Münster Schwarzach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Münster Schwarzach von Südost

Das Münster Schwarzach im Ortsteil Schwarzach der Gemeinde Rheinmünster ist die Kirche St. Peter und Paul der ehemaligen Benediktinerabtei Schwarzach, die 826 zum ersten Male urkundlich erwähnt wird. Das romanische Münster in Schwarzach ist nicht zu verwechseln mit der Benediktinerabtei Münsterschwarzach in Bayern.

Geschichte des Klosters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das barocke Klostertor
Barocke Offizin aus dem Kloster Schwarzach, heute im Deutschen Apothekenmuseum

Das von Graf Ruthard um 748/749 gegründete Kloster Arnulfsau bei Stollhofen wurde später hierher verlegt.[1] In der Ende des 9. Jahrhunderts geschriebenen Pirminsvita wird Suarzaha (Schwarzach) als Gründung Pirmins genannt. Das Kloster wird im Jahr 826 zum ersten Male urkundlich erwähnt. Ab wann der Ort Schwarzach am Kloster entstand, lässt sich nicht zweifelsfrei feststellen. Als die Benediktiner das Kloster an der Schwarzen Ache gründeten, gab es Schwarzach noch nicht.

Nach der Zerstörung des karolingischen Vorgängerbaus des Straßburger Münsters übergab 1014 Kaiser Heinrich II. das Kloster an Werner I. von Habsburg, Bischof von Straßburg, um den Neubau zu finanzieren.

1032 gab König Konrad II. das Kloster als Lehen an die Bischöfe von Speyer, die das Kloster finanziell ausbeuteten. Erst Heinrich IV. entließ das Kloster aus der Lehensabhängigkeit von Speyer. Für 1143 meldet die Geschichtsschreibung die Ankunft eines neuen Abts, Konrad aus Hirsau. Seinen Maßnahmen bzw. denen seines Nachfolgers Hiltibert könnte man den Beginn des heute bestehenden Kirchenbaus im Sinne der Hirsauer Reform zuschreiben. Im 13. Jahrhundert musste sich die Abtei mit ihren Vögten, vor allem den Rittern von Windeck, auseinandersetzen. Die weitere herrschaftliche Zuordnung des Klosters ist schwierig. Gegen die von den Markgrafen von Baden aus ihrer seit 1422 bestehenden Schutzherrschaft über das Kloster abgeleiteten landesherrlichen Rechte klagte das Kloster über die Jahrhunderte. Ein Prozess vor dem Reichskammergericht in Wetzlar wurde bis zum Ende des Klosters nicht entschieden. Das Kloster musste durch den Bauernkrieg 1525 und den Dreißigjährigen Krieg Zerstörungen erdulden. 1653 erfolgte die Übertragung der Gebeine der Heiligen Rufina nach Schwarzach, was ein Wiederaufleben des klösterlichen Lebens bewirkte. Das Kloster wurde auch im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1688–1697 beschädigt, aber bereits um 1724/32 nach Plänen von Peter Thumb in barockem Stil um so prächtiger erneuert. 1802/03 beendete die Säkularisation die Existenz des Klosters Schwarzach; Baden übernahm Besitz und Gebäudekomplex. Teile der Abtsjuwelen wurden in der badischen Krone weiterverwendet. Von der ehemaligen Klosteranlage sind außer der Kirche nur noch einige Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude mit dem Klosterportal aus den Jahren 1761 bis 1790 vorhanden.

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als bereits die vierte Kirche an dieser Stelle wurde der heute erhaltene Bau, der ein spätes Beispiel für die Hirsauer Bauschule darstellt, etwa 1140 bis 1190 errichtet, das Gewölbe im Sanktuarium möglicherweise etwas später eingezogen. Mangels schriftlicher Quellen und exakter Bauuntersuchungen wurde die Bauzeit durch den Vergleich mit stilistisch ähnlichen Bauten erschlossen. Dabei nimmt der Wormser Dom in der Region eine Schlüsselposition ein, was früher zu einer Spätdatierung um 1220 führte. Seit den 1980er Jahren hat sich jedoch die Annahme bewährt, das der Wormser Dom 1181 weitgehend vollendet war[2]. An zahlreichen Bauten am Oberrhein müssen daher die älteren Datierungen überprüft werden. Die Kirche ist der einzige in Backstein ausgeführte Großbau der Romanik am Oberrhein. An der Ostseite erkennt man, dass die frühesten Bauteile aus rotem Sandstein errichtet sind, doch auf halber Höhe wechselt das Material zu Backstein. Die Westfassade dagegen ist wieder vollständig aus Sandstein. An ihrer Wand sieht man noch die Ansätze einer Vorhalle. Das Westportal hat ein Tympanon mit Christus zwischen den Aposteln Petrus und Paulus. Das Langhaus der flachgedeckten Säulenbasilika zeigt reichgeschmückte Würfel- und Kelchblockkapitelle, wie sie in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts im Umfeld von Worms und Straßburg oft zu sehen sind. Lediglich das Altarhaus ist kreuzrippengewölbt. Die Seitenschiffe des Altarhaues enden in Apsiden; ursprünglich waren an den Querarmen noch zwei weitere Apsiden angebaut, so dass eine eindrucksvolle Ostansicht mit fünf Apsiden entstand (rekonstruiert). Ähnliche Grund- und Aufrisse zeigen die Kirchen reformorientierter Benediktinerklöster etwa in Gengenbach, Hirsau und Alpirsbach. Gotische Spitzbögen finden sich an den Schallfenstern des später entstandenen Vierungsturms. Teile des Chorgestühls stammen aus der Renaissance, während aus dem Barock der in den linken Querhausarm versetzte Hochaltar von 1752 und die Orgel auf der Westempore stammt. Die heutige Gestalt, die ein stilreines Bild der romanischen Architektur vermitteln soll, ist auf eine Restaurierung in den 1960er Jahren zurückzuführen, bei der barocke und historistische Ausstattungselemente entfernt oder umgesetzt wurden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrich Coenen: Die Baukunst der nördlichen Ortenau. Denkmäler in Bühl, Bühlertal, Ottersweier, Lichtenau, Rheinmünster und Sinzheim. Verlag Badische Neueste Nachrichten, Karlsruhe-Neureut 1993, ISBN 3-927725-14-5.
  • Walter Hotz: Wormser Bauschule 1000–1250, Darmstadt 1985.
  • Peter Marzolff: Die Abteikirche Schwarzach (Große Baudenkmäler, Heft 237). München/Berlin 1976.
  • Rüdiger Becksmann: Das Schwarzacher Köpfchen. Ein ottonischer Glasmalereifund, in: Kunstchronik 23, 1970, S. 3–9, 13–16 (wiederabgedruckt in: Arnold Tschira, Die ehemalige Benediktinerabtei Schwarzach, 2. Aufl. Karlsruhe 1977, S. 87–91)
  • Arnold Tschira: Die ehemalige Benediktinerabtei Schwarzach, 2. veränderte und erweiterte Auflage, Karlsruhe 1977, herausgegeben vom Institut für Baugeschichte an der Universität Karlsruhe und der Koldewey-Gesellschaft, Konkordia GmbH für Druck und Verlag Bühl/Baden.
  • Rüdiger Becksmann, Neuerwerbungen. Karlsruhe, Badisches Landesmuseum. Das Schwarzacher Köpfchen, in: Jahrbuch der Staatlichen Kunstsammlungen in Baden-Württemberg 44, 2007, S. 131–132.
  • Peter Marzolff: Die frühmittelalterliche Abtei Schwarzach, in: Wolfgang Müller (Hrsg.): Die Klöster der Ortenau (Die Ortenau 58). Offenburg 1978, S. 243–262.
  • S. Gartner: Kloster Schwarzach (Rheinmünster), in: Wolfgang Müller (Hrsg.): Die Klöster der Ortenau (Die Ortenau 58). Offenburg 1978, S. 263–341.
  • H. Schmid: Die Säkularisation der Klöster in Baden 1802–1811. Überlingen 1980, S. 199–202.
  • Werner Scheurer: Abteikirche St. Peter und Paul Schwarzach. Fink, Lindenberg 1996. 2. Auflage 2007.
  • Sabine Bengel: Das Straßburger Münster, Petersberg 2011.
  • Martin Walter (Hrsg.): Münster und Kloster Schwarzach - Geschichte, Architektur und Gegenwart = Sonderveröffentlichung des Kreisarchivs Rastatt, Band 12, BadnerBuch-Verlag, Rastatt 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Klosterkirche Schwarzach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Jänichen, Warin, Rudhart und Scrot. Besitzgeschichtliche Betrachtungen zur Frühgeschichte des Stiftes Buchau. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte. Bd. 14, 1955, S. 372–384
  2. Winterfeld, Dethard v.: Der Dom zu Worms.Königstein im Taunus 1989. S. 10 f.

Koordinaten: 48° 44′ 45″ N, 8° 2′ 52″ O