Mainz-Kostheim

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Wappen von Mainz-Kostheim
Wappen von Wiesbaden
Mainz-Kostheim
Ortsbezirk von Wiesbaden
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Über dieses Bild
Koordinaten 50° 0′ 10″ N, 8° 18′ 20″ OKoordinaten: 50° 0′ 10″ N, 8° 18′ 20″ O
Höhe 84–134 m ü. NN
Fläche 9,53 km²
Einwohner 14.381 (31. Dez. 2020)
Bevölkerungsdichte 1509 Einwohner/km²
Ausländeranteil 21,6 % (31. Dez. 2020)
Eingemeindung 25. Jul. 1945
Postleitzahl 55246
Vorwahl 06134
Adresse der
Verwaltung
St. Veiter Platz 1
55246 Mainz-Kostheim
Website www.wiesbaden.de
Politik
Ortsvorsteher Stephan Lauer (CDU)
Stellv. Ortsvorsteher Marion Mück-Raab (AUF AKK)
Quelle: Landeshauptstadt Wiesbaden: EWZ - HW am 31. Dezember 2020 (Memento vom 22. Januar 2021 im Internet Archive)
Blick von der Mainbrücke auf Mainz-Kostheim mit der katholischen Pfarrkirche St. Kilian
Die Mainmündung bei Kostheim

Mainz-Kostheim ist der südlichste Ortsbezirk der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden.

Kostheim liegt unmittelbar an der Mündung des Mains in den Rhein. Dieser Stadtteil gehört zu den sogenannten AKK-Stadtteilen, die im Zeitraum zwischen 1908 bzw. 1913 und 1945 zur Stadt Mainz gehörten und nach dem Zweiten Weltkrieg von der amerikanischen Militärregierung unter die Verwaltung der Stadt Wiesbaden gestellt wurden. Aus diesem Grund blieb der Namenszusatz „Mainz-“ trotz der politischen Zugehörigkeit zu Wiesbaden erhalten. Das Wappen zeigt die Kostheimer Zange.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Besiedlung in der Römerzeit oder früher ist wahrscheinlich. So findet sich bei Niedrigwasser die Überreste eines Brückenpfeilers im Main, nahe der heutigen Brücke von Kostheim nach Gustavsburg. Gräber, Hausfundamente und Brunnen aus der Römerzeit deuten ebenfalls darauf hin, dass an dem Weg der Römer nach Mainz und Kastel und über die Steinern Straße mehr als nur ein römischer Lagerplatz bestand.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mainz-Kostheim ist die zweitälteste Weinbaugemeinde des Rheingaus. Die älteste erhaltene Erwähnung von Kostheim stammt aus dem Jahr 790 und findet sich in einer Urkunde, die Karl der Große ausgestellt hat.

"Signum KAROLVS Caroli gloriosissimi regis" Das Signum Karls des Großen unter einer in Kostheim am 31. August 790 ausgefertigten Urkunde: Eigenhändig ist nur der v-förmige sogenannte Vollziehungsstrich innerhalb der Raute.

In seiner 1200-jährigen Geschichte wurde Kostheim mehrmals niedergebrannt und wieder aufgebaut. Bekannt ist, dass Kaiser Friedrich Barbarossa auf der zu Kostheim gehörenden Insel Maaraue in der Mainmündung zwischen dem Main und einem alten Mündungsarm zu Pfingsten 1184 die Gäste zur Schwertleite seiner Söhne in einem großen Feldlager untergebracht hat. Die Angabe der Besucherzahl schwankt zwischen 20.000 und 50.000.[1]

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1793, während und nach der Belagerung von Mainz durch die Preußen und Österreicher in den Koalitionskriegen, wurden Keller und Häuser geplündert und abgebrannt, Felder und Bäume verwüstet. So hält sich bis heute der Spruch „Häusche abgebrannt, Kühche fortgerannt – arm Kind von Kostheim“. Und der Ausdruck „Kostheimer Nickellos“ bedeutet, dass die armen Kostheimer weder Taler noch Nickel besaßen.

Mit einem Abtretungsvertrag über Kastel und Kostheim[2] von 1806 zwischen Napoleon und dem Fürsten von Nassau-Usingen fiel Kostheim an Frankreich. Kostheim gehörte nun zum Gerichtsbezirk des Friedensgerichts Mainz II.[3] Ab 1816 gehörte Kostheim zum Großherzogtum Hessen(-Darmstadt) und lag in dessen Provinz Rheinhessen. Es galt aber weiterhin Französisches Recht.[4] Die gerichtliche Zuständigkeit wurde 1879 durch das Amtsgericht Mainz übernommen.[5]

Bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts gehörten auch größere Teile des Gebietes südlich des Maines, die heute zu Gustavsburg gehören, noch zu Kostheim.[6] Am 1. April 1908 wurde die selbständige Gemeinde Kostheim per Eingemeindungsvertrag zum 1. Januar 1913 ein Mainzer Stadtteil.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlief die Grenze zwischen der französischen und amerikanischen Besatzungszone mitten durch das Mainzer Stadtgebiet: Während das linksrheinische Stadtgebiet einschließlich der Innenstadt in der französischen Zone lag und deshalb mit Rheinhessen vom Land Hessen abgetrennt und dem neuen Land Rheinland-Pfalz zugeordnet wurde, blieben die sechs rechtsrheinischen Mainzer Stadtteile hessisch. Die drei Stadtteile südlich der Mainmündung wurden nach einer Bürgerabstimmung wieder selbständig. Kostheim kam gemeinsam mit Kastel und Amöneburg zur Stadt Wiesbaden, was zum sogenannten AKK-Konflikt geführt hat.

St. Kilian bei Nacht

Es gibt die zwei katholischen Gemeinden Maria Hilf und St. Kilian sowie zwei evangelische Gemeinden, eine methodistische Kirche und seit 2003 auch eine Moschee. Kostheim hat ein reges Vereinsleben.

Kostheim besitzt heute ein neues Industriegebiet in der Anton-Hehn-Straße. Die vormals industriell genutzte Fläche des ehemaligen Sägewerkes Schollmeyer ist heute mit Wohnungen bebaut; das ehemalige Sägewerk Eider am Gückelsberg wird aktuell mit Gewerbe, Arztpraxen und Wohnungen bebaut. Das Areal der einstigen Kältetechnik-Sparte der Linde AG wird sukzessive mit mehreren hundert Wohnungen bebaut. Die ersten Wohnungen auf dem Linde-Areal wurden im Mai 2021 fertiggestellt. Bis 2030 wird für Kostheim eine Steigerung der Einwohnerzahl gegenüber 2020 von 15 % erwartet. Damit ist Kostheim einer der am stärksten wachsenden Stadtteile Wiesbadens.

Mit dem Kostheimer Carneval Verein 1923 KCV zieht Kostheim immer wieder Fastnachtsfreunde aus ganz Deutschland und der Schweiz an. Am Fastnachtssamstag findet ein Karnevalsumzug durch Kastel und Kostheim statt, der von allen Kostheimer und Kasteler Fastnachtsvereinen veranstaltet und organisiert wird.

Wahlergebnisse zum Ortsbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbeiratswahl Kostheim 2021
Wahlbeteiligung: 34,9 %
 %
30
20
10
0
25,6 %
24,8 %
23,9 %
18,1 %
7,6 %
AUF AKK
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2016
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
−3,8 %p
+4,6 %p
+1,6 %p
−5,5 %p
+3,0 %p
AUF AKK
Sitzverteilung im Ortsbeirat Kostheim 2021
     
Insgesamt 15 Sitze

Seit 1972 wird im Rahmen der Kommunalwahlen in Hessen auch der Ortsbeirat des Ortsbezirkes Mainz-Kostheim gewählt. Nach den einzelnen Wahlergebnissen ergab sich jeweils folgende Sitzverteilung:

CDU SPD AUF AKK FDP REP FWG Gesamt
2021 3 4 4 1 3 15
2016 3 4 3 1 4 15
2011 3 5 2 1 4 15
2006 3 5 1 1 1 4 15
2001 4 6 2 1 2 15
1997 4 7 2 1 1 15
1993 4 7 3 1 15
1989 4 8 2 1 15
1985 5 9 1 15
1981 6 8 1 15
1977 6 9 15
1972 5 10 15

Schulen und öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kläranlage

In Kostheim sind die Carlo-Mierendorff-Schule, die Brüder-Grimm-Schule und die Krautgartenschule als Grundschulen ansässig, dazu kommen die Förderschule Albert-Schweitzer-Schule und die Gesamtschule Wilhelm-Leuschner-Schule. Im Komplex der Wilhelm-Leuschner-Schule befindet sich eine große Turnhalle, die auch außerhalb des Schulbetriebes zu vielfältigen sportlichen Veranstaltungen genutzt wird. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die AKK-Ortsverwaltung sowie das Hallenbad. Daneben gibt es auf der Maaraue ein Freibad und eine Wasserschutzpolizeistation, einen Campingplatz und die stillgelegte Kläranlage, die zunächst als außergewöhnlicher Ort kultureller Veranstaltungen diente. Mittlerweile wurde das Gelände aber eingeebnet sowie eingezäunt und dient als Hundeauslaufplatz. Seit dem Sommer 2013 ist auch das Zweite Wiesbadener Polizeirevier in Kostheim beheimatet; der vorherige Standort in Kastel wurde aufgegeben.

Weitere Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinbrunnen von Erwin Mosen

In der alten Ortsverwaltung an der Hauptstraße hat der Heimatverein Kostheim ein kleines Museum eingerichtet. Weitere Vereine haben in diesem Gebäude ihre Geschäftsstellen oder ihre Vereinsheime, das Gebäude wird daher auch als „Haus der Vereine“ bezeichnet. Bisher weitgehend unbeachtet verläuft quer durch den Hof dieses Hauses auch der fünfzigste Grad nördlicher Breite.[7] In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich der Weinprobierstand mit Weinbrunnen. Am anderen Ende von Kostheim finden sich Zeugnisse religiöser Kultur in Form des Rübenkapellchens sowie am Fähncheskreuz. Bezeichnend in diesem Zusammenhang sind auch urig anmutende Gemarkungsnamen wie „Gotthelf“ und „Teufelssprung“.

Seit 1975 wird in Mainz-Kostheim jährlich eine Weinkönigin gewählt.

Als Projekt des Regionalparks Rhein-Main steht seit 2011 am Kostheimer Hafen ein 20 Meter hoher als Stahlkonstruktion errichteter Aussichtsturm. Ein holzbeplankter Steg führt vom Mainufer zum Treppenaufgang der dreieckig angeordneten Wendeltreppe. Über 80 Stufen gelangt man zur Aussichtsplattform, von der man einen guten Rundblick auf den Main und das Kostheimer Mainufer hat.[8]

Literatur und Dokumente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bild von Kostheim aus: J. F. Dielmann, A. Fay, J. Becker (Zeichner): F. C. Vogels Panorama des Rheins, Bilder des rechten und linken Rheinufers. Lithographische Anstalt F. C. Vogel, Frankfurt 1833.
  • Ernst & Doris Probst: 5000 Jahre Kostheim. Von der Steinzeit bis zum 21. Jahrhundert. CreateSpace Independent Publishing Platform, Leipzig (?) 2018, ISBN 978-1-72154-050-1 (564 S.).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Baedeker-Reiseführer und andere Bücher
  2. Auszug des Abtretungs-Vertrags über Kastell und Kostheim zwischen Seiner Majestät dem Kaiser Napoleon und dem Herrn Fürsten zu Nassau. In: Peter Adolph Winkopp (Hrsg.): Der Rheinische Bund. Eine Zeitschrift historisch-politisch-statistisch-geographischen Inhalts. Band 2, Frankfurt am Main 1807, S. 246–253.
  3. Heribert Reus: Gerichte und Gerichtsbezirke seit etwa 1816/1822 im Gebiete des heutigen Landes Hessen bis zum 1. Juli 1968. Hg.: Hessisches Ministerium der Justiz, Wiesbaden [1984], Abschnitt Friedensgericht Mainz I und Friedensgericht Mainz II [ohne Seitenzählung].
  4. Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 100 und Karte.
  5. §§ 1, 3 Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 15 vom 30. Mai 1879, S. 197f.
  6. Früher lag Ortsgrenze nicht im Main. (Memento vom 18. Juni 2007 im Internet Archive) In: Allgemeine Zeitung vom 14. Dezember 2007, abgerufen am 23. Oktober 2008
  7. Kostheim will 50. Breitengrad hervorheben - Ortsbeirat berät Alternativen. In: Allgemeine Zeitung vom 8. März 2011, abgerufen am 8. März 2011.
  8. Der neue Aussichtsturm steht. In: Rhein-Zeitung vom 20. Juli 2011 (hinter Paywall), abgerufen am 22. Juni 2015.
  9.  Info: Bitte auf Vorlage:HessBib umstellen, um auch nach 2015 erfasste Literatur zu selektieren!