Münzprägung

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Münzschläger in der frühen Neuzeit bei der Hammerprägung

Die Münzprägung ist ein mechanischer Vorgang, um Münzen zu prägen. Hierbei wird ein Münzrohling mit Prägestempeln in die gewünschte Form gebracht. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts war die Münzprägung reine Handarbeit (Hammerprägung). Heute produzieren Prägemaschinen 20.000 Münzen pro Minute. Bedeutende Schritte auf dem Weg zur modernen Produktion sind das Klippwerk, die Walzenprägung, das Taschenwerk, das Balancier, die Kniehebelpresse sowie die Ringprägung. Die Entwicklung der Prägetechniken ist neben zunehmend höherer Prägegeschwindigkeiten auch von einem Bemühen um eine zunehmende Standardisierung des Münzbildes und der Größe der Exemplare einer Münzsorte gekennzeichnet.

Hauptverfahren der Münzprägung[Bearbeiten]

Handspindelpresse (Balancier)
Prägemaschinen, Tafel aus Brockhaus, Artikel Münzwesen. Brockhaus' Conversations-Lexikon, 11. Band. 13. Auflage Leipzig 1885, Seite 942 f.

Die ersten nachgewiesenen Funde sind ionische Münzprägungen (7. Jh. v. Chr.) und wurden aus Elektron gefertigt. Ein Tropfen Metall wurde mit einem Meißel gestanzt. Ab ca. 650 v. Chr. wurden die Münzen kunstvoller und bekamen einfache Motive wie Löwenkopf und dergleichen (Stater). Ab diesem Zeitpunkt wurden dann Stempel zum Prägen eingesetzt.[1]

Hammerprägung[Bearbeiten]

Die Münzprägung erfolgte von der Antike bis zur frühen Neuzeit (Mitte des 16. Jahrhunderts) mit kaum veränderter Prägetechnik von Hand. Insbesondere wurde die Hammerprägung mit Ober-, Unterstempel und Hammer angewandt (siehe Abb.). Eine Person legt hier im einfachsten Fall einen Münzrohling zwischen fixierten Untrestempel und mit der Hand gehaltenem Oberstempel. Eine verbesserte Hammerprägung lässt sich insbesondere für größere Münzen erreichen, wenn der Oberstempel während des Hammerschlags von einer zweiten Person mit einer Flachzange gehalten und ausgerichtet wird. Eine besondere Form der Hammerprägung wurde bei den sehr dünnen mittelalterlichen Brakteaten eingesetzt, die zu mehrerern ohne Unterstempel in eine Leder- oder Bleiunterlage geschlagen wurden. Brakteaten sind daher nur einseitig geprägt.

Klippwerk[Bearbeiten]

Im Jahre 1486 wurde in Tirol erstmals ein Guldengroschen geprägt – die erste europäische Großsilbermünze, aus der sich später der Taler entwickelte. So große Münzen ließen sich nur noch mühsam und oft auch nur unpräzise von Hand schlagen. Als wesentliche technische Neuerungen wurde zur Talerprägung das Klippwerk eingeführt. Das Klippwerk ist eine mechanische Vorrichtung, die gegenüber der Nutzung einer Flachzange eine nochmals präzisere und sicherere Führung des Oberstempels erlaubt. Die für die Münzprägung erforderliche Energie wird aber weiterhin durch manuelle Hammerschläge aufgebracht.

Walzenprägung und Taschenwerk[Bearbeiten]

In der Münze zu Hall wurde 1550 erstmals mit der Walzenprägung begonnen. Metallplatten in der Dicke der späteren Münzen (Zaine) werden hier zwischen zwei eisenen Walzen hindurchgezwängt. In die Walzen sind je mehrere Negativformen der Vor- und der Rückseite der zu prägenden Münzen eingraviert. Während bei der Hammerprägung die Rohlinge vor der Prägung aus dem Zain hergestellt werden, werden die Münzen bei der Walzenprägung erst nach der Prägung aus dem Zain herausgeschnitten. Die Walzen konnten leicht durch Tiere oder Wasserkraft angetrieben werden. Eine Weiterentwicklung der Prägen mit Walzen ist das Taschenwerk. Die Walzen enthalten hier nur je einen, separat austauschbaren Ober- bzw. Unterstempel. Taschenwerke konnten von einer Person bedient werden. Insbeondere die Austauschbarkeit der Stempel war ein Vorteil gegenüber der Walzenprägung.

Stoßwerk (Balancier, Spindelpresse)[Bearbeiten]

Weite Verbreitung fand das ebenfalls im 16. Jahrhundert erfundene Stoßwerk (Balancier). Das Stoßwerk ist technisch eine Spindelpresse. Die (schnelle) Drehbewegung einer Spindel wird durch ein Gewinde in eine senkrecht nach unten gerichtete, langsamere Bewegung umgewandelt. Es ergibt sich ein sehr hoher Pressdruck zwischen Unterstempel und dem Oberstempel am unteren Ende der Spindel. Die Wirkung wird durch Schwungmassen am oberen Ende der Spindel erhöht. Bei Nutzung entsprechender Stempel und ausreichend großer Schwungmassen können auch mehrere Münzen gleichzeiztig geprägt werden.

Kniehebelpresse[Bearbeiten]

Diedrich Uhlhorn erfand 1817 die Kniehebelpresse, die bereits wenige Jahre später zur Münzprägung eingesetzt wurde. Die Kniehebelpresse nutzt den Kniehebel-Effekt, um (1) Ober- und Unterstempel schnell und mit wenig Kraftaufwand auf die Münze aufsetzen zu können, aber (2) während der Münzprägung selbst maximale Kraft einsetzen zu können. Bei diesem System wird der Oberstempel zudem gegen den Schrötling unter sich steigerndem Druck gepresst. Kniehebelpressen lassen sich leicht mechanisch antreiben (Dampfmaschine) und die Einlegung der Münzrohlinge automatisieren. Die moderne Münzprägung findet auch heute noch weitgehend nach dem Prinzip der Kniehebelpresse statt.

Randbearbeitung – Räbdelung, Ringprägung[Bearbeiten]

Für die Randschrift oder Riffelung gibt es seit dem 17. Jahrhundert spezielle Rändelmaschinen. Die Rändelung der Münzrohlinge erfolgte gewöhnlich vor der Prägung.

Ringprägung beschreibt eine von Jean-Pierre Droz 1810 erfundene Prägetechnik, bei der der Münzrohling nicht nur zwischen Ober- und Unterstempel gepresst wird. Gleichzeitig liegt der Rohling in einem Ring, in den er während der Prägung hineingepresst wird. Der Ring führt dazu, dass die Münzen einen genau definierten Rand und Durchmesser erhalten. Wenn der Ring zudem selbst eine Gravur trägt, wirkt er als dritter Stempel für die Randprägung. Die Prägung im Ring kann mit anderen Prägeverfahren kombiniert werden. Die Ringprägung löste insbesondere für größere edelmetallhaltige Münzen die Rändelung des Münzrandes ab.

Stempel und Stempelherstellung[Bearbeiten]

Stempel als Einzelstücke[Bearbeiten]

Der Münzgraveur gravierte bis in die Neuzeit hinein ein einzelnes Münzbildnegativ in einem noch ungehärteten Unterstempel aus Eisen ein. Der Unterstempel prägt die traditionell als Vorderseite oder Avers bezeichnete Seite (altgriechisch „charakter“) der Münze. Das Bild des Festhaltemeißels oder Oberstempels bildet die Rückseite oder Revers (altgriechisch „typos“) der Münze. Nach der Gravur werden Ober- und Unterstempel gehärtet. Nach dem Härten sind die Stempel sehr viel härter als die meist zur Prägung eingesetzten Münzmetalle wie Gold, Silber und Kupfer bzw. deren Legierungen. Dennoch unterlagen die Stempel einer hohen Abnutzung und mussten in regelmäßigen Abständen ersetzt werden. Da jeder Stempel ein in Handarbeit gefertigtes Einzelstück war, variieren die Prägungen auch ansonsten identischer Münzsorten.

Stempelherstellung mittels Mutterstempelmatrizen[Bearbeiten]

An Münzen werden seit dem 19. Jahrhundert erhöhte Anforderungen an die Gleichartigkeit ihrer Münzbilder gestellt. Daher begann man, „Mutterstempelmatrizen“ herzustellen. Diese Matrizen tragen das „positive“ Münzbild, wie es später auf der Münze erscheinen soll. Diese Positivmutterstempel werden gehärtet und für die Prägung von untereinander nahezu identischen Tochterstempeln aus ungehärtetem Material genutzt. Diese Tochterstempel tragen ein Negativbild und werden nach dem Härten für die eigentliche Münzprägung eingesetzt. Zur Härtung kommt heute oft eine galvanische Hartverchromung hinzu.

Moderne Prägestempel lassen viele tausende Einzelprägungen ohne nennenswerte Stempelabnutzung zu. Besonders die Stempel für Umlaufmünzen haben heute zudem meist ein relativ flaches Gravurrelief.

Stempelstellung[Bearbeiten]

Bei der Prägung von Münzen mit Hilfe zweier Stempel wird gleichzeitig festgelegt, wie die Vorder- und Rückseite einer Münze zueinander stehen. Bei der Wendeprägung stehen beide Seiten korrekt, wenn die Münze um die horizontale Achse gedreht wird. Da u. a. auch die Münzen des französischen Franc so geprägt wurden, wird auch von der „französischen Prägung“ gesprochen. Im Gegensatz dazu gibt es die Kehrprägung. Hierbei muss die Münze um die vertikale Achse gedreht werden um das Münzbild beider Seiten korrekt darzustellen. Beispielsweise sind die Münzen der Deutschen Mark sowie die Euromünzen in Kehrprägung ausgeführt. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Münzen, die in transparenten Hüllen in Münzalben abgelegt sind, beim normalen Umblättern korrekt liegen, wenn sie in Kehrprägung hergestellt wurden, während Münzen mit Wendeprägung auf dem Kopf stehen.[2][3][4][5][6]

Prägeleistungen[Bearbeiten]

Münzprägung bei der Staatlichen Münze in Berlin, 1930

Die Hammerprägung ist – zumal bei großem Münzen, die nicht mit einem einzigen Schlag geprägt werden können – ein aufwändiges und langsames Verfahren. Ersten Fortschritte wurden mit mechanisierten Walzenprägungen erreicht sowie großen Stoßwerken, die mehrere Münzen auf einmal prägen konnten. Aber auch der eigentlichen Münzprägung vorgelagerte Herstellungsschritte wie die Herstellung der Zaine (Münzbleche) ließ sich stark beschleunigen, indem mechanisierte Hammer und Walzen genutzt wurden.

Den nächsten großen Fortschritt erbrachte die Verwendung von Dampfmaschinen. Im späten 18. Jahrhundert bauten Matthew Boulton und James Watt Prägemaschinen, die 60 Münzen in der Minute herstellen konnten. Ringprägung und dampfgetriebene Prägemaschinen wurden erstmals in Boultons englischer Soho Mint eingesetzt. Moderne Prägemaschinen erreichten Ende des 20. Jahrhunderts 400–500 Münzen pro Minute. Die neuen Euromünzen wurden ab 2002 mit 20.000 Münzen pro Minute geprägt.

Besondere Prägungen[Bearbeiten]

Häufig werden die ersten 100 Münzprägungen eines neuen Stempels speziell für Sammlermünzen verwendet. Sonderprägungen werden mit poliertem Schrötling und poliertem Stempel angefertigt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter Fassbender: Lexikon für Münzsammler. 1983
  • Christopher Maynard: Wunderwelt Geld. 1978
  • Renate Kingma: Münzen und Geld. 1985
  • Klaus Jopp: Neue Taler braucht das Land. In: Die Zeit. 42/Oktober 1998, S. 61

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Münzkabinett Ingolstadt
  2. imm-Münzlexikon. Abgerufen am 2. November 2012.
  3. Numis-Lexikon „K“. Abgerufen am 2. November 2012.
  4. Numis-Lexikon „W“. Abgerufen am 2. November 2012.
  5. Numis-Online.ch „Wendeprägung“. Abgerufen am 2. November 2012.
  6. Numis-Online.ch „Kehrprägung“. Abgerufen am 2. November 2012.