Mainstockheim

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Mainstockheim
Mainstockheim
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Mainstockheim hervorgehoben
Koordinaten: 49° 46′ N, 10° 9′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Kitzingen
Verwaltungs­gemeinschaft: Kitzingen
Höhe: 199 m ü. NHN
Fläche: 8,52 km2
Einwohner: 1961 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 230 Einwohner je km2
Postleitzahl: 97320
Vorwahl: 09321
Kfz-Kennzeichen: KT
Gemeindeschlüssel: 09 6 75 146
Gemeindegliederung: 1 Ortsteil
Adresse der Verbandsverwaltung: Friedrich-Ebert-Str. 5
97318 Kitzingen
Website: mainstockheim.de
Bürgermeister: Karl-Dieter Fuchs (FW)
Lage der Gemeinde Mainstockheim im Landkreis Kitzingen
Landkreis BambergLandkreis SchweinfurtLandkreis WürzburgLandkreis Neustadt an der Aisch-Bad WindsheimWiesenbronnSegnitzRüdenhausenRödelseeObernbreitMartinsheimMarktsteftMarkt EinersheimMarktbreitMainstockheimMainbernheimKleinlangheimKitzingenGeiselwindCastell (Unterfranken)BuchbrunnAlbertshofenAbtswindWillanzheimWiesentheidVolkachSulzfeld am MainSommerachSeinsheimSchwarzach am MainPrichsenstadtNordheim am MainIphofenGroßlangheimDettelbachBiebelriedLandkreis HaßbergeKarte
Über dieses Bild

Mainstockheim ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Kitzingen und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Kitzingen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Mainstockheim liegt im westlichen Bereich des Landkreises Kitzingen im Maindreieck direkt am Main. Mainstockheim ist über die A 7, A 3 sowie über die Bahnverbindung Kitzingen günstig erreichbar.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Dettelbach, Albertshofen, Kitzingen, Buchbrunn und Biebelried.

Naturräumliche Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mainstockheim und seine Gemarkung liegt in zwei Naturräumen, die beide Teil der Haupteinheitengruppe Mainfränkische Platten sind. Der Ort selbst ist im niederschlagsarmen Kitzinger Maintal zu lokalisieren, die Gemarkung ragt in die höhergelegenen Hochflächen im südlichen Maindreieck.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Main-stock-heim weist als Gründung in die Zeit der Fränkischen Landnahme um 800 nach Christi Geburt.

Anlässlich eines Grunderwerbs des Ebracher Klosters wurde der Ort 1140 erstmals erwähnt.[2]:58

Der älteste Siedlungskern im Norden des Ortes sind die Häuser um die ehemalige Gumbertuskirche. Sie ist heute an ihrem barocken Dachreiter zu erkennen. Es folgte die Entstehung eines zweiten Siedlungskerns um die befestigte Jakobskirche, die heutige evangelische Pfarrkirche. Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg wuchsen die beiden Ortskerne allmählich zusammen.

Im Jahr 1500 richtete das Kloster Ebrach ein Klosteramt ein. Seitdem besteht die heute noch betriebene Fährverbindung über den Main, die den direkten Weg nach Ebrach ermöglichte.

Mainstockheim wurde von der Ganerbengemeinschaft der Markgrafen von Ansbach, der Abtei Ebrach und der Herren von Fuchs als Ganerbendorf verwaltet. Die Herrschaft im Dorf war schriftlich niedergelegt. Die Vereinbarung wurde 1549 erneuert. Die gemeinschaftliche Verwaltung dauerte an, bis der Ort nach der Säkularisation 1806 zu Bayern kam. Nach einer kurzen Phase der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Würzburg von 1810 bis 1814 wurde Mainstockheim endgültig dem Königreich Bayern eingegliedert.

Jüdisches Leben in Mainstockheim geht bis in das 16. Jahrhundert zurück, als 1594 ein jüdischer Einwohner am Ort genannt wird.[3] Mindestens seit dem 18. Jahrhundert waren jüdische Familien im Ort ansässig, die bereits eine erste Synagoge (unbekanntes Baujahr) errichteten. An dem Gebäude, das heute die katholische Kirche ist, erinnert eine Gedenktafel an die Verfolgung und Ermordung der jüdischen Einwohner in der Shoa.[4]

Mainstockheim gehört seit der Gemeindegebietsreform 1978 zur Verwaltungsgemeinschaft Kitzingen.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen am Turm von St. Jakobus

Bürgermeister und Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bürgermeister: Fuchs Karl-Dieter (Freier Bürgerblock Mainstockheim)
  • Stellvertretender Bürgermeister: Ralf Menger (SPD)

Sitzverteilung im Gemeinderat:

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DEU Mainstockheim COA.svg
Blasonierung: „Gespalten von Grün und Silber; vorne ein silberner Wellenschrägbalken, hinten ein bewurzelter roter Baumstock.“[5]
Wappenbegründung: Mainstockheim führt ein Wappen seit dem 16. Jahrhundert. Ein in der Dorfordnung des 16. Jahrhunderts nachweisbares Wappen fand Aufnahme in das heutige Wappen. Es erfolgte die Bestätigung durch die Regierung von Unterfranken am 23. Juni 1971. Die Farben Rot und Silber sind die Farben Frankens. Der Wellenbalken in Grün ist ein Hinweis auf die geografische Lage am Main mit der direkten Fähre nach Albertshofen. Für das Suffix -stock steht redend der rote Wurzelstock in Silber.

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mainstockheim unterhält seit 1991 eine Partnerschaft mit der Gemeinde Oehna im Lkr. Teltow-Fläming im Land Brandenburg.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Jakobus in Mainstockheim
Ehemalige Synagoge in Mainstockheim

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Jakobus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pfarrkirche St. Jakobus d. Ä. zeigt Spuren ehemaliger Wehrhaftigkeit. Gravierende Veränderungen fanden im Sinne des Markgrafenstils statt.

Alter Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er schließt unmittelbar an St. Jakobus an. Die Grabreihen sind terrassenförmig angelegt und zahlreiche alte Grabsteine sprechen von Vergänglichkeit.

Ehemalige Synagoge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gasse „An der Synagoge“ weist bereits auf das Gebäude hin. 1836 erfolgte in der Hauptstraße 213 (heute An der Synagoge 9) der Bau einer neuen Synagoge mit Fenstern im charakteristischen Rundbogenstil der 1830er Jahre. Das Inventar der alten Synagoge wurde übernommen. Im selben Gebäude befanden sich das Gemeindehaus, die Mikwe und die Israelitische Elementarschule. 1938 wurde die Inneneinrichtung beim Novemberpogrom zerstört, und die jüdische Gemeinde hörte in den Wirren der Zeit des Nationalsozialismus auf zu existieren. Nach 1945 diente das Gebäude Flüchtlingen als Unterkunft. In den 1950er Jahren wurde es von der heutigen Kirchenstiftung St. Gumbert der katholischen Filialgemeinde Mainstockheim aufgekauft.[7]

St. Gumbertus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kirchengebäude befindet sich heute in Privatbesitz. Es wurde 1817 zum Wohnhaus umgebaut. An die ehemalige Kirche erinnern nur noch der Dachreiter und die Uhr.[8]:149

Ebracher Hof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ebracher Abt Johannes von Dressel ließ den Amtshof 1618–1630 errichten. Nicht bekannt ist der Baumeister. Unter Abt Wilhelm Sölner von Ebrach entstand von 1727 bis 1734 eine eindrucksvolle Gartenanlage. Durch die Säkularisation fiel das Gebäude 1806 an das Kurfürstentum Bayern. Schon ein Jahr später ging es in Privathände über und wechselte mehrfach die Besitzer.

1961 erwarben die Eltern von Gabriele Brandner den Ebracher Hof. Die Anlage befand sich in schlechtem Zustand. Nach zahlreichen Renovierungen und schonenden Umbauten konnte das Seniorenheim Schloss Ebracher Hof hier entstehen.[9]

Wander- und Radwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das ausgebaute Weinbergswege- und Fahrradnetz sowie mehrere ausgewiesene Wanderwege sind für zahlreiche Freizeitmöglichkeiten nutzbar: Auf einem naturbelassenen Weinwanderweg erfährt der Besucher an dreizehn Stationen Wissenswertes über den Ort und seinen Wein.
  • Außerdem bieten die Weinberge der Lage „Mainstockheimer Hofstück“ beeindruckende Aussichtshöhepunkte. Zu ihnen wird der Wanderer auf dem Halt-a-mal-Weg geleitet.
  • Auch der bekannte Jakobsweg führt durch den Ort.
  • Radfahrer genießen den Mainwanderweg.
  • Dem kunstsinnigen Wanderer bietet der Fränkische Marienweg zahlreiche Schätze.[10]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aufstellung des Maibaums am 30. April
  • Open-Air, Konzert im Juni
  • Wein am Main, Weinfest am 3. Wochenende im Juli
  • Stouga Kerm, Kirchweih am 1. Sonntag im September

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mainstockheim ist heute bedeutender Weinbauort im Anbaugebiet Franken. Eine Weinlage existiert um das Dorf, der Wein wird seit den 1970er Jahren unter dem Namen Mainstockheimer Hofstück vermarktet. Mainstockheim ist Teil des Bereichs MainSüden, bis 2017 waren die Winzer im Bereich Maindreieck zusammengefasst. Die Muschelkalkböden mit einer Keuperauflage um Mainstockheim eignen sich ebenso für den Anbau von Wein, wie die Lage in der Maingauklimazone, die zu den wärmsten Deutschlands gehört.

Bereits seit dem Frühmittelalter betreiben die Menschen um Mainstockheim Weinbau. Die fränkischen Siedler brachten wohl im 7. Jahrhundert die Rebe mit an den Main. In Mainstockheim wird der Weinbau mit dem heiligen Gumbertus verbunden, der Symbolfigur der Mainstockheimer ist. Im Mittelalter gehörte die Region zum größten zusammenhängenden Weinbaugebiet im Heiligen Römischen Reich. Die Menschen betrieben zumeist Nebenerwerbsweinbau zur Selbstversorgung, gleichzeitig bildeten sich bereits Exportzentren insbesondere entlang des Maines heraus. Vor allem das Kloster Ebrach trieb hier Weinbau und verkaufte seine Produkte über den Gutshof im Ort.

Der Weinbau erlebte nach der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen umfassenden Niedergang. Vor allem klimatisch weniger begünstige Lagen gab man vollständig auf. Zusätzlich erschwerte das Aufkommen von Schädlingen wie der Reblaus den Anbau. Konsolidieren konnte sich die Weinbauregion Franken erst wieder in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Einsatz von Düngern und verbesserte Anbaumethoden hatten dazu ebenso beigetragen wie die Organisation in Genossenschaften und die Flurbereinigung der 1970er Jahre.[11]

Der Weinbau ist heute wichtiger Wirtschaftsfaktor des Dorfes, auch weil die Kulturlandschaft um Mainstockheim vermehrt Touristen anzieht. So wurden mehrere Weinwanderwege auf den Flurwegen um das Dorf ausgewiesen. Insgesamt vier Weingüter sind in Mainstockheim ansässig und haben sich in einem eigenen Weinbauverein organisiert. Mit dem Weinfest Mitte Juli präsentieren die Winzer ihre Weine. Zugleich wird in Mainstockheim auch eine Weinprinzessin gewählt, die den Wein repräsentiert.[12]

Weinlage[13] Größe 1993[14] Größe 2019 Himmelsrichtung Hangneigung Hauptrebsorten Großlage
Hofstück 60 ha 92 ha Südosten 10–30 % Müller-Thurgau Kitzinger Hofrat

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mainfähre mit Albertshofen im Hintergrund

Mit der direkten Nachbargemeinde Albertshofen ist der Ort durch eine Mainfähre seit 1515 verbunden. Für das genannte Jahr ist der Fährmann Cles Vogler bezeugt.[8]:149

Diese Möglichkeit der Mainüberquerung wird vor allem von Fußgängern und Radlern gerne benutzt. Sie ist jedoch auch für Pkw, Lkw und landwirtschaftliche Zugmaschinen zugelassen.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1. FC Mainstockheim
  • TV Mainstockheim
  • Tennisclub Mainstockheim
  • Sangesfreunde Mainstockheim (Gemischter Chor)
  • StimmVEREINigung e. V. Mainstockheim (bestehend aus Projektchor Chorason und Kinder- und Jugendchor Young Harmony)
  • Burschenschaft Mainstockheim e. V.
  • Schützengesellschaft Mainstockheim

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Ambrosi, Bernhard Breuer: Deutsche Vinothek: Franken. Begleiter zu den Weinberg-Lagen, Winzern und ihren Küchen. Herford2 1993.
  • Hans Bauer: Alte und neue Wappen im Landkreis Kitzingen. In: Jahrbuch des Landkreises Kitzingen 1980. Im Bannkreis des Schwanbergs. Kitzingen 1980. S. 53–70.
  • Johann Kaspar Bundschuh: Maynstockheim. In: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band 3: I–Ne. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1801, DNB 790364301, OCLC 833753092, Sp. 475–477 (Digitalisat).
  • Gottfried Stieber: Mainstockheim. In: Historische und topographische Nachricht von dem Fürstenthum Brandenburg-Onolzbach. Johann Jacob Enderes, Schwabach 1761, S. 577–578 (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mainstockheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Susanna Berger: Mainstockheim. In: Landkreis Kitzingen (Hrsg.): Kunst- und Kulturführer durch den Landkreis Kitzingen. 2. Auflage. Farbendruck Brühl, Marktbreit 1993.
  3. alemannia-judaica.de: Mainstockheim (Kreis Kitzingen) – Jüdische Geschichte / Synagoge
  4. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 162
  5. Bauer, Hans: Alte und neue Wappen im Landkreis Kitzingen. S. 61.
  6. Notiz zur Partnergemeinde auf der Webpräsenz von Mainstockheim, gesehen 12. März 2013
  7. Bistum Würzburg: Filiale Mainstockheim – St. Gumbert (Memento vom 2. Juli 2012 im Webarchiv archive.is)
  8. a b „Wo einst das Paradies gewesen sein soll“ – Tour 5. 1. Mainstockheim. In: Evang.–Luth. Dekanat Kitzingen (Hrsg.): Gesegnetes Land. Wege durch das Evangelische Dekanat Kitzingen am Main. Kitzingen 2012.
  9. Der Ebracher Hof und seine Geschichte. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 26. November 2013; abgerufen am 13. Mai 2013. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.seniorenheim-ebracher-hof.de
  10. Wanderwege Mainstockheim. Abgerufen am 14. Mai 2013.
  11. Ambrosi, Hans (u. a.): Deutsche Vinothek: Franken. S. 50–52.
  12. Mainstockheim: Wein, abgerufen am 28. Mai 2019.
  13. Regierung von Unterfranken: Weinbergslagen in Bayern gegliedert nach Bereichen, PDF-Datei, abgerufen am 16. Mai 2019.
  14. Ambrosi, Hans (u. a.): Deutsche Vinothek: Franken. S. 237.