein rechter Zufluss der Zwickauer Mulde ist.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Mülsen bzw. der Mülsengrund ist ein sehr dicht bebautes Seitental östlich der Zwickauer Mulde und liegt im Südwesten des Freistaates Sachsen im Zwickauer Landkreis. Mülsen gehört zudem zur westlichen Seite des erzgebirgischen Beckens und erstreckt sich auf einer Länge von gut 15 Kilometer. Der zur Gemeinde gehörende Mülsenbach fließt auf einer Länge von 17 Kilometer in nordwestlicher Richtung durch das Tal entlang von acht Ortsteilen des Mülsengrundes und mündet in die Zwickauer Mulde. In weiten Teilen des Mülsengrundes wird Westerzgebirgisch gesprochen.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Rande des erzgebirgischen Beckens überdecken die Mülsner Schichten des Oberrotliegenden große Teile des Unterrotliegenden. Diese Schichten bestehen aus kleinstückigen Konglomeraten. Wenn der Boden im Frühjahr und im Herbst aufgeackert wird, kann man das kräftige Rotbraun dieser feinsandigen, lehmig-tonigen Böden besonders gut erkennen. Diese haben mittlere bis mäßige Qualität. Charakteristisch für Mülsen und den Mülsengrund sind die schluchtartigen Seitentäler, durch die speziell die linke Talseite geprägt ist. Die Bauern nutzten sie in früheren Zeiten als Niederwald.

Hochwasserschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der Tallage des Mülsengrundes und dem Verlauf des Mülsengrundbaches durch einen Großteil des Ortes, wird auf den Hochwasserschutz zunehmend mehr Gewicht gelegt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind Reinsdorf, die Städte Hartenstein, Wildenfels, Glauchau, Lichtenstein und die Große Kreisstadt Zwickau im Landkreis Zwickau sowie die im benachbarten Erzgebirgskreis liegende Stadt Oelsnitz.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1999 entstand aus den Gemeinden Ortmannsdorf, Mülsen St. Niclas, Mülsen St. Jacob, Mülsen St. Micheln, Niedermülsen, Stangendorf, Thurm und Wulm die neue Gemeinde Mülsen, die größte Gemeinde Sachsens ohne Stadtrecht, die auch als „längste“ Gemeinde Sachsens gilt.[2][3][4]

Die Mülsener Fluren liegen fast alle in der Trinkwasserschutzzone, daher wird es in dieser Region auch keine größeren Gewerbeansiedelungen geben, so dass die Gemeinde ihre Zukunft unter anderem im Ausbau des sanften Tourismus sieht. Wanderwege sind ausgebaut und ausgeschildert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Besiedlung des Tales erfolgte im 12. Jahrhundert. Die Schönburgischen Herrschaften Glauchau, Lichtenstein und Hartenstein, die den Mülsengrund lange beherrschten, unterstanden direkt Kaiser Barbarossa. Nach und nach gründeten zugezogene Siedler Waldhufendörfer entlang des Mülsengrunds. Als erstes wird 1212 Ortwinestorf (Ortmannsdorf) erwähnt, Niedermülsen als letztes 1454. Friedrich XI. von Schönburg, Herr zu Glauchau (ersterwähnt 1341, gest. 1389) und sein Sohn Veit I. (ersterwähnt 1370, gest. 1422) kauften am 5. April 1382 gemeinsam Lichtenstein und Thurm.[5]

In Mülsen existierte (im 16. Jahrhundert?) ein Vorwerk der schönburgischen Herrschaft Glauchau[6].

Das Rittergut Thurm gehörte grundherrlich zur Herrschaft Glauchau der Herren von Schönburg: laut einem Glauchauer Amtsbuch aus dem Jahre 1536 (Bl.22) fallen Ponitz, Mosel und Thurm unter die „Ritterlehen vnd Erbarmannschafft mit yrer folge vnd dynstenn in diese Herrschafft vnd Ampth Glaucha(u) gehorende“.[7] Ende des 15. Jahrhunderts saßen die Herren von Weißenbach auf Rittergut und Schloss Thurm. Sie besaßen das Rittergut als schönburgisches Lehen und mussten daher Steuern an die Herrschaft Glauchau abführen.[8] Die Obergerichtsbarkeit der Rittergüter Thurm und Mosel lag im 16. Jahrhundert beim jeweiligen Rittergutsbesitzer, obwohl es sich um schönburgische Lehen des Amtes Glauchau handelte. Wegen aller steuerrechtlichen und lehnsrechtlichen Belange durften sich diese Rittergutsbesitzer direkt an den schönburgischen Landesherren in Glauchau wenden. Sie hatten also eine weitgehende rechtliche Freiheit vom Amt Glauchau.[9]

Herrschaftszugehörigkeit der Mülsener Ortsteile
Ort zugehörige Herrschaft Zeitraum des schönburgischen Besitzes Bemerkungen
Ortmannsdorf (Wildenfelser Anteil), Marienau Herrschaft Wildenfels Marienau ist um 1850 entstanden
Ortmannsdorf (Hartensteiner Anteil) mit dem Rittergut und Neudörfel (ab 1923: Neuschönburg) niedere Grafschaft Hartenstein 1406–1878 kleiner Anteil
Ortmannsdorf (Lichtensteiner Anteil) mit dem Rittergut und Neudörfel (ab 1923: Neuschönburg) Herrschaft Lichtenstein 1286–1878 kleiner Anteil
Mülsen St. Niclas, Mülsen St. Jacob niedere Grafschaft Hartenstein 1406–1878
Mülsen St. Micheln, Stangendorf, Thurm Herrschaft Lichtenstein 1286–1878
Niedermülsen, Berthelsdorf und Wulm Herrschaft Glauchau 1256–1878

Zwischen Mülsen und Zwickau-Pöhlau befindet sich die „Mülsener Höhe“ auf einem Bergrücken, der parallel zum Mülsengrund verläuft, direkt an der Hauptstraße in Richtung Zwickau. Hier erinnert – direkt an einer Wegegabelung – ein Gedenkstein mit Inschrift an Ereignisse der Napoleonischen Kriege. Am 29. Mai 1813 kam es hier zu Kampfhandlungen, als ein französischer Artilleriepark, der auf dem Marsch von Zwickau nach Dresden war, von einem preußischen Streifcorps unter Führung des Rittmeisters von Colomb angegriffen wurde. Die Franzosen flohen oder gerieten in Gefangenschaft. Die Preußen vernagelten die zurückgelassenen französischen Kanonen und sprengten deren Munitionswagen.[10][11]

Im Zweiten Weltkrieg existierte vom 27. Januar 1944 bis 13. April 1945 in Mülsen ein Außenlager des KZ Flossenbürg,[12] von dem aus mehr als 1.100 Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit in einem ausgelagerten Zulieferbetrieb der Luftrüstung verrichten mussten.[13] Die Tarnfirma Gross GmbH gehörte zum Erla Maschinenwerk in Leipzig. 198 Menschen verbrannten bei lebendigem Leibe, als SS-Wachmannschaften die Löschung eines Großbrandes verhinderten. Ein Aufstand von Häftlingen führte zu weiteren Todesopfern. Im April 1945 wurden die noch vorhandenen Häftlinge auf einen Todesmarsch in Richtung Litoměřice getrieben, wobei 83 von ihnen in Schlema ermordet wurden.

Ehemaliges Vorwerk Neudörfel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie ein alter schönburgischer Stammbaum bildlich zeigt, existierte in Neudörfel ein schloßartiges Vorwerk der Herren von Schönburg. 1923 wurde Neudörfel in Neuschönburg umbenannt. 1936 wurde Neuschönburg nach Ortmannsdorf eingemeindet. Das Vorwerk Neudörfel gehörte zur fürstlich schönburg-waldenburgischen Herrschaft Lichtenstein. Um 1830/1840 wurde ein Neubau des Vorwerkes errichtet. Im Areal des Vorwerkes soll sich zuvor ein Kloster befunden haben (der Überlieferung nach), von dem sich bis um 1830 eine Kapelle erhalten hatte. Tatsächlich ist eine Kapelle auf der Abbildung des Vorwerkes auf einem schönburgischem Stammbaum (um 1760?) zu sehen. Es könnte sich aber auch um eine Gutskapelle handeln[14]. Von diesen Gebäuden blieb wohl bis heute nichts erhalten. 1781 bis 1787 war das „Vorwergk...zu Neudörfel“ an Johann Gottfried Müller verpachtet[15].

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mülsengrund gibt es eine vielfältige Landschaft von Religionsgemeinschaften. Neben der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde gibt es die stark vertretene Arbeit der Landeskirchlichen Gemeinschaft, genauso wie die evangelisch-methodistische, die katholische Kirche, die neuapostolische Kirche und übergemeindliche Einrichtungen.

Der heutige Kirchturm der evangelisch-lutherischen Kirche Zum Heiligen Kreuz in Ortmannsdorf stammt aus dem Jahre 1774, die heute stehende romanische Kirche wurde 1856 errichtet. Die evangelisch-lutherische Kirche St. Urban in Thurm wurde 1731 eingeweiht und 1886 umfassend renoviert.[16]

Weitere Kirchen:

  • Evangelisch-lutherische Kirche St. Nicolai Mülsen St. Niclas
  • Evangelisch-lutherische Kirche St. Jacobus d. Ältere Mülsen St. Jacob
  • Evangelisch-lutherische Kirche St. Michael Mülsen St. Micheln
  • Evangelisch-lutherische Kirche St. Urban Thurm
  • Landeskirchliche Gemeinschaften in Ortmannsdorf, Mülsen St. Niclas, Mülsen St. Jacob, Mülsen St. Micheln, Stangendorf und Thurm[17]
  • Katholische Gemeinde Mariä Verkündigung in Mülsen
  • Evangelisch-methodistische Gemeinde Mülsen
  • Neuapostolische Kirche in Thurm

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Neuschönburg (vor 1923: Neudörfel) 01.04.1936 Eingemeindung nach Ortmannsdorf[18]
Berthelsdorf 01.04.1938 Eingemeindung nach Wulm[18]
Mülsen St. Niclas 01.01.1999 Zusammenschluss mit 7 weiteren Gemeinden zu Mülsen[19]
Mülsen St. Jacob 01.01.1999 Zusammenschluss mit 7 weiteren Gemeinden zu Mülsen[19]
Mülsen St. Micheln 01.01.1999 Zusammenschluss mit 7 weiteren Gemeinden zu Mülsen[19]
Niedermülsen 01.01.1999 Zusammenschluss mit 7 weiteren Gemeinden zu Mülsen[19]
Ortmannsdorf mit Marienau und Neuschönburg(vor 1923: Neudörfel) 01.01.1999 Zusammenschluss mit 7 weiteren Gemeinden zu Mülsen[19], Neudörfel gehört seit 1936 zu Ortmannsdorf[20]
Stangendorf 01.01.1999 Zusammenschluss mit 7 weiteren Gemeinden zu Mülsen[19]
Thurm 01.01.1999 Zusammenschluss mit 7 weiteren Gemeinden zu Mülsen[19]
Wulm 01.01.1999 Zusammenschluss mit 7 weiteren Gemeinden zu Mülsen[19]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember)[21][22]
1998: 13.313 2002: 12.702 2006: 12.378 2013: 11.626 2019: 11.057
1999: 13.041 2003: 12.869 2007: 12.460 2014: 11.584
2000: 12.949 2004: 12.607 2008: 12.305 2015: 11.510
2001: 12.798 2005: 12.489 2012: 11.701 2018: 11.113

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2019[23]
Wahlbeteiligung: 66,1 % (2014: 54,8 %)
 %
40
30
20
10
0
34,4 %
14,0 %
11,8 %
7,0 %
3,6 %
n. k. %
2,0 %
15,3 %
11,9 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
-16
+1,3 %p
-15,9 %p
-4,2 %p
-4,1 %p
-2,5 %p
-2,3 %p
+0,7 %p
+15,3 %p
+11,9 %p

Seit der Gemeinderatswahl vom 26. Mai 2019[24] verteilen sich die Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • Freie Wähler / Aktive, unabhängige Bürger Mülsen (FW/AuBM): 8 Sitze
  • GEmeinde GEmeinsam GEstalten (3 GE): 4 Sitze
  • CDU: 3 Sitze
  • Impuls Mülsen: 3 Sitze
  • LINKE: 1 Sitze
  • AfD: 1 Sitz

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 23. Juli 1999 bis 25. Juli 2006: Reiner Müller (CDU)
  • 26. Juli 2006 bis 2019: Hendric Freund (parteilos)
  • seit 2019: Michael Franke (Freie Wähler)[25]

Ortspartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnergemeinde von Mülsen (ursprünglich von Thurm) ist die Gemeinde

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachwerkhaus in Thurm
historische Ansicht von Schloß Thurm mit der Dorfkirche -vor 1856-

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Härtelhaus in Mülsen St. Jacob gilt als das Heimatmuseum des Mülsengrundes schlechthin. Der Heimatverein Mülsen St. Jacob e. V. hat hier in jahrelanger Arbeit ein Kleinod zusammengetragen, das vor allem die Geschichte der Haus- und Handweberei im Mülsengrund dokumentiert. Ein weiteres, kleineres Heimatmuseum befindet sich in Mülsen St. Niclas. Es wird vom dortigen Heimatverein Mülsen e. V. gepflegt. Die beiden genannten Vereine verfolgen allerdings unterschiedliche Wege und Ziele bei der bzw. zur Pflege des Brauchtums und dergleichen im Mülsengrund.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mülsen hat in der Vergangenheit einige wenige Chöre und Gesangs- oder Spielvereine besessen. Auch heute ist das noch so. Am bekanntesten in der hiesigen Region und darüber hinaus sind der Posaunenchor Mülsen und die Mülsener Musikanten. Auch einige Bands bzw. Gruppen haben sich in Mülsen gegründet und sind über die Kreis- und Bezirksgrenzen hinaus bekannt: „Instructive“ sind bereits als Vorgruppe der Band Silbermond aufgetreten. Beliebt ist hier auch die seit dem Beginn der 1970er Jahre bestehende Band „Epilog“. Zu den musikalischen Höhepunkten in Mülsen zählt der alljährliche Orgeltag, der gleichzeitig mit dem Radlersonntag veranstaltet wird. Seit 2004 werden in den fünf Kirchen der einzelnen Mülsner Ortsteile verschiedene Orgelwerke gespielt. In der Kirche des Ortsteiles Ortmannsdorf spielt seit Juli 2004 alljährlich das Ensemble Amadeus aus Dennheritz, einem Nachbarort von Mülsen, Werke verschiedener Komponisten und Musiker für Liebhaber der klassischen Kammermusik.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Niclaser Kirche
Der Amorsaal

In Mülsen gibt es nur wenige Bauwerke, die über die Grenzen der hiesigen Region hinaus bekannt sind. Fünf Kirchenbauwerke stehen in fünf Ortsteilen. Es existieren zahlreiche ältere, dem Denkmalschutz unterliegende Gebäude, wie zum Beispiel das Härtelhaus und diverse Bauerngehöfte entlang des Mülsengrundes.

Zu erwähnen wäre der Amorsaal, ein Konzertsaal in Mülsen St. Niclas, der sich vor allem zu DDR-Zeiten großer Beliebtheit erfreute und auch in heutiger Zeit viele Konzerte anbietet. Zu DDR-Zeiten war der Amorsaal ein Treffpunkt der Blueserszene.[26] Eines der ältesten Gasthäuser im Mülsengrund ist der Gasthof Thurm. Dieser wurde bereits im Jahre 1570 erbaut. Ebenfalls zu erwähnen ist auch der agrarhistorische Hof in Niedermülsen und das Schloss neben der Kirche St. Urban in Thurm.

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gedenkanlage vor dem Textilwerk mit mehrsprachigen Schrifttafeln, die an die Opfer von Zwangsarbeit erinnern
  • Gedenktafel an der Außenwand des Fabrikgebäudes zur Erinnerung an 198 Brandopfer unter den KZ-Häftlingen vom Mai 1944
  • Gedenkstein oberhalb des Textilwerkes für 51 KZ-Häftlinge, die ermordet und dort begraben wurden
  • Gedenkanlage für die Kriegsopfer des Ersten Weltkrieges an der Kirche in Thurm
  • Gedenkstein für die Kriegsopfer des Ersten Weltkrieges im Ortsteil Neuschönburg
  • Gedenkstein für die Kriegsopfer des Ersten Weltkrieges im Ortsteil Niedermülsen
  • Grabstätte auf dem Friedhof des Ortsteiles Ortmannsdorf für einen unbekannten sowjetischen Kriegsgefangenen, der während des Zweiten Weltkrieges ein Opfer von Zwangsarbeit wurde

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eines der bekanntesten Naturflächendenkmäler in Mülsen ist der in Stangendorf liegende Wilhelmsgrund. Hier erfährt und sieht der Wanderfreund auf einem zwei Kilometer langen Wanderpfad in zahlreich angelegten Biotopen eine weitestgehend erhaltene Flora und Fauna mit seltenen Pflanzen- und Tierarten. Er gehört zu den schönsten Kerbtälern und Wandergebieten im Mülsengrund selbst. Ein weiteres bekanntes Naturflächendenkmal, der Wulmer Hang, liegt unmittelbar an der Zwickauer Mulde und erstreckt sich auf reichlich fünfhundert Metern zwischen Wulm und dem angrenzenden Ort Schlunzig bei Mosel.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den diversen Ortsteilen Mülsens sind mehrere Sportvereine aktiv und unterhalten verschiedene Sportsektionen. Am bekanntesten ist die SG Motor Thurm mit ihrem sehr modernen Sportstadion in Stangendorf. Zu ihr gehört eine 4-Bahn-Kegelanlage, welche in den letzten Jahren generalüberholt und modernisiert worden ist. Weitere Sportvereine sind der Turnverein Mülsen, die Schützengesellschaft zu Thurm, der SV Blau-Gelb Mülsen, der SV Mülsen St. Niclas und der SV 1861 Ortmannsdorf sowie der MSC Motocross. Des Weiteren gibt es noch einige wenige andere Sportvereine, die aber mehr im Hobbysportbereich angesiedelt sind.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt ist Mülsen für den Radlersonntag am zweiten Sonntag im Mai. Über 10.000 Menschen machen sich Jahr für Jahr mit ihren Fahrrädern oder Inlineskates auf den Weg um die etwa 23 km lange Strecke des Mülsengrundes zu erkunden. Der Radlersonntag ist damit das längste Volksfest in Sachsen. Prominente Persönlichkeiten wie der ehemalige sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt haben schon daran teilgenommen. Die DDR-Radsportlegende Gustav-Adolf Schur war bereits mehrmals dabei. Auch viele andere Prominente aus Politik, Gesellschaft und Sport wurden regelmäßig zum Radlersonntag gesichtet.

Einen Tag vor dem Radlersonntag wird der Mülsengrundlauf ausgetragen, der seit Mai 2001 im Sportzentrum im Ortsteil Stangendorf gestartet und beendet wird. Über verschiedene Laufdistanzen können alle Altersgruppen zwischen 3 und 99 Jahren teilnehmen

Aussicht auf die Gemeinde Mülsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 360-Grad-Panorama zeigt einen Teil des Ortsteiles St.Jacob. Das Foto wurde im Mai 2010 von einem Kran auf dem Gelände des Verwaltungszentrums geschossen. Im Linken Bildteil schaut man in Richtung Mülsen St. Micheln und den unteren Mülsengrund, in der Bildmitte nach Lichtenstein, rechts nach Mülsen St.Niclas und den oberen Mülsengrund und an den Bildrändern jeweils nach Zwickau. Ortskundige sind hiermit aufgefordert, abgebildete Gebäude usw. näher zu beschreiben

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Mülsen St. Jacob quert die Bundesstraße 173 von Chemnitz nach Zwickau den Mülsengrund. In der Nähe von Berthelsdorf führt die Bundesstraße 93 (von Zwickau nach Altenburg) entlang, unweit der Bundesautobahn 4. An Ortmannsdorf grenzt die Bundesautobahn 72. Von 1885 bis 1951 fuhr durch den Mülsengrund außerdem eine 14 km lange 750-mm-Schmalspurbahn von Mosel nach Ortmannsdorf. Die Relikte der Bahn, wie zwei hölzerne Wartehallen und der Bahnhof Ortmannsdorf werden vom „Arbeitskreis Mülsengrundbahn“ erhalten.[27] Des Weiteren wurden u. a. am Haltepunkt Niedermülsen ein Traglastenwagen aufgestellt und an einigen Stationen neue Bahnulmen gepflanzt und Schilder aufgestellt.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mülsen liegt in einem ursprünglich landwirtschaftlich geprägten Gebiet. Seit der Wende 1989/90 brach die Industriebranche weitestgehend komplett weg und es entstanden neue Unternehmen im Einzelhandel, Baugewerbe und Dienstleistungsbereich. Der vor der Wende wohl bekannteste volkseigene Industriebetrieb VEM Elektromotorenwerke Thurm ist 1993 als Unternehmen aus dem Ort ausgelagert worden und befindet sich heute mit seinem Betriebsgelände auf Zwickauer Territorium, wo schon zu DDR-Zeiten produziert wurde. Auch wenn der Bezug zu Mülsen nicht direkt gegeben ist, so hat man im Unternehmen den einstigen Ortsnamen beibehalten. Der ebenfalls einst sehr bekannte Textilbetrieb VEB Textilwerke Mülsen, mit mehreren Werksbereichen in Mülsen, wurde zur Wende ebenfalls aufgelöst bzw. neu strukturiert sowie privatisiert. Die beiden Werksteile in Mülsen St. Micheln und Mülsen St. Jacob produzieren unabhängig voneinander und sind im Besitz diverser Unternehmer.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Zusammenschluss der Ortsteile zur Einheitsgemeinde Mülsen gibt die Gemeinde ein eigenes Amtsblatt unter dem Namen Mülsengrundkurier heraus, welches monatlich erscheint. Vor dem Zusammenschluss existierten in den unteren und oberen Ortsteilen zwei verschiedene Amtsblätter.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zwischen Mülsengrund, Stollberg und Zwönitztal (= Werte unserer Heimat. Band 35). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1981.
  • Jörg Tauscher: Ortsfamilienbuch Mülsen St. Niclas & St. Jacob 1604–1795, Cardamina Verlag 2008, ISBN 978-3-938649-29-9
  • Richard Steche: Mülsen St. Jacob. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 13. Heft: Amtshauptmannschaft Glauchau. C. C. Meinhold, Dresden 1890, S. 23.
  • Richard Steche: Mülsen St. Michael. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 13. Heft: Amtshauptmannschaft Glauchau. C. C. Meinhold, Dresden 1890, S. 24.
  • Richard Steche: Mülsen St. Niclas. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 13. Heft: Amtshauptmannschaft Glauchau. C. C. Meinhold, Dresden 1890, S. 25.
  • Wolf-Dieter Röber: Unbekannte Ansichten von Schlössern und Vorwerken auf einem schönburgischen Stammbaum (um 1760). In: Schriftenreihe Heft 3, Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau, 1981, S. 15 (Vorwerk Neudörfel: Beschreibung S. 22 u. Abb. S. 39)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mülsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung des Freistaates Sachsen nach Gemeinden am 31. Dezember 2019 (Hilfe dazu).
  2. Neue Verwaltung für Sachsens längstes Dorf. In: sz-online.de. 22. November 2005, abgerufen am 22. März 2017.
  3. Gemeinde Mülsen. In: zeitsprungland.de. Abgerufen am 22. März 2017.
  4. Axel Brüggemann: Landfrust: Ein Blick in die deutsche Provinz. Rowohlt Digitalbuch, Reinbek 2011, ISBN 978-3-644-30521-2, V. Die Kirche - Vor Ort: Die stummen Chöre (Google Books [abgerufen am 22. März 2017]).
  5. Autorenkollektiv, u. a. Helmut Bräuer, Robby Joachim Götze, Steffen Winkler und Wolf-Dieter Röber: Die Schönburger, Wirtschaft, Politik, Kultur. Broschüre zur gleichnamigen Sonderausstellung 1990–91 in Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1990, Kap. „Innungswesen und Manufaktur“ (Steffen Winkler), S. 43
  6. Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau, Herausgeber: Enno Bünz, Thelem Verlag, Dresden 2010, Anmerkungen zum Rittergut Thurm, S. 95
  7. Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau, Herausgeber: Enno Bünz, Thelem Verlag, Dresden 2010, Anmerkungen zum Rittergut Thurm, S. 87
  8. Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau, Herausgeber: Enno Bünz, Thelem Verlag, Dresden 2010, Anmerkungen zum Rittergut Thurm, S. 89
  9. Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau, Herausgeber: Enno Bünz, Thelem Verlag, Dresden 2010, S. 96
  10. Steffen Winkler: Totengraben und Franzosengrab. In: Schriftenreihe Sonderheft (Sagen und Sagenhafte Erzählungen aus Glauchau und Umgebung), Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau, 1981, Anmerkungen zu Kampfhandlungen auf der Mülsener Höhe, hier S. 26
  11. Autorenkollektiv: Die Schönburger, Wirtschaft, Politik, Kultur. Broschüre zur gleichnamigen Sonderausstellung 1990–91 in Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1990, Kap. Das Territorium in Kriegszeiten, S. 78 (Ernst-Günter Lattka).
  12. Die KZ- Außenlager Lengenfeld, Mülsen und Zwickau - Mülsen St. Micheln. (Nicht mehr online verfügbar.) In: kz-aussenlager.de. Archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 7. Juli 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kz-aussenlager.de
  13. KZ-Gedenkstätte Flossenbürg: Außenlager. In: gedenkstaette-flossenbuerg.de. Abgerufen am 7. Juli 2016.
  14. Wolf-Dieter Röber: Unbekannte Ansichten von Schlössern und Vorwerken auf einem schönburgischen Stammbaum (wohl um 1760 entstanden). In: Schriftenreihe Heft 3, Herausgeber: Museum und Kunstsammlung Schloß Hinterglauchau: Stadt Glauchau, 1981, Vorwerk Neudörfel bei Ortmannsdorf S. 22, Abbildung des Vorwerkes S. 39 (Beschreibung und Abbildung des Vorwerkes Neudörfel – bei Ortmannsdorf – der Herren von Schönburg)
  15. Schriftenreihe Heft 3, Herausgeber: Museum und Kunstsammlung Schloß Hinterglauchau: Stadt Glauchau, 1981, S. 33 Nr. 53
  16. Steffen Junghänel: Ev.- Luth. Pfarramt St. Urban Thurm. In: www.muelsengrund.de. Abgerufen am 9. Januar 2015.
  17. Landesverband Landeskirchlicher Gemeinschaften Sachsen e.V., Bezirk Mülsen: Landeskirchliche Gemeinschaften im Mülsengrund. In: www.lkg-muelsen.de. Abgerufen am 27. Januar 2016.
  18. a b Das Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943
  19. a b c d e f g h Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen
  20. Wolf-Dieter Röber: Unbekannte Ansichten von Schlössern und Vorwerken auf einem schönburgischen Stammbaum (wohl um 1760 entstanden), In: Schriftenreihe Heft 3, Herausgeber: Museum und Kunstsammlung Schloß Hinterglauchau: Stadt Glauchau, 1981, Vorwerk Neudörfel bei Ortmannsdorf S. 22, Abbildung des Vorwerkes S. 39 (Beschreibung und Abbildung des Vorwerkes Neudörfel – bei Ortmannsdorf – der Herren von Schönburg)
  21. Datenquelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen Gebietsstand 1. Januar 1999
  22. Datenquelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen
  23. [1]
  24. Referat Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit: Wahlergebnisse - sachsen.de. Abgerufen am 27. September 2020.
  25. Referat Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit: Wahlergebnisse 2020 - sachsen.de. Abgerufen am 27. September 2020.
  26. „Unsere Stammsäle war Schlettwein bei Pößneck, der Grüne Baum in der Nähe von Aue und der Amor-Saal in Mülsen – Kleinstädte oder Dörfer, die dann richtig unter Belagerungszustand von hunderten Gleichgesinnten aus der ostdeutschen Hippieszene waren.“ in: Wir Waldmenschen: Gosse, Baujahr 1957, erinnert sich, in: Bye Bye Lübben City: Bluesfreaks, Tramps und Hippies in der DDR, erweiterte Neuausgabe, Schwarzkopf und Schwarzkopf, Berlin 2009 (Gosse = Andreas Ibscher, bezieht sich vermutlich auf die Zeit ca. ab 1975)
  27. Webseite des Arbeitskreises Mülsengrundbahn