Maja Göpel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Maja Göpel (2019)

Maja Göpel (27. Juni 1976 in Bielefeld)[1][2] ist eine deutsche Politökonomin, Transformationsforscherin, Beraterin für Nachhaltigkeit und die Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Sie ist designierte wissenschaftliche Direktorin der 2020 in Hamburg gegründeten Denkfabrik The New Institute. Zudem bekleidet sie eine Honorarprofessur an der Leuphana Universität Lüneburg.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maja Göpel wuchs in einer ökologischen Hausgemeinschaft in einem Dorf in der Nähe von Bielefeld auf und besuchte eine Reformschule.[3] Sie diplomierte 2001 als Medienwirtin an der Universität Siegen[4] und wurde 2007 an den Universitäten Hamburg und Kassel in politischer Ökonomie (Dr. rer. pol.) promoviert. Von 2003 bis 2006 war sie Stipendiatin[5] der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw). In ihrer von Christoph Scherrer und Ulrich Brand begutachteten Arbeit befasste sie sich mit institutionalistischen Theorien und hegemonialen Praktiken globaler Politikgestaltung und den Prämissen liberaler demokratischer nationalstaatlicher Ordnungen.[6] Sie arbeitete zu den Themen Globalisierung und Nachhaltigkeit, nachhaltige Entwicklung sowie Generationengerechtigkeit, u. a. ehrenamtlich im Arbeitskreis Internationales des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Von 2006 bis 2012 war sie für den World Future Council als Campaign Manager Climate Energy in Hamburg und als Direktorin Zukunftsgerechtigkeit des Brüsseler Büros tätig. In der Zeit entstand auch der Future Policy Award und die 2018 eingestellte Arbeit zu Governance Innovationen für die Interessen zukünftiger Generationen.[7][8] Von Februar 2013 bis September 2017 war sie Leiterin des Berliner Büros des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie[9][10] und fokussierte ihre Arbeit auf das Feld Nachhaltigkeitstransformationen. Während dieser Zeit arbeitete sie auch als Gastwissenschaftlerin an der Leuphana.

Sie ist unter anderem Mitglied des Club of Rome,[11] des World Future Council[12] und der von Donella Meadows und Dennis Meadows 1982 gegründeten Balaton Group[13] sowie des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Entwicklung und Frieden und Fellow am Progressiven Zentrum.[14]

2016 veröffentlichte sie das Buch The Great Mindshift, das auf Forschung zu Systemtransformationen, politischer Ökonomie und Veränderungsmanagement beruht und in dessen Zentrum Vorschläge zur Veränderung der Mindsets (Mentalität) und Kompetenzen stehen, die technische, ökonomische und gesellschaftliche Institutionen prägen.[15] In verschiedenen Projekten sind diese Ideen in Trainings überführt worden.

Maja Göpel (3. von links) bei der Vorstellung der #Scientists4Future-Stellungnahme am 12. März 2019 in Berlin vor der Bundespressekonferenz, zusammen mit Detlev Ganten, Eckart von Hirschhausen, Gregor Hagedorn, Karen Helen Wiltshire und Volker Quaschning (von links nach rechts)

Am 1. September 2017 wurde sie Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU).[8][16] Dadurch ist sie Mitglied des Fachausschusses Wissenschaft der Deutschen UNESCO-Kommission.[17]

Am 6. März 2019 hielt sie ihre Antrittsvorlesung als Honorarprofessorin an der Leuphana Universität Lüneburg.[18]

Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern stellte sie im März 2019 die zur Unterstützung der Schülerproteste Fridays for Future gegründete Kampagne Scientists for Future in der Bundespressekonferenz vor.[19][20] Für 2019 wurde Göpel der Adam-Smith-Preis für marktwirtschaftliche Umweltpolitik und der Umwelt- und Nachhaltigkeitspreis des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M) zugesprochen.

Für die Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft schlägt Göpel vor, Wertschöpfung, Produktivität und Wirtschaften so neu zu denken, zu messen und zu organisieren, dass die planetaren Grenzen und Ökosystemdienstleistungen ernst genommen werden und individuelles wie gesellschaftliches Wohlbefinden explizites Ziel werden.[21] Ihr Modell nachhaltigen Wirtschaftens und gerechter Verteilung von Reichtum sieht vor: Wachstum nicht als absoluter Zweck, sondern als ein Mittel; strategischer Umgang mit den natürlichen und endlichen Ressourcen; schärfere Besteuerung hoher Einkommen.[22][23]

Darüber hinaus sei ein entsprechendes Innovationsverständnis ausschlaggebend[24][25] und Zukunftsbildung (Transformative Literacy), die Betroffene zu Akteuren von Veränderungsprozessen macht.[26][27][28]

Am 31. Oktober 2020 endete ihre Tätigkeit für den WBGU, anschließend wechselte Göpel als wissenschaftliche Direktorin an den 2020 gegründeten Hamburger Thinktank The New Institute.[29][30]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Formulating Future Just Policies: Applying the Delhi Sustainable Development Law Principles. In: Sustainability. Band 2, Nummer 6, 2010, S. 1694–1718 (englisch; doi:10.3390/su2061694).
  • The Tragedy of our Growth Saga. In: F. Hinterberger, E. Pirgmaier u. a. (Hrsg.): Growth in Transition. Earthscan, London 2011, S. 147–153, ISBN 978-1-84971-395-5 (englisch).
  • zusammen mit Moritz Remig: Vordenker einer nachhaltigen Gesellschaft: Karl Polanyi und die „Große Transformation“. In: Gaia. Band 23, Nummer 1, 2014, S. 70–72 (doi:10.14512/gaia.23.1.19).
  • Eine Stimme für die Nachkommen: Ombudspersonen für die Rechte zukünftiger Generationen. In: Politische Ökologie. Band 32, Nr. 136, 2014, S. 91–94.
  • The Great Mindshift: How a New Economic Paradigm and Sustainability Transformations Go Hand in Hand. Springer International, Berlin 2016, ISBN 978-3-319-43765-1 (englisch; doi:10.1007/978-3-319-43766-8).
  • Gastbeitrag mit Antje Boetius: Kluge Umweltpolitik: Das Klima kippt, und die soziale Balance kippt mit. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 28. Mai 2019 (online hinter einer Paywall).
  • Unsere Welt neu denken: Eine Einladung. Ullstein, Berlin 2020, ISBN 978-3-550-20079-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Maja Göpel – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.munzinger.de/search/portrait/maja+goepel/0/32082.html
  2. Maja Göpel, interviewt von Jan Draeger: Maja Göpel über die Welt und die Zukunft. In: Rhein-Neckar-Zeitung. 21. Juni 2020, abgerufen am 11. August 2020.
  3. Peter Unfried: Politökonomin Maja Göpel über Ideologie:„Wir wird wichtiger als Ego“. Mit „Unsere Welt neu denken“ landete sie einen Bestseller. Wird postfossil der neue Mainstream? Und wie reagieren die Bewahrer der alten Welt? In: www.taz.de. Die Tageszeitung, 1. November 2020, abgerufen am 7. November 2020 (Maja Göpel im Interview mit Peter Unfried).
  4. Dr. Maja Göpel: Eine Passion für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit, Alumni-Porträts, Universität Siegen, abgerufen am 14. März 2019.
  5. Chancen! Das Zukunfts Magazin der sdw,. Mit der Kraft der Fakten. In: www.sdw.org. Stiftung der Deutschen Wirtschaft, 2019, abgerufen am 22. Oktober 2020.
  6. Maja Göpel: Institutionalism theories and hegemonic practices in global polity formation: reassessing premises of liberal democratic nation state orders. Dissertation, Fachbereich Gesellschaftswissenschaftender, Universität Kassel, Januar 2007, DNB 992342473, urn:nbn:de:hebis:34-2008110325017.
  7. Webseite futurejustice.org des World Future Council
  8. a b Dr. Maja Göpel wird neue WBGU-Generalsekretärin. (Nicht mehr online verfügbar.) Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, 4. Juli 2017, archiviert vom Original am 28. März 2019; abgerufen am 6. März 2020.
  9. Dr. Maja Göpel ist neue Leiterin des Büro Berlin In: Informationsdienst Wissenschaft, 7. Februar 2013, abgerufen am 6. März 2020.
  10. Meldung: Dr. Maja Göpel wechselt zum WBGU: Die bisherige Leiterin des Büro Berlin ist jetzt neue Generalsekretärin. In: WupperInst.org. 6. September 2017, abgerufen am 4. April 2020.
  11. Mitgliedseintrag auf der Website von Club of Rome. Abgerufen am 2. März 2020 (englisch).
  12. Prof. Dr Maja Göpel. World Future Council, abgerufen am 6. März 2020 (englisch).
  13. Balatongroup
  14. Die Fellows. In: Progressives Zentrum e. V. Abgerufen am 6. März 2020.
  15. The Great Mindshift: How a New Economic Paradigm and Sustainability Transformations Go Hand in Hand und Zusammenfassung des Buches. Publikationsverzeichnis des Wuppertal Instituts, abgerufen am 18. März 2019.
  16. Im Gespräch: Maja Göpel. In: 3sat, nano, 17. August 2018.
  17. Fachausschuss Wissenschaft, Deutsche UNESCO-Kommission, abgerufen am 13. März 2019.
  18. Maja Göpel, Antrittsvorlesung: Education and the Great Transformation – challenges and opportunities. In: Leuphana.de. 6. März 2019, abgerufen am 11. August 2020 (nur Hinweis).
  19. Scientists for Future Pressemitteilung vom 12. März 2019, abgerufen am 14. März 2019.
  20. Amy Walker: Scientists for Future: „Es gibt keine Ausreden mehr“. In: Der Tagesspiegel. 12. März 2019, abgerufen am 4. April 2020.
  21. Klimastrategie: „Das ganze Ding neu denken“. In: 3sat. 28. Juni 2019, abgerufen am 6. März 2020.
  22. Robert Probst: Wo die Paradoxe wirken. Abgerufen am 29. März 2020.
  23. Carsten Matthäus: Forscherin fordert Systemwandel in der Landwirtschaft. agrarheute, 27. Mai 2020, abgerufen am 18. November 2020.
  24. Forscherin Maja Göpel zur Klimakrise: „Jetzt ist das Fenster der Möglichkeiten da!“ In: t3n. 29. August 2019, abgerufen am 6. März 2020.
  25. Maja Göpel, interviewt von Peter Unfried und Harald Welzer: Verbote können Menschen befreien. In: Taz.Futurzwei. Nr. 10, 2019, S. 36–41 (online auf taz.de).
  26. Germanwatch.org: Die Große Transformation braucht transformative Bildung. In: Weitblick. 22. März 2018, abgerufen am 3. März 2020.
  27. https://issuu.com/wbgu/docs/wbgu_hg2019?fr=sM2JiOTEyNzMy WBGU Hauptgutachten Digitalisierung, siehe Kap. 5.3.4
  28. Maja Göpel: Transformative Literacy – Competencies for System Innovations. In: The Great Mindshift. Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, abgerufen am 6. März 2020 (englisch).
  29. Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen: #wbgu Generalsekretärin Maja Göpel wechselt… In: Twitter. 9. September 2020, abgerufen am 23. September 2020.
  30. Maja Göpel. Wissenschaftliche Direktorin (ab November 2020). In: thenew.institute. THE NEW INSTITUTE Foundation, 2020, abgerufen am 7. November 2020.