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Münzgesetz (Deutsches Reich)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Basisdaten
Titel:Münzgesetz
Art: Reichsgesetz
Geltungsbereich: Deutsches Reich
Rechtsmaterie: Münzrecht
Ursprüngliche Fassung vom: 9. Juli 1873
(RGBl. S. 233)
Inkrafttreten am: 29. Juli 1873
Letzte Neufassung vom: 30. August 1924
(RGBl. II S. 254)
Inkrafttreten der
Neufassung am:
11. Oktober 1924
Letzte Änderung durch: Art. 1 ÄndG vom 5. Juli 1934
(RGBl. I S. 574)
Inkrafttreten der
letzten Änderung:
7. Juli 1934
(Art. 3 Satz 2 G vom 24. März 1933,
RGBl. I S. 141)
Außerkrafttreten: 20. Juni 1948
(§§ 1, 2, 26 G vom 20. Juni 1948,
WiGBl. Beilage Nr. 5 S. 1)
Bitte den Hinweis zur geltenden Gesetzesfassung beachten.

Noch nach der Reichsgründung 1871 behinderten acht unterschiedliche Landeswährungen Handel und Verkehr der Gliedstaaten im Deutschen Reich (Deutsche Währungsgeschichte vor 1871). Es existierten insgesamt acht große Währungssysteme mit Taler, Vereinstaler, Konventionstaler, Kreuzer, Heller, Groschen, Silbergroschen, Neugroschen, Gulden, Konventionsgulden, Schilling, Mark, Pfennig, Neu-Pfennig, Franc, Centime, Bremer Goldtaler, Groten, Schwaren, Preußischer oder Graumannscher Reichstaler, Kuranttaler, Friedrich d’or, die auf unterschiedlichen Gold- und Silbergehalten in ihren Münzen fußten und den Handel erschwerten.

20-Mark-Reichsgoldmünze …
… von Kaiser Wilhelm I.

Daher verkündete Kaiser Wilhelm I. das erste Reichsmünzgesetz im Deutschen Reich, dem eine Reihe von Reformen, wie zum Beispiel die preußische Kleinmünzenreform von 1821, der Münchner Münzvertrag von 1837, der Dresdner Münzvertrag von 1838, die sächsische Kleinmünzenreform von 1840 mit der Einführung der dezimalen Teilung des Neugroschens und der Wiener Münzvertrag von 1857 vorausgegangen war.

Durch das Gesetz vom 4. Dezember 1871[1] wurde mit der Reichsgoldmünze der Goldgehalt der neuen gemeinsamen Währung „Mark“ festgelegt und dieser durch das Münzgesetz vom 9. Juli 1873[2] auf alle Nominale (nun auch für die Silber- und die Kleinmünzen) angewendet. Die Mark wurde zum 1. Januar 1876 im gesamten Reichsgebiet eingeführt.[3]

Während der Währungsumstellung zog die Reichsregierung alte Silbermünzen ein, ließ sie einschmelzen und verkaufte das Silber. Wegen des gesunkenen Silberpreises und der wachsenden Verluste wurden diese Verkäufe am 19. Mai 1879 eingestellt.[4][5] Deutsche Eintalerstücke blieben zum Wert von drei Mark bis zum 30. September 1907 unbeschränktes gesetzliches Zahlungsmittel.[2][6] Am 1. Oktober 1907 verloren sie diesen Status; Reichs- und Staatskassen nahmen oder wechselten sie noch bis zum 30. September 1908 zu drei Mark.[7]

Eine Änderung des Münzgesetzes datierte vom 1. Juni 1909[8]; mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die Golddeckung jedoch ausgesetzt und bei Kriegsende 1918 endgültig abgeschafft. Die anfangs goldgedeckte Mark verkam durch die Hyperinflation zu Beginn der Weimarer Republik bis zum 15. November 1923 zur wertlosen Papiermark.

Bei der Währungsreform 1923 wurde die neue Währung Rentenmark auf Sachwerte, die nach § 6 in Goldmark (entsprechend 1/2790 kg Gold) bemessen worden waren, gestützt.[9] Am 30. August 1924 beschloss die Reichsregierung die Liquidation der Rentenbank[10] zugunsten einer neuen Reichsbank.[11] Die neue Währung Reichsmark sollte wieder eine Golddeckung aufweisen (Münzgesetz 1924).[12] De facto wurden nie auf Reichsmark lautende Goldmünzen geprägt und die Rentenmark-Banknoten wurden im Dritten Reich nie dem allgemeinen Zahlungsverkehr entzogen.

Vielmehr wurden 1938 alle Reichsgoldmünzen für ungültig erklärt[13] und eingezogen.[14]

Formell wurde das Münzgesetz von 1924 erst ungültig, als mit dem Währungsgesetz vom 20. Juni 1948 (WiGBl. Beilage Nr. 5 S. 1)[15] in den drei westlichen Besatzungszonen die Währungsreform zur Deutschen Mark vollzogen wurde.

  • Paul Arnold, Harald Küthmann, Dirk Steinhilber: Großer Deutscher Münzkatalog von 1800 bis heute (AKS) Battenberg Gietl Verlag, Regenstauf 2016, ISBN 978-3-86646-131-4 mit Einführung „Die Grundzüge der deutschen Münzgeschichte im 19. Jahrhundert“, S. 7–10.
  • Hermann Junghans: Entwicklungen und Konvergenzen in der Münzprägung der deutschen Staaten zwischen 1806 und 1873 unter besonderer Berücksichtigung der Kleinmünzen, Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte – Band 131, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-515-11837-8.
  • Numismatisches Nachrichtenblatt, 150 Jahre Reichsmünzgesetze, November 2021, S. 417–430

Einzelnachweise

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  1. RGBl. 1871, S. 404–406 vom 4. Dezember 1871
  2. 1 2 Münzgesetz und RGBl. 1873, S. 233–240 vom 9. Juli 1873
  3. RGBl. 1875 S. 303 vom 22. September 1875
  4. No. 198: Mr. White to Mr. Evarts. In: Papers Relating to the Foreign Relations of the United States, 1879. United States Department of State, Office of the Historian, 1879, S. 386–389, abgerufen am 25. Juli 2026 (englisch).
  5. Johannes Wiegand: Destabilizing the Global Monetary System: Germany’s Adoption of the Gold Standard in the Early 1870s. Hrsg.: International Monetary Fund (= IMF Working Paper. WP/19/32). Februar 2019, doi:10.5089/9781484394724.001 (englisch, imf.org [abgerufen am 25. Juli 2026]).
  6. Deutsche Bundesbank: Glanzstücke 2015. Aus der Numismatischen Sammlung der Deutschen Bundesbank. 2015, S. 7 (bundesbank.de [PDF; abgerufen am 25. Juli 2026]).
  7. Bekanntmachung, betreffend die Außerkurssetzung der Eintalerstücke deutschen Gepräges, RGBl. 1907, S. 401, vom 27. Juni 1907.
  8. Münzgesetz RGBl. 1909, S. 507–512 vom 1. Juni 1909
  9. Errichtung der Rentenbank, RGBl. I 1923, S. 963–966 vom 15. Oktober 1923
  10. Liquidierung der Rentenbank, RGBl. II 1924, S. 252–254 vom 30. August 1924
  11. Bankgesetz RGBl. II 1924, S. 235–246 vom 30. August 1924
  12. Münzgesetz RGBl. II 1924, S. 254–257 vom 30. August 1924, geändert RGBl. I 1934, S. 507–508 vom 5. Juli 1934
  13. Außerkurssetzung der Reichsgoldmünzen, RGBl. I 1938, S. 901 vom 16. Juli 1938
  14. Ablieferungspflicht aller Goldmünzen, RGBl. I 1938, S. 902 vom 16. Juli 1938
  15. Gesetz Nr. 61 / Erstes Gesetz zur Neuordnung des Geldwesens (Währungsgesetz) vom 20. Juni 1948. In: Gesetz- und Verordnungsblatt des Wirtschaftsrates des Vereinigten Wirtschaftsgebietes. Beilage Nr. 5, S. 1, 1948. Digitalisat der Deutschen Nationalbibliothek: urn:nbn:de:101:1-201302065823