Münchwilen AG

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AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Münchwilenf zu vermeiden.
Münchwilen
Wappen von Münchwilen
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Laufenburgw
BFS-Nr.: 4172i1f3f4
Postleitzahl: 4333
Koordinaten: 639549 / 26548347.5388837.96389342Koordinaten: 47° 32′ 20″ N, 7° 57′ 50″ O; CH1903: 639549 / 265483
Höhe: 342 m ü. M.
Fläche: 2.47 km²
Einwohner: 893 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 362 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 21,2 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.muenchwilen-ag.ch
Karte
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Münchwilen (schweizerdeutsch: ˌmʏnχˈʋilə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Laufenburg des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt im Zentrum der Region Fricktal, nahe der Grenze zu Deutschland.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt etwas mehr als einen Kilometer südöstlich des Rheins auf einer erhöht liegenden Terrasse. Unmittelbar südlich des Dorfzentrums ragen die Joshalde und der Holengraben steil in die Höhe. Beide Hügel werden durch ein tief eingeschnittenes, nach Süden verlaufendes Seitental mit einer Länge von einem Kilometer voneinander getrennt. Am Ende des Tales vereinigen sich die beiden Hügel zur ausgedehnten Hochebene des zum Tafeljura gehörenden Eickerbergs. Nördlich des Dorfzentrums, räumlich getrennt durch die Hauptstrasse, zwei Eisenbahnlinien und die Autobahn, hat die Gemeinde einen Anteil am flachen Sisslerfeld; dort befindet sich eine grosse Industriezone.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 247 Hektaren, davon sind 78 Hektaren bewaldet und 70 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 504 Metern auf der Hochebene des Eickerbergs, der tiefste auf 300 Metern im Sisslerfeld.

Nachbargemeinden sind Sisseln im Norden, Eiken im Osten, Schupfart im Süden, Obermumpf im Südwesten und Stein im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Einzelne Funde wie die 1963 entdeckten Ruinen eines Gebäudekomplexes lassen darauf schliessen, dass die Gegend um das heutige Dorf bereits von den Römern besiedelt war. Die Anlage besass einen Innenhof und Badeanlagen, möglicherweise handelte es sich um eine Raststätte (mansio) an der Strasse zwischen Vindonissa und Augusta Raurica.[5]

Die erste urkundliche Erwähnung von Munchwille erfolgte 1306 im Habsburger Urbar. Bereits etwa 200 Jahre zuvor soll um die heutige Ursulakapelle eine Einsiedelei von Mönchen des nahe gelegenen Klosters Säckingen entstanden sein. Dies spiegelt sich in der Bedeutung des Dorfnamens wider, die auf Althochdeutsch Munihwilari («Hofsiedlung der Mönche») lautet.[3] Die Habsburger verpfändeten nach dem Waldshuterkrieg von 1468 das gesamte Fricktal an Burgund. Als die Burgunder von den Eidgenossen während der Burgunderkriege vernichtend geschlagen worden waren, kam Münchwilen 1477 wieder unter österreichische Herrschaft.

Nach der Reichsreform des österreichischen Kaisers Maximilian I. im Jahr 1491 gehörte Münchwilen zu Vorderösterreich und lag in der Landschaft Fricktal, einer untergeordneten Verwaltungseinheit der Kameralherrschaft Rheinfelden im Oberamt Breisgau. Im 17. Jahrhundert gab es kaum längere Friedenszeiten. Der Rappenkrieg, ein Bauernaufstand, dauerte von 1612 bis 1614. Der Dreissigjährige Krieg, der zwischen 1633 und 1638 auch das Fricktal erfasste, warf das Dorf in seiner wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Auch während des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688–1697) zogen fremde Truppen durch die Region.

1797 wurde das Fricktal nach dem Frieden von Campo Formio ein französisches Protektorat. Während des Zweiten Koalitionskrieges verlief hier die Frontlinie zwischen den Armeen Frankreichs und Österreichs. Am 20. Februar 1802 wurde Münchwilen eine Gemeinde im Distrikt Frick des Kantons Fricktal, der sich im August der Helvetischen Republik anschloss. Der aus Ettenheim stammende Arzt Sebastian Fahrländer hatte 1798 das Bürgerrecht von Münchwilen erhalten und ernannte sich zum Statthalter dieses kurzlebigen Kantons. Seit dem 19. Februar 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau.

Am 2. August 1875 wurde die Bözberg-Eisenbahn eröffnet, die am 1. August 1892 eröffnete Bahnlinie nach Koblenz zweigt unmittelbar nördlich des Dorfzentrums ab. Doch der Bahnhof befindet sich in der Nachbargemeinde Stein, und so blieb Münchwilen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf. Bedingt durch die Ansiedlung von Industriebetrieben im Sisslerfeld verdoppelte sich die Bevölkerungszahl zwischen 1950 und 1980, ist aber seither stabil.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau schreitender Mönch mit Hut, Kutte samt Kapuze, Gürtel und Sandalen (alles braun), in der Rechten auswärts gewendeten weissen Pilgerstab führend; Gesicht, Hände und Füsse sind weiss.» Beim Neubau der Kirche von Eiken im Jahr 1873 wurde auch eine Glasscheibe mit dem Wappen Münchwilens eingesetzt, die in Weiss einen Mönch mit schwarzer Kutte zeigte. Später erschien der Mönch jedoch in einer unvorteilhaften Farbkombination, da das Braun gegen die Farbregeln der Heraldik verstösst. Die vom Staatsarchiv vorgeschlagene Bereinigung lehnte die Gemeindeversammlung 2002 ab.[6]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1768 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 105 227 246 268 295 372 461 602 614 587 747

Am 31. Dezember 2013 lebten 893 Menschen in Münchwilen, der Ausländeranteil betrug 21,2 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 59,1 % römisch-katholisch und 28,8 % reformiert; 2,4 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 97,1 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Laufenburg zuständig. Münchwilen gehört zum Friedensrichterkreis Frick.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Münchwilen gibt es gemäss Betriebszählung 2008 etwa 420 Arbeitsplätze, davon 2 % in der Landwirtschaft, 85 % in der Industrie und 13 % im Dienstleistungssektor.[10] Die ausgedehnte Industriezone mit zahlreichen KMU befindet sich im Sisslerfeld. Zahlreiche Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in den grösseren Nachbargemeinden im Fricktal oder in der Agglomeration der Stadt Basel.

Verkehr[Bearbeiten]

Münchwilen liegt an der wichtigen Hauptstrasse 3 zwischen Basel und Zürich, doch wird das Dorfzentrum nicht direkt vom Durchgangsverkehr tangiert. In drei Kilometern Entfernung befindet sich bei Eiken eine Anschlussstelle der Autobahn A3. Die Anbindung an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch eine Postautolinie zwischen den Bahnhöfen Frick und Stein-Säckingen.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Realschule und die Sekundarschule können in Stein oder Eiken besucht werden, die Bezirksschule in Frick oder Rheinfelden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau; aufgrund einer interkantonalen Vereinbarung können Jugendliche aus Teilen des Fricktals das Gymnasium auch in Muttenz (Kanton Basel-Landschaft) absolvieren.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Münchwilen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 291–293.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1069, Swisstopo
  5.  Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 186–187.
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 223.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.