Machimosauridae

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Machimosauridae
Schädel von Machimosaurus buffetauti aus dem Oberjura von Baden-Württemberg.

Schädel von Machimosaurus buffetauti aus dem Oberjura von Baden-Württemberg.

Zeitliches Auftreten
Unterjura (Toarcium) bis Unterkreide (Hauterivium/Barremium)
182,7 bis 130,7 Mio. Jahre
Fundorte
Systematik
Archosauria
Crocodylomorpha
Thalattosuchia
Teleosauroidea
Machimosauridae
Wissenschaftlicher Name
Machimosauridae
Jouve et al., 2016
Unterfamilien
  • Machimosaurinae

Die Machimosauridae sind eine Familie ausgestorbener Meereskrokodile aus dem Jura und der Unterkreide. Fossilien stammen vor allem aus den Juraschichten Europas, weitere Reste konnten in Afrika geborgen werden. Einige Fossilien aus Indien können eventuell ebenfalls den Machimosauridae zugeordnet werden. Der am häufigsten fossil überlieferte Machimosauride ist der vor allem aus dem süddeutschen Posidonienschiefer bekannte Macrospondylus (ehemals Steneosaurus bollensis).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lebendrekonstruktion des unterjurassischen Machimosauriden Macrospondylus bollensis.
Größenvergleich verschiedener Arten der namensgebenden Gattung Machimosaurus mit einem Taucher.

Wie ihre nächsten Verwandten, die Teleosauridae, ähnelten Machimosauriden auf den ersten Blick den heutigen Gavialen. Ihre Hinterläufe waren deutlich länger als die Vorderbeine, ihre Schnauze war schmal und vor allem bei frühen Formen wie Macrospondylus noch verhältnismäßig lang. Bei vielen späteren Gattungen wie Machimosaurus oder Lemmysuchus war die Schnauze dagegen deutlich kürzer. Anders als bei den Teleosauriden, befand sich die Nasenöffnung auf der Oberseite der Schnauzenspitze. Wie bei den meisten anderen Krokodilartigen war der Körper der Machimosauriden von Hautknochenplatten bedeckt.

Innerhalb der Unterfamilie Machimosaurinae nahm die Größe der oberen Schläfenfenster deutlich zu, gleichzeitig nahm die Anzahl der Zähne ab. Die Zähne in dieser Gruppe der Machimosauriden waren charakteristisch stumpf und bildeten einen deutlich geriffelten Zahnschmelz aus.

Machimosauriden waren in der Regel verhältnismäßig große Meereskrokodile. Bereits die frühe Gattung Macrospondylus konnte Längen von über fünf Metern erreichen. Der größte bekannte Machimosauride ist Machimosaurus rex mit einer geschätzten Länge von 7,15 Metern.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fossilien von Machimosauriden in der Paläontologischen Sammlung Tübingen. Neosteneosaurus (vorne) und Macrospondylus (hinten).

Arten der Familie Machimosauridae wurden traditionell in die Familie Teleosauridae gestellt. Eine Neusortierung der Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Thalattosuchia führte dazu, dass die Teleosauridae nur noch die nächsten Verwandten von Teleosaurus umfasst, während die nächsten Verwandten von Machimosaurus mit der Machimosauridae ihre eigene Familie bekamen.

Teleosauridae, Machimosauridae sowie die Gattung Plagiophthalmosuchus werden zur Überfamilie Teleosauroidea zusammengefasst, die der Überfamilie Metriorhynchoidea gegenübersteht. Die Machimosauridae beherbergt weiterhin die Unterfamilie Machimosaurinae. Innerhalb dieser bilden schließlich Machimosaurus, Lemmysuchus und Yvridiosuchus den Tribus Machimosaurini.

Gekürztes Kladogramm der Teleosauroidea nach Johnson et al. (2020):

 Teleosauroidea 

Plagiophthalmosuchus


   
 Machimosauridae 

Macrospondylus


   

Deslongchampsina


   

Seldsienean


   

Charitomenosuchus


   

Clovesuurdameredeor


 Machimosaurinae 

Proexochokefalos


   

Neosteneosaurus


   

Andrianavoay


 Machimosaurini 

Lemmysuchus


   

Yvridiosuchus


   

Machimosaurus


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Teleosauridae




Paläoökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahn von Machimosaurus.

Machimosauriden lebten vorwiegend in den marinen Lebensräumen des ehemaligen Tethysmeeres. Sie kamen dabei sowohl in Lagunen und Ästuaren als auch auf hoher See vor. Vor allem frühe Machimosauriden waren in ihrer Ernährung wohl Opportunisten. Bei späteren Machimosauriden, namentlich innerhalb der Unterfamilie Machimosaurinae, lässt sich ein Trend zu kürzeren Schnauzen, einer ausgeprägten Kiefermuskulatur und robusten, geriffelten Zähnen beobachten. Das wird als Anpassungen an eine durophage („schalenknackende“) Ernährung gedeutet. Tatsächlich sind mehrere Fossilien von Schildkröten bekannt, die offenbar von Machimosaurus attackiert wurden.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johnson, M.M., Young, M.T., & Brusatte, S.L. (2020). The phylogenetics of Teleosauroidea (Crocodylomorpha, Thalattosuchia) and implications for their ecology and evolution. PeerJ, 8, e9808. doi:10.7717/peerj.9808
  • Jouve, S., Mennecart, B., Douteau, J., & Jalil, N. E. (2016). The oldest durophagous teleosauroid (Crocodylomorpha, Thalattosuchia) from the lower Bathonian of central High Atlas, Morocco. Palaeontology, 59(6), 863–876. doi:10.1111/pala.12262

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Young, M. T., Hua, S., Steel, L., Foffa, D., Brusatte, S. L., Thüring, S., Mateus, O., Ruiz-Omeñaca, J. I., Havlik, P., Lepage, Y. & De Andrade, M. B. (2014). Revision of the late Jurassic teleosaurid genus Machimosaurus (Crocodylomorpha, Thalattosuchia). Royal Society Open Science, 1(2), 140222. doi:10.1098/rsos.140222