Münster-Kuhviertel

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Jüdefelderstraße

Das Kuhviertel ist ein Stadtviertel in der Innenstadt der kreisfreien Stadt Münster in Westfalen und gehört zum Stadtbezirk Mitte. Es erstreckt sich am nordwestlichen Rand des Innenstadtzentrums und besteht rund um die Straßen Jüdefelderstraße, Kuhstraße, Hollenbeckerstraße, Kreuzstraße, Buddenstraße, Rosenplatz und Wankelgasse.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das innerstädtische Kuhviertel erhielt seit dem Ende des 19. Jahrhunderts einen eigenen, separierten Charakter durch den Zuzug von Angehörigen randständiger Bevölkerungsgruppen, so von Roma und jenischen „Landfahrern.“ „Unter schwierigsten und schlimmsten sozialen Bedingungen gingen sie ihren Berufen als Scherenschleifer, Korbmacher, Bürstenmacher, Besenbinder und Hausierer nach, um die im Winter gefertigten Arbeiten im Sommer über Land zu verkaufen.“ Es gab ambulante Tuch- und Kurzwarenhändler, Lumpen- und Schrotthändler, Schausteller, Entfesselungskünstler, Orgeldreher und Wahrsager in den heute historischen Straßen Tasche, Brink, Ribbergasse und deren näherem Umfeld. Es wohnten jüdische Familien dort. Innerhalb der Münsteraner Mehrheitsgesellschaft hatte das Quartier einen Ruf als „Ganovenviertel“. Die Bewohner waren als „asozial“ stigmatisiert („Tasche, Brink und Ribbergasse, Messerstecher erster Klasse.“).[1] Das Kuhviertel war neben dem Herz-Jesu-Viertel (auch: Klein-Muffi), dem Sonnenstraßenviertel und Pluggendorf eins von vier Wohnquartieren, in denen die rotwelsche Masematte gesprochen wurde. In allen vier Vierteln lebten Münsteraner mit „sozial niedrigem Status“ als Ausgegrenzte.[2][3]

Kriegszerstörungen, Verzicht auf Wiederaufbau bzw. die Neugestaltung der Stadt in diesem Bereich beendeten die Existenz der historischen Wohnbebauung des Kuhviertels.

Kneipen in der Kreuzstraße
Studentenkneipe „Cavete“

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kuhviertel ist heute bekannt für (Studenten-)Kneipen und Kunstgewerbe, darunter so bekannte Kneipen wie die „Cavete“ (Münsters ältester Studentenkneipe), „Barzillus“, „Gorilla-Bar“, „Davidwache“ „Buddenturm“, die „Destille“ oder das „Himmel & Hölle“.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zitate und Angaben in: Klaus Siewert: Grundlagen und Methoden der Sondersprachenforschung. Mit einem Wörterbuch der Masematte aus Sprecherbefragungen und den schriftlichen Quellen. Wiesbaden 2003, S. 83f. (= Sondersprachenforschung, Bd. 8)
  2. Klaus Siewert: Grundlagen und Methoden der Sondersprachenforschung. Mit einem Wörterbuch der Masematte aus Sprecherbefragungen und den schriftlichen Quellen. Wiesbaden 2003, S. 86. (= Sondersprachenforschung, Bd. 8)
  3. Wolfgang Schemann, Einer der letzten Masematte-Sprecher. In: Westfälische Nachrichten, 9. April 2010.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Siewert: Grundlagen und Methoden der Sondersprachenforschung. Mit einem Wörterbuch der Masematte aus Sprecherbefragungen und den schriftlichen Quellen. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2003, ISBN 3-447-04770-4. (= Sondersprachenforschung, 8)
  • Margret Strunge, Karl Kassenbrock: Masematte. Das Leben und die Sprache in Münsters vergessenen Vierteln. Im Selbstverlag, Münster 1980.

Koordinaten: 51° 58′ N, 7° 37′ O