Münsteraner Kreis

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Der Münsteraner Kreis ist ein interdisziplinärer Zusammenschluss von derzeit 17 Persönlichkeiten unterschiedlicher Fachrichtungen mit Expertise auf dem Gebiet komplementärer und alternativer Medizin (KAM). Der Kreis ist die führende Vereinigung im öffentlichen Diskurs über Reformen im Gesundheitswesen hinsichtlich der Positionierung zu Komplementär- und Alternativmedizin. Er tritt für eine konsequente Evidenzbasierung innerhalb des öffentlichen Gesundheitswesens und der freien Heilberufe ein. Die derzeitige breite Diskussion dieses Themenkreises in Fachkreisen und Öffentlichkeit wird von den Thesen des Münsteraner Kreises dominiert.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Münsteraner Kreis widmet sich dem Problemkreis der komplementären und alternativen Medizin (KAM) innerhalb des öffentlichen Gesundheitswesens und der staatlich zugelassenen Ausübung der Heilkunde. Neben medizinischen will der Kreis auch ethische, wissenschaftstheoretische, psychologische und juristische Aspekte in seine Überlegungen einbeziehen. Er beabsichtigt mit seiner Tätigkeit einen Beitrag zum öffentlichen Diskurs über die KAM und deren Rolle im Gesundheitswesen leisten. Die Arbeit des Kreises wird nicht von Dritten finanziell unterstützt. Die Mitglieder sind frei von Interessenkonflikten.[1] Seine Arbeit ist auf Dauer angelegt, solange Defizite im Gesundheitswesen und bei der staatlich zugelassenen Heilkunde durch Anwendung nicht evidenzbasierter Methoden bestehen und nicht für alle Leistungsanbieter ihrer Aufgabenstellung adäquate Qualifikationsregeln eingeführt sind. Im Hinblick auf die Sicherung der Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit des öffentlichen Gesundheitswesens positioniert sich der Münsteraner Kreis als neutraler, nicht interessengeleiteter und fachkundiger Verband und bietet seine Expertise auch den Akteuren des öffentlichen Gesundheitswesens an.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zusammenschluss zum Münsteraner Kreis fand im Juni 2016 auf Initiative der Medizinethikerin Bettina Schöne-Seifert von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster statt.[1] Es ist im Juli 2017 mit dem sogenannten Münsteraner Memorandum Heilpraktiker, einem Thesenpapier zur Problematik des Heilpraktikerstandes in Deutschland, erstmals öffentlich in Erscheinung getreten. Die Gründung des Münsteraner Kreises fand im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Memorandums weite Beachtung in den Medien.[2][3][4][5][6][7][8][9]

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Initiatorin erklärte zur Zielsetzung, man „wolle ausloten, wie ein solidarisches Gesundheitswesen verantwortlich und fair mit dem Clash zwischen gefährlicher Pseudowissenschaft und Selbstbestimmung umgehen sollte. Um es deutlich zu sagen: Wir wollten den gegenwärtigen Irrsinn nicht länger hinnehmen.“ Der Münsteraner Kreis sehe in der Existenz der akademischen Medizin einerseits und der Sphäre der Komplementären und Alternativen Medizin (KAM) andererseits unvereinbare Parallelwelten. Während die akademische Medizin nach Evidenzbasierung und begründetem Fortschritt strebe, seien Heilpraktiker in der überwiegend unwissenschaftlichen Gedankenwelt der Komplementären und Alternativen Medizin (KAM) verankert. Seit vielen Jahren gebe es immer wieder teilweise intensiv geführte Diskussionen um das Thema Komplementäre und Alternative Medizin. Zu den hunderten von Verfahren seien zwar zahlreiche klinische Studien durchgeführt worden, deren Qualität allerdings häufig sehr gering sei. Überzeugende Belege für eine Wirksamkeit würden meist fehlen. Zudem widersprächen die tradierten Krankheitskonzepte und Interventionen der KAM oft fundamentalen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen.[10]

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aktivitäten des Münsteraner Kreises zielen darauf ab, im Rahmen des öffentlichen Diskurses und im Hinblick auf die Gesundheitspolitik Anstöße unter dem Aspekt der Qualitätssicherung und damit des Patientenschutzes zu geben. Das „Münsteraner Memorandum Heilpraktiker“ versteht der Kreis dabei als eine erste konkrete Aktivität im Gesamtrahmen.

Münsteraner Memorandum Heilpraktiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die vehemente Kritik der Öffentlichkeit auf das Memorandum Heilpraktiker wurde weitgehend ausgespart, die derzeitige Darstellung ist unausgewogen und nicht neutral
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Als erstes Arbeitsergebnis des Münsteraner Kreises wurde das "Münsteraner Memorandum Heilpraktiker" am 21. August 2017 als Volltext im Deutschen Ärzteblatt und auf der Webseite der Initiative veröffentlicht.

Die Anwendung von Methoden der Komplementären und Alternativen Medizin ohne wissenschaftlichen Nutzennachweis verortet das Memorandum in der Hauptsache im Bereich der Heilpraktiker. Dabei hält der Münsteraner Kreis die geringen Zugangs- und die fehlenden Ausbildungsvoraussetzungen für eine "Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung" (die gesetzliche Bezeichnung de Heilpraktikertätigkeit [11]), insbesondere die im Vergleich zu einem wissenschaftlichen Medizinstudium minimalen fachlichen Voraussetzungen, nicht für vertretbar. Fußend auf diesen Prämissen sieht das Memorandum Schadenspotenziale für Patienten bei der Anwendung solcher Methoden sowohl durch Heilpraktiker als auch durch Ärzte. Vor diesem Hintergrund befasst sich das Memorandum mit der Frage, wie hierzu im Rahmen einer Abwägung von Patientenautonomie und Therapiefreiheit, aber auch unter dem Aspekt der Fairness innerhalb der solidarischen Krankenversicherung, ein Regulativ geschaffen werden könnte.

Als Lösungsansätze schlägt das Memorandum alternativ die Abschaffung des bisherigen Heilpraktiker-Konstruktes oder aber die Schaffung eines "Fachheilpraktikers" mit klar umrissenem Tätigkeitskreis und einer Ausbildung auf Fachhochschulniveau vor. Die Reaktionen in den Medien [12][13][14][15][16][17][18][19][20], in Fachpublikationen und aus der organisierten Ärzteschaft [21][22][23][24] und auch aus dem Bereich der Heilpraktiker und ihrer Interessenvertretungen [25][26][27][28][29] waren vielfältig.

Das Memorandum wird auch im Kontext der Vorschläge des Bund-Länder-Entwurfs unter Federführung des Gesundheitsministeriums für eine Reform der Heilpraktikerprüfung diskutiert. [30][31]

Das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (DNEbM) hat in einer Erklärung vom 24. Oktober 2017[32] die Inhalte des Münsteraner Memorandums aufgegriffen. Das DNEbM erklärt darin seine eindeutige Präferenz für die Abschaffung der staatlichen Erlaubnis, die Heilkunde als Heilpraktiker auszuüben. Es erkennt bei konsequenter Evidenzbasierung in allen Heilberufen keine ausreichende Grundlage für einen qualifizierenden Studiengang zum "Fachheilpraktiker", wie ihn das Münsteraner Memorandum als eine Alternative für denkbar hält, und darin auch keine Lösung für das Qualifikationsproblem. Das DNEbM sieht zudem deshalb wenig Sinn in einem Berufsbild Fachheilpraktiker, weil nach seiner Ansicht die Möglichkeiten der Heilkundeübertragung in Modellprojekten laut Pflegeweiterentwicklungsgesetz von 2008 und gemäß Heilkundeübertragungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses[33] (nach § 63 Abs. 3c SGB V) auf Pflegefachpersonen bestehen und die hierin liegenden Potenziale, heilkundliche Tätigkeiten auf die Pflege zu übertragen, mitnichten ausgeschöpft seien.

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Münsteraner Kreis gehören derzeit (Stand August 2017) folgende Mitglieder an:

  • Manfred Anlauf, Mitglied der Arzneimittelkommission der BÄK; Bremerhaven
  • Norbert Aust, Informationsnetzwerk Homöopathie; Schopfheim
  • Hans‐Werner Bertelsen, Praxis für Zahnmedizin; Bremen
  • Juliane Boscheinen, Rechtsanwältin, Institut für Deutsches, Europäisches und Internationales Medizinrecht, Gesundheitsrecht und Bioethik, Universität Mannheim
  • Edzard Ernst, University of Exeter
  • Daniel R. Friedrich, Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin, Universität Münster
  • Natalie Grams, Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften; Roßdorf
  • Paul Hoyningen‐Huene, Zentrale Einrichtung für Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsethik, Universität Hannover
  • Jutta Hübner, Stiftungsprofessorin für Integrative Onkologie der Deutschen Krebshilfe am Universitätsklinikum Jena
  • Peter Hucklenbroich, Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin, Universität Münster
  • Heiner Raspe, (Institut für Sozialmedizin, Universität Lübeck); Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin, Universität Münster
  • Jan‐Ole Reichardt, Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin, Universität Münster
  • Norbert Schmacke, Versorgungsforschung, Institut für Public Health und Pflegeforschung, Universität Bremen
  • Bettina Schöne‐Seifert, Lehrstuhl für Ethik der Medizin, Universität Münster
  • Oliver R. Scholz, Philosophisches Seminar, Theoretische Philosophie, Universität Münster
  • Jochen Taupitz, Institut für Deutsches, Europäisches und Internationales Medizinrecht, Gesundheitsrecht und Bioethik, Universität Mannheim
  • Christian Weymayr, freier Wissenschafts‐ und Medizinjournalist; Herne

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Expertengruppe schlägt umfassende Reform des Heilpraktikerberufs vor. Abgerufen am 9. September 2017.
  2. Ärzte fordern: Heilpraktiker abschaffen oder besser ausbilden. In: Medscape. (medscape.com [abgerufen am 9. September 2017]).
  3. Ärzte Zeitung: Alternativmedizin: Ruf nach konsequentem Patientenschutz. Abgerufen am 9. September 2017.
  4. SPIEGEL ONLINE, Hamburg Germany: Ärzte und Wissenschaftler fordern Abschaffung des Heilpraktiker-Berufs. Abgerufen am 9. September 2017.
  5. "Irrsinn": Soll der Heilpraktiker-Beruf in Deutschland abgeschafft werden? In: stern.de. 25. August 2017 (stern.de [abgerufen am 9. September 2017]).
  6. „Warum gibt es überhaupt noch Heilpraktiker?“ - DocCheck News. In: DocCheck News. (doccheck.com [abgerufen am 9. September 2017]).
  7. Kathrin Zinkant: Geregelte Ausbildung. In: sueddeutsche.de. 21. August 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 9. September 2017]).
  8. Gegen den "Irrsinn": Wissenschaftler fordern Abschaffung des Heilpraktikerberufs. Abgerufen am 9. September 2017.
  9. heise.de . Peter Mühlbauer: Clash zwischen gefährlicher Pseudowissenschaft und Selbstbestimmung. 23. August 2017; abgerufen am 9. September 2017.
  10. Christian Weymayr: Münsteraner Kreis. Abgerufen am 9. September 2017.
  11. § 1 HeilprG. Abgerufen am 9. September 2017.
  12. Interview von Kim Björn Becker: Heilpraktiker: Ein unzulässiger Beruf? In: sueddeutsche.de. 24. August 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 9. September 2017]).
  13. Gegen den "Irrsinn": Wissenschaftler fordern Abschaffung des Heilpraktikerberufs. Abgerufen am 9. September 2017.
  14. Kathrin Zinkant: Erst Physiotherapeut, dann Heilpraktiker. In: sueddeutsche.de. 21. August 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 9. September 2017]).
  15. Deutschlandfunk: "Unhaltbare Krankheitskonzepte" - Interview mit Prof. Schöne-Seifert - mp3. 22. August 2017; abgerufen am 9. September 2017.
  16. Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH: Pharmazeutische Zeitung online: Medizin-Experten wollen Heilpraktikerberuf abschaffen. Abgerufen am 9. September 2017.
  17. Wenn der "Reinkarnationstherapeut" gegen Aufklärung wettert. (hpd.de [abgerufen am 9. September 2017]).
  18. RP ONLINE: Münsteraner Memorandum: Medizin-Experten fordern Reform von Heilpraktiker-Gesetz. Abgerufen am 9. September 2017.
  19. #gmp-09 Interview mit Christian Weymayr zum Münsteraner Memorandum #Heilpraktikalypse, Nobelpreis, Arzneimittelpreise und Platinfänger vs Staubsauger. Abgerufen am 9. Oktober 2017.
  20. Gesundheitsstadt Berlin: Experten fordern Reform des Heilpraktikerberufs | Gesundheitsstadt Berlin. In: Gesundheitsstadt Berlin. (gesundheitsstadt-berlin.de [abgerufen am 30. Oktober 2017]).
  21. Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Redakteur DAZ.online: Experten fordern Abschaffung oder Reform des Heilpraktikerberufs. In: DAZ.online. 21. August 2017 (deutsche-apotheker-zeitung.de [abgerufen am 9. September 2017]).
  22. Pressemitteilung / Aktuelles - Ärztekammer Westfalen-Lippe. Abgerufen am 9. September 2017.
  23. Ärzte Zeitung: Alternativmedizin: Ruf nach konsequentem Patientenschutz. Abgerufen am 9. September 2017.
  24. Ärzte Zeitung: Wissenschaftler fordern: Weg mit dem Heilpraktikerberuf! Abgerufen am 9. September 2017.
  25. BDH weist Kritik an Heilpraktiker-Beruf in Deutschland zurück - BDH. In: BDH. 23. August 2017 (bdh-online.de [abgerufen am 9. September 2017]).
  26. Heilpraktiker Psychotherapie – abschaffen oder aufwerten? – Kommentar bei: Gesundheits-Check. Abgerufen am 9. September 2017.
  27. Erst Physiotherapeut, dann Heilpraktiker. In: sueddeutsche.de. 21. August 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 9. September 2017]).
  28. Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH: Pharmazeutische Zeitung online: Heilpraktiker weisen «undifferenzierte Generalkritik» zurück. Abgerufen am 9. September 2017.
  29. Deutsche Welle (www.dw.com): Heilpraktiker: "Das Münsteraner Memorandum wimmelt von Fehlern" | Wissen & Umwelt | DW | 23.08.2017. Abgerufen am 9. September 2017.
  30. Deutsches Ärzteblatt online: Heilpraktiker­prüfungen: Reformentwurf für Bundes­ärztekammer... Hrsg.: Deutscher Ärzteverlag GmbH. 17. Oktober 2017 (aerzteblatt.de [abgerufen am 17. Oktober 2017]).
  31. Bundesärztekammer: Stellungnahme der Bundesärztekammer zum Entwurf einer Bekanntmachung von Leitlinien zur Überprüfung von Heilpraktikeranwärterinnen und -anwärtern. Bundesärztekammer, 13. Oktober 2017; abgerufen am 17. Oktober 2017.
  32. Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin: Stellungnahme zum Münsteraner Memorandum Heilpraktiker. 24. Oktober 2017; abgerufen am 17. November 2017.
  33. Gemeinsamer Bundesausschuss: Übertragung ärztlicher Tätigkeiten an ausgebildete Pflegekräfte im Rahmen von Modellvorhaben. Gemeinsamer Bundesausschuss, 4. Dezember 2014; abgerufen am 17. November 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]