Makkabäer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wojciech Stattler: Die Makkabäer
Der Makkabäeraufstand, Bildfeld an der großen Knesset-Menora

Die Makkabäer waren die Anführer eines jüdischen Aufstandes gegen das Seleukidenreich und die von diesem unterstützten Gruppierungen im Land. Sie begründeten nach ihrem Sieg das königliche und hohepriesterliche Geschlecht der Hasmonäer und erkämpften sich für einhundert Jahre (165 v. Chr. bis 63 v. Chr.) eine Erbherrschaft über die Juden.

Der Makkabäeraufstand[Bearbeiten]

Die Vorgeschichte des Aufstandes[Bearbeiten]

Auch wenn die Quellen, vor allem die beiden Makkabäerbücher und Flavius Josephus, den Aufstieg der Makkabäer als einen jüdischen Freiheitskampf gegen die makedonische Fremdherrschaft deuten, lässt sich das Geschehen auch als Bürgerkrieg interpretieren.[1] In diesem standen jene Juden, die von den makedonischen Seleukiden gestützt wurden, einer anderen Gruppierung gegenüber, die sich von der Macht ausgeschlossen sah und sich schließlich unter Führung der Makkabäer gewaltsam erhob.

Als der seleukidische König Antiochos III. um 200 v. Chr. im fünften syrischen Krieg die Ptolemäer besiegte und ihnen Koilesyrien abnahm, kam auch der jüdische Priesterstaat unter seleukidische Oberhoheit. Bald wurden die Könige in innerjüdische Machtkämpfe verwickelt: Während der Herrschaft seines Sohnes Antiochos IV. wandte sich ein hellenisierter Jude namens Jason, Bruder des damaligen Hohepriesters Onias III., an den König, damit dieser ihm den Posten des Hohepriesters verschaffe. Dieses Amt war auch politisch sehr einflussreich. So löste Jason seinen Bruder im Amt ab, nachdem er Antiochos eine Erhöhung der jährlichen Tribute versprochen hatte. Er und seine Partei trieben die Hellenisierung Jerusalems stark voran.

Doch die Machtkämpfe ebbten nicht ab. 172 v. Chr. erkaufte sich ein weiterer hellenisierter Jude namens Menelaos, der nicht zum Hohepriestergeschlecht der Oniaden gehörte, das Hohepriesteramt bei Antiochos und vertrieb Jason. Er war es auch, der es dem durch Reparationszahlungen an Rom belasteten Antiochos mehrfach erlaubte, den Jerusalemer Tempelschatz zu plündern.

Als sich Antiochos 168 v. Chr. auf einem Feldzug in Ägypten befand und das Gerücht aufkam, er sei gefallen, kehrte Jason nach Jerusalem zurück und versuchte, seine alte Stellung gewaltsam zurückzuerlangen. Der aus Ägypten zurückkehrende Antiochos legte dies als Revolte gegen seine Herrschaft aus, eroberte Jerusalem und errichtete eine befestigte Militärsiedlung, die Akra, in seiner Nähe. Außerdem verbot er die Ausübung des jüdischen Kultes, der ihm als Symbol des Widerstandes galt, und wandelte den Jerusalemer Tempel in ein Heiligtum für Zeus um. Im Rahmen einer Interpretatio Graeca wurde Jahwe nun mit Zeus gleichgesetzt und die jüdische Kultpraxis durch die griechische ersetzt. Antiochos stützte sich auf jene Angehörige der einheimischen Elite, die mit seiner Unterstützung über ihre Mitbürger herrschen wollten, und forderte als Zeichen der Loyalität auch Opfer für die Königsfamilie, wie dies im Hellenismus üblich war (Herrscherkult). Unklar ist, ob die Initiative hierfür wirklich von Antiochos ausging, oder ob eher seine Anhänger in Jerusalem hinter der Aktion standen.

Der Beginn des Aufstandes – Judas Makkabäus[Bearbeiten]

Das Religionsedikt des Antiochos IV. provozierte die alten, nunmehr von der Macht ausgeschlossenen Eliten noch mehr, erregte aber auch den Unmut der ländlichen, vom Hellenismus kaum berührten Bevölkerung, und wurde so zum Anlass für den Aufstand. Nachdem ein jüdischer Priester namens Mattatias aus dem Geschlecht der Hasmonäer in seiner Heimatstadt Modi’in zum Opfer für Antiochos aufgefordert worden war, tötete er den seleukidischen Boten und einen Juden, der das Opfer vollziehen wollte, und zog sich mit seinen Söhnen und einigen Getreuen in die Wüste zurück.

Als er ein Jahr darauf starb, übernahm sein Sohn Judas mit dem Beinamen Makkabäus (von aramäisch Makkaba, der Hammer) die Führung des Aufstandes. Diesem gelang es mittels Guerilla-Taktiken, mehrere kleine Armeen der Seleukiden zu schlagen, während Antiochos IV. selbst gerade einen Feldzug im Osten seines Reiches führte. Judas führte auch Feldzüge in Gebiete benachbarter Stämme an, die allerdings wohl noch nicht den Charakter von Eroberungszügen hatten. Der Konflikt war stark religiös aufgeladen, denn um sich von ihren jüdischen Feinden abzugrenzen, inszenierten sich die Makkabäer als radikale Juden und führten in großem Maße Zwangsbeschneidungen durch.

Schließlich gelang es Judas sogar, Jerusalem einzunehmen und den aus seiner Sicht entweihten Tempel wieder zu reinigen. Dieses Ereignisses wird noch heute während des Chanukkafestes gedacht. Sein Kampf profitierte davon, dass Antiochos IV. 164 v. Chr. starb und unter seinen Generälen ein Kampf um die Vormundschaft für seinen jungen Sohn Antiochos V. ausbrach. Dieser Kampf endete allerdings, als Demetrios, ein Neffe von Antiochos IV., aus Rom zurückkehrte, seinen kleinen Cousin ermorden ließ und selbst den Seleukidenthron bestieg. Er führte den Krieg gegen die Makkabäer fort und unterstützte die jüdischen Gegner der Makkabäer. Als Judas 160 v. Chr. im Kampf gegen Demetrios’ General Bacchides fiel, war dies ein schwerer Schlag für die Sache der Aufständischen.

Seleukidische Thronwirren und Triumph der Makkabäer – Jonatan und Simon[Bearbeiten]

Nach Judas’ Tod wurde sein Bruder Jonatan Anführer des Aufstandes. Ihm kam zugute, dass Demetrios I. mittlerweile nicht mehr unangefochtener Herrscher des Seleukidenreichs war, sondern von dem Usurpator Alexander Balas bedroht wurde. Beide Thronprätendenten wandten sich nun an Jonathan und versuchten ihn mit Zugeständnissen auf ihre Seite zu ziehen. Alexander Balas verlieh ihm sogar das Amt des Hohepriesters. Der Usurpator konnte sich schlussendlich zwar durchsetzen, unterlag kurz darauf allerdings Demetrios’ Sohn Demetrios II. Der Kampf um den Thron wurde nun von diesem und dem General Diodotos Tryphon weitergeführt, was die Position des Jonathan noch weiter stärkte. Dies änderte sich auch nicht, als Tryphon Jonathan ermorden ließ und mit Simon der letzte der Mattatias-Söhne Anführer des Aufstandes und Hohepriester wurde. Simon gelang es schließlich auch mit der Akra das letzte Symbol seleukidischer Herrschaft in Judäa zu beseitigen. Unter seinem Sohn Johannes Hyrkanos I. kam es noch einmal zu Kämpfen mit dem Seleukidenkönig Antiochos VII., die allerdings 134 v. Chr. mit einem Friedensschluss endeten. Danach waren die Seleukiden schon bald zu schwach, um außerhalb Syriens noch eine aktive Politik zu betreiben. Ohne ihre Unterstützung brach der innerjüdische Widerstand gegen die Makkabäer zusammen.

Judäa nach dem Aufstand[Bearbeiten]

Die Dynastie wurde nach dem Tod des Johannes Hyrkanos I. von dessen Sohn Aristobulos I. weitergeführt, der erstmals den Königstitel annahm und diesen mit dem Amt des Hohepriesters verband. Nun öffnete man sich auch wieder jenen Einflüssen, die man während des Krieges als unjüdisch verteufelt hatte; so trug das Königtum der Hasmonäer deutliche Züge der hellenistischen Monarchie, verband diese allerdings mit theokratischen Elementen.[2] Das Hasmonäerreich betrieb eine aktive Eroberungspolitik, die anscheinend auch Zwangskonvertierungen der umgebenden Stämme zum Judentum einschloss, und konnte bis zur Eroberung Jerusalems durch Pompeius 63 v. Chr. seine Unabhängigkeit bewahren. Die Herrscherdynastie, die ab 63 v. Chr. nur noch die Hohepriester stellen durfte, fand 37 v. Chr. mit der Einnahme Jerusalems durch den Idumäer Herodes, einem nur mehr angeheirateten Mitglied der Familie, ihr Ende.

Makkabäer oder Hasmonäer?[Bearbeiten]

Der Name Makkabäer leitet sich ab von Makkabäus (von aramäisch Makkaba, der Hammer), dem Beinamen des Mattatias-Sohnes Judas, und wird meist gebraucht, um Angehörige dieser Familie während der Zeit des Aufstandes zu bezeichnen. Für die Königsdynastie, welche sie begründeten, hat sich die Bezeichnung Hasmonäer eingebürgert, die sich vom Namen eines Vorfahren des Mattatias, einem gewissen Ασαμωναίος[3] herleitet. Die Begründung der Dynastie geht auf Simon zurück, dem die Ämter eines Hohenpriesters und Ethnarchen von Judäa im Jahr 141 v. Chr. durch eine Volksversammlung verliehen wurden, die unter seinen Nachfahren erblich wurden (1 Makk 14,41-49 EU).[4] Sein Enkel Aristobulos I. nahm später zusätzlich den Königstitel an, den aber nicht alle seine Nachkommen trugen. Von dieser Dynastie sind die Nachkommen der anderen Makkabäer zu unterscheiden, so führte beispielsweise der Historiker Flavius Josephus seine Abstammung zurück auf Jonathan, den Hohenpriester und Makkabäer.[5]

Rezeption[Bearbeiten]

Die Geschichte der Makkabäerzeit wird in den deuterokanonischen bzw. apokryphen alttestamentlichen Büchern 1. Makkabäer, 2. Makkabäer und 4. Makkabäer dargestellt (das dritte Makkabäerbuch behandelt trotz seines Namens die Makkabäer nicht). Diese Quellen verwendet Flavius Josephus, der im 1. Jahrhundert n. Chr. lebte, in seiner Geschichte des jüdischen Krieges (gr. Ἱστορία Ἰουδαϊκοῦ πολέμου πρὸς Ῥωμαίους, lat. De bello Iudaico) und in Jüdische Altertümer (lat. Antiquitates Judaicae, auch unter dem Titel Jüdische Archäologie bekannt).

In der heutigen Zeit tragen weltweit viele jüdische Sportvereine den Namen Maccabi, in Erinnerung an die Heldentaten der Makkabäer.

Literarisch bzw. musikalisch wurde das Thema bearbeitet von

In der Kölner Kirche St. Andreas (nahe Hauptbahnhof) findet man den Makkabäerschrein, eine großartige Goldschmiedearbeit, der angeblich die Gebeine der 7 Makkabäerbrüder und ihrer Mutter enthält. Die Darstellungen auf dem Schrein erzählen von einem grausamen Martyrium der 7 Brüder, das in Parallele zur Passion Christi gestellt wird.

Die katholische und die orthodoxe Kirche verehren die sieben Brüder als Heilige (Gedenktag am 1. August).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Bernhardt (2015).
  2. Vgl. Kai Trampedach: Between Hellenistic Monarchy and Jewish Theocracy. The Contested Legitimacy of Hasmonean Rule. In: Nino Luraghi (Hrsg.): The Splendors and Miseries of Ruling Alone. Stuttgart 2013, S. 231 ff.
  3. Flav.Jos.Ant 11,111; 12,1 und öfters
  4.  Klaus-Dietrich Schunck: Makkabäer/Makkabäerbücher. In: Gerhard Krause, Gerhard Müller (Hrsg.): Theologische Realenzyklopädie. Studienausgabe. Teil 2, Band 21, Walter De Gruyter, Berlin 2000, ISBN 978-3-11-016295-0, S. 736 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche, abgerufen am 24. Juli 2011).
  5.  Flavius Josephus, Heinz Schreckenberg, Manuel Vogel, Folker Siegert (Hrsg.): Aus meinem Leben. Vita. Mohr Siebeck, Tübingen 2001, ISBN 978-3-16-147407-1 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche, abgerufen am 24. Juli 2011).

Literatur[Bearbeiten]

  • Bezalel Bar-Kochva: Judas Maccabaeus. The jewish struggle against the Seleucids. Cambridge University Press, Cambridge 1989, ISBN 0-521-32352-5.
  • Johannes Bernhardt: Die jüdische Revolution. Untersuchungen zu Ursachen, Verlauf und Folgen der hasmonäischen Erhebung (= Klio. Beihefte. Neue Folge, Band 22). de Gruyter, Berlin u. a. 2015, ISBN 978-3-05-006481-9.
  • Elias Bickermann: Der Gott der Makkabäer. Untersuchungen über Sinn und Ursprung der Makkabäischen Erhebung. Schocken, Berlin 1937 (englische Übersetzung: Brill, Leiden 1979, ISBN 90-04-05947-4).
  • Thomas Fischer: Seleukiden und Makkabäer. Beiträge zur Seleukidengeschichte und zu den politischen Ereignissen in Judäa während der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. Brockmeyer, Bochum 1980, ISBN 3-88339-138-7.
  • Markus Sasse: Geschichte Israels in der Zeit des Zweiten Tempels. Historische Ereignisse, Archäologie, Sozialgeschichte, Religions- und Geistesgeschichte. 2. Auflage. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 2009, ISBN 978-3-7887-1999-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Der Jüdische Krieg auf Deutsch – Quellen und Volltexte