Mailand–Sanremo 2015

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Mailand–Sanremo 2015
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Rennserie UCI WorldTour – Kategorie 1.UWT
Austragungsland ItalienItalien Italien
Austragungszeitraum 22. März 2015
Gesamtlänge 293 km
Starterfeld 200 aus 33 Nationen in 25 Teams
(davon 160 im Ziel angekommen)
Sieger
Einzelwertung 1. DeutschlandDeutschland John Degenkolb (TGA) 6:46:16 h
2. NorwegenNorwegen Alexander Kristoff (KAT) gleiche Zeit
3. AustralienAustralien Michael Matthews (OGE) gleiche Zeit
2014 2016

Das Straßenradrennen Mailand–Sanremo 2015 war die 106. Austragung dieses Klassikers und fand am 22. März 2015 statt. Wie schon im Vorjahr wurde das Rennen an einem Sonntag ausgetragen. Das Eintagesrennen war Teil der UCI WorldTour 2015 und innerhalb dieser das vierte von 28 Rennen. Außerdem war es das erste von fünf „Monumenten des Radsports“ der Saison 2015. Die Gesamtdistanz des Rennens betrug 293 Kilometer. Es siegte der Deutsche John Degenkolb aus der deutschen Mannschaft Giant-Alpecin vor dem Norweger Alexander Kristoff aus der russischen Mannschaft Katusha und dem Australier Michael Matthews aus der australischen Mannschaft Orica GreenEdge.

Für John Degenkolb war es der erste Sieg bei Mailand–Sanremo und auch der erste Sieg für ihn bei einem der Monumente des Radsports überhaupt. Er war der vierte deutsche Profi, nach Rudi Altig (1968), Erik Zabel (1997, 1998, 2000, 2001) und Gerald Ciolek (2013), der das Rennen Mailand–Sanremo für sich entschied. Somit war es der siebte deutsche Sieg bei diesem Rennen.[1]

Teilnehmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersicht über die angetretenen Mannschaften
17 UCI WorldTeams
FrankreichFrankreich Ag2r La Mondiale (ALM)
KasachstanKasachstan Astana Pro Team (AST)
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten BMC Racing Team (BMC)
BelgienBelgien Etixx-Quick Step (EQS)
FrankreichFrankreich FDJ (FDJ)
SchweizSchweiz IAM Cycling (IAM)
 
RusslandRussland Team Katusha (KAT)
ItalienItalien Lampre-Merida (LAM)
BelgienBelgien Lotto Soudal (LTS)
SpanienSpanien Movistar Team (MOV)
AustralienAustralien Orica GreenEdge (OGE)
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Team Sky (SKY)
 
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Team Cannondale-Garmin (TCG)
RusslandRussland Tinkoff-Saxo (TCS)
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Trek Factory Racing (TFR)
DeutschlandDeutschland Team Giant-Alpecin (TGA)
NiederlandeNiederlande Team Lotto NL-Jumbo (TLJ)
 
8 UCI Professional Continental Teams
ItalienItalien Androni Giocattoli (AND)
ItalienItalien Bardiani CSF (BAR)
DeutschlandDeutschland Bora-Argon 18 (BOA)
 
PolenPolen CCC Sprandi Polkowice (CCC)
FrankreichFrankreich Cofidis, Solutions Crédits (COF)
KolumbienKolumbien Colombia (COL)
 
SudafrikaSüdafrika MTN-Qhubeka (MTN)
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Team Novo Nordisk (TNN)
 

Startberechtigt waren die 17 UCI WorldTeams der Saison 2015. Zusätzlich vergab der Veranstalter Wildcards an acht UCI Professional Continental Teams. Die 25 teilnehmenden Mannschaften traten mit jeweils acht Fahrern an. Dadurch ergab sich ein Starterfeld von insgesamt 200 Fahrern aus 33 Nationen. Unter den Fahrern befanden sich elf Deutsche, zwei Österreicher und fünf Schweizer.

Favoriten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Favoriten auf den Sieg des Rennens waren unter anderem der Titelverteidiger Alexander Kristoff (KAT), der Sieger des Jahres 2009, Mark Cavendish (EQS) und der Sieger von 2008, Fabian Cancellara (TFR), der zuletzt viermal in Folge (2011–2014) auf dem Podium war. Weitere Fahrer mit guten Chancen auf einen Sieg waren John Degenkolb (TGA), Peter Sagan (TCS), Philippe Gilbert, Greg Van Avermaet (beide BMC) sowie Michael Matthews (OGE). Zum erweiterten Favoritenkreis zählten ebenfalls Nacer Bouhanni (COF), André Greipel (LTS), Ben Swift (SKY) und Vincenzo Nibali (AST).[2][3][4]

Mit Filippo Pozzato (LAM) (2006), Fabian Cancellara (2008), Mark Cavendish (2009), Matthew Goss (2011), Gerald Ciolek (beide MTN) (2013) und Alexander Kristoff (2014) waren insgesamt sechs ehemalige Gewinner von Mailand–Sanremo am Start.

Strecke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Streckenführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vergleich zur Strecke des Vorjahres gab es nur eine Veränderung. Das Ziel lag nicht mehr auf der Lungomare Italo Calvino in Sanremo, wie es in den letzten Jahren der Fall war. Es wurde auf die Via Roma in Sanremo verlegt. Dort endete das Rennen bereits von 1949 bis 1985 und von 1994 bis 2007. Dadurch verringerte sich die Renndistanz um einen Kilometer von 294 Kilometer auf 293 Kilometer.

Darüber hinaus war eine weitere Streckenänderung geplant. Es sollte – wie schon 2014 – ein weiterer Anstieg, der Pompeiana-Anstieg, ins Programm aufgenommen werden. Aufgrund von Erdrutschen in dieser Gegend und Kritik von Fahrern und Fans wurde diese Änderung allerdings nicht umgesetzt.[5][6]

Der Start des Rennens erfolgte auf der Via della Chiesa Rossa im Südwesten der Stadt Mailand. Die Strecke führte von dort aus in Richtung Süden. Die erste Hälfte des Kurses war relativ flach. Bei Kilometer 134,7 war die erste Verpflegungszone in Campo Ligure. Kurz darauf folgte der erste von sechs Anstiegen bei Kilometer 143,0 mit dem Passo del Turchino. Dies war der längste Berg des Tages mit einer Länge von 8,2 Kilometern. Auf dessen Gipfel befanden sich die Fahrer mit einer Höhe von 532 Metern auf dem höchsten Punkt des Tages. Wenige Kilometer später erreichten die Fahrer den Ort Voltri und somit die ligurische Küste. Von dort aus ging es die Küste entlang in Richtung Südwesten bzw. Sanremo weiter. Nach einem flachen Streckenabschnitt war bei Kilometer 223,2 die zweite Verpflegungszone in Ceriale. Danach waren drei kleinere Anstiege, der Capo Mele (bei Kilometer 241,3), der Capo Cervo (bei Kilometer 246,4) und der Capo Berta (bei Kilometer 254,3) zu bewältigen. Darauf folgte bei Kilometer 271,5 in Cipressa ein 5,6 Kilometer langer Berg. Der letzte Anstieg des Tages war der Poggio di Sanremo bei Kilometer 287,5 mit einer Länge von 3,7 Kilometern. Dieser Gipfel lag 5,5 Kilometer vor dem Ziel. Es folgte eine 3,2 Kilometer lange Abfahrt. Die letzten 2,3 Kilometer bis zum Ziel waren dann wieder flach. Das Rennen endete nach 293,0 Kilometern auf der Via Roma in der Stadt Sanremo.[7]

Während des Rennens wurden in chronologischer Reihenfolge die Provinzen Mailand und Pavia in der Region Lombardei, Alessandria in der Region Piemont sowie Genua, Savona und Imperia in der Region Ligurien durchquert.

Ereignisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Rennens wurden sechs Anstiege befahren sowie zwei Verpflegungszonen passiert.

Ereignis Ort Kilometer
vom Start
Kilometer
zum Ziel
Höhe
Start Mailand (Via della Chiesa Rossa) 000,0 293,0 110 m
Verpflegungszone Campo Ligure 134,7 158,3 342 m
Anstieg Passo del Turchino 143,0 150,0 532 m
Verpflegungszone Ceriale 223,2 069,8 008 m
Anstieg Capo Mele 241,3 051,7 067 m
Anstieg Capo Cervo 246,4 046,4 061 m
Anstieg Capo Berta 254,3 038,7 130 m
Anstieg Cipressa 271,5 021,5 239 m
Anstieg Poggio di Sanremo 287,5 005,5 160 m
Ziel Sanremo (Via Roma) 293,0 000,0 005 m

Rennverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peloton in Savona

Das Rennen startete um 10:10 Uhr in Mailand. Zu Beginn des Rennens herrschten Temperaturen von unter zehn Grad Celsius bei Dauerregen. Das Wetter besserte sich, als die Fahrer die ligurische Küste erreichten. Bis zum Ende des Rennens trockneten die Straße dann ab.

Die Fluchtgruppe des Tages bestand aus elf Fahrern und hatte einen maximalen Vorsprung von zehn Minuten. Sie bestand aus Julien Bérard (ALM), Tiziano Dall’Antonia, Marco Frapporti (beide AND), Stefano Pirazzi (BAR), Jan Bárta (BOA), Adrian Kurek (CCC), Sebastián Molano (COL), Matteo Bono (LAM), Serge Pauwels (MTN), Maarten Tjallingii (TLJ) und Andrea Peron (TNN). Drei dieser Ausreißer waren bereits im Vorjahr Teil der Fluchtgruppe, dies waren Barta, Bono und Tjallingii. Am Passo del Turchino betrug der Vorsprung vor dem Peloton fünf Minuten, am Capo Mele, dem zweiten Anstieg, waren es nur noch zweieinhalb Minuten. Die Nachführarbeit im Hauptfeld wurde vor allem von den Mannschaften Trek, Katusha, Tinkoff-Saxo, Lampre und Etixx-Quick Step gemacht. Der erste Fahrer, der aus der Spitzengruppe zurückfiel, war Sebastián Molano. Am Capo Berta bestand sie nur noch aus Bérard, Pirazzi, Bono und Pauwels. In der Abfahrt dieses Berges führten nun auch die Mannschaften Lotto Soudal, Codifis und Sky. Als Sky führte, stürzte Ian Stannard (SKY), der sich an vierter Position des Hauptfeldes befand. Seine drei Teamkollegen, Luke Rowe, Geraint Thomas und Ben Swift, die vor ihm fuhren, konnten sich dadurch vom Feld absetzen. Die drei Sky-Fahrer holten alle Ausreißer bis auf Matteo Bono ein.

Am Anstieg der Cipressa gab es mehrere Angriffe aus dem Peloton heraus. So versuchten unter anderem Silvan Dillier, Greg Van Avermaet (beide BMC) und Zdeněk Štybar (EQS), zu entkommen. Noch am Berg wurden allerdings alle Ausreißer wieder vom Hauptfeld eingeholt. Das Team Sky und der Teamkollege von Cancellara, Julián Arredondo (TFR), verrichteten in dieser Phase die Nachführarbeit. Dadurch geriet auch Alexander Kristoff (KAT) am Ende des Feldes in leichte Schwierigkeiten, er konnte sich aber im Feld halten. In der Abfahrt der Cipressa attackierte Daniel Oss (BMC), dem sich Geraint Thomas anschloss. Am Anstieg zum Poggio di Sanremo konnte das Feld um die Favoriten durch die Führungsarbeit von Luca Paolini (KAT) Daniel Oss wieder einholen. Dabei fiel unter anderem der Mitfavorit André Greipel (LTS) zurück. Außerdem gab es weitere Ausreißversuche durch Greg van Avermaet, Julián Arredondo, Peter Sagan (TCS) und Michael Matthews (OGE). Thomas hatte am Gipfel noch einen geringen Vorsprung auf seine Konkurrenten. Kurz darauf schlossen sie aber auf und fuhren wieder in einer Gruppe. In der folgenden Abfahrt kam es in einer noch nassen, rutschigen Kurve zu einem Sturz. Gerald Ciolek (MTN), Philippe Gilbert (BMC), Zdeněk Štybar und Michał Kwiatkowski (EQS) waren dabei betroffen und hatten somit keine Chance mehr auf den Sieg. Die Fahrer vor ihnen erreichten das Ziel in einer größeren Gruppe. Es kam zu einer Sprintentscheidung, in der zwar Luca Paolini den Sprint für seinen Teamkollegen Kristoff anzog, dieser aber zu früh den Sprint eröffnen musste. Dadurch konnte John Degenkolb (TGA) ihn noch vor der Zielgeraden überholen und den Zielsprint aus der 26-köpfigen Gruppe vor Alexander Kristoff und Michael Matthews für sich entscheiden.[8][9]

Ergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

UCI WorldTour[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mailand–Sanremo war innerhalb der UCI WorldTour 2015 ein Rennen der 3. Kategorie. Deshalb erhielten die zehn besten Fahrer – vorausgesetzt sie fahren für ein UCI WorldTeam – Punkte für das UCI WorldTour Ranking mit folgender Punkteverteilung:

Punkteverteilung
Platzierung 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10.
Punkte 100 80 70 60 50 40 30 20 10 4

Endstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den 200 gemeldeten Fahrern gingen 199 an den Start, von denen wiederum 160 im Ziel angekommen sind.[10]

Platz Fahrer Nation Team Zeit Punkte
01. John Degenkolb DeutschlandDeutschland GER Team Giant-Alpecin 6:46:16 h
(43,272 km/h)
100
02. Alexander Kristoff NorwegenNorwegen NOR Team Katusha gleiche Zeit 080
03. Michael Matthews AustralienAustralien AUS Orica GreenEdge gleiche Zeit 070
04. Peter Sagan SlowakeiSlowakei SVK Tinkoff-Saxo gleiche Zeit 060
05. Niccolò Bonifazio ItalienItalien ITA Lampre-Merida gleiche Zeit 050
06. Nacer Bouhanni FrankreichFrankreich FRA Cofidis, Solutions Crédits gleiche Zeit
07. Fabian Cancellara SchweizSchweiz SUI Trek Factory Racing gleiche Zeit 030
08. Davide Cimolai ItalienItalien ITA Lampre-Merida gleiche Zeit 020
09. Tony Gallopin FrankreichFrankreich FRA Lotto Soudal gleiche Zeit 010
10. Edvald Boasson Hagen NorwegenNorwegen NOR MTN-Qhubeka gleiche Zeit

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mailand-San-Remo-Sieger Degenkolb: Der die Klassiker liebt. In: SPIEGEL ONLINE. SPIEGEL ONLINE GmbH, 23. März 2015, abgerufen am 5. April 2015.
  2. Milan - San Remo 2015: Favourites. In: Cyclingstage.com. Cyclingstage.com, abgerufen am 21. April 2015 (englisch).
  3. Stephen Puddicombe: Milan-San Remo 2015: Who will win? In: Cycling Weekly. Time Inc. (UK) Ltd., 19. März 2015, abgerufen am 21. April 2015 (englisch).
  4. Milan-San Remo 2015. In: Cycling News. Immediate Media Company Ltd., abgerufen am 21. April 2015 (englisch).
  5. Felix Griep: Mailand-Sanremo: Kein Pompeiana im Jahr 2015, neues/altes Ziel auf der Via Roma. In: LiVE-Radsport.ch. LiVE-Radsport, 29. November 2014, abgerufen am 21. April 2015.
  6. 106. Mailand-Sanremo auf traditioneller Strecke. In: radsport-news.com. Sport Aktiv Media GmbH, 28. November 2014, abgerufen am 21. April 2015.
  7. Christine Kroth: Vorschau 106. Mailand - Sanremo. In: LiVE-Radsport.ch. LiVE-Radsport, 22. März 2015, abgerufen am 21. April 2015.
  8. Heike Oberfeuchtner: Mailand-Sanremo: John Degenkolb sprintet aus relativ großer Gruppe zu seinem ersten "monumentalen" Sieg. In: LiVE-Radsport.ch. LiVE-Radsport, 22. März 2015, abgerufen am 5. April 2015.
  9. Daniel Hagen: Mailand-Sanremo 2015. In: Radsport-Seite.de. Daniel Hagen, abgerufen am 21. April 2015.
  10. Results Milano-Sanremo (ITA/UWT) - 2015. In: uci.ch. Union Cycliste Internationale, 22. März 2015, abgerufen am 18. April 2015 (englisch).