Münchner Rundfunkorchester

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Logo des Münchner Rundfunkorchesters

Das Münchner Rundfunkorchester wurde 1952 in München gegründet. Neben dem seit 1949 bestehenden BR-Symphonieorchester entstand damit die zweite Orchesterformation des Bayerischen Rundfunks. In der Münchner Orchesterlandschaft gilt das Rundfunkorchester als Klangkörper mit einem breiten künstlerischen Spektrum.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Gründung des Münchner Rundfunkorchesters im Jahr 1952 wollte der Bayerische Rundfunk vor allem die „gehobene Unterhaltungsmusik“ pflegen. Im Zentrum der Aufführungen standen von Anbeginn die Münchner Sonntagskonzerte, die bis heute ein Schwerpunkt des Repertoires des Orchesters sind.[2]

In den ersten über sechs Jahrzehnten seines Bestehens hatte das Orchester insgesamt sechs Chefdirigenten.[3] Die Sonntagskonzertreihe startete im Gründungsjahr 1952 unter seinem ersten Dirigenten Werner Schmidt-Boelcke. Das Konzert stand unter dem Motto „Meister der heiteren Muse“. Im Vordergrund steht damals wie heute die leichte Muse, anfänglich vor allem im Operettenbereich. Später ging die Entwicklung verstärkt in Richtung Oper. In den 60-er Jahren präsentierte das Orchester sein erstes „Münchner Funkkonzert“, ab 1967 mit seinem neuen Chefdirigenten Kurt Eichhorn. Der Schwerpunkt lag auf Werken wenig bekannter Komponisten. Gespielt wurden insbesondere Werke des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Ab Mitte der 1970er Jahre widmete sich der dritte Chefdirigent Heinz Wallberg gerne eher ausgefallenen Stücken wie z. B. der Oper La Bohème von Ruggero Leoncavallo. Von 1982 bis 1985 leitete Lamberto Gardelli das Münchner Rundfunkorchester. Sein Faible war die italienische Oper. 1985 dirigierte er das 1. Promenadenkonzert. Fünfter Chefdirigent war Giuseppe Patanè; sein besonderes Interesse galt vergessenen Bühnenwerken, so brachte er Pietro Mascagnis Oper Iris zur Aufführung. Patané spielte die Oper auf Schallplatte ein. 1992 trat Roberto Abbado als neuer Chefdirigent an, nachdem er wenige Wochen zuvor das Galakonzert zum 40-jährigen Jubiläum des Orchester geleitet hatte. 1998 engagierte der Bayerische Rundfunk Marcello Viotti als Chefdirigenten des Orchesters. Unter dem Titel „Paradisi Gloria“ initiierte Viotti zur Jahrtausendwende einen Konzertzyklus mit geistlicher Musik des 20. Jahrhunderts.[4] Seit Anfang 2006 ist Ulf Schirmer Künstlerischer Leiter des Orchesters. Inhaltliche Akzente setzte er u. a. mit der Uraufführung von Auftragswerken in der Reihe „Paradisi Gloria“ sowie mit interessanten Wiederentdeckungen im Bereich der Oper und Operette.

Audiobeispiele sämtlicher Chefdirigenten des Orchesters sind auf der Homepage des Bayerischen Rundfunks abrufbar.[5] Eine aktuelle Auswahl aktueller CD-Einspielungen mit dem Münchner Rundfunkorchester stellt der BR auf seiner Homepage in der Rundfunkorchester-Diskografie vor.[6]

Chefdirigenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auflösung und Rettung des Orchesters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2005 beschloss der Bayerische Rundfunk, das Münchner Rundfunkorchester bis Ende 2006 aus Spargründen aufzulösen.[7] Chefdirigent Marcello Viotti legte nach Bekanntwerden des Beschlusses sein Amt nieder. Auf die Geschäftsleitung des Bayerischen Rundfunks und die BR-Gremien prasselten landes- und bundesweit Proteste nieder. Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) warf dem BR vor, damit eine seiner erfolgreichsten Abteilungen auslöschen zu wollen und nannte dies einen „einmaligen Vorgang in der deutschen Nachkriegs-Rundfunkgeschichte“. Am 27. April 2005 wurde der Auflösungsbeschluss rückgängig gemacht.[8] In verkleinerter Form (rund 50 statt bisher 72 Instrumentalisten) kann das Rundfunkorchester seit dem 1. September 2006 weiter spielen und arbeitet seither verstärkt im jugendpädagogischen Bereich.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2010 erhielt das Rundfunkorchester unter der Leitung von Ulf Schirmer den ECHO Klassik 2010 für Karl Amadeus Hartmanns Operneinspielung von Des Simplicius Simplicissimus Jugend (nach dem Abenteuerlichen Simplicissimus von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen) in der Kategorie Operneinspielung des Jahres (20./21. Jahrhundert).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Biografie des Orchesters in klassik-heute.com, abgerufen am 10. September 2015
  2. Sonntagskonzerte auf br.de, abgerufen am 10. September 2015
  3. Geschichte des Orchesters auf br.de, abgerufen am 10. September 2015
  4. Paradisi-gloria-Konzerte 2015/2016, abgerufen am 10. September 2015
  5. Audiobeispiele auf br.de, abgerufen am 10. September 2015
  6. Diskografie Münchner Rundfunkorchester, abgerufen am 12. September 2015
  7. BR beschließt Orchesterauflösung, auf verdi.de, abgerufen am 10. September 2015
  8. Deutscher Musikrat: "Das Münchner Rundfunkorchester spielt weiter" vom 29. April 2005, abgerufen am 10. September 2015