Maikäfer

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Dieser Artikel behandelt die Insektengattung. Für die Maikäfer genannten Automobile siehe Josef Ganz und VW Käfer#Maikäfer (1972).
Maikäfer
Feldmaikäfer (Melolontha melolontha), ♂ beim Abflug

Feldmaikäfer (Melolontha melolontha), ♂ beim Abflug

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Käfer (Coleoptera)
Unterordnung: Polyphaga
Familie: Blatthornkäfer (Scarabaeidae)
Unterfamilie: Melolonthinae
Gattung: Maikäfer
Wissenschaftlicher Name
Melolontha
Fabricius, 1775
Weibchen des Feldmaikäfers (Melolontha melolontha)
Männchen des Feldmaikäfers (Melolontha melolontha)
Larve (Engerling) des Maikäfers

Die Maikäfer (Melolontha) sind eine Gattung von Käfern in der Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae). Der am weitesten verbreitete Maikäfer Mitteleuropas ist der Feldmaikäfer (Melolontha melolontha). Im nördlichen und östlichen Europa sowie in einigen Regionen Deutschlands kommt der Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani) auf sandigen Böden vor. Eine dritte, dem Feldmaikäfer sehr ähnliche Art, ist Melolontha pectoralis. Sie ist sehr selten geworden und nur noch vereinzelt in Mitteleuropa anzutreffen. Es gibt nur noch hin und wieder Meldungen aus Südwestdeutschland.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Maikäfer gehören zur Familie der Blatthornkäfer, deren Name sich von den typischen fächerartigen Fühlern ableitet. Die Fühler sind bei den Weibchen viel schwächer ausgeprägt als bei den männlichen Tieren. So finden sich bei den Männchen sieben Fühlerplättchen, die etwa 50.000 Geruchsnerven haben, bei den Weibchen hingegen weist der sechslappige Fühlerfächer ungefähr 9000 dieser Nerven auf. Imagines des Feldmaikäfers erreichen je nach Ernährungsbedingungen eine Körperlänge von 25 bis 30 mm, der Waldmaikäfer ist etwas kleiner (20–25 mm).

Die drei in Mitteleuropa vorkommenden Arten lassen sich am besten an ihrer Hinterleibsspitze (Pygidium) unterscheiden: Diese ist bei Melolontha hippocastani in beiden Geschlechtern schmal und in einen knotigen Fortsatz endend, der beim Weibchen manchmal fehlt. Bei Melolontha melolontha ist die Hinterleibsspitze in beiden Geschlechtern in einen lanzettartigen Fortsatz ohne Knoten verlängert und nur fein behaart, während sie bei Melolontha pectoralis in beiden Geschlechtern doppelt behaart ist und beim Männchen wenig und schmal verlängert, beim Weibchen dagegen abgestutzt bleibt.

Merkmale zur Unterscheidung mitteleuropäischer Maikäfer

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Beendigung der Metamorphose gräbt sich der Maikäfer, seinem Namen entsprechend, in den Monaten April und Mai aus dem Erdboden, fliegt hauptsächlich im Mai und Juni und ernährt sich überwiegend von den Blättern von Laubbäumen. Bei der Eiablage werden 10 bis 100 Eier in eher feuchte Humusböden eingebracht. Die Käfer leben als Imago noch etwa 4 bis 7 Wochen. Das Männchen stirbt nach der Begattung, das Weibchen nach der Eiablage. Nach vier bis sechs Wochen schlüpfen die Engerlinge.

Maikäfer haben eine Zykluszeit von drei bis fünf, meist vier Jahren. Das heißt, die frischgeschlüpften Engerlinge benötigen vier Jahre, bis sie eine vollständige Metamorphose zum geschlechtsreifen Tier durchgemacht haben. Diese Zyklen sind regional synchronisiert. Bei einem vierjährlichen Zyklus etwa folgt auf drei Jahre mit niedrigem Aufkommen ein Jahr mit deutlich mehr Käfern (Maikäferjahr). Diesem Zyklus ist ein über 30- bis 45-jähriger Rhythmus überlagert. Die Gründe hierfür sind nicht im Detail bekannt. Es wird jedoch vermutet, dass sich Krankheiten und Parasiten, die speziell Maikäfer befallen, in zusammenhängenden Beständen ungehindert epidemisch ausbreiten können. Erst wenn der Befall die Käfer stark dezimiert hat, haben die verbleibenden Käfer eine höhere Chance, gesund zu bleiben. Auf diese Weise entstehen die längeren Zyklen, an deren Ende eine der berüchtigten Maikäferplagen steht. Bei einer Maikäferplage im Jahr 1911 wurden auf einer Fläche von etwa 1800 Hektar rund 22 Millionen Käfer gesammelt.

Maikäfer und Mensch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

5. Streich: Maikäfer bei Onkel Fritz
Maikäferweibchen auf Sommerhut

Gerdt von Bassewitz’ Märchen Peterchens Mondfahrt erzählt von einem Maikäfer, der mit zwei Menschenkindern eine abenteuerliche Reise besteht.

In Wilhelm Buschs Geschichte von Max und Moritz spielen die Maikäfer im 5. Kapitel eine wesentliche Rolle. Bis in die 1960er Jahre wurden diese Käfer (nach Schornsteinfeger oder Bäcker) von Kindern gesammelt. Wegen ihrer Erscheinung und der Fluggeräusche ist eine Begegnung mit einem Maikäfer, besonders für Kinder, ein beeindruckendes Erlebnis. Maikäfer flieg ist ein bekanntes deutschsprachiges Volks- und Kinderlied.

Besonders ihre Larven (Engerlinge) gelten jedoch als Schädling. Während die Käfer bei Massenaufkommen ganze Laubwälder kahlfressen, wovon sich die Bäume jedoch erholen, fressen die Larven die Wurzeln ab, wodurch nachwachsende Laubbäume u. U. flächendeckend absterben. Ob man die Maikäfer bekämpfen muss, wird daher immer wieder kontrovers diskutiert.[1][2]

Reinhard Mey beschreibt in dem bekannten Lied Es gibt keine Maikäfer mehr (Album: Wie vor Jahr und Tag, 1974) die Folgen der massiven Bekämpfung der Maikäfer mit dem inzwischen verbotenen Insektizid DDT zwischen Anfang der 1950er Jahre und etwa 1972. Allerdings ist auch in Gebieten, in denen der Maikäfer nicht aktiv bekämpft wurde, seine Population stark zurückgegangen. In den letzten Jahren werden wieder aus Teilen Mitteleuropas größere Bestände gemeldet. Zur Bekämpfung von Maikäfern wurden im Mai 2010 in der südhessischen Kommune Pfungstadt erstmals seit 55 Jahren in Hessen wieder mehrere Hundert Hektar Wald mit einem Insektizid gegen Maikäfer behandelt[3], was zu massiven Protesten seitens der Naturschutzverbände führte.[4]

Der Maikäferbund war ein literarischer Zirkel der Vor-1848er Jahre. Die Vereinszeitschrift Der Maikäfer: eine Zeitschrift für Nicht-Philister bot den Mitgliedern ein Forum für eigenen Veröffentlichungen. Am Feiertag Peter und Paul wurde jährlich mit einem Treffen aller Mitglieder ein Stiftungsfest gefeiert. Im Vorfeld der Revolution 1848 wurde der Maikäferbund verboten.

Noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Maikäfer nicht nur als Hühnerfutter genutzt, sondern fanden auch in der Küche Verwendung. In Frankreich und Teilen Deutschlands wurden sie geröstet und zu Maikäfersuppe verarbeitet. In Konditoreien waren sie verzuckert oder kandiert als Nachtisch zu haben.[5][6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Maikäfer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Maikäfer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Maikäfer – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helga Keßler: Maikäfer stirb! In Zeit Online am 6. Mai 1994 [1]
  2. Werner Breunig: Vielbesungener Schädling; 9. Mai 2006; Frankfurter Allgemeine Zeitung [2]
  3. Frankfurter Rundschau vom 3. Mai 2010: Maikäfer stirb. online, abgerufen am 25. August 2010
  4. Johannes Litschel: Ein Problem – viele Ursachen – eine Lösung? Konfliktanalytische Betrachtungen der Maikäferproblematik im Hessischen Ried. Masterarbeit, Freiburg, Deutschland 2012.
  5. Artikel Maikäfersuppen, ein vortreffliches und kräftiges Nahrungsmittel aus dem Jahr 1844 in einer medizinischen Fachzeitschrift, Nachdruck in: Thomas Hauer (Hg.): Das Geheimnis des Geschmacks. Aspekte der Ess- und Lebenskunst. 2005, S. 122 f.
  6. Siehe auch: J. A. Massard: Maikäfer in Luxemburg: Historisches und Kurioses. (PDF; 491 kB) Lëtzebuerger Journal 2007, Nr. 88 (8. Mai), S. 26–27 (Maikäfersuppe).