Mahnmal für die Opfer der Zwangssterilisation im Nationalsozialismus

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Das Mahnmal am Standort Fachbereich Gesundheit bzw. Jugendamt

Das Mahnmal für die Opfer der Zwangssterilisation im Nationalsozialismus ist ein von dem Bildhauer Michael Volkmer geschaffenes Mahnmal, das keinen festen Standort besitzt und seit 2013 im jährlichen Wechsel bei den Institutionen in Mannheim aufgestellt wird, die aktiv an der Durchführung des Zwangssterilisationsprogrammes der Nationalsozialisten mitgewirkt haben.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Mahnmal ähnelt einem riesigen Stolperstein.[1] An der Front des Mahnmals ist als Inschrift die Aussage eines Opfers zu finden („Weil sie meinen ich bin weniger wert wie andere“) und der Verweis „Zwangssterilisierung ist ein Verbrechen“. Die Skulptur fordert an Institutionen und Orten, an denen in den Zeiten des Nationalsozialismus das Thema Zwangssterilisation präsent war und aktiv unterstützt worden ist, zum Nachdenken und Erinnern auf. [2]

Der Künstler Michael Volkmer beschreibt seine künstlerische Idee folgendermaßen:

Inschrift des Mahnmals

„Das Mahnmal mutet an wie ein großer Stapel aus 1000 zu einer homogenen und anonymen Masse verschmolzenen Würfeln. Jeder Würfel kann symbolisch für ein Einzelschicksal stehen bei dem alle Ecken und Kanten abgeschliffen sind; jedes ‚Anderssein‘ wurde so nivelliert. Die Farbe erinnert an Krankenhäuser und Amtsstuben; die glänzende Oberfläche wirkt kalt und zurückweisend. Der Betrachter spiegelt sich schemenhaft darin und wird somit selbst Teil des Mahnmals - vielleicht wäre auch er damals involviert gewesen. Sei es als Opfer oder als Täter.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden in Mannheim aufgrund des am 14. Juli 1933 verabschiedeten „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ über 1000 Menschen wegen angeblich erblich bedingten Schwachsinn, seelischer Krankheiten und körperlicher Gebrechen gegen ihren Willen zwangssterilisiert. Die Opfer wurden sozial ausgrenzt und seelisch sowie körperlich verstümmelt. An der Durchführung der Zwangssterilisation waren Ärzte, Richter, Lehrer, Fürsorger und viele Denunzianten beteiligt, die jedoch nicht zur Verantwortung gezogen wurden. Das Mahnmal entstand auf Initiative des „Arbeitskreises Justiz und Geschichte des Nationalsozialismus in Mannheim“. 2012 schrieb die Stadt Mannheim einen Wettbewerb für die Erstellung eines transportablen Mahnmals aus, den Michael Volkmer gewann. Seit 2013 wird das Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer an den Orten des Verbrechens aufgestellt.[4]

Jeder einzelne Würfel unterscheidet sich in seiner Größe

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Standort des mobilen Mahnmals war das Amtsgericht Mannheim in der Bismarckstraße, das in der Zeit des Nationalsozialismus auch als „Erbgesundheitsgericht“ diente. Es folgten Standorte an der Universitätsmedizin Mannheim, am Diakonissenkrankenhaus und dem Fachbereich Gesundheit bzw. Jugendamt, an dem es sich von 2017 bis 2019 befindet.

Je Standort übernehmen nach Möglichkeit verschiedene Schulen eine Patenschaft und geben diese nach einem Jahr wieder an andere Schulen weiter. Sinn dieser Patenschaft ist eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema Zwangssterilisation.

Folgende Schulen übernahmen bereits eine Patenschaft:

Im Jahr 2018 wurde auf Initiative der Max-Hachenburg-Schule zusätzlich zum physischen Mahnmal eine Online-Präsenz geschaffen. Ziel dieser Webseite ist es zum einen, Schülerinnen und Schülern einen Raum für Beiträge zu bieten, die sich mit den thematischen Aspekten der Zwangssterilisation und dem Mahnmal auseinandersetzen. Zum anderen sollen somit dem Betrachter des Mahnmals weitere Hintergrundinformationen zugänglich gemacht werden.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mobiler Stolperstein wandert weiter. Mannheimer Morgen, abgerufen am 5. Februar 2018.
  2. Mahnmal für die Opfer von Zwangssterilisation erinnert am Gesundheitsamt. Stadt Mannheim, abgerufen am 5. Februar 2018.
  3. Mahnmal für die Opfer der Zwangssterilisierungen. Stadt Mannheim, abgerufen am 5. Februar 2018.
  4. Ausschreibung für das Mahnmal zum Gedenken an die Opfer der Zwangssterilisation. Stadtgalerie Mannheim, abgerufen am 5. Februar 2018.
  5. Enthüllung des Mahnmals für die Opfer der Zwangssterilisierungen in Mannheim. AK Justiz und Stadt Mannheim, abgerufen am 5. Februar 2018.
  6. Neuntklässlerübernehmen Patenschaft. Mannheimer Morgen, abgerufen am 5. Februar 2018.
  7. Gegen das Vergessen: Mahnmal für die Opfer der Zwangssterilisierungen in Mannheim hat neuen Standort. Stadt Mannheim, abgerufen am 5. Februar 2018.
  8. Mahnmal für die Opfer von Zwangssterilisation. Ludwig-Frank-Gymnasium, abgerufen am 5. Februar 2018.
  9. Mahnmal für die Opfer von Zwangssterilisation erinnert am Gesundheitsamt. Stadt Mannheim, abgerufen am 5. Februar 2018.
  10. Wanderung des Mahnmals für die Opfer der NS-Zwangssterilisation zum Gesundheitsamt nach R1. AK Justiz, abgerufen am 5. Februar 2018.
  11. Veranstaltungshinweis. AK Justiz, abgerufen am 5. Februar 2018.
  12. Homepage zum Mahnmal. Max-Hachenburg-Schule und AK Justiz, abgerufen am 14. März 2018.