Munich Re

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Münchener Rück)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft
Aktiengesellschaft in München
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE0008430026
Gründung 19. April 1880
Sitz München, Deutschland

Leitung

Mitarbeiter 43.554 (2015)[1]
Umsatz 50,4 Mrd. EUR (Bruttoprämien, 2015)[1]
Branche Rückversicherungen,
Versicherungen,
Vermögensverwaltung
Website www.munichre.com

Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Aktiengesellschaft in München (kurz Münchener Rück bzw. Munich Re) mit Sitz in München ist eine deutsche Rückversicherungsgesellschaft und eine der weltweit führenden in dieser Branche. Zur Gesellschaft gehört die Ergo Group, die das Erstversicherungsgeschäft betreibt.

Die Aktien der Gesellschaft (WKN 843002) sind an allen deutschen Wertpapierbörsen und im elektronischen Xetra-Handel notiert. Es handelt sich um nennwertlose Namensaktien. Die Munich Re ist unter anderem Bestandteil des DAX an der Frankfurter Wertpapierbörse und des Dow Jones Euro Stoxx 50.

Das Eigenkapital der Gesellschaft beträgt 31,0 Mrd. Euro, der Konzernjahresumsatz (gebuchte Bruttobeiträge) betrug 50,4 Mrd. Euro bei einem Konzernüberschuss von 3,122 Mrd. Euro (alle Zahlen für das Geschäftsjahr 2015).[1] Von den knapp 45.000 Mitarbeitern des Konzerns arbeiten etwa 12.000 in der Rückversicherung. Ein Großteil entfällt auf die Erstversicherungstochter Ergo (ca. 28.000 Mitarbeiter) sowie den Vermögensverwalter MEAG (ca. 1.000 Mitarbeiter).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptgebäude mit Schmuckhof in der Königinstraße
Aktie über 200 RM der Münchner Rückversicherungs-Gesellschaft vom Februar 1929

1880 gründete Carl von Thieme, seit 1870 bayerischer Generalagent der Versicherungsgesellschaft Thuringia, bei der sein Vater als Direktor fungierte, mit Hilfe des Industriellen und Finanziers Theodor von Cramer-Klett und von dessen Vertrauten, vor allem Wilhelm von Finck (Teilhaber des Bankhauses Merck Finck & Co) und Hermann Pemsel (seit 1872 Generalbevollmächtigter von Cramer-Klett), sowie der Darmstädter Bank für Handel und Industrie die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft.[2] 1890 folgte die Gründung der Allianz-Versicherungs-Aktiengesellschaft. Carl von Thieme leitete die Gesellschaft bis 1921, Wilhelm von Finck war bis 1924 Vorsitzender des Aufsichtsrates.

Berühmt wurde die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft durch das San-Francisco-Erdbeben von 1906, da sie damals die einzige Versicherung war, die nach der Regulierung aller Schäden noch zahlungsfähig war.[3]

Während der Zeit des Nationalsozialismus war das Unternehmen eines von wenigen Konzernen, das keine Zwangsarbeiter einsetzte, sich nicht an jüdischem Kapital bereicherte, sich keine ausländischen Konkurrenten in den besetzten Gebieten einverleibte und somit allgemein nicht von der Kriegswirtschaft profitierte.[4]

In den 1970er Jahren baute Gerhard Berz den Bereich Elementargefahren auf, der später in GeoRisikoForschung umbenannt wurde und den Ruf eines weltweit führenden Instituts auf dem Gebiet der Georisiko-Forschung in der Versicherungswirtschaft erlangte. Die Abteilung wird seit 2005 von Peter Höppe geleitet.

Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft ist auch Gesellschafter an der Extremus Versicherung, einem deutschen Spezialversicherer für Großschäden durch Terrorismus.

Konzernüberblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walking Man vor dem Geschäftsgebäude in der Münchner Leopoldstraße

Die Munich-Re-Gruppe betreibt neben Rückversicherung auch das Erstversicherungsgeschäft durch die ERGO-Gruppe und seit 1999 das Asset Management durch die MEAG (MUNICH ERGO AssetManagement GmbH). Im Jahr 2015 lagen die gebuchten Bruttobeiträge der ERGO-Gruppe bei ca. 16,5 Mrd. Euro.

Rückversicherung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Munich Re hat rund 4.000 Kunden (Versicherungen) weltweit. Sie übernimmt Teile des Risikos dieser Versicherungen und berät diese umfassend im Versicherungsgeschäft. Neben ihrem Stammsitz in München unterhält die Munich Re mehr als 50 Außenstellen. Rückversichert werden u.a. Lebens-, Kranken-, Haftpflicht-, Unfall-, Kraftfahrt-, Transport/Luftfahrt/Raumfahrt-, Feuer- und technische Versicherungen. Im Jahr 2015 lagen die gebuchten Bruttobeiträge für die Sparte Rückversicherung bei ca. 28,2 Mrd. Euro.

Erstversicherung: ERGO Group[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ERGO Group ist der Hauptanbieter von Erstversicherungen der Munich Re und bietet alle Formen der Lebens- und Krankenversicherung sowie die meisten Formen der Schadens- und Unfallversicherungen an. Die ERGO ist außerhalb Deutschlands weltweit in mehr als 30 Ländern vertreten und betreut rund 35 Mio. Kunden. Zur ERGO Group gehören unter anderem die Versicherungs-Tochtergesellschaften D.A.S., DKV und Europäische Reiseversicherung AG.

Mit laufenden Einnahmen aus Versicherungsbeiträgen in Höhe von über 17 Milliarden Euro [5] ist die Ergo Group 2016 einer der großen Erstversicherer in Deutschland und Europa.

Asset Management[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1999 wurde die MEAG – MUNICH ERGO AssetManagement GmbH gegründet. Ihr Geschäftszweck ist die Verwaltung und Steigerung der Kapitalanlagen von Munich Re und ERGO sowie Dritter. Die weltweiten Kapitalanlagen von Munich Re in Höhe von 255 Mrd. € werden von der MEAG betreut, die ihre Kompetenz auch privaten und institutionellen Anlegern außerhalb der Gruppe anbietet.

Aktionärsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Streubesitz liegt bei 100 %. Die Zahl der im Aktienregister eingetragenen Aktionäre beträgt 220.000 (Stand Juni 2016).[6]

Die Aktionärsstruktur setzt sich wie folgt zusammen:

Anteil Anteilseigner
69,6 % Institutionelle Investoren
18,7 % Private Investoren
09,1 % Investmentgesellschaften
02,5 % Banken
00,1 % Versicherungen

Bedeutende Aktionäre sind BlackRock mit 6,55 %, die Citigroup mit 4,88 % und Allianz Global Investors mit 2,98 %.

Die Aktionäre befinden sich hauptsächlich in Deutschland (45,9 %) und dem übrigen Europa (23,9 %), gefolgt von Nordamerika (16,1 %), Großbritannien (12,9 %) und anderen Ländern (1,2 %).[7]

Geschäftszahlen für den Konzern (nach IFRS)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtige Kennzahlen Munich Re[1]
Jahr 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Gebuchte Bruttobeiträge (Mrd. Euro) 38,2 37,4 37,3 37,8 41,4 45,5 49,6 52,0 51,1 48,8 50,4
Operatives Ergebnis (Mio. Euro) 4.156 5.877 5.573 3.834 4.721 3.978 1.180 5.350 4.409 4.027 4.819
Ertragsteuern (Mio. Euro) 1.014 1.648 801 1.372 1.264 692 552 -878 -108 312 -476
Konzernergebnis (Mio. Euro) 2.751 3.519 3.923 1.579 2.564 2.430 712 3.211 3.342 3.171 3.122
Kapitalanlagen (Mrd. Euro) 177,2 176,9 176,2 174,9 182,2 193,1 201,7 213,8 209,5 218,9 215,1
Versicherungstechnische Rückstellungen (Mrd. Euro) 154,0 153,9 152,4 157,2 163,9 171,1 181,2 186,1 187,7 198,4 198,5
Eigenkapital (Mrd. Euro) 24,3 26,3 25,3 21,1 22,3 23,0 23,3 27,4 26,2 30,3 31,0
Eigenkapitalrendite (%) 12,5 14,1 15,3 7,0 11,8 10,4 3,3 12,6 12,5 11,3 10,0
Mitarbeiter am 31. Dezember (Anzahl) 37.953 37.210 38.634 44.209 47.249 46.915 47.206 45.437 44.665 43.316 43.554

Dividendenpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Münchener Rückversichungs-Gesellschaft

Neben der Ausschüttung von Dividenden hat der Vorstand am 16. März 2016 beschlossen, im Rahmen eines Aktienrückkaufprogrammes im Zeitraum vom 28. April 2016 bis zur nächsten ordentlichen Hauptversammlung der Gesellschaft am 26. April 2017 bis zu 11 Millionen Aktien der Münchener Rück zu einem insgesamt aufzuwendenden Kaufpreis von maximal 1 Mrd. Euro über die Börse zu erwerben.[8]

Generaldirektoren / Vorstandsvorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amtszeit Name
1880–1922 Carl von Thieme
1922–1938 Wilhelm Kißkalt
1938–1945 Kurt Schmitt
1945–1950 Eberhard Reininghaus
1950–1969 Alois Alzheimer
1969–1993 Horst Jannott
1993–2004 Hans-Jürgen Schinzler
seit 2004 Nikolaus von Bomhard

Munich Re Art Collection[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der Munich Re Art Collection[9][10][11] beginnt mit der Firmengründung durch Carl von Thieme, der für die Ausgestaltung des 1912/13 neu errichteten Unternehmenssitzes an der Königinstraße in München Künstler wie Reinhold Max Eichler und Fritz Erler beauftragte.[12][13] Die von Beginn an auf zeitgenössische Kunst ausgerichtete Sammlung wurde im Lauf der Jahrzehnte sukzessive mit Werken bedeutender Künstler erweitert. Dazu gehören u.a. Werke von Rudolf Belling[14], Barbara Hepworth[15], Rupprecht Geiger[16] („Konkav gerundet“, 1973), Norbert Kricke[17] und Joseph Beuys.[18]

Ab Mitte der 1990er-Jahre wurde die Sammlungstätigkeit intensiviert. Seit 1995 steht der Walking Man von Jonathan Borofsky vor einem Geschäftsgebäude von Munich Re an der Leopoldstraße. Er ist mittlerweile zu einem Wahrzeichen Münchens geworden. Im öffentlichen Raum finden sich aus der Munich Re Art Collection auch Skulpturen und Installationen von Künstlern wie Olafur Eliasson[19] („Lichtvorhang“, 2002) und Roxy Paine[20] („Discrepancy“, 2011).

Für das weitverzweigte Netz aus unterirdischen Passagen, welche die Gebäude des Unternehmens in München-Schwabing miteinander verbinden, haben Künstler wie Angela Bulloch[21], Keith Sonnier[22] und James Turrell[23] Lichtinstallationen entworfen.

Die heute über 3000 Werke umfassende Sammlung wird stetig erweitert und in den Münchner Geschäftsgebäuden des Unternehmens präsentiert.[24] Auch Mitarbeiter können sich Kunstwerke aus der Sammlung für ihr Büro ausleihen. Neben international bekannten Künstlern wie Jenny Holzer[25], Olaf Metzel[26], Andy Hope 1930[27], Wolfgang Tillmans[28] und Katharina Gaenssler[29] werden auch Arbeiten von Nachwuchskünstlern für die Sammlung erworben. Im Geschäftsgebäude an der Berliner Straße, das vom Architekturbüro Sauerbruch Hutton entworfen wurde, finden in regelmäßigen Abständen Wechselausstellungen zur zeitgenössischen Kunst statt.[30]

Die Sammlung wird seit 1996 von der Kunsthistorikerin und Kuratorin Susanne Ehrenfried geleitet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Bähr, Christopher Kopper: Munich Re. Die Geschichte der Münchener Rück; 1880-1980. Verlag C.H. Beck, München 2015.[31] ISBN 978-3-406-68361-9
  • Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Hg.): Talking Images. Munich Re Art Collection, München 2012.
  • Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Hg.): Münchener Rück. Bauen und Gestalten, München 1993.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Munich Re – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Munich Re: Konzerngeschäftsbericht 2015. Abgerufen am 31. März 2015.
  2. Ergänzende Informationen zur Gründungsgeschichte bei Spree, R.: Two Chapters on early history of the Munich Reinsurance Company: The Foundation/ The San Francisco Earthquake. Department of Economics, University of Munich, Munich Discussion Paper No. 2010-11 (online at http://epub.ub.uni-muenchen.de/11336/); Kluge, H.: Gründer und Erben. Die Geschichte der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft 1880-2007. München 2009 (unveröff. MS).
  3. Details bei Spree: Two Chapters.
  4. Aussage der neu veröffentlichten Chronik des Konzerns nach Sichtung der Akten durch unabhängige Historiker in: Münchner Merkur Nr. 247, Dienstag, 27. Oktober 2015, Seite 5
  5. Kennzahlen
  6. https://www.munichre.com/de/ir/shares/shareholder-profile/index.html
  7. https://www.munichre.com/de/ir/shares/shareholder-profile/regional-breakdown/index.html
  8. https://www.munichre.com/de/ir/shares/share-buy-back/2016-2017/index.html
  9. Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Hrsg.): Münchener Rück. Bauen und Gestalten. München 1993.
  10. Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Hrsg.): Talking Images. Munich Re Art Collection. München 2012.
  11. Willkommen | Munich Re - Corporate Art. In: www.munichre.com. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  12. Enno Burmeister: Königinstraße 107. In: Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Hrsg.): Münchener Rück. Bauen und Gestalten. München 1993, S. 20–67.
  13. Heidi C. Ebertshäuser, Beate Menke: Rudolf Belling und Fritz Erler: Beispiele künstlerischer Strömungen in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In: Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Hrsg.): Münchener Rück. Bauen und Gestalten. München 1993, S. 282–299.
  14. Rudolf Belling. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  15. Barbara Hepworth. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  16. Rupprecht Geiger. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  17. Norbert Kricke. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  18. Otto Herbert Hajek: Aufgaben der Kunst im öffentlichen Raum – Kunst in der Münchener Rück. In: Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Hrsg.): Münchener Rück. Bauen und Gestalten. München 1993, S. 192–231.
  19. Olafur Eliasson. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  20. Roxy Paine. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  21. Angela Bulloch. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  22. Keith Sonnier. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  23. James Turrell. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  24. Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Hrsg.): Talking Images. Munich Re Art Collection. München 2012.
  25. Jenny Holzer. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  26. Olaf Metzel. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  27. Andy Hope 1930. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  28. Wolfgang Tillmans. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  29. Katharina Gaenssler. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  30. Projekte | Munich Re - Corporate Art. In: www.munichre.com. Abgerufen am 22. Dezember 2016.
  31. Rezension.

Koordinaten: 48° 9′ 22″ N, 11° 35′ 18″ O