Magdeburger Dom

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Seitenansicht des Doms vom Domplatz (Norden) aus gesehen
Magdeburger Dom bei Nacht (Elbansicht)

Der Magdeburger Dom (offizieller Name Dom zu Magdeburg St. Mauritius und Katharina) ist Bischofskirche der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und als evangelische Pfarrkirche zugleich das Wahrzeichen der Stadt.

Der Dom ist die am frühesten fertiggestellte Kathedrale der Gotik auf deutschem Boden. Er wurde ab 1207 als Kathedrale des Erzbistums Magdeburg gebaut und im Jahr 1363 geweiht. Der Dom ist Grabkirche Ottos des Großen (Otto I.), erster Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und zusammen mit Otto von Guericke Namenspatron der „Ottostadt Magdeburg“.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgängerbauten[Bearbeiten]

Urkunde Ottos I. zur Gründung und Dotierung des Klosters Magdeburg

Otto I. der Große gründete 937 das St.-Mauritius-Kloster, im Jahre 946 wurde dort seine erste Gemahlin Edith bestattet. Offenbar hatte Otto schon damals Magdeburg auch als seinen eigenen Begräbnisort bestimmt und im Zusammenhang damit betrieb er bereits in den 950er Jahren die Einrichtung eines Erzbistums in Magdeburg. Vor der Schlacht auf dem Lechfeld 955 gelobte Otto, noch vor seiner Krönung zum Kaiser am 2. Februar 962, für den Fall seines Sieges in Merseburg ein Bistum zu errichten – offenbar sollte dieses Bistum zu dem noch zu gründenden Magdeburger Erzbistum gehören. In den 950er Jahren begann er nachweislich einen großartigen Neubau. Um seinen imperialen Anspruch in der Nachfolge der römischen Kaiser zu unterstreichen, ließ er zahlreiche Kostbarkeiten nach Magdeburg bringen, so auch den Codex Wittekindeus, ein Evangelistar, das im Kloster Fulda entstanden war, und z. B. antike Säulen, die später im Chor des spätromanisch-gotischen Domneubaus aufgestellt wurden. Dieser erste Dom war vermutlich eine dreischiffige, kreuzförmige Basilika mit Ostquerhaus, Ostkrypta und großem Atrium im Westen. Nördlich, auf dem heutigen Domplatz, befand sich ein zweiter, nahezu gleich großer und äußerst reich ausgestatteter Sakralbau unbekannten Patroziniums, der mit der Domkirche eine Doppelkirchenanlage bildete. 968 wurde Magdeburg anlässlich des Reichstags in Ravenna zur Erzdiözese erhoben und Adalbert von Trier wurde der erste Erzbischof. Die Moritzkirche wurde zur Kathedrale erhoben.

Am 20. April 1207 (Karfreitag)[1] zerstörte ein Feuer den Großteil Magdeburgs, darunter den Dom, die Nordkirche und die Kaiserpfalz. Albrecht I. von Käfernburg ließ die Ruinen der Kathedrale abreißen und legte im September 1207 den Grundstein für den heutigen (dritten) Dom, für den Steine und Säulen des alten spätromanischen Doms wieder verwendet wurden.

Bau des gegenwärtigen Doms[Bearbeiten]

Innenhof des Kreuzgangs

Erzbischof Albrecht hatte in Frankreich studiert und es wird immer wieder vermutet, dass die Entscheidung für einen modernen, gotischen Chorgrundriss auf ihn zurückgeht. Nachweisbar ist das freilich nicht. Der Bau des Chors begann 1209, zwei Jahre, nachdem der alte Dom niedergebrannt war. Allerdings ist das Umgangserdgeschoss trotz des gotischen Grundrisses noch spätromanisch. Der gotische Formenschatz wurde erst nach und nach aufgenommen und erst das Umgangsobergeschoss, der sogenannte Bischofsgang, ist wirklich frühgotisch. Hochgotisch ist dann der Obergaden des Chores, der wiederum höher als ursprünglich geplant aufgeführt wurde.

Die veränderte Bauachse ist sehr wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass der Dom nun auf die Grabstätte Ottos des Großen ausgerichtet wurde. Sie hatte sich an der Nordseite des ottonischen Doms befunden, wahrscheinlich im Nordquerhaus, im gotischen Neubau liegt sie in der Vierung zwischen den Reihen des Chorgestühls. Editha, die erste Frau Ottos I., war zunächst in der Kirche des Moritzklosters bestattet worden. Das Grab wurde dann in das Nordquerhaus des ottonischen Domes verlegt. Das Grab muss nach dem Beginn des gotischen Neubaus in diesen verlegt worden sein. Das im Scheitel des Chorumgangs aufgestellte Grabmal enthält nach neuesten archäologischen Erkenntnissen[2] Reste ihrer Gebeine in einem kleinen Bleikasten.

Schon während der Errichtung des Chores hat man sich entschlossen, den Bau höher und weiter aufzuführen. Planänderungen sind auch im Querhaus und in den Ostjochen des Langhauses nachweisbar. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts kam es zu einer mehrjährigen Bauunterbrechung (Urkunde von 1274). Auf diese Unterbrechung und die dann anschließende Wiederaufnahme der Baumaßnahmen geht die Magdeburger Sage vom „Schäfer am Dom zu Magdeburg“ zurück. Ihr zufolge soll ein um 1240 lebender Schäfer namens Thomas Koppehele, der aus dem brandenburgischen Gräfendorf in der Nähe von Jüterbog stammte, beim Hüten von Schafen einen Goldschatz gefunden haben. Diesen habe er dem damaligen Magdeburger Erzbischof gestiftet, welcher hiermit den Bau des Magdeburger Doms erheblich vorantreiben konnte. Aus Dankbarkeit habe der Erzbischof das steinerne Bild des Schäfers, seines Knechts und ihrer Hunde über der sogenannten Paradiespforte, dem nördlichen Eingang des Domes, anbringen lassen, wo es noch heute zu sehen ist.

Gemälde von Carl Hasenpflug von 1828

Der Neubau wurde dann wieder aufgenommen und schrittweise weiter nach Westen geführt. Die Gewölbe müssen in den 60er Jahren des 14. Jahrhunderts eingezogen worden sein. Schließlich wurde der Neubau des Langhauses im Jahr 1363 geweiht. Der Ausbau der Westfassade und der Türme geschah in drei Abschnitten, das Untergeschoss wurde vor 1274 errichtet, das zweite Obergeschoss im dritten Viertel des 14. Jahrhunderts – wahrscheinlich etwa gleichzeitig mit den entsprechenden Abschnitten des Langhauses – und die Türme in der zweiten Hälfte des 15. bzw. im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts. Der Ausbau des Turmzwischenraumes zur Grabkapelle geschah unter Erzbischof Ernst II. von Sachsen. 1520 war der Dom dann endgültig fertigstellt.[3]

Südlich des Doms befinden sich im Kreuzgang die Reste des 937 gegründeten Moritzklosters, das 968 zum erzbischöflichen Domstift erhoben wurde.

Reformation und Dreißigjähriger Krieg[Bearbeiten]

Blick auf den Magdeburger Dom (Hermann Gemmel, Öl auf Leinwand, 1844)

Zur Zeit der Reformation war Magdeburg eine Hochburg des Protestantismus, nicht zuletzt weil Erzbischof Albrecht von Brandenburg einen regen Ablasshandel betrieb und dadurch den Unmut der Bürger auf sich zog. Nach seinem Tod 1545 wurde der Dom für 20 Jahre geschlossen. 1567 wurde der Dom protestantisch, am Ersten Advent feierte man dort den ersten evangelischen Gottesdienst. Erster protestantischer Domprediger war Siegfried Saccus, Hilfsprediger Martin Gallus.

Während des Dreißigjährigen Krieges eroberten die Truppen General Tillys Magdeburg. Über die Zerstörung und Plünderung der Stadt im Mai 1631 waren die Zeitgenossen in ganz Europa entsetzt. Tausende Magdeburger hatten sich im Dom verschanzt und sollen ihr Überleben dem Domprediger Reinhard Bake verdanken, der mit einem Kniefall vor Tilly um das Leben der Einwohner bat.

Nach den Vereinbarungen des Westfälischen Friedens erfolgte 1680 die Säkularisation des Erzbistums und der weltliche Besitz wurde als Herzogtum Magdeburg Teil der Markgrafschaft Brandenburg. Nach 1806, als Magdeburg an Napoleon übergeben wurde, wurde der Dom der Überlieferung zufolge als Lager und auch als Pferdestall genutzt. Angeblich gehen die in die Mauern des Kreuzganges eingefügten Eisenringe auf diese Zeit zurück. Die Besatzung endete 1814. Friedrich Wilhelm III. von Preußen ließ den Dom zwischen 1826 und 1834 umfangreich restaurieren.

Restaurierungsarbeiten 1954
Westfassade mit Kriegsschäden (rechts) und nach der Instandsetzung, 1960 (links)

Das 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

In der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus war Ernst Martin Domprediger. Er stand politisch national-konservativen Kreisen und insbesondere dem Stahlhelm nahe und trat der DNVP bei. Im Herbst 1932 hielt er im Dom für die SA einen Gottesdienst ab, bei dem auch SA-Fahnen gegrüßt wurden.[4]

Der Dom wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Beim erstem Bombenangriff vom 12. September 1944 auf den Dom beschädigte bzw. zerstörte eine ins Südseitenschiff einschlagende Bombe Epitaphien, alle Farbfenster des Domes sowie die gesamte hölzerne Bestuhlung mit Ausnahme des Chorgestühls. Beim schwerstem Luftangriff auf Magdeburg am 16. Januar 1945 fielen mehrere Sprengbomben in die Seitenschiffe. Insgesamt wurden ca. 300 m² Gewölbe zerschlagen. Zudem warf eine einzelne, am 17. Februar 1945 mitten am Tag und ohne vorherigen Luftalarm auftauchende Tieffliegerbesatzung eine Feuerbombe gegen die Westseite des Doms. Der Sprengkörper durchschlug die Fassade des Turmzwischenbaus in Höhe des dritten Stockwerks (siehe Bild rechts) und brachte die Gewölbedecke über der großen Orgel zum Einsturz.[5] Das dabei ausgebrochene Feuer konnte gelöscht werden, so dass der Dachstuhl weitgehend intakt blieb.

Nur die östlichen Partien mit Chor, Chorumgang und Chorempore blieben gänzlich erhalten. Nach Restaurierungsarbeiten wurde der Dom am 22. September 1955 mit der Amtseinführung von Bischof Johannes Jänicke wieder eröffnet[6]. Seit 1983 werden Teile des Doms erneut restauriert. Eine Solaranlage wurde 1990 installiert. 2005 konnten die Bauarbeiten am Nordturm abgeschlossen werden, 2006 wurden der Südturm und das Dach des Remters restauriert. Seit 2006 wird die frühe Baugeschichte des Magdeburger Doms durch archäologische Ausgrabungen untersucht, um Erkenntnisse über die Vorgängerbauten des Domes zu erzielen. Bei dieser Untersuchung wurden in einem vermeintlichen Scheingrab die sterblichen Überreste der im Jahre 946 verstorbenen Königin Edgitha, der Gemahlin Otto des Großen, entdeckt.

Während der Wende in der DDR wurde der Dom im Herbst 1989 zum Ausgangspunkt der friedlichen Revolution in Magdeburg. Einen wesentlichen Beitrag hierzu leisteten die Aufrufe zur Besonnenheit durch Domprediger Giselher Quast und Dompredigerin Waltraut Zachhuber. Neben seiner Funktion als Bischofskirche der Evangelischen Kirchenprovinz Sachsen (EKKPS) mit etwa 533.000 Gläubigen (bis 2003) ist er auch Pfarrkirche für die seit 1869 bestehende Evangelische Domgemeinde. Seit dem Zusammenschluss der EKKPS mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen ist der Dom eine der beiden Hauptkirchen der neugebildeten Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM).

DBP 1993 1665 Magdeburger Dom.jpg

Das 21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Das Bauwerk wird jährlich von mehr als 100.000 Touristen besucht. Seit Frühjahr 2005 ist auch wieder ein Turm für Turmbesteigungen zugänglich. Im Jahr 2009 wurde das 800-jährige Jubiläum des spätromanisch-gotischen Domes feierlich begangen. Hierzu präsentierte sich der Dom ab Dezember 2008 für etwas mehr als ein Jahr vollständig ohne Baugerüste.

Zur Architektur[Bearbeiten]

Grundriss
Querschnitt

Der Bau des gotischen Neubaus der Kathedrale dauerte über 300 Jahre vom Baubeginn 1209 bis zur Vollendung der Türme im Jahre 1520.[3] Der Magdeburger Dom ist das älteste gotische Bauwerk in Deutschland. Der Dom hat eine Gesamtinnenlänge von 120 m und eine Deckenhöhe von 32 m. Die Türme sind 99,25 m (Südturm) und 104 m (Nordturm) hoch.

Der Boden so nahe an der Elbe ist bis auf einen in den Fluss ragenden Felsen weich. Auf diesem Felsen, der dementsprechend Domfelsen heißt, wurde der Dom errichtet. Da der Felsen aber für den gesamten Dom zu schmal ist, steht der Südturm nicht auf dem Domfelsen. Daher hat der Südturm kein breites Treppenhaus und die Glocken sind im Nordturm untergebracht. Der Felsen ist nur zu sehen, wenn die Elbe wenig Wasser führt. Da wenig Regen in der Regel auch schwache Ernten bedeuteten, wurde der Domfelsen im Volksmund auch Hungerfelsen genannt.

Glocken[Bearbeiten]

Die Glocken des Domes hängen im dritten und vierten Stockwerk des Nordturmes. Von den ehemals zehn bis fünfzehn zum Teil mittelalterlichen Glocken des Domes sind heute noch fünf erhalten, von denen die drei größeren eines der schwersten und größten Barockgeläute Deutschlands bilden. Die heutige, rund neun Tonnen schwere Susanne – auch Maxima[7] genannt – ist bereits die vierte Nachfolgerin. Die Apostolica wird wegen ihrer Klangschönheit gerühmt.[8] Beide Glocken hängen im barocken Glockenstuhl, zu dessen Bau seinerzeit Hölzer einer noch älteren Konstruktion verwendet wurden. Vor einigen Jahren wurden die genieteten Stahljoche durch solche aus Eichenholz ersetzt. Unterhalb der Glockenstube lagert der ausgemusterte mittelalterliche Holzklöppel der Susanne, der zu besonderen Gelegenheiten (etwa in der Fastenzeit oder bei Trauerfällen) in die Glocke gehängt wurde, um ihren Klang dem Anlass angemessen zu dämpfen.[9]

Nr.
 
Name
(Funktion)
Gussjahr
 
Gießer, Gussort
 
Durchmesser
(mm)
Masse
(kg)
Schlagton
(HT-1/16)
Turm
 
1 Susanne 1702 Johannes Jacobi, Berlin 2.464/2.470 8.800 e0 +6 Nordturm, oben
2 Apostolica 1690 Jacob Wenzel, Magdeburg 1.938/1.945 4.980 b0 +5 Nordturm, oben
3 Dominica 1575 Eckart Kucher, Erfurt 1.619/1.625 ≈2.600 h0 +6 Nordturm, unten
4 Orate 13. Jh. unbekannt 665 ≈200 e2 +1 Dachreiter
Schelle (Uhrschlag) 1396 unbekannt 1.359 ≈1.500 f1 −1 Nordturm, starr aufgehängt

Orgeln[Bearbeiten]

Die Geschichte der Orgeln[Bearbeiten]

Orgeln wurden bereits im 14. Jahrhundert im Dom zu Magdeburg genutzt. Der Halberstädter Orgelbauer Nikolaus Faber lieferte 1363, im Jahr der Weihe des Langhauses, die erste Orgel, deren Blasebälge von zwölf Kalkanten betrieben wurden.[10] Weiterhin lässt sich eine Chororgel, die 1536 von dem Orgelbauer Michaelis für den Dom zu Halle gebaut und 1541 nach Magdeburg verpfändet worden war, nachweisen.

In den Jahren 1604 bis 1615 baute Heinrich Compenius der Jüngere eine neue Orgel, mit 43 klingenden Registern auf drei Manualwerken, die von zwei Manualen aus angespielt werden konnten. Ihr Prospekt war überaus reich verziert und mit diversen Spielereien ausgestattet, u. a. mit einem vergoldetem Hahn, der krähen und mit den Flügeln schlagen konnte. Dieses Instrument blieb im Dreißigjährigem Krieg, als die Truppen des Feldherrn Tilly 1631 nahezu die ganze Stadt verwüsteten, verschont. Die mit der Zeit verfallene Chororgel wurde 1715 vom damaligen Domorganisten George Tegtmeyers wieder in Ordnung gebracht. Weiterhin existierte ein baulich mit der Chororgel vereintes, aber abweichend von ihr gestimmtes und somit nicht gemeinsam spielbares Positiv, das 1619 "zu Cassel von Georg Weißlanden, aus Amberg bürtig" gebaut worden sein soll. Nachdem Napoleons Truppen 1806 bis 1814 den Dom zweckentfremdet hatten, dürften weder die bis dahin bereits mehrmals umgebaute Compenius-Orgel (u. a. wurde ihr Rückpositiv entfernt) noch die Kirche als Ganzes in einem guten Zustand gewesen sein.[11] Zu Beginn der fälligen, von 1830 - 34 andauernden Restaurierung unter Leitung von Karl Friedrich Schinkel wurde das Orgelgehäuse abgebaut und im Turm eingelagert. Das Schicksal des Großteils des Orgelwerks ist ungewiss. Auf Initiative des Komponisten und Organisten August Gottfried Ritter, der „Königlich-Preussischer Orgelrevisor“ war und ab 1847 am Dom tätig wurde, baute der Orgelbauer Adolf Reubke (Hausneindorf, Harz) in den Jahren 1856 bis 1861 eine von Ritter disponierte, neue Orgel mit 81 Registern auf vier Manualen und Pedal. Dabei verwendete er eine Anzahl Stimmen aus der Vorgängerorgel und das 1830 abgebaute Gehäuse, das er mit einem neuen Prospekt versah. Schinkel wirkte an der Gestaltung dieses neogotischen Prospekts mit. http://www.aktion-neue-domorgeln-magdeburg.de/reubkeorgel.php Später wurde die Orgel um ein weiteres Manualwerk, das nicht von einer eigenen, fünften Klaviatur, sondern vom vorhandenem III. Manual aus anspielbar war, auf 88 Register erweitert. Das Instrument hatte Schleifladen und mechanische Trakturen mit Barker-Hebeln. Die Größe der Laden bedingte eine enorme Tiefenausdehnung des Orgelwerks und die Anordnung des Spieltischs in der Orgel hinter dem mittlerem Pfeifenturm des neuen Prospekts. Der Klang des Instruments soll sehr gut gewesen sein, andererseits gab es immer wieder Probleme mit der Traktur der für damalige Verhältnisse überaus großen Orgel. Der 1830 eingelagerte Compenius - Prospekt wurde 1945 aus dem Turm gebracht und verheizt. Der "Goldene Hahn" blieb erhalten.

Hauptorgel von 2008

Während Domorganist Ritter der Überlieferung nach sehr gern auf der Reubke-Orgel spielte, pflegte sein ab 1886 amtierender Nachfolger Theophil Forchhammer gänzlich andere Erwartungen an die Domorgel. Er gab deshalb 1906 dem Orgelbauer Ernst Röver, der Reubkes Werkstatt in Hausneindorf übernommen hatte, den Auftrag für eine völlig neue Hauptorgel. Diese hatte 100 Register auf drei Manualen und Pedal. Der Prospekt wurde 2,50 m nach hinten versetzt und der Spieltisch an der Front angeordnet, um Platz für einen Chor vor der Orgel zu gewinnen und einen – bei Reubkes Orgel fehlenden – Sichtkontakt zwischen Chorleiter und Organist zu ermöglichen. Die wegen ihrer prinzipbedingten Trägheit üblicherweise berüchtigte pneumatische Traktur funktionierte bei Rövers Orgel relativ präzise, auch dank von Röver modifizierter "Kastenladen". Der kraftvolle Klang des vollen Werks füllte den Dom bis in den letzten Winkel, jedoch taugte die Orgel nach Ansicht des Reichsorgelrevisors Georg Kempff zu "nichts Anderem als zum Brüllen und Flüstern", u. a. weshalb er bereits 1938 ihren Abriss und einen dem Zeitgeschmack entsprechenden Neubau forderte. 1945 entstand ohnehin ein Totalschaden an der Orgel, als das Gewölbe über ihr infolge eines Tieffliegerangriffs zusammenbrach und lediglich der durch den großen Spitzbogen vor herabstürzenden Trümmern geschützte Prospekt intakt blieb.[12]

Aufgrund der Zerstörungen am Dom wurde der Remter nach dem Krieg für Gottesdienste genutzt, und bereits 1949 erbaute die Potsdamer Orgelbaufirma Schuke dort eine dreimanualige Orgel mit 28 klingenden Registern, um ein zuvor leihweise aufgestelltes, vermutlich aus der Aula des kriegsbeschädigten Domgymnasiums stammendes, zweimanualiges, romantisches Orgelwerk mit 18 Registern von Furtwängler & Hammer zu ersetzen. Nachdem diese Orgel wieder ins Gymnasium zurückgebracht worden war, stand noch, bis zur Fertigstellung des Schuke-Neubaus, ein Interimsinstrument mit fünf Registern und angehängtem Pedal, das dann im Gemeindesaal der evangelischen Altstadtgemeinde aufgestellt wurde, im Remter. Da der Dom seit jeher nicht heizbar ist, nutzt die Domgemeinde den mit einer Heizung ausgestatteten Remter ohnehin für sechs bis sieben Monate eines jeden Jahres sowie für Andachten und andere kleine Anlässe. Auch deshalb brauchte man dort eine gute Orgel.

Der Nachkriegsneubau war schwierig: Schuke gewann das dafür benötigte Orgelmetall zum Großteil aus den Schrottpfeifen der Röver-Orgel. Im September 1947 scheiterte ein Altmetalltransport nach Potsdam nur, weil Kisten fehlten. Die anspruchsvolle Fertigung der Zungenpfeifen war in der sowjetischen Besatzungszone bzw. in der eben gegründeten DDR kaum möglich, so dass vorübergehend gebrauchte Pfeifen und Pfeifenteile zum Einsatz kamen. Am 3. Dezember 1949 eingeweiht, war sie vorübergehend die einzige mechanische Schleifladen-Orgel in Magdeburg und wurde viel be- und abgenutzt. Das ungünstige Raumklima (z. B. eine Kryptaöffnung, aus der einen Teil der Orgel verstimmende Kaltluft drang) verstärkte die Störanfälligkeit. Während Fa. Schuke die Orgel in etwa in der Mitte des Remters bauen wollte, setzte der damalige Domorganist Gerhard Bremsteller eine Aufstellung hinter einer Säule an der nördlichen Stirnseite des langgezogenen, niedrigen, zweischiffigem Remters, welche sich auch akustisch als nachteilig erwies, durch. Schukes damaliges Klangkonzept (ungewöhnlich hohe Aufschnitte an den Labien der Principale und Mixturen, welche einen weichen, flötenähnlichen Klang erzeugten) stieß zudem bei Anhängern eines von einer Rückbesinnung auf barocke Orgelbautraditionen geprägten Zeitgeschmacks auf Ablehnung. Auch wurde dieses Klangbild als unpassend zur gotischen Architektur des Remters empfunden.

Umfangreiche Reparaturen waren bereits um 1964 fällig. Die Tasten des I. Manuals waren zu dieser Zeit schon bis zu 4 mm tief abgegriffen. Einer solchen Beanspruchung konnte das Nachkriegsmaterial nur bedingt standhalten. Es folgten etliche weitere Instandsetzungen sowie langwierige und oft kontroverse Verhandlungen zwischen Domgemeinde, Denkmalpflegern, Organisten, Orgelbauern und -gutachtern über Klangbild, Zustand, Erhaltungswertigkeit und Anderes. Nach einer letzten, 1992 vorgenommenen gründlichen Reinigung und - soweit möglich - Reparatur fügte eine neue Remterheizung der Orgel weitere Schäden zu. Die chronischen technischen Gebrechen waren ohne schwerwiegende und teure Eingriffe in die Originalsubstanz (die Orgel war 1988 unter Denkmalschutz gestellt und als „kultureller Besitz der sozialistischen Gesellschaft“ betitelt worden) nicht zu beheben. So erfolgte 1996/1997 ihre Stilllegung. Im Juli 2007 demontierte man sie vor einer viel Schmutz verursachenden Renovierung des Remters, und stellte sie in Polen wieder auf.[13]

Gegen Ende der 1950er Jahre konnte die Domgemeinde eine zweimanualige, 1957 von der Firma A. Schuster & Sohn (Zittau) gefertigte Orgel mit 27 Registern und elektropneumatischer Traktur aufstellen. Diese Orgel war ursprünglich für die bereits wiederaufgebaute Heilig-Geist-Kirche in der Magdeburger Innenstadt bestimmt. Da diese Kirche den sozialistischen Planern jedoch nicht ins Stadtbild passte, wurde sie 1959 gesprengt. [14]

Nachdem der Dom 1830 im Zuge der preußischen Säkularisierung in Staatsbesitz gekommen war, mangelte es zu DDR-Zeiten an Interesse und Geld für den Bau einer Hauptorgel mit angemessenem Klangvolumen auf der Westempore, die von der evangelischen Gemeinde genutzt würde. Eine über eine Zeit lang staatlicherseits alljährlich zur Verfügung gestellte Summe war stets zu gering, um das Projekt in einem Zuge verwirklichen zu können. Die Denkmalpflege verweigerte zudem die Aufstellung einer großen Orgel, obwohl der Dom eine vielhundertjährige Orgeltradition aufwies. Für die Domgemeinde war es auch brüskierend, dass die in Domnähe stehende, als städtische bzw. staatliche Konzerthalle genutzte Klosterkirche, die viel kleiner als der Dom ist, 1979 mit einer neuen Konzertorgel mit immerhin 63 Registern, vier Manualen und fast 5400 Pfeifen ausgestattet wurde.[15] Um 1960 gediehen dann Pläne für eine von der Domgemeinde allein finanzierbare Orgel im Querschiff, die eine Kompromisslösung für die Beschallung von Quer- und Hauptschiff darstellen sollte. Diese wurden – nach fast zehn Jahren Wartezeit – mit dem Bau der Querhausorgel der Firma Alexander Schuke (Potsdam), die damals ein "VEB" (Volkseigener Betrieb) war, im Jahr 1969/70 Realität. Die für den Dom völlig unterdimensionierte Schuster - Orgel wurde 1975 mit etwas reduziertem Pfeifenwerk und ohne Prospekt in der relativ kleinen Nikolaikirche in Magdeburg-Neue Neustadt dauerhaft installiert

Gegenwärtig vorhandene Orgeln[Bearbeiten]

Heute befinden sich im Dom vier Orgeln: die eben erwähnte Querhausorgel, die Truhenorgel, die Hauptorgel der Firma Alexander Schuke (Potsdam bzw. Werder/Havel) von 2008 auf der Westempore, sowie die Orgel der Firma Glatter-Götz von 2011 im Remter.[16]

Querhausorgel[Bearbeiten]

Das Instrument befindet sich auf dem Sims eines Ganges über der Paradiespforte. Der Hallenser Architekt Fritz Leweke entwarf das Gehäuse, das damals jedoch sehr grob gezimmert wurde und bei Gelegenheit durch eines in gediegenerer Ausführung ersetzt werden soll. Die neobarock disponierte Orgel kann mit ihren 37 Registern auf drei Manualen und Pedal aber allenfalls das Querhaus klanglich füllen und ist in den anderen Bereichen des Doms nur verschwommen hörbar. Im Querhaus hält sich zudem während normaler Messen niemand auf, da der Liturgiealtar und die Standardbestuhlung im Hauptschiff westlich der Vierung stehen. Durch archäologische Ausgrabungen im Dom aufgewirbelter Staub setzte der Querhausorgel arg zu. Nachdem die neue Hauptorgel fertiggestellt worden war, konnten die Versuche von 1994, der Querhausorgel durch eine geänderte Intonation wesentlich mehr Klangstärke zu verleihen, bei einer 2010 vorgenommenen Instandsetzung revidiert, und dabei auch die Verschmutzungen beseitigt werden.[17][18]

I Rückpositiv C–f3
1. Gedackt 8'
2. Quintade 8'
3. Principal 4'
4. Blockflöte 4'
5. Sesquialtera II[Anm. 1] 22/3
6. Hohlflöte 2'
7. Quinte 11/3'
8. Mixtur IV-VI 11/3'
9. Krummhorn 8'
Tremulant
II Hauptwerk C–f3
10. Pommer 16'
11. Principal 8'
12. Spillflöte 8'
13. Oktave 4'
14. Spitzflöte 4'
15. Nassat 22/3'
16. Oktave 2'
17. Mixtur VI-VIII 2'
18. Scharff IV 1’
19. Fagott 16'
20. Trompete 8’
III Brustwerk C–f3
21. Holzgedackt 8'
22. Rohrflöte 4'
23. Salicional 4'
24. Principal 2'
25. Oktave 1'
26. Cymbel IV 1/3'
27. Vox Humana 8'
Tremulant
Pedalwerk C–f1
28. Principal 16'
29. Subbass 16'
30. Oktave 8'
31. Bifra[Anm. 2] 8'
32. Oktave 4'
33. Rohrschelle 2'
34. Mixtur IV 22/3'
35. Posaune 16'
36. Trompete 8'
37. Clairon 4'
  • Koppeln: I/II, III/II, I/P, II/P
  • Anmerkungen
  1. Ursprünglich zwei- bis dreifach mit Septime als dritter Chor.
  2. Ursprünglich Gedackt 8' und Gemshorn 4'.

Truhenorgel[Bearbeiten]

Sie war, als nach der Auflösung der DDR eine Ausstattung des Domes mit angemessenen Orgeln angegangen werden konnte, die erste Anschaffung und stammt vom englischem Orgelbauer Peter Collins. Ihre Disposition lautet: Gedackt 8‘, Rohrflöte 4‘, Principal 4‘, Sesquialtera II (ab c‘). Sie ist transportabel und wird z. B. als Begleitinstrument bei Oratorienaufführungen genutzt.

Hauptorgel[Bearbeiten]

Die für die neue Hauptorgel auf der Westempore veranschlagten Kosten betrugen 3,8 Millionen DM, womit die Domgemeinde allein – wie bisher – völlig überfordert war. Die EU übernahm im Rahmen eines Fonds für regionale Entwicklung die Hälfte der Summe. Des Weiteren gingen mehrere große Spenden sowie Unterstützungen von Firmen und der Stadt Magdeburg ein. Der für den Bau je einer neuen Haupt- und einer Remterorgel gegründete Verein „Aktion neue Domorgeln Magdeburg e. V.“, der den Goldenenen Hahn aus dem Compenius - Prospekt zu seinem Symbol auswählte, erteilte den Auftrag 2003 der Firma Alexander Schuke Potsdam Orgelbau, die ihren Firmensitz inzwischen von Potsdam nach Werder/Havel verlegte. Zur Veranschaulichung des Aussehens der neuen Orgel hing vor Baubeginn eine Zeitlang eine im Maßstab 1:1 auf eine Riesenleinwand gedruckte Abbildung des künftigen Prospekts über der Westempore. Fa. Schuke begann im Frühjahr 2006 mit der Errichtung der größten Orgel Sachsen-Anhalts. Am 18. Mai 2008 konnte sie eingeweiht werden.

Das Instrument ist 14,75 m hoch, 10,75 m breit, 9,15 m tief, 37 Tonnen schwer und enthält 93 Register (92 echte Register und eine Transmission).[19] Die 6139 Pfeifen, von denen 5124 aus Metall und 1015 aus Holz gefertigt sind, lassen sich über vier Manuale und ein Pedal spielen. Die größte Pfeife ist die 10,37 m hohe Holzpfeife des "C" des Pricipal 32’, das "Fis" des gleichen Registers ist die größte Prospektpfeife. Die Orgel besteht aus fünf Werken: Hauptwerk, Positiv, Schwellwerk, Solo und Pedal. Die Traktur ist grundsätzlich mechanisch, enthält jedoch aufgrund der Größe der Orgel diverse Zusatzeinrichtungen (z. B. "Kowalshyn - Maschinen" sowie elektrische Zusatzladen für viel Wind benötigende Baßpfeifen und für einige Hochdruckregister) zur Erhaltung einer gewissen Leichtgängigkeit. Das Hauptinstrument des Doms verkörpert die Konzeption einer klassischen sinfonischen Orgel mit musikalischer Ausrichtung auf deutsche und französische Orgelmusik. Dieser Orgeltyp ist in der Lage, einen so langgestreckten, großen Raum, wie den Magdeburger Dom, klanglich zu beherrschen. Der bis c´´´´ reichende Manualumfang unterstreicht die Konzeption der Orgel auch als Konzertinstrument. Die Orgel enthält ein sich auf mitteldeutsche Orgelbautraditionen beziehendes Plenum, das in eine sinfonische Breite und Fülle übergeht und in allen Werken durch französische Klangfarben ergänzt wird. Die Orgel hat die folgende Disposition:[20]

I Hauptwerk C–c4
1. Prinzipal 16′
2. Bourdon 16′
3. Oktave 8′
4. Diapason 8′
5. Gedackt 8′
6. Doppelflöte 8′
7. Gambe 8′
8. Nassat 51/3
9. Oktave 4′
10. Hohlflöte 4′
11. Spitzflöte 4′
12. Tertia 31/5
13. Quinte 22/3
14. Oktave 2′
15. Cornet V
16. Mixtur major V
17. Mixtur minor IV
18. Trombone 16′
19. Trompette 8′
20. Clairon 4′
II Positiv C–c4 (schwellbar)
21. Salicional 16′
22. Quintatön 16′
23. Prinzipal 8′
24. Rohrflöte 8′
25. Cor de nuit 8′
26. Viola 8′
27. Fugara 8′
28. Vox coelestis 8′
29. Oktave 4′
30. Traversflöte 4′
31. Fugara 4′
32. Nassat 22/3
33. Oktave 2′
34. Piccolo 2′
35. Echocornett III
36. Harmonia aetheria III
37. Englisch Horn 16′
38. Chamade 8′
39. Trompete 8′
40. Klarinette 8′
41. Cromorne 8′
Tremulant
III Schwellwerk C–c4
42. Bordun 16′
43. Prinzipal 8′
44. Voce umana 8′
45. Flûte traversière 8′
46. Bordun 8′
47. Viola di Gamba 8′
48. Voix céleste 8′
49. Oktave 4′
50. Flûte octaviante 4′
51. Flöte 4′
52. Viola 4′
53. Nazard 22/3
54. Quarte de Nazard 2′
55. Tierce 13/5
56. Larigot 11/3
57. Septième 11/7
58. Progressio III–V
59. Bombarde 16′
60. Aeoline 16′
61. Trompette 8′
62. Hautbois 8′
63. Voix humaine 8′
64. Clairon 4′
Tremulant
IV Solo C–c4
65. Doppelprinzipal 8′
66. Flûte harmonique 8′
67. Seraphon 8′
68. Cornett VI
69. Tuba mirabilis 8'
70. Clarinette 8'
Pedal C–g1
71. Principal 32′ (C - F Holz)
72. Untersatz 32′
73. Oktave 16′
74. Violon 16′
75. Subbass 16′
76. Kontrabass 16′
77. Zartbass 16′ (Transmission aus Bordun 16` des Schwellwerks)
78. Quinte 102/3
79. Oktave 8′
80. Flöte 8′
81. Gedackt 8′
82. Cello 8′
83. Cello piano 8′
84. Terz 62/5
85. Nassat 51/3
86. Oktave 4′
87. Flöte 4′
88. Flöte 2′
89. Contrabombarde 32′
90. Bombarde 16′
91. Fagott 16′
92. Trompete 8′
93. Clairon 4′
  • Koppeln: IV/I; III/I; III/I sub; II/I; III/II; III/II sub; III/III super; I/P; II/P; III/P; IV/P.
  • Spielhilfen: Schwelltritte für Positiv und Schwellwerk; 10.000 Setzerkombinationen.

Remterorgel[Bearbeiten]

Am 8. Oktober 2011 wurde die Orgel für den neu gestalteten Remter des Doms geweiht. Das Instrument wurde von der Orgelbaufirma Glatter-Götz aus Owingen in Kooperation mit einer amerikanischen Orgelfirma gebaut und hat 22 Register, von denen zwei teilweise Transmissionen sind, auf zwei Manualen und Pedal. Die Finanzierung dieses Neubaus gelang durch eine Finanzspritze aus dem staatlichen „Konjunkturprogramm II“, und, ähnlich, wie bei der Hauptorgel, ebenfalls durch zahlreiche größere und kleinere Spenden. Die Nachteile des Aufstellungsortes der 2007 aus dem Remter entfernten Schuke-Orgel wurden durch eine Platzierung der Glatter-Götz-Orgel unter einem Bogen des Durchgangs vom Remter zur Seitenkapelle umgangen. Mit zwei Jalousien kann – mit Ausnahme der Pfeifen des Geigenprincipals 8’, die auf der Kapellenseite der Orgel im Prospekt stehen – der Schall des Hinterschwellwerks wahlweise in die Seitenkapelle, in den Remter oder in beide Räume gelenkt werden, so dass das Hinterschwellwerk bei entsprechender Jalousiestellung auch als Kapellenorgel fungiert. Wie auch beim Vorgängerinstrument sind die Spiel- und Registertrakturen mechanisch und stehen die Pfeifen auf Schleifladen.[21]

I Hauptwerk C–a3
1. Quintade 16′
2. Principal 8′
3. Rohrflöte 8′
4. Octave 4′
5. Nasat 22/3
6. Octave 2′
7. Mixtur III–IV
II Hinter-Schwellwerk C–a3
8. Geigenprincipal 8′
9. Gedeckt 8′
10. Fugara 4′
11. Spitzflöte 4′
12. Quinte 22/3
13. Octave 2′
14. Tertia 13/5
15. Quinte 11/3
16. Trompete 8′
Tremulant
Pedal C–f1
17. Subbass 16′
18. Octavbass 8′
19. Gedecktbass (aus Nr. 17) 8′
20. Posaune 16′
21. Trompete (aus Nr. 20) 8′
22. Cornett 4′

Kunst- und Kulturschätze[Bearbeiten]

Drei der fünf klugen Jungfrauen zeigen ihre Freude (Magdeburger Dom)
Drei der fünf törichten Jungfrauen zeigen ihren Kummer (Magdeburger Dom)

Obwohl der Dom mehrmals geplündert und fast zerstört wurde, birgt er viele Kunstschätze. Die folgende Liste ist nicht komplett, sondern zeigt eine Auswahl der wichtigsten Werke.

Die zehn Skulpturen der Klugen und törichten Jungfrauen der Paradiespforte von 1240/50 wurden später an das Gewände des Nordportales platziert. Es ist die erste monumentale Gestaltung dieses Themas, voll drastischer Direktheit im Vergleich zu den wesentlich verhalteneren Schilderungen des gleichen Themas in der Zeit davor, die wesentlich kleiner waren. Stilistisch gesehen stehen sie zwischen den Bamberger Fürstenfiguren und denen von Naumburg. Man nimmt an, dass der Bildhauer in der Bamberger Schule gearbeitet hat oder dort ausgebildet wurde. Die Figuren sind in der Tracht des 13. Jahrhunderts dargestellt.

  • In der Apsis befinden sich antike Säulen aus Porphyr, Marmor und Granit, die möglicherweise aus Ravenna stammen. Otto I. brachte die Säulen als Spolien aus Italien für den Bau des ersten Domes mit.
  • Der Überlieferung nach brachte Otto I. auch das Taufbecken mit, angeblich ursprünglich ein römischer Springbrunnen. Das Gestein ist Porfido rosso und soll aus Hurghada in Ägypten stammen. Es wäre demnach ein Dazit.
  • Das Grab des Kaisers Otto I. befindet sich im Chor. Bei einer Öffnung des Grabes 1844 fand man ein Skelett und Kleidung.
  • Die Skulpturen von St. Katharina und St. Moritz stammen von demselben Künstler und entstanden um 1250. Die Skulptur von St. Moritz ist die älteste bekannte europäische Darstellung eines Schwarzafrikaners.
  • Das Herrscherpaar aus dem 14. Jahrhundert in der um 1250 entstandenen Sechzehneckigen Kapelle stellt dem Volksglauben nach Otto I. und Editha dar.
  • Das Chorgestühl stammt von 1363. Die Schnitzereien zeigen Szenen aus dem Leben Jesu. Der unbekannte Meister schuf wahrscheinlich auch das Chorgestühl des Bremer Doms.
  • Im Magdeburger Dom finden sich zahlreiche historische Grabmonumente, Epitaphe und Grabplatten des 12. bis 14. Jahrhunderts, darunter die des Erzbischofs Friedrich von Wettin; an seinem Fußende die bekannte Figur des „Dornausziehers“, von J. W. Goethe als „barbarische Nachahmung“ der gleichnamigen Figur auf dem Kapitol in Rom identifiziert.
  • Das Magdeburger Ehrenmal stammt von Ernst Barlach aus dem Jahre 1929 und ist den Opfern des Ersten Weltkrieges gewidmet. Während der NS-Zeit wurde das Mal auch auf Drängen des damaligen Domgemeinderates vorübergehend entfernt und 1955 wieder im Dom aufgestellt.
  • Das Lebensbaumkruzifix stammt aus dem Jahr 1986 von Jürgen Weber. Jesus hängt an einem verdorrten Baum anstatt einem Kreuz. An den Stellen, wo sein Blut auf den Baum trifft, treibt der Baum wieder aus.

Fotos[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heiko Brandl, Christian Forster: Der Dom zu Magdeburg, Band 1: Architektur, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Verlag Schnell & Steiner Regensburg 2011, ISBN 978-3-7954-2462-6
  • Heiko Brandl, Christian Forster: Der Dom zu Magdeburg, Band 2: Ausstattung, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Verlag Schnell & Steiner Regensburg 2011, ISBN 978-3-7954-2462-6
  • Christian Forster, Birge Tetzner: Der Magdeburger Dom. Grablege Ottos des Großen, Kunst + Reise, Bad Homburg 2009, ISBN 978-3-940825-17-9
  • Marco Chiriaco: Der Dom zu Magdeburg – Die Baugeschichte der gotischen Kathedrale anhand des Bauwerks. München 2006, ISBN 978-3-638-67483-6
  • Birte Rogacki-Thiemann: Der Magdeburger Dom St. Mauritius et St. Katharina – Beiträge zu seiner Baugeschichte 1207 bis 1567. Petersberg 2007, ISBN 978-3-86568-263-5.
  • Giselher Quast, Reinhard Winkler und Hans-Jürgen Jerratsch: Der Dom zu Magdeburg, DKV-Kunstführer Nr. 415, 11. Auflage München/Berlin 2008, ISBN 978-3-422-02159-4. [auch in englischer Sprache erschienen]
  • Gisbert Porstmann: Das Chorgestühl des Magdeburger Domes. Ikonographie-Stilgeschichte-Deutung. Berlin 1997, ISBN 3-931836-13-4.
  • Hans Michael: Das Chorgestühl im Magdeburger Dom. Leben-Jesu-Tafeln und Misericordien um 1360 und 1844. Norderstedt 2002, ISBN 3-8311-3899-0.
  • Hans-Joachim Mrusek: Drei deutsche Dome: Quedlinburg, Magdeburg, Halberstadt (überarb. Auflage von 1963), München 1983, ISBN 3-7774-3510-4 - zeitgleich auch bei DDR-Verlag in Dresden neu aufgelegt[22]
  • Giselher Quast, Hans-Jürgen Jerratsch, Constantin Beyer: Der Dom zu Magdeburg, Großer DKV-Kunstführer, München/Berlin 2004, ISBN 978-3-422-06389-1.
  • Der Magdeburger Dom, Herausgegeben vom Förderverein Dom zu Magdeburg. Edition Akanthus, Spröda 2005, ISBN 3-00-015279-2.
  • Michael Sußmann: Der Dom zu Magdeburg, Kunstverlag Peda Gregor, 2002, ISBN 3-89643056-4.
  • Ernst Ullmann: Der Magdeburger Dom: ottonische Gründung und staufischer Neubau, Leipzig 1989.
  • Helga Wäß: Magdeburg – Dom. In: Helga Wäß: Form und Wahrnehmung mitteldeutscher Gedächtnisskulptur im 14. Jahrhundert. Ein Beitrag zu mittelalterlichen Grabmonumenten, Epitaphen und Kuriosa in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Nord-Hessen, Ost-Westfalen und Südniedersachsen (= Band 1), Katalog ausgewählter Objekte vom Hohen Mittelalter bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts (= Band 2), Bristol u.a. 2006, S. 369–381 / Kat.-Nrn. 522–538. ISBN 3-86504-159-0.
  • Aktion Neue Domorgeln Magdeburg e.V. Martin H. & Ulrike Groß: Orgeln im Magdeburger Dom Einst & Jetzt. 2008, ISBN 978-3-935971-44-7.
  •  Anja Elias: Die Wasserspeier am Dom zu Magdeburg - Katalogisierung und ikonographischer Deutungsversuch eines mittelalterlichen Architekturdetails. Manuela Kinzel Verlag, Göppingen 2009, ISBN 978-3-937367-36-1 (Alle 157 Wasserspeier sind vollständig dokumentiert).
  • Johann Friedrich Wilhelm Koch: Der Dom zu Magdeburg, 1815, Digitalisat

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Magdeburger Dom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. C. L. Brandt: Der Dom zu Magdeburg, Seite 9. Magdeburg 1863, abgefragt am 19. April 2011
  2. Nachricht auf Spiegel Online.
  3. a b Der Dom zu Magdeburg St. Mauritius und Katharinen: Baubeginn vor 800 Jahren bei kukma.net, abgerufen am 15. Juni 2010
  4. Maik Hattenhorst: Magdeburg 1933, Eine rote Stadt wird braun, Mitteldeutscher Verlag Halle (Saale) 2010, ISBN 978-3-89812-775-2, Seite 120 f.
  5. Orgeln der Vergangenheit, domorgel-magdeburg.de sowie Augenzeugenbericht im Bayerischen Rundfunk, Programm „Bayern 4 Klassik“, 2008
  6. Johannes Jänicke: Ich konnte dabei sein. Wichern-Verlag 1984.
  7. Karl Walter: Glockenkunde. Pustet, Regensburg u. a. 1913, S. 778.
  8. Aufnahme der Apostolica bei youtube.com (12:23 min)
  9. Constanze Treuber u. a.: Gegossene Vielfalt. Glocken in Sachsen-Anhalt. Hinstorff, Rostock 2007, S. 97–104.
  10. Rätsel gothische Orgel, magdeburgerdommusik.de
  11. domorgel-magdeburg.de: Compeniusorgel 1786
  12. Orgeln der Vergangenheit, domorgel-magdeburg.de
  13. Nähere Informationen zur Geschichte der Orgeln auf der Website der Dommusik sowie [1]
  14. orgelbau-welde.de: Werkverzeichnis
  15. Informationen zur Orgel
  16. Informationen zu den heutigen Orgeln auf der Website der Dommusik
  17. Informationen zur Querhausorgel
  18. Zur Disposition der Querhausorgel
  19. St. Mauritius und Katharina, schuke.de
  20. http://www.domorgel-magdeburg.de/html/new_organ.html
  21. Informationen zur Remter-Orgel
  22. Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

52.124711.6345Koordinaten: 52° 7′ 29″ N, 11° 38′ 4″ O