Münchner Stadtmuseum

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Münchner Stadtmuseum

Das Münchner Stadtmuseum am St.-Jakobs-Platz wird vom Kulturrefererat der Landeshauptstadt München getragen und befindet sich im ehemaligen Zeughaus der Stadt München, dem Marstall und in drei weiteren Bauabschnitten. Es wurde am 29. Juli 1888 vom damaligen Stadtarchivar Ernst von Destouches begründet. Die Verwaltung des Museums befindet sich im Ignaz-Günther-Haus, einem spätmittelalterlichen Haus aus dem 15. Jahrhundert, in welchem sich eine Himmelsleiter befindet, die zum zweiten Stock führt.[1] Für die Zukunft ist ein Neubau in Planung.[2]

Dauerausstellung Typisch München![Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stadtmuseum auf einer Zeichnung nach dem Sandtnerschen Stadtmodell

Eingebettet in den kulturgeschichtlichen Kontext wird in einem Rundgang über drei Etagen alles dargestellt, was typisch für die Stadt und ihre Bewohner ist. Vom angeblichen Schlüsselbein Herzog Heinrichs des Löwen bis zur Allianz Arena beleuchtet die Ausstellung die Kulturgeschichte Münchens von ihrer Gründungslegende bis zur Gegenwart. Ein besonderer Anziehungspunkt sind die um 1480 entstandenen Moriskentänzer von Erasmus Grasser (1450–1518), die für den Ballsaal des Alten Rathauses geschaffen worden waren. Die Moriskentänzer gelten als Standardbeispiele der bürgerlichen Kunst der Spätgotik. Bedeutend ist auch eine Kopie des Stadtmodell Münchens von Jakob Sandtner aus dem Jahre 1570. Auf insgesamt 2400 m² zeigt die Ausstellung rund 400 Objekte, beginnend mit dem alten München über Stationen wie Königreich oder Schwabinger Bohème bis hin zur Olympiade 1972 und der Gegenwart. Zu sehen sind die bedeutendsten Werke, die das Münchner Stadtmuseum seit seiner Gründung 1888 gesammelt hat. Die Ausstellung stellt drei Fragen: Was ist typisch München, seit wann und vor allem warum?

Die Sonderausstellung zeigt ausschließlich Werke aus den eigenen Beständen und gibt einen umfassenden Einblick in die hochwertigen und vielfältigen Sammlungsbereiche des Münchner Stadtmuseums: Graphik, Plakate und Gemälde, Möbel, Skulptur, Kunsthandwerk, Mode, Volkskunde, Fotografie, Film, Musik und Schaustellerei. Im Hinblick auf eine Auswahl wurden die Bestände für die Ausstellung wissenschaftlich neu bearbeitet, restauratorisch betreut und in den jeweiligen stadthistorischen Kontext gestellt.

Im Zentrum der Sonderausstellung steht das Phänomen einer kommunalen Emanzipation, in der sich die Stadt von ihrer durchwegs höfisch dominierten Geschichte verabschiedet, um ein städtisches Selbstbewusstsein gerungen und den Ruf der „heimlichen Hauptstadt“ der Bundesrepublik erworben hat. Die Dauerausstellung zeigt, wie dieser Prozess eigentlich erst seit dem 19. Jahrhundert, im Grunde seit der 700-Jahr-Feier von 1858 bis heute wirksam ist.

Zur baulichen Realisation des Unternehmens wurde das Münchner Zeughaus grundlegend saniert und mit moderner Museumstechnik ausgestattet. Es handelt sich um einen vorbildlichen Akt der Denkmalspflege, durch den sich das Gebäude würdig und seiner historischen Bedeutung angemessen in das neue Ensemble am St.-Jakobs-Platz mit Jüdischen Gemeindezentrum und Jüdischen Museum einfügt.

Nationalsozialismus in München – Chiffren der Erinnerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leuchtschrift „Kaufhaus Uhlfelder“ in den Fenstern zum Oberanger

Die seit 2003 bestehende Dauerausstellung Nationalsozialismus in München – Chiffren der Erinnerung zeigt Entstehung, Ausprägung und Folgen des Nationalsozialismus in München zwischen 1918 und 1945. Der Akzent liegt auf den Besonderheiten, die die Stadt zum Standort der NSDAP-Zentrale und „Hauptstadt der Bewegung“ und „Hauptstadt der deutschen Kunst“ werden ließen. Dazu gehören Informationen über Akteure und Verfolgte, über Akzeptanz und Widerstand in München.

Im Rahmen der Ausstellung wurde in den dem Oberanger zugewandten Fenstern des Museumsgebäudes eine blaue Leuchtschrift mit dem Schriftzug „Kaufhaus Uhlfelder“ installiert, die daran erinnert, dass das Gebäude zum Teil an Stelle des früheren Kaufhauses Uhlfelder steht, das während der Pogromnacht geplündert und dessen jüdischer Besitzer von den Nationalsozialisten enteignet wurde.

Filmmuseum und kommunales Kino[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Filmmuseum München besteht seit 1963 als Abteilung des Münchner Stadtmuseums und ist somit Deutschlands erstes kommunales Kino. In fast täglichem Spielbetrieb (montags keine Vorstellungen) stellt das Filmmuseum in seinem Kino herausragende Werke aus allen Epochen der internationalen Filmgeschichte vor. Sein Archiv umfasst wichtige Klassiker der Filmgeschichte, die zum Teil in jahrelanger Arbeit aufwendig rekonstruiert wurden. Dazu zählen Stummfilmklassiker wie Die freudlose Gasse, Metropolis, Der Golem, wie er in die Welt kam und Das Weib des Pharao, ebenso wie die unvollendeten Filmfragmente aus dem Nachlass von Orson Welles. Häufig sind Regisseure, Schauspieler und andere Filmschaffende im Filmmuseum zu Gast, die nach der Vorführung mit dem Publikum über ihre Werke diskutieren.

Sammlung Fotografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Detailansicht, 2009

Die 1963 eröffnete Sammlung Fotografie (damals Fotomuseum im Münchner Stadtmuseum) zählt mit einem Sammlungsbestand von über 500.000 Fotografien zu den führenden fotografischen Sammlungen Europas. Der Schwerpunkt der Bestände liegt im Zeitraum bis 1980, wird aber durch zeitgenössische Fotografien ständig erweitert. Durch den Ankauf der Sammlung des Fotografen Josef Breitenbach kamen 1977 über 600 Originale international bekannter Fotografen wie Berenice Abbott, Robert Adamson & David Octavius Hill, Julia Margaret Cameron, Robert Capa, Alfred Eisenstaedt, Roger Fenton, André Kertész und Lisette Model an die Sammlung Fotografie, die das Herzstück der heutigen Bildbestände bilden. Eine wichtige Ergänzung erfuhr die Sammlung 1984 durch den Ankauf der über 1.000 Objekte umfassenden Sammlung Uwe Scheid zur Geschichte der Fotografie im 19. Jahrhundert. 1985 gelangte die Stiftung Franz Hanfstaengl an das Museum. Seit 1991 haben zahlreiche Archive und Nachlässe den Weg in die Sammlung gefunden, darunter der über 1.100 Vintageprints umfassende Nachlass von Herbert List sowie umfangreiche Archive unter anderem von Thomas Höpker, Stefan Moses, Floris M. Neusüss, Norbert Przybilla, Regina Relang, Hans Schreiner und seinem Institut für Bildjournalismus, Frank Eugene Smith, Vladimir Vinski sowie das Archiv der Illustrierten Quick.

Eine Publikumsattraktion repräsentiert das im Originalzustand erhaltene, in der Dauerausstellung Typisch München! präsentierte Kaiserpanorama – ein um 1900 in Europa ausgesprochen populäres Massenmedium – das es 25 Personen gleichzeitig ermöglichte, dreidimensionale Zyklen in- und ausländischer Reise- und Städtebilder zu betrachten.

Eine Fachbibliothek mit über 10.000 Bänden sowie 600 seltene Fotobücher stehen für die wissenschaftliche Forschung zur Verfügung. Den Ruf der Sammlung Fotografie (ehemals Fotomuseum) begründeten in den 1970er Jahren zahlreiche monografische und thematische Ausstellungen. In den letzten 15 Jahren wurden hier Retrospektiven von Nobuyoshi Araki, Felice Beato, Bernd und Hilla Becher, den Brüdern Bisson, Joachim Brohm, Samuel Bourne, John Deakin, Hugo Erfurth, Frank Eugene, Theodor Hilsdorf, Peter Keetman, Philipp Kester, William Klein, Annie Leibovitz, Herbert List, Will McBride, Stefan Moses, Irving Penn, Pierre et Gilles, Alexander Rodtschenko, Toni Schneiders, Giorgio Sommer, Dimitri Soulas, Paul Strand und Juergen Teller gezeigt. Im Foyer im ersten Stock des Museums präsentiert das Forum eine Auswahl zeitgenössischer Fotografien. Im Forum der Sammlung Fotografie fanden Ausstellungen von zeitgenössischen Künstlern wie Katharina Gaenssler und Franz Wanner statt.

Sammlung Puppentheater / Schaustellerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bundesdeutschen Wohlfahrtsmarken des Briefmarken-Jahrgangs 1970 zeigen Puppen der Münchner Sammlung

Die Sammlung Puppentheater und Schaustellerei des Münchner Stadtmuseums, die in ihren Anfängen auf das Jahr 1939 (Ludwig Krafft) zurückgeht, beschäftigt sich mit allen Bereichen des Figurentheaters seit dem 18. Jahrhundert. Die international ausgerichtete Sammlung von ca. 13.000 Figuren umfasst Handpuppen, Marionetten, Stab- und Schattenfiguren mit kompletten Bühnennachlässen, Theaterdekorationen und Textbüchern. Der Schwerpunkt liegt auf der Erfassung des volkstümlichen und künstlerischen Puppenspiels vor 1945 in Deutschland. Weiter wurden der Fundus der Spieldose - Mechanisches Theater Münchner Studenten (1955 bis heute) fast vollständig gesammelt sowie die Figurensätze des Marionettenstudios in Schwabing (seit 1949). Außerdem ist die ehemalige Werkstatt des Münchner Bildhauers und Puppenschnitzers Walter Oberholzer komplett aufgebaut und kann besichtigt werden. Oberholzer hatte auch für das Münchner Marionettentheater gearbeitet. Zudem ist der (1959) noch erreichbare Fundus des Prinzipals des Marionettentheaters Münchner Künstler vor 1933 Paul Brann in ständiger Ausstellung zu sehen. Dazu kommen reichhaltige Bestände aus anderen europäischen Ländern sowie aus Asien und Afrika. Eine Besonderheit bildet der Bestand an mechanisch-beweglichen Figuren und Automaten.

Seit 1980 erweiterte das Museum seine Interessen auf das Gebiet der Schaustellerei mit dem Blick auf die Attraktionen der deutschen Jahrmärkte und Feste vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Dabei werden auch die Sparten Varieté und Circus berücksichtigt. Die Museumsabteilung hat sich damit zur zentralen Anlaufstelle für Fragen zu volkstümlichen Vergnügungen entwickelt. Neben der ständigen Schausammlung, die vor allem die Entwicklung des Puppenspiels und der Schaustellerei in Deutschland veranschaulicht, stehen dem interessierten Forscher die Fachbibliothek, das Archiv und die Grafiksammlung zur Verfügung. In Zusammenarbeit mit dem Münchner Verein Gesellschaft zur Förderung des Puppenspiels wird das gesamte Spektrum des Puppentheaters durch Aufführungen zeitgenössischer Bühnen gepflegt.

Sammlung Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Kostbarkeiten des Instrumentenbaus aus verschiedenen Kulturen wird ein hervorragender Querschnitt zur Vielfalt musikalischer Aktivität geboten. Die Sammlung umfasst 6.000 Objekte, darunter ca. 1.500 Instrumente aus Afrika, Asien, Altamerika und Europa, sowie den Sonderbereich der mechanischen Musikinstrumente mit großem Stern-Orchestrion. Bei Führungen gibt es die Möglichkeit unter Anleitung auf den Gamelans aus Java und Bali selbst zu spielen. Abendkonzerte und Sonntagsmatinéen verwandeln die Ausstellungsräume in einen Konzertsaal.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ignaz-Günther-Haus
  2. http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.100-millionen-euro-umbau-das-stadtmuseum-der-zukunft.4a3ebe39-3104-4294-ada9-484908a5319a.html

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Münchner Stadtmuseum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 8′ 6″ N, 11° 34′ 23″ O