Magie im Alten Ägypten

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Magie in Hieroglyphen
V28 kA G1 A2

V28 kA G1 Z7 A2

Heka
ḥk3
Aktivierung des Ka
(Magie, Zauberei)[1]
G25 Aa1 G43 Z3

Achu
3ḫ.w
Macht (des Ach-Geistes), Zauberkraft
Griechisch μαγεία (Mageía)
Koptisch hike

Als Magie im Alten Ägypten (auch Zauberei im Alten Ägypten) werden Handlungen verstanden, die eine Gottheit oder die von ihr erwählte Person dazu bevollmächtigt, Schöpfungskräfte zu erlangen und anzuwenden. Magische Handlungen erstreckten sich im Alten Ägypten hauptsächlich auf die Bereiche Hilfeleistung, Beistand und Schutz im Jenseits.

Begrifflichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden Hauptbegriffe für Zauberhandlungen im Alten Ägypten waren Heka und Achu. Während 'Heka' vorwiegend für das Zaubern als Handlung stand, umfasste 'Achu' die Macht, die dahinter steht. Das Wort Heka bedeutet wörtlich „Aktivierung des Ka“, oder auch „Anrufung des Ka“ und entspricht dem koptischen Wort Hike und dem griechischen Magia. Das Wort Achu bedeutet „Macht“, aber auch „Zauber“.

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Magie wurde in der Altägyptischen Geschichte als sowohl schöpferische, als auch beschützende Kraft verstanden, die Göttern wie Menschen gleichsam innewohnte. Zusammen mit den Kräften „Wille“ (Sia) und „Ausspruch“ (Hu) bildete „Magie“ eine göttliche Dreiheit. Im Neuen Reich kamen noch die Elemente „Tun“ (Iri), „Hören“ (Sedjem) und „Bestimmung“ (Schai) hinzu. Das Anwenden von Magie erfolgte nach altägyptischem Glauben durch Anrufung des Ka, wodurch Schöpfungskräfte erweckt wurden, die der Anwender zu seinen Gunsten wirksam werden lassen konnte. Magiebezogene (jedoch rein rituell vollzogene) Handlungen wurden zu Kultzwecken von Priestern praktiziert, vornehmlich während einer Bestattung und/oder während eines Kultfestes zu Ehren eines Königs oder einer Gottheit in Gestalt von Gesängen, Litaneien und Gebeten.

Magie war, neben dem Begriff Maat („(Welt-)Ordnung, Harmonie“), eines der wichtigsten Elemente im ägyptischen Jenseits- und Totenglauben. Besonders die Reise des Sonnengottes Re durch die Duat während Nacht in seiner heiligen Barke beinhaltete die Feindabwehr durch Magie. Dabei wurde sämtlichen Begleitern des Re die Befähigung zur Zauberei zugesprochen. Auch dem verstorbenen Menschen wurde die Fähigkeit der Zauberei mitgegeben, durch diverse Sprüche und Gebete versuchte der Jenseitsreisende zu verhindern, dass ihm sein Heka entrissen wurde.

In späterer Zeit wurde Magie in Gestalt des Gottes Heka personifiziert.

Magie in ägyptischer Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das bekannteste altägyptische Literaturwerk, das Zauberei (aber auch Prophetie) zum Thema hat, ist der Papyrus Westcar, der aus dem späten Mittleren Reich oder der 13. Dynastie stammt und von Vorlesepriestern und Weisen berichtet, die mittels Magie Wachsfiguren zum Leben erwecken (vergl. Voodoo), Seen und Flüsse bewegen und Prophezeiungen geben. Der Gebrauch von Magie ist durch das Wort Heka belegt.[1][2][3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adolf Erman: Die Märchen des Papyrus Westcar I. Einleitung und Commentar. In: Mitteilungen aus den Orientalischen Sammlungen. Heft V, Staatliche Museen zu Berlin, Berlin 1890.
  • Peter Eschweiler: Bildzauber im Alten Ägypten: Die Verwendung von Bildern und Gegenständen in magischen Handlungen nach den Texten des Mittleren und Neuen Reiches. Universitäts-Verlag, Freiburg 1994, ISBN 3-525-53772-7.
  • Friedrich Graf: Der ägyptische Glaube, Band II: Die ägyptische Jenseitsvorstellung und Götter im alten Ägypten. BOD, Norderstedt 2011, ISBN 3-8423-8081-X, S. 203.
  • Christian Leitz: Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen: ḥ-ḫ (= Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen, Band 5). Peeters Publishers, Leuven 2002, ISBN 90-429-1150-6.
  • Verena M. Lepper: Untersuchungen zu pWestcar. Eine philologische und literaturwissenschaftliche (Neu-)Analyse. In: Ägyptologische Abhandlungen, Band 70. Harrassowitz, Wiesbaden 2008, ISBN 3-447-05651-7.
  • Miriam Lichtheim: Ancient Egyptian literature: a book of readings. The Old and Middle Kingdoms. Band 1. University of California Press, Berkeley CA 2000, ISBN 0-520-02899-6.
  • David Rankine: Heka: The Practices of Ancient Egyptian Ritual and Magic. Avalonia, 2006, ISBN 1-905297-07-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Verena M. Lepper: Untersuchungen zu pWestcar. Wiesbaden 2008, S. 41–47, 103, 308–310.
  2. Miriam Lichtheim: Ancient Egyptian literature. Berkeley 2000, S. 215 – 220.
  3. Adolf Erman: Die Märchen des Papyrus Westcar I. Berlin 1890, S. 10 – 12.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]