Mahan Air

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Mahan Air
هواپیمایی ماهان
Logo der Mahan Air
Boeing 747-300 der Mahan Air
IATA-Code: W5
ICAO-Code: IRM
Rufzeichen: MAHAN AIR
Gründung: 1991
Sitz: Teheran, IranIran Iran
Drehkreuz:
Heimatflughafen:

Teheran-Mehrabad

IATA-Prefixcode: 537
Leitung: Hamid Arabnejad
Mitarbeiterzahl: ca. 1.600
Vielfliegerprogramm: Mahan & Miles
Flottenstärke: 50
Ziele: national und international
Website: www.mahan.aero

Mahan Air (persisch هواپیمایی ماهان) ist die größte private iranische Fluggesellschaft mit Sitz in Teheran und Basis auf dem Flughafen Teheran-Mehrabad.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung und erste Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Tupolew Tu-154M der Mahan Air im Jahr 1999

Mahan Air wurde 1991 vom Sohn des damaligen iranischen Präsidenten Alī Akbar Hāschemī Rafsandschānī in Kerman – Hauptstadt der gleichnamigen, iranischen Provinz – gegründet. Der Hauptsitz des Unternehmens wurde später jedoch nach Teheran verlegt. Namenspatron ist die im Südosten des Landes gelegene Stadt Mahan in der Provinz Kerman.

1992 nahm Mahan Air den Flugbetrieb mit zwei Tupolew Tu-154M auf nationalen Routen auf. Schon bald darauf wurde mit Damaskus das erste Ziel im Ausland angesteuert. Ab 1994 bot Mahan Air zusätzlich Frachtflüge mit zwei Iljuschin Il-76TD an.

1997 geriet das Unternehmen, das in den wenigen Jahren ihres Bestehens zur zweitgrößten Fluggesellschaft hinter der staatlichen Iran Air herangewachsen war, in eine wirtschaftliche Schieflage, die jedoch durch umfassende Maßnahmen aus eigener Kraft korrigiert werden konnte. Mahan Air bietet heute 13 %[1] aller internationalen Verbindungen in den Iran an und hält einen Marktanteil von 8 %[2] im Inlandsgeschäft.

Ab 1999 wurde die Flotte um westliche Flugzeugmuster ergänzt. Aufgrund des Handelsembargos gegen den Iran konnten jedoch keine Flugzeuge direkt von Airbus bzw. Boeing erworben werden, sondern mussten auf dem Gebrauchtmarkt aus Ländern beschafft werden, die zu diesem Zeitpunkt das Handelsembargo nicht unterstützten. So wurden sukzessive gebrauchte Airbus A300 und A310 beschafft.

Entwicklung seit 2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2001 ist Mahan Air Mitglied der International Air Transport Association (IATA).

Ab 2002 sollten sechs Airbus A310-300 von Turkish Airlines übernommen werden. Es wurden jedoch nur zwei Flugzeuge an Mahan Air übereignet. Mit diesen Flugzeugen war es Mahan Air möglich, internationale Verbindungen zu weiter entfernten Zielen aufzunehmen. So wurden neben Bangkok, Delhi und Dschidda ab dem Frühjahr 2002 auch Düsseldorf und später Birmingham und Manchester in den Flugplan aufgenommen. Weitere nationale und internationale Ziele folgten. Bereits 2003 ging Mahan Air mit der Düsseldorfer LTU eine Kooperation ein und bot ihren Passagieren ab Düsseldorf Anschlussflüge zu ausgewählten nordamerikanischen Zielen im Streckennetz der LTU an. Diese Kooperation ist inzwischen beendet, da LTU nach der Übernahme durch Air Berlin als eigenständiges Unternehmen nicht mehr existiert.

Nach Eröffnung des neu errichteten Flughafen Teheran-Imam Chomeini im Mai 2004 verlagerte Mahan Air den Großteil des Flugbetriebes an den circa 30 Kilometer südwestlich Teherans gelegenen Flughafen und versuchte durch ein ansprechendes Preis-Leistungs-Verhältnis, diesen als Drehkreuz zwischen ihren europäischen und asiatischen Flugzielen zu etablieren. Der nach internationalen Standards lizenzierte Wartungsstützpunkt, der u. a. von der staatlichen Iran Air und Sogerma unterhalten wird, bleibt vorerst am alten Flughafen Teheran-Mehrabad bis zu dessen Schließung.

Im selben Jahr wurden im Wetlease zunächst je ein Airbus A320-200 bzw. A321-200 der Düsseldorfer Blue Wings unter Vertrag genommen, die die russischen Tupolews ersetzen sollten. Bis zu acht Exemplare der A320-Familie sollten beschafft werden, jedoch konnten bis 2007 nur zwei A320-200 der Blue Wings eingeflottet werden – ein weiteres Exemplar wird im Leasing von der armenischen Blue Sky betrieben, die auch weitere Flugzeuge anderer Muster für Mahan Air betreibt.

Im Juli 2007 belegten die britischen Luftfahrtbehörden Mahan Air mit einem Landeverbot für sämtliche Flugplätze in Großbritannien. Es wurde u. a. das Fehlen des gesetzlich vorgeschriebenen TCAS und des EGPWS bemängelt. Im September desselben Jahres folgte die Europäische Kommission der Argumentation der britischen Behörden und nahm Mahan Air schließlich in die Liste der Betriebsuntersagungen für den Luftraum der Europäischen Union auf.[3] Bei der routinemäßigen, halbjährlichen Überprüfung dieser Liste, stellte die Europäische Kommission Mahan Air eine Aufhebung des Einflugverbotes in Aussicht, da man auf dem besten Weg sei, die beanstandeten Mängel vollständig zu beseitigen.[4] Dies erfolgte am 24. Juli 2008.[5]

Im Jahr 2011 haben die USA Mahan Air auf eine “Schwarze Liste” gesetzt. Damit würden alle Vermögenswerte der Gesellschaft in den Vereinigten Staaten eingefroren, US-Bürgern seien Geschäftsbeziehungen mit dem Unternehmen untersagt. Hintergrund soll der angeblich vom Iran geplante Anschlag auf den saudi-arabischen Botschafter in den USA sein. Laut Angaben des US-Finanzministeriums unterstützte Mahan Air jene Einheiten der iranischen Revolutionsgarden, die hinter den mutmaßlichen Attentatsplänen stecken sollen.[6]

Wegen der Handelssanktionen gegen den Iran war es Mahan Air nicht möglich, Flugzeuge westlicher Produktion direkt vom Hersteller zu beziehen. Daher bezog sie ihre Flugzeuge auf dem Gebraucht- und Leasingmarkt. Zuletzt erwarb Mahan Air über einen Zwischenhändler die ehemalige Regierungsmaschine der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung von Typ Airbus A310-300 mit dem Namen „Theodor Heuss“, welche im Juni 2010 das letzte Mal für die deutsche Bundesregierung geflogen war.[7]

Im Februar 2015 musterte Mahan Air als letzte Fluggesellschaft weltweit die Airbus A300 Version B2 aus.[8][9]

Im Mai 2015 nahm Mahan Air mit sieben Exemplaren des Airbus A340-600 einen neuen Flugzeugtyp in ihre Flotte auf. Die Maschinen waren zuvor bei Virgin Atlantic und Hi Fly in Betrieb gewesen.[10]

Im April 2016 sperrte Saudi-Arabien seinen Luftraum für die Gesellschaft, als Grund wurden Sicherheitsbedenken angegeben. Zuvor war es zu politischen Spannungen zwischen Iran und Saudi-Arabien gekommen.[11]

Flugziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mahan Air bedient zahlreiche Ziele innerhalb des Iran und Metropolen im Nahen Osten. Im deutschsprachigen Raum werden Düsseldorf und München angeflogen.[12]

Flotte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Airbus A300-600 der Mahan Air
Airbus A310-300 der Mahan Air
BAe 146-300 der Mahan Air

Mit Stand Juni 2016 besteht die Flotte der Mahan Air aus 50 Flugzeugen[13] mit einem Durchschnittsalter von 22,8 Jahren:[14]

Flugzeugtyp Anzahl bestellt Anmerkungen Sitzplätze[15]
(First/Business/Eco)
Airbus A300-600R 13 247 (-/16/231)
Airbus A310-300 08 180 (-/23/157)
01 ehemaliges Regierungsflugzeug der deutschen Bundesregierung[7] VIP
Airbus A340-300 04 215 (7/48/160)
Airbus A340-600 07 249 (-/21/228)
Avro RJ85 03
Avro RJ100 04 90 (-/-/90)
BAe 146-200 01
BAe 146-300 07 90 (-/-/90)
Boeing 747-300 02 456 (-/24/432)
Gesamt 50

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mahan Air verzeichnet in ihrer Geschichte bisher keine Unfälle mit Todesopfern. Aufgrund von (zwischenzeitlich behobenen) Sicherheitsmängeln[16][17] stand sie jedoch von September 2007 bis Juli 2008 auf der Liste der Betriebsuntersagungen für den Luftraum der Europäischen Union.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mahan Air – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. arabianbusiness.com – Mahan Air makes waves (englisch), abgerufen am 1. Februar 2007
  2. arabianbusiness.com – Making waves (englisch) abgerufen am 1. März 2007
  3. Europäische KommissionListe der Luftfahrtunternehmen, denen der Betrieb in der EU untersagt ist abgerufen am 11. September 2007
  4. airliners.de – EU hebt Landeverbot für Pakistan International Airlines auf abgerufen am 28. November 2007
  5. a b aero.de – EU aktualisiert "Schwarze Liste", 24. Juli 2008 abgerufen am 20. Juli 2015
  6. Mahan Air in den USA auf „Schwarzer Liste”. In: Austrian Wings. 13. Oktober 2011, abgerufen am 22. Dezember 2014.
  7. a b Björn Hengst, Matthias Gebauer und Gerald Traufetter: "Theodor Heuss": Iranische Airline kauft ausgemusterten Kanzler-Jet. In: Spiegel Online. 20. November 2011, abgerufen am 22. Dezember 2014.
  8. ch-aviationIran's Mahan Air world's last A300 Classic operator (englisch) abgerufen am 26. Januar 2015
  9. Letzte A300B2 stellt Passagierbetrieb ein. In: aero.de. 17. Februar 2015, abgerufen am 17. Februar 2015.
  10. ch-aviationMahan Air takes delivery of total of seven A340-600s (englisch), abgerufen am 9. Mai 2015
  11. aerotelegraph.com – Saudi-Arabien schließt Mahan Air aus, 14. April 2016
  12. mahan.aero – International Route Network (englisch), abgerufen am 14. Juni 2016
  13. airfleets.net – Mahan Air (englisch), abgerufen am 14. Juni 2016
  14. airfleets.net – Fleet age Mahan Air (englisch), abgerufen am 14. Juni 2016
  15. mahan.aero - Seat Map (englisch), abgerufen am 20. Juli 2015
  16. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network
  17. Incident: Mahan A306 near Istanbul on Aug 26th 2010, engine shut down in flight. In: The Aviation Herald. 26. August 2010, abgerufen am 22. Dezember 2014.