Macau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
中華人民共和國澳門特別行政區
Região Administrativa Especial de Macau da República Popular da China

Sonderverwaltungszone Macau der
Volksrepublik China
Flagge Macaus
Wappen Macaus
Flagge Emblem
Amtssprache Chinesisch (Hochchinesisch, Kantonesisch), Portugiesisch[1]
Regierungssystem Sonderverwaltungszone
Regierungschef Chefadministrator
Fernando Chui
Fläche 30,3[2] km²
Einwohnerzahl 646.800 (Schätzung 31. Dezember 2015)[3]
Bevölkerungsdichte 20.997 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt
  • Total (nom.)
  • Total (KKP)
  • BIP/Einw. (nom.)
  • BIP/Einw. (KKP)
2016[4]
  • $ 44,11 Milliarden (84.)
  • $ 62,36 Milliarden (102.)
  • $ 67.079 (4.)
  • $ 95.151 (3.)
Währung Pataca
Zeitzone UTC+8
ISO 3166 MO, MAC, 446
Internet-TLD .mo
Telefonvorwahl +853
Macau Location.png

Macau (chinesisch 澳門 / 澳门, Pinyin Àomén, Jyutping Ou3mun4*2, englisch Macao; portugiesisch Macau) ist eine etwa 50 Kilometer westlich von Hongkong gelegene Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China. Bis 1999 war es eine portugiesische Kolonie. Macau ist reich an Sehenswürdigkeiten aus der Kolonialzeit. Die Haupterwerbsquellen sind das dort legale Glücksspiel und der damit in Zusammenhang stehende Tourismus aus Hongkong und Festlandchina, weshalb Macau oft auch als Monte-Carlo des Ostens oder Las Vegas des Ostens bezeichnet wird.

Der volle Name Macaus lautet im Hochchinesischen Zhōnghuá Rénmín Gònghéguó Àomén Tèbié Xíngzhèngqū (中華人民共和國澳門特別行政區 / 中华人民共和国澳门特别行政区Audio-Datei / Hörbeispiel anhören (hochchinesisch)?/iAudio-Datei / Hörbeispiel anhören (kantonesisch)?/i) und in der portugiesischen Sprache (Audio-Datei / Hörbeispiel Região Administrativa Especial de Macau da República Popular da China?/i).

Das Wachstum der chinesischen Mittelklasse und der daraus resultierende Tourismus haben einen rasanten Wirtschaftsboom in Macau ausgelöst. Als unabhängiger Staat gezählt wäre Macau gemessen am Pro-Kopf-BIP das viertreichste Land der Welt.[5]

Gemessen am Index der menschlichen Entwicklung zählt Macau zu den sehr hoch entwickelten Staaten.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftbild der Halbinsel Macau
Lago Nam Van

Macau liegt im Mündungsdelta des Perlflusses. Das Gebiet der heutigen Sonderverwaltungszone bestand ursprünglich aus drei Inseln. Durch Landaufschüttungen wurden die Inseln Taipa und Coloane miteinander sowie Macau mit dem Festland verbunden. Die Inseln sind mit der Halbinsel und dem Festland über mehrere Brücken verbunden.

Sowohl die Halbinsel als auch der Inselbereich bestehen aus kleinen Granithügeln umgeben von Flachlandgebieten. Bevor die Hügel für Feuer- und Bauholz gerodet wurden, bestand die ursprüngliche Vegetation aus immergrünem tropischen Regenwald.[6] Der höchste Punkt ist mit 172,5 Metern der Alto de Coloane auf Coloane.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Macau
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
30
 
18
12
 
 
53
 
18
13
 
 
78
 
20
16
 
 
196
 
24
20
 
 
347
 
28
24
 
 
351
 
30
26
 
 
252
 
32
26
 
 
323
 
31
26
 
 
214
 
30
25
 
 
121
 
27
22
 
 
39
 
25
18
 
 
27
 
20
14
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: www.wetterkontor.de. Abgerufen am 27. Februar 2014.
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Macau
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 17,5 17,5 20,4 24,2 28,2 30,1 31,5 31,2 30,0 27,2 24,6 20,4 Ø 25,3
Min. Temperatur (°C) 11,9 12,8 15,9 19,9 23,7 25,5 26,3 25,9 24,8 22,2 17,7 13,6 Ø 20
Niederschlag (mm) 30,2 53,2 77,6 196,0 347,4 350,8 251,9 323,4 213,7 121,1 39,2 26,9 Σ 2.031,4
Sonnenstunden (h/d) 4,7 3,1 2,8 3,3 5,2 5,7 7,9 6,9 6,4 6,5 6,2 5,8 Ø 5,4
Wassertemperatur (°C) 17 16 17 20 24 26 27 27 27 26 23 19 Ø 22,4
Luftfeuchtigkeit (%) 74 82 85 87 86 85 82 82 79 74 70 69 Ø 79,6
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
17,5
11,9
17,5
12,8
20,4
15,9
24,2
19,9
28,2
23,7
30,1
25,5
31,5
26,3
31,2
25,9
30,0
24,8
27,2
22,2
24,6
17,7
20,4
13,6
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
30,2
53,2
77,6
196,0
347,4
350,8
251,9
323,4
213,7
121,1
39,2
26,9
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: www.wetterkontor.de. Abgerufen am 27. Februar 2014.

Macau liegt noch in den Tropen und hat ein trocken-feuchtes Monsunklima. Vier Fünftel der durchschnittlichen Regenmenge von 2.120 mm/m² fallen in der regenreichen Sommerzeit (April bis September), wenn der südwestliche Monsun bläst. Die Temperaturen reichen von 15 °C im Winter bis durchschnittlich 29 °C im Sommer. Abgesehen vom Regen sind die Sommermonate heiß, feucht und unangenehm. Die Wintermonate sind dagegen etwas kühler, weniger feucht und erträglicher.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landkarte von Macau, Kanton und Hongkong; um 1890
Die Ruinen der 1835 zerstörten Pauluskirche, das Wahrzeichen von Macau; 2013

Die Geschichte Macaus ist mindestens 6.000 Jahre alt. Der Ort wurde ursprünglich von chinesischen Fischern und Bauern besiedelt und Mitte des 16. Jahrhunderts an das Königreich Portugal verpachtet. In der Folgezeit entwickelte sich die Stadt zu einem der bedeutendsten Warenumschlagsplätze zwischen Asien und Europa. Der Handel mit Seide, Gewürzen und Tee florierte und verschaffte Macau großen Wohlstand.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts begann ein über 150 Jahre währender Streit zwischen China und Portugal über den politischen und juristischen Status Macaus. 1845 erklärte Portugal einseitig Macau zu seinem Freihafen. Zur gleichen Zeit annektierte Großbritannien die nur 62 Kilometer von Macau entfernte Insel Hongkong, an welche Macau seine Vormachtstellung im Asienhandel verlor. Auf internationalen Druck musste das Kaiserreich China 1887 die dauerhafte Besetzung und Regierung Macaus durch Portugal anerkennen. Ab 1892 verweilte der Reformer Sun Yat-sen in der Stadt, so dass Macau zu einem der wichtigsten Ausgangspunkte der chinesischen Revolution wurde.

Um diese Zeit entwickelte sich Macau in nahezu allen wirtschaftlichen Bereichen zu einem Anhängsel der benachbarten britischen Kolonie. Im Gegensatz zu Hongkong lebten, von wenigen zeitlichen Ausnahmen abgesehen, die chinesischen und portugiesischen Einwohner der Stadt in einer Symbiose, die für beide Seiten vorteilhaft war. Kompromissbereite Verhandlungen über die Rückgabe der Stadt an China fanden bereits ab 1928 zwischen Portugal und der Republik China statt, blieben jedoch im Zuge des Chinesischen Bürgerkriegs sowie Japanisch-Chinesischen Kriegs ergebnislos.

Aufgrund der portugiesischen Neutralitätspolitik blieb Macau während des Zweiten Weltkriegs von japanischen Truppen unbesetzt. In dieser Zeit nahm die Stadt viele Flüchtlinge verschiedener Nationalitäten auf. Nach dem Krieg erklärte der portugiesische Präsident António de Oliveira Salazar einseitig per Dekret Macau zur Überseeprovinz und integralem Bestandteil Portugals, obwohl die Alliierten der Republik China 1943 eine Rückgabe sämtlicher Häfen an der chinesischen Küste zugesichert hatten.

Nach Gründung der Volksrepublik China 1949 forderte auch die neue kommunistische Regierung in Peking die Rückgabe Macaos, konnte sich jedoch nicht durchsetzen, da Portugal den Alleinvertretungsanspruch Festlandchinas nicht anerkannte. Eine Lösung der „Macau-Frage“ wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Am 31. Juli 1963 wies der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Konstruktion der portugiesischen Überseeprovinzen in der UN-Resolution 180 als völkerrechtswidrig zurück.

1966 und 1974 unterbreitete Portugal der Volksrepublik China konkrete Angebote zur Rückgabe Macaus an China. Voraussetzung für die völkerrechtliche Verbindlichkeit derartiger Staatsverträge wäre die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Portugal und der Volksrepublik China gewesen, was die portugiesische Regierung ablehnte. Erst 1979 erkannte Portugal die Volksrepublik China auf Grundlage der UN-Resolution 2758 von 1971 als einzig rechtmäßigen Vertreter des chinesischen Volkes an.

Damit wurde der Weg einer für beide Seiten akzeptablen Rückgabe auf der Basis des von Deng Xiaoping entworfenen Wiedervereinigungskonzepts „Ein Land, zwei Systeme“ frei. Die Aufnahme offizieller bilateraler Gespräche erfolgte 1985, ein Jahr nachdem die britische Regierung der Rückgabe Hongkongs für das Jahr 1997 zugestimmt hatte. Hierbei mussten unter anderem Besitzstands- und Schuldenverhältnisse sowie bestehende Investitionsschutz-, Doppelbesteuerungs- und Rechtshilfeabkommen zwischen Macau und Hongkong beachtet werden. Nach intensiven Verhandlungen einigten sich 1987 beide Länder auf die Rückgabe Macaos an China für das Jahr 1999.

Am 19./20. Dezember 1999 erfolgte um Mitternacht die Wiedervereinigung Macaus mit China. Bei der Zeremonie sagte der damalige chinesische Präsident Jiang Zemin, dass „die Rückkehr von Macau das endgültige Ende der westlichen Kolonialherrschaft über Asien“ symbolisiere. Der offizielle Name Macaus ist seitdem Sonderverwaltungszone Macau der Volksrepublik China. Auf Grundlage der Chinesisch-Portugiesischen Deklaration von 1987 besitzt Macau bis 2049 hohe Autonomie- und Selbstverwaltungsrechte.[7][8][9]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ethnische Zusammensetzung in Macau nach Geburtsort (2011)
Bevölkerungsentwicklung in Macao[10]
Jahr Einwohnerzahl
1950 196.483
1960 167.796
1970 246.195
1980 238.118
1990 343.935
2000 427.979
2010 536.969
2017 622.567

Fast die gesamte Bevölkerung, von denen ein Großteil auf der nördlichen Halbinsel lebt, sind ethnische Chinesen, die entweder auf dem Festland oder in Macau geboren wurden. Es gibt auch kleine Gruppen anderer Asiaten, darunter Menschen mit teils chinesischen, teils portugiesischen Vorfahren, die Macanesen genannt werden. Die einst bedeutende portugiesische Minderheit ist auf einen nur noch verschwindend geringen Anteil zusammengeschrumpft.[11]

Mit rund 21.000 Einwohnern pro Quadratkilometer weist Macau eine sehr hohe Bevölkerungsdichte auf. Macau ist das Gebiet mit der zweithöchsten Lebenserwartung der Welt. Sie liegt bei 84,5 Jahren.[1] Macau hat eine relativ alte Bevölkerung, weniger als ein Viertel ist jünger als 25 Jahre.[11]

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohner Macaus (dt. Macauer) sprechen hauptsächlich Kantonesisch (85,7 %), Hokkien (4 %), Hochchinesisch (3,2 %) sowie andere chinesische Dialekte (2,7 %). 4,4 % sprechen andere Sprachen, darunter vorwiegend Englisch und Tagalog.[1] Die macauische Sprache ist eine besondere Kreolsprache, die heute nur noch von etwa 4000 der Macauer (einer ethnischen Gruppe von gemischter asiatischer und portugiesischer Abstammung, etwa 2 % der Bevölkerung) gesprochen wird. Offizielle Sprachen sind Chinesisch und Portugiesisch.[12]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2006 lebten in Macau geschätzt etwa 80 % Buddhisten, 4 % römische Katholiken und 1 % Protestanten. 15 % gehörten einer anderen oder keiner Religion an.[11] Der Buddhismus ist auch durch nichtchinesische Organisationen wie den tibetischen Buddhismus der Nyingmapa vertreten.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koloniale und moderne Architektur in der Avenida de Almeida Ribeiro

Macau verfügt über vier Universitäten sowie zahlreiche weitere Bildungseinrichtungen:

  • Polytechnisches Institut von Macau (Instituto Politécnico de Macau)
  • Universität von Macau (Universidade de Macau)
  • Macau University of Science and Technology
  • Sankt-Josephs-Universität (Universidade de São José)
  • Institute for Tourism Studies
  • Kiang Wu Nursing College
  • Macau Millennium College
  • Macau Security Forces Training College
  • Macau Institute of Management
  • United Nations University International Institute for Software Technology
  • Institute of European Studies of Macau

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politisches System[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Spitze der Regierung steht der Chefe do Executivo de Macau. Die Gesetzgebung erfolgt durch das Parlament von Macau.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Macau – Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China

Unter portugiesischer Verwaltung gliederte sich das Gebiet bis 1999 in zwei Städte:

  • Concelho de Macau (澳門市)
  • Concelho das Ilhas (海島市)

Der Concelho de Macau selbst wurde in fünf Gemeindebezirke aufgeteilt:

  • Freguesia de Nossa Senhora de Fátima (花地瑪堂區)
  • Freguesia de Santo António (聖安多尼堂區)
  • Freguesia de São Lazaro (望德堂區)
  • Freguesia de São Lourenço (風順堂區 oder 聖老愣佐堂區)
  • Freguesia da Sé (大堂區)

Der Concelho das Ilhas wurde in zwei Gemeindebezirke eingeteilt:

  • Freguesia da Nossa Senhora do Carmo (嘉模堂區) auf der Insel Taipa
  • Freguesia do São Francisco Xavier (聖方濟各堂區) auf der Insel Coloane

Das zwischen den Inseln Taipa und Coloane gelegene Neulandgebiet Cotai war keinem Gemeindebezirk zugeordnet.

Die eigenständigen Verwaltungen der Städte und Gemeindebezirke wurden am 31. Dezember 2001 aufgelöst. An ihre Stelle trat das Instituto para os Assuntos Cívicos e Municipais (Verwaltung der bürgerschaftlichen und städtischen Angelegenheiten).

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Macau unterhält derzeit die folgenden Städtepartnerschaften:[13]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die UNESCO nahm die historische Altstadt von Macau im Jahr 2005 ins Weltkulturerbe wegen der Rolle der Stadt als Ort des Kontaktes zwischen China und dem Westen auf, was sich auch in der Architektur widerspiegele.[14]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Szene aus dem Macau F3 Grand Prix 2008

Höhepunkte im jährlichen Veranstaltungskalender der Stadt sind die Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahrsfest, das Macau Arts Festival, das Drachenboot-Festival Tun Ng, der International Fireworks Display Contest und das International Music Festival.[15]

Seit 1954 findet alljährlich im November auf dem Stadtkurs Guia Circuit der Macau Grand Prix statt, der aus verschiedenen Rennen für Motorräder, Tourenwagen und Monoposti besteht.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaftlich bedeutend für Macau ist die Herstellung von Feuerwerkskörpern und Textilien. Die Arbeitslosenrate wird 2017 mit 2 % angegeben und liegt damit sehr niedrig.[16]

Glücksspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typische Straßenansicht in Macau

Das Glücksspiel bildet seit langem eine zentrale Einnahmequelle Macaus. 1962 wurde die Sociedade de Turismo e Diversões de Macau (STDM, deutsch: Macau Reise- und Unterhaltungsgesellschaft) gegründet, ein privatrechtlich organisiertes Unternehmen, das zeitweise das Monopol für Glücksspiel innehatte und weitere Aktivitäten in der Freizeit- und Tourismusbranche unterhielt.[17][18] Die STDM gehörte mehrheitlich Stanley Ho (30 Prozent) und Teddy Yip (27 Prozent). Die Spielcasinos machten Macau für regionale Touristen attraktiv. Bis zur Liberalisierung des Marktes 2002 erwirtschaftete die STDM in einigen Jahren bis zu 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts von Macau.[17]

Im Jahre 2011 gab es 34 Kasinos mit 33,9 Milliarden US-Dollar Umsatz. Der Umsatz ist damit gegenüber 2010 um 42 Prozent gestiegen.[19] Bedingt durch das Glücksspiel hat Macau die Zahl seiner Touristen von acht Millionen im Jahr 2000 auf 29.324.822 im Jahr 2013 mehr als verdreifacht.[20] Die Kasinos in Macau machten 2013 sechsmal so viel Umsatz wie die in Las Vegas.[21] Im Januar 2014 kamen 2.503.609 Touristen.[22] Dies schlägt sich vor allem in der Bauwirtschaft nieder, denn angesichts der geringen Fläche Macaus werden vor allem Hochhäuser gebaut.

Seit dem Fall des Glücksspielmonopols Ende 2002 haben sich vornehmlich US-Konsortien aus Las Vegas, Nevada um die Lizenz zum Bau von Kasinos beworben. Die Investoren wollen auf den künstlichen Aufschüttungsflächen zwischen den beiden südlichen Inseln Taipa und Coloane den Las Vegas Strip nachbauen. Im Mai 2004 eröffnete das mit einer goldenen Fassade versehene Sands Macau, ein Kasino (seit 2007 mit Hotel), dessen Baukosten sich in weniger als einem Jahr amortisierten. Nahe der Südflanke von Taipa ist ein großer Kasino-, Hotel- und Freizeitkomplex entstanden, z. Z. der größte der Welt. Herzstück ist der von allen Seiten gut erreichbare Kasinosaal mit der außergewöhnlich großen Fläche von 51.000 Quadratmetern.

Seit Januar 2008 ist Texas Hold’em Poker offiziell als Glücksspiel in Macau erlaubt. Im Mai 2011 wurde in Macau das Galaxy Resort eröffnet, ein weiterer Spielerpalast mit 2200 Hotelzimmern, 50 Restaurants, einem künstlichen Strand sowie einem Wellenbad.[23]

Seit 1989 gibt es in Macau eine Pferderennbahn mit einer Kapazität von 15.000 Sitzplätzen, auf der das Wetten auf den Ausgang der Rennen legal ist. 2012 wurde das Mindestalter für Glücksspiel in Macau von 18 auf 21 Jahre angehoben.

The Venetian Macao
Das Venetian-Macao-Casino, Mai 2014

Zwischen 2004 und 2007 entstand das Resort-Hotel-Casino The Venetian Macao, welches (Stand März 2013) das nach Nutzfläche sechstgrößte Gebäude der Welt ist. Dominiert wird das Venetian vom 151 Meter hohen abgewinkelten Hotelriegel mit 39 Stockwerken und 3000 Suiten.[24] Sie werden wie in Las Vegas subventioniert, um die erforderlichen Massen von Spielern in das Casino zu locken. Als Ergänzung zum Hotelbetrieb und Auslastungsgarantie wurden ein 111.000 Quadratmeter großes Tagungszentrum, ein vollausgestattetes Theater und eine Veranstaltungsarena mit 15.000 Sitzplätzen dazugebaut. Die im gesamten Komplex verteilten Restaurants und Geschäfte belegen eine Fläche von 149.000 Quadratmetern. In den ersten fünf Monaten nach Eröffnung am 29. August 2007 wurden 10 Millionen Gäste gezählt. Der Personalaufwand im Komplex ist mit rund 25.000 Mitarbeitern kalkuliert, das ist jeder fünfte Arbeitsplatz von Macau.

Eingerahmt wird das Venetian, ebenso wie das um zwei Drittel kleinere Vorbild in Las Vegas, vom Nachbau venezianischer Kanäle mit Gondeln an Straßenfronten unter künstlichem Himmel in dauerhafter Dämmerung. Das Dekor ist im venezianischen Stil; eingefügt in die Ausstattung sind jedoch überall in Kasinonähe die chinesischen Glücksbringer Drache und Fisch. Im Außenbereich steht der hier solitäre Campanile vom Markusplatz, der in Originalgröße einschließlich Turmfigur nachgebaut wurde (98,6 Meter). Ein großer Teich leuchtet bei Dunkelheit in der Anlage.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

TurboJET-Fähre zwischen Hongkong und Macau am Macau-Pier

Die Halbinsel Macau und die Insel Taipa sind mit drei Brücken verbunden. Seit Anfang 2005 ist die neueste Brücke, die Sai-Van-Brücke (西灣大橋 / 西湾大桥, Xīwān Dàqiáo, Jyutping Sai1waan1 Daai6kiu4); im Westen Macaus für den Verkehr freigegeben. Erst durch diese neue und höhere Brücke ist die Insel Taipa auch bei Taifun-Warnung mit dem Auto erreichbar. Die beiden älteren Brücken (Governor Nobre de Carvalho Bridge und Ponte da Amizade; seit 1994; im Osten) sind vor Wind und Wellen nicht ausreichend geschützt.

Zwischen den Häfen Macau und Taipa verkehren regelmäßige Schnellfähren. Täglich wird die Strecke Macau–Hongkong rund 150-mal von Tragflügelbooten befahren. Es gibt Verbindungen zum Hong Kong International Airport, zum China Ferry Pier in Kowloon sowie dem Macau Ferry Terminal auf Hong Kong Island. Die Überfahrt dauert etwa eine Stunde. Ebenfalls bestehen Fährverbindungen nach Shekou (蛇口, Shékǒu, Jyutping Se4hau2) (Shenzhen) und zum Flughafen Shenzhen sowie Buslinien nach Gongbei (拱北, Gǒngběi, Jyutping Gung2bak1) (Zhuhai) und Guangzhou. Weiterhin verkehren regelmäßig Hubschrauber nach Hongkong und Shenzhen.

Seit 1995 verfügt Macau über einen eigenen internationalen Flughafen, den Macau International Airport. Der Innenstadtverkehr und sogar der Nahverkehr auf den umliegenden Inseln werden durch ein effektives Bussystem entlastet, sämtliche Fahrzeuge sind mit Klimaanlage ausgestattet. Im Gegensatz zu Festlandchina herrscht auf dem Gebiet Macaus, wie auch in Hongkong Linksverkehr.

Zurzeit laufen Planungen für ein schienenbasiertes Nahverkehrssystem, dem Macau Light Rail Transit, das aus drei Linien bestehen soll (Zirkellinie, Nord-Süd-Linie für Verbindung zu den Inseln und eine Linie zum Flughafen) und 27 km Gesamtlänge aufweisen würde. Die 2005 in Betrieb genommene neue dritte Brücke zwischen Macau und Taipa ist bereits für die Schienenverbindung ausgelegt. Baubeginn sollte ursprünglich 2006 sein, was sich nun jedoch auf 2012 verzögert hat.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Luís Filipe Barreto: Macau Scientific and Cultural Centre. Museum Guide. Centro Científico e Cultural de Macau, Lissabon 1999, ISBN 972-8586-01-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Macau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Macau – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c The World Factbook. CIA, abgerufen am 27. Februar 2014 (englisch).
  2. Total area 2014. Macau Cartography and Cadastre Bureau; abgerufen 16. März 2015
  3. Government of Macao Special Administrative Region Statistics and Census Service: Population estimate (2015 auswählen); abgerufen am 16. August 2016
  4. imf.org
  5. Macau ist die größte Spielothek des Planeten. In: Welt Online. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  6. a b Macau: Land. In: Encyclopædia Britannica. Abgerufen am 8. August 2017 (englisch).
  7. Wei Qiao, Karl-Heinz Pohl, Dorothea Wippermann: Brücke zwischen Kulturen. LIT Verlag, 2003, S. 74.
  8. Thomas Beck: Überseegeschichte. Franz Steiner Verlag, 1999, S. 276.
  9. Peter Haberzettl, Roderich Ptak: Macau. Geographie, Geschichte, Wirtschaft und Kultur. Otto Harrassowitz Verlag, 1995, S. 19 f.
  10. Quelle: UN: World Population Prospects - Population Division - United Nations. Abgerufen am 29. Juli 2018.
  11. a b c Macau: People. In: Encyclopædia Britannica. Abgerufen am 8. August 2017 (englisch).
  12. Macao Factsheet. Geography and Population. Macao Government Information Bureau, abgerufen am 23. Oktober 2017 (englisch).
  13. Sister Cities of Macao Website des Instituto para os Assuntos Civicos e Municipais (englisch); abgerufen am 21. Februar 2016
  14. Historic Centre of Macao. UNESCO World Heritage Centre, abgerufen am 19. August 2017 (englisch).
  15. Macau feiert Feste. Website des Magazins reisen EXCLUSIV; abgerufen am 5. Januar 2015.
  16. The World Factbook — Central Intelligence Agency. Abgerufen am 6. August 2018 (englisch).
  17. a b Newman M. K. Lam, Ian Scott: Gaming, Governance and Public Policy in Macao, Hong Kong University Press, ISBN 978-988-8083-28-2, S. 23.
  18. Richard W. Butler, Roslyn Russell: Giants of Tourism, CABI 2010, ISBN 978-1-84593-653-2, S. 175.
  19. Andreas Lorenz: Touristen-Boomstadt Macau: Die wollen nur spielen. Spiegel Online, 7. März 2012, abgerufen am 27. Februar 2014.
  20. Visitor Arrivals for December 2013. Government of Macao Special Administrative Region Statistics and Census Service, abgerufen am 27. Februar 2014 (englisch).
  21. Nina Trentmann: Macau degradiert Las Vegas zum Provinz-Kasino. welt.de, 9. Mai 2014; abgerufen am 9. Mai 2014
  22. Visitor Arrivals for January 2014. Government of Macao Special Administrative Region Statistics and Census Service, abgerufen am 27. Februar 2014 (englisch).
  23. Galaxy-Resort: Macau eröffnet milliardenteuren Spielerpalast. Spiegel Online, 16. Mai 2011, abgerufen am 27. Februar 2014.
  24. Venetian Macau Hotel Tower. Gebäudedaten auf Skyscraper Center; abgerufen am 7. Oktober 2015


Koordinaten: 22° 12′ N, 113° 33′ O