Maja Göpel

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Maja Göpel (2019)

Maja Göpel (* 27. Juni 1976 in Bielefeld)[1][2] ist eine deutsche Politökonomin, Transformationsforscherin, Nachhaltigkeitswissenschaftlerin, Gesellschaftswissenschaftlerin[3][4] und Campaignerin.[5][6] Göpel ist Honorarprofessorin an der Leuphana Universität Lüneburg[7][8][9].

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maja Göpel wuchs in einer ökologischen Hausgemeinschaft in einem Dorf in der Nähe von Bielefeld als Tochter eines Mediziners und Gesundheitswissenschaftlers[10] auf und besuchte eine Reformschule.[11] Sie diplomierte 2001 als Medienwirtin an der Universität Siegen[12] und wurde 2007 an den Universitäten Hamburg und Kassel in politischer Ökonomie (Dr. rer. pol.) promoviert. Von 2003 bis 2006 war sie Stipendiatin[13] der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw). In ihrer von Christoph Scherrer und Ulrich Brand begutachteten Arbeit befasste sie sich mit institutionalistischen Theorien und hegemonialen Praktiken globaler Politikgestaltung und den Prämissen liberaler demokratischer nationalstaatlicher Ordnungen.[14] Sie arbeitete zu den Themen Globalisierung und Nachhaltigkeit, nachhaltige Entwicklung sowie Generationengerechtigkeit, u. a. ehrenamtlich im Arbeitskreis Internationales des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Von 2006 bis 2012 war sie für den World Future Council als Campaign Manager Climate Energy in Hamburg und als Direktorin Zukunftsgerechtigkeit des Brüsseler Büros tätig. In der Zeit entstand auch der Future Policy Award und die 2018 eingestellte Arbeit zu Governance Innovationen für die Interessen zukünftiger Generationen.[15][16] Von Februar 2013 bis September 2017 war sie Leiterin des Berliner Büros des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie[17][18] und fokussierte ihre Arbeit auf das Feld Nachhaltigkeitstransformationen. Während dieser Zeit arbeitete sie auch als Gastwissenschaftlerin an der Leuphana.

2016 veröffentlichte sie das Buch The Great Mindshift, das auf Forschung zu Systemtransformationen, politischer Ökonomie und Veränderungsmanagement beruht und in dessen Zentrum Vorschläge zur Veränderung der Mindsets (Mentalität) und Kompetenzen stehen, die technische, ökonomische und gesellschaftliche Institutionen prägen.[19] In verschiedenen Projekten sind diese Ideen in Trainings überführt worden.

Maja Göpel (3. von links) bei der Vorstellung der #Scientists4Future-Stellungnahme am 12. März 2019 in Berlin vor der Bundespressekonferenz, zusammen mit Detlev Ganten, Eckart von Hirschhausen, Gregor Hagedorn, Karen Helen Wiltshire und Volker Quaschning (von links nach rechts)

Vom 1. September 2017 bis 31. Oktober 2020 war sie Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU).[16][20] Dadurch war sie Mitglied des Fachausschusses Wissenschaft der Deutschen UNESCO-Kommission.[21]

Am 6. März 2019 hielt sie ihre Antrittsvorlesung als Honorarprofessorin an der Leuphana Universität Lüneburg.[8] Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern stellte sie im März 2019 die zur Unterstützung der Schülerproteste Fridays for Future gegründete Kampagne Scientists for Future in der Bundespressekonferenz vor.[22][23]

Göpel war von November 2020[24] bis Juli 2021 wissenschaftliche Direktorin der 2020 in Hamburg gegründeten Denkfabrik The New Institute. Sie gab an, sich künftig ihren Projekten im Bereich der Wissenschaftskommunikation widmen zu wollen.[25] Im Ökonomenranking der FAZ belegte sie 2021 den 17. Platz.[26]

Göpel ist unter anderem Mitglied des Club of Rome,[27] des World Future Council[28] und der von Donella Meadows und Dennis Meadows 1982 gegründeten Balaton Group[29] sowie des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Entwicklung und Frieden und Fellow am Progressiven Zentrum.[30]

Positionen zur nachhaltigen Transformation von Gesellschaft und Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft schlägt Göpel vor, Wertschöpfung, Produktivität und Wirtschaften so neu zu denken, zu messen und zu organisieren, dass die planetaren Grenzen und Ökosystemdienstleistungen ernst genommen werden und individuelles wie gesellschaftliches Wohlbefinden explizites Ziel werden.[31] Ihr Modell nachhaltigen Wirtschaftens und gerechter Verteilung von Reichtum sieht vor: Wachstum nicht als absoluter Zweck, sondern als ein Mittel; strategischer Umgang mit den natürlichen und endlichen Ressourcen; schärfere Besteuerung hoher Einkommen.[32][33]

Darüber hinaus sei ein entsprechendes Innovationsverständnis ausschlaggebend[34][35] und Zukunftsbildung (Transformative Literacy), die Betroffene zu Akteuren von Veränderungsprozessen macht.[36][37][38]

Am 31. Oktober 2020 endete ihre Tätigkeit für den WBGU, anschließend wechselte Göpel als wissenschaftliche Direktorin an den 2020 gegründeten Hamburger Thinktank The New Institute,[39][40] der die Erforschung des gesellschaftlichen Wandels fördern soll. Im Juli wurde bekannt, dass sie den Thinktank The New Institute verlassen hatte, um sich auf das Thema Wissenschaft und Gesellschaft im deutschsprachigen Raum konzentrieren möchte.[41]

Aussagen zum Artensterben und zur COVID-19-Pandemie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Interview am neuen Hamburger Institut am 8. März 2021 äußerte sie, dass im Vergleich zur „Umweltzerstörung wie die Entwaldung, das Absinken der Grundwasserspiegel oder das rasante Artensterben [...] die Corona-Pandemie pillepalle“ sei. In Bezug auf die Coronakrise ergriff sie bei dieser Gelegenheit auch ein Wort für die jungen Menschen, die sich nicht als „Störfaktor oder Ballast“ fühlen sollten: „Was macht das Homeschooling mit einer Familie in einer Zweizimmerwohnung in der Stadt? Wir können doch nicht so tun, als wäre das gut fürs Familienklima.“ Bildung sei mehr als „Einbimsen und Ausspucken“, sie sei vielmehr Fähigkeit zu sozialem Miteinander, Empathie und Kreativität.[42]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maja Göpel ist verheiratet,[45][46] hat zwei Töchter[47][48] und lebt mit ihrer Familie in Werder (Havel).[42]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Formulating Future Just Policies: Applying the Delhi Sustainable Development Law Principles. In: Sustainability. Band 2, Nummer 6, 2010, S. 1694–1718 (englisch; doi:10.3390/su2061694).
  • The Tragedy of our Growth Saga. In: F. Hinterberger, E. Pirgmaier u. a. (Hrsg.): Growth in Transition. Earthscan, London 2011, S. 147–153, ISBN 978-1-84971-395-5 (englisch).
  • zusammen mit Moritz Remig: Vordenker einer nachhaltigen Gesellschaft: Karl Polanyi und die „Große Transformation“. In: Gaia. Band 23, Nummer 1, 2014, S. 70–72 (doi:10.14512/gaia.23.1.19).
  • Eine Stimme für die Nachkommen: Ombudspersonen für die Rechte zukünftiger Generationen. In: Politische Ökologie. Band 32, Nr. 136, 2014, S. 91–94.
  • The Great Mindshift: How a New Economic Paradigm and Sustainability Transformations Go Hand in Hand. Springer International, Berlin 2016, ISBN 978-3-319-43765-1 (englisch; doi:10.1007/978-3-319-43766-8).
  • Gastbeitrag mit Antje Boetius: Kluge Umweltpolitik: Das Klima kippt, und die soziale Balance kippt mit. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 28. Mai 2019 (online hinter einer Paywall).
  • Unsere Welt neu denken: Eine Einladung. Ullstein, Berlin 2020, ISBN 978-3-550-20079-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Maja Göpel – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.munzinger.de/search/portrait/maja+goepel/0/32082.html
  2. Maja Göpel, interviewt von Jan Draeger: Maja Göpel über die Welt und die Zukunft. In: Rhein-Neckar-Zeitung. 21. Juni 2020, abgerufen am 11. August 2020.
  3. Maja Göpel - "Unsere Welt neu denken". Abgerufen am 1. Juni 2021 (deutsch).
  4. Julia Encke: Krise der großen Theorien: Warum wir gerade lieber Drosten als Sloterdijk hören. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 1. Juni 2021]).
  5. J. Schmitz: Dr. Maja Göpel. Abgerufen am 16. September 2021 (englisch).
  6. GGC: Konferenz für die Zukunft des Lernens. Abgerufen am 16. September 2021.
  7. Prof. Dr. Maja Göpel erhält Umwelt- und Nachhaltigkeitspreis. Abgerufen am 11. September 2021.
  8. a b Maja Göpel, Antrittsvorlesung: Education and the Great Transformation – challenges and opportunities. In: Leuphana.de. 6. März 2019, abgerufen am 11. August 2020 (nur Hinweis).
  9. Prof. Dr. Maja Göpel - WBGU. Abgerufen am 11. September 2021.
  10. Göpel: Politik und Produzenten verweigern Verantwortung. 10. September 2021, abgerufen am 14. September 2021.
  11. Peter Unfried: Politökonomin Maja Göpel über Ideologie:„Wir wird wichtiger als Ego“. Mit „Unsere Welt neu denken“ landete sie einen Bestseller. Wird postfossil der neue Mainstream? Und wie reagieren die Bewahrer der alten Welt? In: www.taz.de. Die Tageszeitung, 1. November 2020, abgerufen am 7. November 2020 (Maja Göpel im Interview mit Peter Unfried).
  12. Dr. Maja Göpel: Eine Passion für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit, Alumni-Porträts, Universität Siegen, abgerufen am 14. März 2019.
  13. Chancen! Das Zukunfts Magazin der sdw,. (PDF) Mit der Kraft der Fakten. In: www.sdw.org. Stiftung der Deutschen Wirtschaft, 2019, abgerufen am 22. Oktober 2020.
  14. Maja Göpel: Institutionalism theories and hegemonic practices in global polity formation: reassessing premises of liberal democratic nation state orders. Dissertation, Fachbereich Gesellschaftswissenschaftender, Universität Kassel, Januar 2007, DNB 992342473, urn:nbn:de:hebis:34-2008110325017.
  15. Webseite futurejustice.org des World Future Council
  16. a b Dr. Maja Göpel wird neue WBGU-Generalsekretärin. (Nicht mehr online verfügbar.) Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, 4. Juli 2017, archiviert vom Original am 28. März 2019; abgerufen am 6. März 2020.
  17. Dr. Maja Göpel ist neue Leiterin des Büro Berlin In: Informationsdienst Wissenschaft, 7. Februar 2013, abgerufen am 6. März 2020.
  18. Meldung: Dr. Maja Göpel wechselt zum WBGU: Die bisherige Leiterin des Büro Berlin ist jetzt neue Generalsekretärin. In: WupperInst.org. 6. September 2017, abgerufen am 4. April 2020.
  19. The Great Mindshift: How a New Economic Paradigm and Sustainability Transformations Go Hand in Hand und Zusammenfassung des Buches. Publikationsverzeichnis des Wuppertal Instituts, abgerufen am 18. März 2019.
  20. Im Gespräch: Maja Göpel. In: 3sat, nano, 17. August 2018.
  21. Fachausschuss Wissenschaft, Deutsche UNESCO-Kommission, abgerufen am 13. März 2019.
  22. Scientists for Future Pressemitteilung vom 12. März 2019, abgerufen am 14. März 2019.
  23. Amy Walker: Scientists for Future: „Es gibt keine Ausreden mehr“. In: Der Tagesspiegel. 12. März 2019, abgerufen am 4. April 2020.
  24. WBGU-Generalsekretärin wechselt zu The New Institute nach Hamburg. Abgerufen am 25. August 2021.
  25. Maja Göpel verlässt das Hamburger THE NEW INSTITUTE. Abgerufen am 25. August 2021.
  26. Maja Brankovic: F.A.Z.-Ökonomenranking: Deutschlands wichtigster Ökonom. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 16. September 2021]).
  27. Mitgliedseintrag auf der Website von Club of Rome. Abgerufen am 2. März 2020 (englisch).
  28. Prof. Dr Maja Göpel. World Future Council, abgerufen am 6. März 2020 (englisch).
  29. Balatongroup
  30. Die Fellows. In: Progressives Zentrum e. V. Abgerufen am 6. März 2020.
  31. Klimastrategie: „Das ganze Ding neu denken“. In: 3sat. 28. Juni 2019, abgerufen am 6. März 2020.
  32. Robert Probst: Wo die Paradoxe wirken. Abgerufen am 29. März 2020.
  33. Carsten Matthäus: Forscherin fordert Systemwandel in der Landwirtschaft. agrarheute, 27. Mai 2020, abgerufen am 18. November 2020.
  34. Forscherin Maja Göpel zur Klimakrise: „Jetzt ist das Fenster der Möglichkeiten da!“ In: t3n. 29. August 2019, abgerufen am 6. März 2020.
  35. Maja Göpel, interviewt von Peter Unfried und Harald Welzer: Verbote können Menschen befreien. In: Taz.Futurzwei. Nr. 10, 2019, S. 36–41 (online auf taz.de).
  36. Germanwatch.org: Die Große Transformation braucht transformative Bildung. In: Weitblick. 22. März 2018, abgerufen am 3. März 2020.
  37. https://issuu.com/wbgu/docs/wbgu_hg2019?fr=sM2JiOTEyNzMy WBGU Hauptgutachten Digitalisierung, siehe Kap. 5.3.4
  38. Maja Göpel: Transformative Literacy – Competencies for System Innovations. In: The Great Mindshift. Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, abgerufen am 6. März 2020 (englisch).
  39. Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen: #wbgu Generalsekretärin Maja Göpel wechselt… In: Twitter. 9. September 2020, abgerufen am 23. September 2020.
  40. Maja Göpel. Wissenschaftliche Direktorin (ab November 2020). In: thenew.institute. THE NEW INSTITUTE Foundation, 2020, abgerufen am 7. November 2020.
  41. THE NEW INSTITUTE: Maja Göpel verlässt das Hamburger THE NEW INSTITUTE. THE NEW INSTITUTE, abgerufen am 27. September 2021 (deutsch).
  42. a b Britta Körber: „Viele spüren, es kann nicht so bleiben, wie es früher war“ – Maja Göpel findet Corona-Krise Pillepalle gegen Klimawandel. Die Welt, 8. März 2021.
  43. Maja Göpel mit Umwelt- und Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. In: Presseerklärung | WBGU. 23. Juni 2020, abgerufen am 11. Oktober 2021.
  44. Erich-Fromm-Preis geht an Ökonomin Maja Göpel, wdr.de, erschienen und abgerufen am 6. Januar 2021.
  45. Georg Meck (mit Maja Göpel im Interview): Wollen Sie eine Ökodiktatur, Frau Göpel? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. August 2020.
  46. Maja Göpel über die Welt und die Zukunft. Interview in: Rhein-Neckar-Zeitung, 21. Juni 2020.
  47. Henning Zühlsdorff: Utopie-Konferenz 2018, Gäste: Maja Göpel (Memento vom 8. Mai 2019 im Internet Archive) Leuphana Universität Lüneburg, 3. Dezember 2018.
  48. Sandra Basan, Michael Witt: Dürfen Kinder unser Leben bestimmen? In: Bild am Sonntag, 16. Juni 2019.