Münichholz

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Münichholz (Stadtteil)
Katastralgemeinde Hinterberg
Statistischer Bezirk Münichholz/Hinterberg
Münichholz (Österreich)
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Basisdaten
Pol. Bezirk, Bundesland Steyr (SR), Oberösterreich
Gerichtsbezirk Steyr
Pol. Gemeinde Steyr
Ortschaft Steyr
Koordinaten 48° 3′ 14″ N, 14° 26′ 22″ OKoordinaten: 48° 3′ 14″ N, 14° 26′ 22″ Of1
Höhe 305 m ü. A.
Einwohner der stat. Einh. 6360 (2009)
Gebäudestand 1350 (ca. Adressen 2018f1)
Fläche d. KG 3,94 km²
Postleitzahl 4400 Steyr
Statistische Kennzeichnung
Katastralgemeinde-Nummer 49210
Zählsprengel/ -bezirk o.N. (40201 20)
Bild
Blick von der Dambergwarte in Sankt Ulrich
Seit 1938 Teil von Steyr (1945–58 Status unklar); XI. Stadtbezirk (ehem. Bezeichnung bis 1992)
ehemals zwei Ortsch. Münichholz und Hinterberg (ab 1923) und Kat.Gem. Ramingdorf und Hammer von Behamberg NÖ; diese heute Statistische Zonen 16. Münichholz und 17. Hinterberg/Hammer;
alter Zählbezirksname (bis 2000er): XI.Bez.:Münichholz
Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM; DORIS; Stadt Steyr: Statut,[1][2] Statistik[3]
f0

Münichholz ist ein Stadtteil der Stadt Steyr in Oberösterreich, und entspricht der Katastralgemeinde Hinterberg. Die ehemals in Niederösterreich liegenden Ortschaften wurden 1938 Oberösterreich angegliedert.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortslage befindet sich nordöstlich vom Stadtzentrum, auf der rechten (östlichen) Seite der Enns am westlichen Stadtrand direkt an der niederösterreichischen Landesgrenze. Er liegt flussabwärts der Ramingbachmündung, auf um die 290–310 m ü. A. Höhe.

Münichholz im eigentlichen Sinne ist das westliche Siedlungs- und Augebiet direkt am Ennsknie, Hinterberg das östliche Industriegebiet auf der Terrasse am Fuß des Wachtbergs und Heubergs.

Der Stadtteil mit 394,2 Hektar umfasst etwas unter 1400 Adressen mit knapp 6500 Einwohnern.

Nachbarortslagen und -katastralgemeinden:
Gleink (KG) 

Dornach

Hausleiten
(Stt.)
Enns  
Resthof
Steyr (KG)
Enns

Ort (Stt.)

Enns
Nachbargemeinden Heuberg
Wanzenöd (KG)

Wachtberg
Blindhof
(alle Gem. Behamberg, Bez. Amstetten, )

Ennsdorf (Stt.)


Bürstmayrsiedlung (beide Gem. St. Ulrich b. Steyr)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hier befand sich schon in der Römerzeit ein Gehöft, vielleicht in Verbindung mit Eisenbearbeitung. Es wurde in den 1990ern bei der Notgrabung im Zuge der Errichtung der Steyrer Nordspange (B122a) befundet.[4] Sonst fehlen in Steyr aber Belege einer mutmaßlichen Straßenstation.

Das Minichholz war ursprünglich das Waldgebiet an der Ramingbachmündung bei Ramingdorf.[5] Diese Ortschaft gehörte zu Haidershofen, das bis 1784 Stiftspfarre des Klosters Gleink war.[6] Darauf bezieht sich der Name (‚Mönchswald‘).[7] Hier sind für 1437 13 Häuser urkundlich.[8] Der Ramingdorfer Althof datiert ins 9. Jahrhundert, der Edelsitz Ramingdorf erscheint schon an der Wende des 13./14. Jahrhunderts, die Herrschaft war meist in Händen Steyrer Familien.

Neben Münichholz mit einer Fläche von 1,84 km² wurde um 1830 hier auch die Steuergemeinde Hinterberg gebildet, inzwischen eigenständigere Ortslagen.[5] Zu der Zeit hatte Münichholz 23 Häuser mit 135 Einwohnern, Hinterberg 13 Häuser mit 74 Einwohnern, Hammer 7 Häuser mit 25 Einwohnern, und Ramingdorf 19 Häuser mit 129 Einwohnern.[7][8] Mit Schaffung der Ortsgemeinden 1848/49 wurden beide Katastralgemeinden Teil der unterennsischen politischen Gemeinde Behamberg, gehörig zum Viertel ober dem Wienerwald.[9] Die beiden entsprechenden Ortschaften hießen aber Ramingdorf respektive Hammer, erst in den 1920ern erscheinen die Ortschaftsnamen Münichholz und Hinterberg.[10]

1868 wurde die Strecke St. Valentin–Steyr der k.k. priv. Kronprinz Rudolf-Bahn (heute Ennstal-Nebenstrecke der Rudolfsbahn) eröffnet, die hier über Hinterberg zum Bahnhof in Ennsdorf führt.

Schon 1922 begann die Österreichische Waffenfabriksgesellschaft zu Ennsdorf (1924 Steyr-Werke AG, 1934 Steyr-Daimler-Puch AG) in Hammer mit der Produktion von Kugellagern, das Werk (ehemals Steyr Wälzlager) ist seit 1988 SKF Steyr.[11] Aus den Anlagen für den Motorenbau entstand das heutige BMW Motoren-Werk.[12] 1956 verlagerte Steyr-Daimler-Puch auch eine Gießerei hierher (seit 1988 SLR-Guss).[13]

Einen entscheidenden Einschnitt in die Geschichte von Münichholz brachte der Einmarsch der Nationalsozialisten am 13. März 1938 in Österreich. Der Stadtteil in seiner jetzigen Form steht in engem Zusammenhang mit der Aufrüstung des Dritten Reiches und den Aufgaben, die der Stadt Steyr und den Steyr-Werken zugedacht waren. Diese wurden den Hermann-Göring-Werken angeschlossen, und auf Rüstungsindustrie umgestellt.

Auch zwecks Errichtung einer Großsiedlung wurde Münichholz per 15. Oktober 1938[14][15] der Stadt Steyr angegliedert. Gleichzeitig wurden die beiden Ortschaftsbestandteile Münichholz und Hinterberg – letzteres umfasste das heutige Industriegebiet – zum XI. Stadtbezirk[1] und der Ortschaft Münichholz und der flächengleichen Katastralgemeinde Hinterberg vereinigt.[6][3]

Zu der Zeit hatte die Ortschaft 221 Bewohner, vorwiegend Bauern. In der Zeit vom 22. September 1938 bis zum 18. August 1939 wurden die Bewohner von 29 Anwesen (Bauernhöfen) ausgesiedelt. Das Regime errichtete eine nationalsozialistische Mustersiedlung, die Werksiedlung Münichholz, die im Endausbau bis zu 20.000 Menschen Wohnungen bieten sollte. Daneben gab es an der Haagerstraße mit dem KZ-Nebenlager Steyr-Münichholz auch ein Außenlager des KZ Mauthausen, mit bis zu 3090 Häftlingen. Diese wurden bei den Steyrwerken zu Bauarbeiten sowie bei der Stadtgemeinde Steyr zum Hallen- und Straßenbau und zur Erstellung von Luftschutzstollen herangezogen. Dabei gab es vielerlei Übergriffe, Misshandlungen und „Erschießungen auf der Flucht“.

Als 1938 mit dem Bau von Münichholz begonnen worden war, war für Administration belanglos, dass dieses Gebiet zu Niederösterreich gehörte. Die Reichsgaue (Oberdonau und Niederdonau) wurden ohne viel Aufhebens anders eingeteilt. Nach Kriegsende wurde an und für sich das österreichische Recht als Ganzes in den Zustand von vor dem Anschluss zurückversetzt (Rechts-Überleitungsgesetz 1945), was sich aber nur auf grundlegende demokratische Werte bezog. Sonstige Regelungen wurden „bis zur Neugestaltung“ in Geltung gesetzt (§ 2 R-ÜG). Damit war der Status der Verschiebung der Landesgrenze, die auch die Grenze der amerikanischen und russischen Besatzungszone war, unklar. Bis August 1945 war die Stadt gänzlich an der Steyr geteilt, dann wurde die Grenze auf die heutige Landesgrenze zurückgenommen,[16] Münichholz gehörte aber zur sowjetischen Besatzungszone.

Am 7. Juli 1948 beschloss der oberösterreichische Landtag ein Stadtstatut von Steyr, in dem Münichholz als ein Teil von Steyr genannt wird.[1] Niederösterreichischerseits wurde es aber noch als Behamberger Gemeindeteil geführt. Nach Abschluss des Staatsvertrages 1955, mit dem auch die ursprünglichen Landesgrenzen wieder in Kraft traten,[17] begannen Verhandlungen über Münichholz, welches nun laut Landesrecht zu Steyr und Oberösterreich, aber nach dem Bundesgesetz zu Niederösterreich gehörte. Laut Bundesverfassungsgesetz vom 16. Dezember 1958, rückwirkend mit 1. Mai 1945 in Kraft getreten, kam Münichholz von Niederösterreich endgültig zu Oberösterreich und der Stadt Steyr.[15] Die Überlassung wurde mit 25 Millionen Schilling (etwa knapp 2 Mio. Euro) abgegolten.[18]

Schon 1945 erhielt der Ort eine Notkirche, die Geschichte der Pfarre Christ König[19] geht auf die geheime Lagermission des Jesuiten Josef Meindl, Pfarrer zu St. Michael, ab 1941 zurück. 1950 entstand der Pfarrhof. Ab 1964 wurde die Neue Pfarrkirche samt Pfarrzentrum erbaut. 1967–1974 entstand das Berufsschulzentrum.

Seit dem neuen Stadtstatut 1992 wird Münichreit nicht mehr als XI. Bezirk geführt.[2][3]

Die Steyrer Nordspange B122a mit einer neuen Ennsbrücke hinüber nach Dornach wurde bis 2001 erbaut.

Wirtschaft, Infrastruktur, Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SKF-Wälzlagerwerk und BMW-Motoren
Wichtigste Unternehmen
Verkehr

Hauptverkehrsachse ist die Steyrer Nordspange B122a der Voralpen Straße (Amstetten – Steyr).

Der Haltepunkt Steyr-Münichholz liegt an der Ennstalstrecke der Rudolfsbahn.

Sehenswürdigkeiten
Natur

Der Stadtteil hat einen hohen Anteil von Wald- und Grünflächen, mit dem Münichholzer Wald als noch geschossenes Auwaldgebiet. Das Ennsknie mit dem Konglomerat-Steilabfall zum Fluss liegt in der letzten freien Fließstrecke der Enns in Oberösterreich.[21]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmut Retzl: Münichholz – ein Stadtteil im Wandel der Zeit. Steyr 1986 (= Veröffentlichungen des Kulturamtes der Stadt Steyr 37; ähnlich auch Veröffentlichung des Bildungs- und Kulturarbeitskreises Münichholz, 1985).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Münichholz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c § 1 d) Gesetz betreffend die Wiederinkraftsetzung des mit dem Gesetz vom 18. März 1930, LGBl. Nr. 13/1930, erlassenen Gemeindestatuts für die Stadt Steyr LGBl. Nr. 41/1948 20. Stück (pdf, ris.bka; rückwirkend mit 1. Jänner 1946 in Kraft).
  2. a b Kundmachung der o.ö. Landesregierung über die Wiederverlautbarung des Statutes für die Stadt Steyr LGBl. Nr. 9/1992 6. Stück (i.d.g.F. online, ris.bka).
  3. a b c Zwecks interner Statistik werden die beiden Teile noch getrennt geführt: Statistischer Bezirk: 20 Münichholz/Hinterberg (Zählbezirk 20 XI.Bez.:Münichholz der Statistik Austria, welche seit den 2000ern keine Namen mehr gibt); Statistische Zonen 16. Münichholz und 17. Hinterberg/Hammer im Umfang der ursprünglichen Katastralgemeinden; siehe Statistische Bezirke. Statistische Zonen. Statistische Zählsprengel. Magistrat Steyr, Planungdatum 2008 (alle pdf, abgerufen 8. Juli 2018).
  4. Eva Kuttner, OÖLM: Münichholz – Baureste eines Gehöfts (Memento vom 20. Juli 2014 im Internet Archive). In: AIS-OOE (abgerufen am 14. November 2017).
  5. a b Die Josephinischen Landesaufnahme (um 1780) führt hier nur diverse Ortslagen Ramingdorf, Hamersch[miede] respektive Hammer M[ühle] (Unter- resp. Ober der Enns; an der Raming) und (Schloß) Ramingdorf (Ennsabwärts); der Franziszäische Kataster (um 1830) gibt die Orte Münichholz, Hinterberg, Hamer und Ramingdorf; in der Franzisco-Josephinischen Landesaufnahme um 1880 (1:25000, nach Bau der Rudolfsbahn) erscheinen nur der Forst Münichholz und der Ort Ramingdorf (Alle Landesaufnahmen online auf Arcanum/Österreichisches Staatsarchiv: mapire.eu).
  6. a b Peter Wiesinger: Ortsnamenbuch des Landes Oberösterreich, Band 10. Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2001, ISBN 3-7001-2156-3, Eintrag 7.9.1.9 Münichholz, S. 213.
  7. a b Franz [Xavier Joseph] Schweickhardt Ritter von Sickingen: Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens. 10. Band, 2. Reihe Viertel Ober-Wienerwald. 1838, Hammer. S. 104 f; Hinterberg. S. 107; Münichholz. S. 113 f. (Digitalisat, Google, vollständige Ansicht).
  8. a b Kurt Klein (Bearb.): Historisches Ortslexikon. Statistische Dokumentation zur Bevölkerungs- und Siedlungsgeschichte. Hrsg.: Vienna Institute of Demography [VID] d. Österreichische Akademie der Wissenschaften. Oberösterreich Teil 1, Steyr (Stadt): Stadtbezirke: 11. – Münichholz; Statistische Zonen , S. 14 (Onlinedokument, Erläuterungen. Suppl.; beide PDF – o.D. [aktual.]).
    Spezielle Quellenangaben: urkundlich (1437): Heinrich Weigl: Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich. 1. Bd., 1964, 113 ff. • 1830: Meist Angaben aus der Militär-Konskription 1830/37, teils älter. Nach ops.cit. Schweickhardt 1838. • 1869 und später: Statistische Central-Commission/Bundesamt für Statistik/Österreichisches Statistisches Zentralamt/Statistik Austria (Hrsg.): Ortsverzeichnis. (Ergebnisse der Volkszählungen, ab 2011 Registerzählungen).
  9. Landes-Regierungsblatt 1/1855 über die neue Gebietseintheilung […] des Erzherzogthumes Niederösterreich, Beilage Nr. 2 Alphabetisches Verzeichnis sämmtlicher Orte des Kronlandes Niederösterreich. Listeneinträge Münichholz (R u. KG), S. 584; Hinterberg (3.,R u. KG), S. 356; Hammer (R), S. 322; Ramingdorf (R), S. 716 (Digitalisat, Google, vollständige Ansicht).
  10. Im Ortsverzeichnis 1923; Angabe Österreichischer Arbeitskreis für Stadtgeschichtsforschung, Ludwig Boltzmann-Institut für Stadtgeschichtsforschung (Hrsg): Forschungen zur Geschichte der Städte und Märkte Österreichs. Band 2, Verlag J. Wimmer, 1989, Behamberg, S. 259; vergl. ops.cit. Klein.
  11. a b SKF Österreich AG; und Die Geschichte der SKF in Österreich: 1988–1990. skf.com, beide abgerufen 8. Juli 2018.
  12. a b BMW Group Werk Steyr bmwgroup-werke.com.
  13. a b Chronik. SLR-Gusswerk (slr.at), abgerufen 8. Juli 2018.
  14. DORIS, Thema Historische Gemeindegrenzen
  15. a b Siehe Gebietsentwicklung der Stadt Steyr. Magistrat Steyr, Planungdatum 2008 (pdf, abgerufen 8. Juli 2018).
  16. Roman Sandgruber: Die Weltwirtschaftskrise in Oberösterreich. In: Oberösterreichische Nachrichten, 10. Jänner 2009 (online in: forum oö geschichte, ooegeschichte.at > Themen > Wir Oberösterreicher, abgerufen 20. Juli 2018).
  17. Josef Fuchshuber: Aus der Geschichte und der neuen Zeit von Behamberg. In: Heimatkundliche Beilagen zum Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Amstetten 13, 142, 1984, S. 1–4. (Artikel online, auf heimatforschung-noe.blogspot.co.at, 2012).
  18. Die Errichtung des Bezirksgerichtes. Hilda Lessner, Gerhard Obermayr: Haus-Chroniken von Haag (chronik.stadthaag.com), abgerufen 9. Juli 2018.
  19. Pfarre Steyr-Münichholz; und Geschichte der Pfarre. Pfarre Steyr-Münichholz, auf dioezese-linz.at.
  20. SKF-Wälzlager aus Steyr in der Formel 1 dabei. In: Oberösterreichische Nachrichten online (nachrichten.at), 7. April 2015.
  21. Peter Prack: Das Ennsknie in Steyr, ein – leider nicht erklärtes – Naturdenkmal. In: OEKO 2008/1, S. 6–21 (Artikel, pdf, landesmuseum.at).