Müsen

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Müsen
Koordinaten: 50° 59′ 18″ N, 8° 2′ 32″ O
Höhe: 348 (324–395) m
Fläche: 8,08 km²
Einwohner: 2425 (1. Okt. 2017)
Bevölkerungsdichte: 300 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1969
Postleitzahl: 57271
Vorwahl: 02733
Ortsmitte
Ortsmitte

Müsen ist ein Stadtteil von Hilchenbach im Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Müsen liegt oberhalb von Hilchenbach–Dahlbruch im nördlichen Siegerland. Der Ort liegt auf ca. 340 m im Rothenbachtal, einer nach Süden geöffneten Mulde, zwischen der Martinshardt mit 616,1 m Höhe, dem Kindelsberg mit 617,9 m Höhe, dem Ziegenberg mit 521 m Höhe und dem Breitenberg mit 529 m Höhe. Höchster Berg in der Umgebung ist der Hohe Wald mit 655 m Höhe. Oberhalb des Rothenbachtals, am Übergang nach Littfeld, befindet sich der Altenberg mit einem mittelalterlichen Gruben-Gelände. Am Ende des Rothenbachtals mündet der Winterbach in den Rothenbach. Nachbarorte von Müsen sind Silberg und Brachthausen im Norden, Hilchenbach im äußersten Nordosten, Allenbach im Osten, Dahlbruch im Süden, Kredenbach im Südwesten, Ferndorf im Westen und Littfeld und Burgholdinghausen im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urkundlich wurde Müsen 1079/89 als Muzhena erstmals in einer Schenkungsurkunde des Klosters Deutz erwähnt. Am 3. Juni 1335 wurde der in der Müsener Gemarkung liegende Hof Winterbach erstmals erwähnt.[1] Am 13. Januar 1624 erfolgte die Aufnahme Müsens in das Kirchspiel und das Amt Hilchenbach.[2] Drei Jahre später, am 3. Februar 1627, wurde Müsen nach Loslösung von der Mutterkirche Ferndorf selbständige Gemeinde.[3]

Müsener Bergwerke

Zentrale Bedeutung für Müsen hatte seit dem Hochmittelalter der Bergbau. Die Gegend um Müsen war mit dutzenden Gruben und etlichen Hütten eines der Zentren im Siegerländer Erzrevier (siehe dazu Müsener Revier). Die überregional bekannte Grube Stahlberg wurde 1311 erstmals erwähnt und war bis 1931 in Betrieb. Heute befindet sich in Müsen das Stahlbergmuseum im ehemaligen Zechenhaus nebst Besucherbergwerk, in dem die Geschichte des Bergbaus im 18./19. Jahrhundert dargestellt wird.

1893 wurde Müsen infolge eines zweitägigen Brandes schwer verwüstet. Die Ortsmitte mit Kirche, Schule, dem Gasthof Stahlberg und 50 Wohnhäusern, fast ein Drittel aller Gebäude, brannte bei einem Feuersturm am 20. und 21. Juni ab. Der abgebrannte Ortsteil wurde bis 1901 wieder aufgebaut – weniger dicht bebaut und mit veränderter Straßenführung [4]. Bis zur kommunalen Neugliederung am 1. Januar 1969 gehörte der Ort dem Amt Keppel an.[5]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1943 wurde in Müsen eine Produktionsstätte der Lüdenscheider Sieper–Werke eröffnet. Hier wurden vor allem Badezimmer–Spiegelschränke und Regale aus Kunststoff hergestellt. Die Firma Sieper war jahrzehntelang größter Arbeitgeber im Ort. 2007 wurden die Müsener Sieper–Werke in die SieBad GmbH umgewandelt. 2009 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Das Werk wurde geschlossen, die verbliebenen 63 Mitarbeiter wurden entlassen.[6] Auf dem Gelände der ehemaligen Rothenbacher Hütte entstand ab 1953 das Sägewerk Franz, die heutige Firma Franz Holzindustrie.[7]

Kultur und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Müsen liegt das größte Naturfreibad Südwestfalens. Es hat eine Wasserfläche von 8000 m² und eine Liegefläche von 12.000 m². Einmal im Jahr ziehen hier die Teilnehmer des Kindelsberg-Triathlons ihre Bahnen. Oberhalb von Müsen, am Fuße der Martinshardt, befindet sich ein Feriendorf. Es wurde Ende der 1970er Jahre auf dem Gelände der früheren Grube Stahlberg errichtet. Es besteht aus Bungalows und Nurdachhäusern. Zwischen Winterbachtal und Breitenberg liegt der Rastplatz Wigrow an einer Lichtung, umgeben von Fichten, Ahorn und Jahrhunderte alten Eichen. Der Rastplatz ist mit Sitzbänken, Schutz- und Grillhütte ausgestattet, an seinem unteren Rand entspringt der Winterbach.

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Müsen und das Rothenbachtal vom Ziegenberg aus gesehen
Evangelische Kirche Müsen

Einwohnerentwicklung des Ortes:[8][9][10]

Jahr Einwohner
1627 ~500
1818 641
1840 758
1843 761
1846 805
1864 1294
1880 1433
1885 1502
1887 1542
1895[11] 1290
1905 1515
Jahr Einwohner
1910 1515
1924 1456
1925[12] 1431
1929 1447
1933 1525
1936 1601
1939 1549
1950 1820
1955 1960
1960 2060
1961[13] 2042
Jahr Einwohner
1965 2159
1967 2085
1970 2168
1975 2340
1977 2417
1979 2500
2001 2654
2002 2689
2003 2678
2004 2672
2005 2653
Jahr Einwohner
2006 2620
2007 2575
2008 2554
2009 2538
2010 2498
2011 2520
2012 2516
2013 2455
2014 2463
2015 2487
2016 2440
Jahr Einwohner
2017 2425

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Müsen liegt an der Benrather und an der Uerdinger Linie, die hier gemeinsam die Sprachgrenze zum niederdeutsch sprechenden Sauerland bilden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Müller: Ich gab dir mein Eisen wohl tausend Jahr. Beiträge zur Geschichte, speziell zur Wirtschafts- und Kulturgeschichte des Bergbezirks Müsen und des nördlichen Siegerlandes. Hrsg.: Kulturverein Müsen. Siegen,1979.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siegener Urkundenbuch Band I, Siegen, 1887, S. 125, Nr. 209.
  2. Zurückgeblättert…, Siegener Zeitung vom 29. Januar 2011.
  3. Zurückgeblättert…, Siegener Zeitung vom 5. März 2011.
  4. Wilhelm Müller: Ich gab dir mein Eisen wohl tausend Jahr, herausgegeben vom Kulturverein Müsen, Siegen 1979, S. 133–142.
  5. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 70.
  6. Sieper-Werke bald Geschichte. Siegener Zeitung, 30. Oktober 2009, abgerufen am 10. September 2012.
  7. Geschichte des Sägewerks Franz. Abgerufen am 24. Oktober 2012.
  8. Otto Schaefer: Der Kreis Siegen – eine Sachkunde für Grundschulen, Siegen 1968.
  9. Wilhelm Müller: Ich gab dir mein Eisen wohl tausend Jahr, herausgegeben vom Kulturverein Müsen, Siegen 1979, S. 24/25.
  10. Stadt Hilchenbach » Der Bürgermeister: Einwohnerzahlen. Abgerufen am 16. Dezember 2017.
  11. Westfälisches Gemeindelexikon. 1897, S. 112/113.
  12. Genealogy.net: Amt Keppel.
  13. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 225.