Malcolm X

Malcolm X [] (* 19. Mai 1925 als Malcolm Little in Omaha, Nebraska; nach seiner Pilgerreise 1964 nach Mekka El Hajj Malik el-Shabazz; † 21. Februar 1965 in New York City) war ein amerikanischer Menschenrechtler, einer der Anführer der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung sowie bis 1964 Sprecher und ab 1964 Kritiker der Nation of Islam. Er wurde 1965 bei einem Attentat in Manhattan getötet.
Frühe Jahre
Familie
Malcolm X war der Sohn des baptistischen Reverends Earl Little, einem Gelegenheitsarbeiter, und seiner Frau Louise Langdon Norton. Malcolms Vater war von Beruf Tischler. 1917 zog er wie viele Afroamerikaner im Zuge der Great Migration in den Norden des amerikanischen Kontinents, um der brutalen Unterdrückung durch das System der Jim-Crow-Rassentrennung in den US-amerikanischen Südstaaten zu entgehen. Er verließ die USA und siedelte sich in Kanada an, genauer in Montreal. Seine Familie – seine Frau Daisy Mason und die drei gemeinsamen Kinder Ella, Mary und Earl Jr. –, mit der die Beziehung ohnehin angespannt war, verließ er, ohne die Scheidung einzureichen. Stattdessen gab er sich als Witwer aus und heiratete am 10. Mai 1919 Louise Norton. Malcolms Mutter wurde auf Grenada in Britisch-Westindien als Tochter eines schottischen Vaters und einer schwarzen Mutter geboren. Über die Beziehung ihrer Eltern ist nur wenig bekannt; Malcolm X sprach jedoch stets von einer Vergewaltigung. Louise Nortons Mutter starb früh und ihr Vater verließ sie, so dass sie von ihrer Großmutter und Tante aufgezogen wurde. In ihrer Jugend emigrierte die Afrokaribin auf Einladung ihres Onkels Edgerton Langdon nach Kanada, wo sie Earl Little auf einem Kongress der Universal Negro Improvement Association (UNIA) kennenlernte und heiratete. Von dessen ehemaliger Familie erfuhr sie erst später. Das Paar hatte sieben Kinder: Wilfred, Hilda, Philbert, Malcolm, Reginald, Yvonne und Wesley.[1]
Die Littles waren Anhänger des schwarzen Nationalisten Marcus Garvey, dem Vorsitzenden der UNIA. Garvey war die Führungsfigur des Back-to-Africa-Movement, einer Massenbewegung mit mehreren Millionen Anhängern, die die wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit der Afroamerikaner von den Weißen propagierte. Er forderte von seinen Anhängern, stolz auf ihre Hautfarbe zu sein und sich gegen ihre Unterdrückung zur Wehr zu setzen. Als Endziel sah sie eine Rückkehr nach Afrika vor. Um Garveys Ideen in den USA zu verbreiten, verließ das Ehepaar Little Kanada und zog erst nach Philadelphia und dann nach Omaha. Earl Little wurde dort Vorsitzender des neugegründeten lokalen Zweigs der UNIA. Als selbstbewusster schwarzer Aktivist fiel es Little schwer, eine feste Stelle zu finden. Er hielt sich und seine Familie mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser, u. a. als Aushilfsprediger. Nebenher jagte er, während seine Frau Kaninchen und Hühner züchtete.[2]
Die politische Haltung seines Vaters führte zu Anfeindungen und Angriffen durch weiße Rassisten: In seiner Autobiographie schildert Malcolm einen Überfall von bewaffneten Ku-Klux-Klan-Mitgliedern auf das Haus der Familie. Diese forderten, dass Earl Little sein Haus verlassen und zu ihnen kommen solle. Malcolms Mutter, die zu diesem Zeitpunkt mit ihm schwanger war, konfrontierte die Terroristen und richtete ihnen aus, dass ihr Mann verreist sei. Die Ku-Klux-Klan-Mitglieder drohten der Familie mit weiteren Gewaltakten, forderten von ihnen, die Stadt zu verlassen, und ritten schließlich davon. Der Wahrheitsgehalt dieser Geschichte wurde später durch Aussagen von sowohl Malcolms Mutter als auch seiner Tante Rose in Zweifel gezogen, wird jedoch immer wieder auch in eigentlich reputablen Biographien kolportiert. Das Bild einer schwangeren Frau, die mutig die böswilligen Schergen der White Supremacy konfrontiert, zeigt der Historikerin und Malcolm-Biographin Britta Waldschmidt-Nelson zufolge besonders im Kontext der Biographie eines schwarzen Freiheitskämpfers effektiv die Brutalität des Rassismus. Zugleich erscheint sie den meisten Lesern als glaubwürdig, da ähnliche rassistisch motivierte Gewaltakte in den gesamten Vereinigten Staaten üblich waren.[3]
Kindheit und Jugend
Malcolm X kam 1925 im Uniklinikum Omaha auf die Welt. Seine Kindheit war unglücklich; rückblickend betitelte er dieses Kapitel seines Lebens als ein „Albtraum“ (englisch nightmare). Ehestreitigkeiten über die Affären seines Vaters oder seine Unfähigkeit, für die Familie zu sorgen, waren ebenso wie häusliche Gewalt an der Tagesordnung. Malcolm war auch wegen seiner vergleichsweise hellen Haut und seinen rotbraunen Haaren der Lieblingssohn seines selbst sehr dunkelhäutigen Vaters, der ihn deshalb nur wenig schlug. Prügelstrafen teilte ihm gegenüber meist seine Mutter aus, der die helle Haut ihres Sohnes missfiel. Malcolm wurde früh von den Predigten seines Vaters über die Lehren Marcus Garveys geprägt.[4]
Fehlendes Geld und Anfeindungen durch weiße Rassisten zwangen die Familie immer wieder zu Umzügen. Als sie sich 1929 in Lansing ansiedelte, wurde sie drei Monate später aus ihrem Haus ausgewiesen – laut einem Grundbucheintrag war Afroamerikanern der Erwerb dieser Immobilie nicht gestattet. Die Littles zogen erfolglos vor Gericht; ihnen wurde nicht einmal der Kaufpreis erstattet. Wenig später brannte das Haus samt dem Hab und Gut der Familie nieder. Die Brandursache blieb unklar. Während Malcolm X in seiner Autobiographie weiße Rassisten der Brandstiftung bezichtigt, vermutete die Polizei, dass Earl Little Versicherungsbetrug beging. Er hatte nämlich zuvor eine vergleichsweise hohe Brandversicherung auf das Haus abgeschlossen. Die Familie zog daraufhin zunächst nach East Lansing und später auf ein Grundstück, das außerhalb der Stadt gelegen war. Am 8. September 1931 starb Earl Little einem Polizeibericht zufolge bei einem Straßenbahnunfall. Louise Little und die Mehrheit ihrer Kinder gingen hingegen von einem Mordanschlag der Black Legion aus, einem Ableger des Ku-Klux-Klans.[5]
Der Tod des Vaters inmitten der Großen Depression war für die Familie eine Katastrophe. Ohnehin schon verarmt, musste sie nun am Existenzminimum leben. Teilweise konnte sie sich keine besseren Mahlzeiten als gekochten Löwenzahn leisten. Da das Geld der Lebensversicherung nicht reichte, um die achtköpfige Familie zu versorgen, mussten Louise Little und ihr elfjähriger Sohn Wilfred verschiedene Gelegenheitsarbeiten annehmen. Die stolze Mutter sah sich bald gezwungen, Sozialhilfe und eine Witwenrente zu beantragen. Sie schloss sich in dieser Zeit den Adventisten an und führte strenge Essensvorschriften ein. So verbot sie ihren Kindern den Verzehr von Schweine- und Kaninchenfleisch und lehnte auch gespendetes Essen ab, das sie als „unrein“ wahrnahm. Ihre Nachbarn und die staatliche Fürsorge hatten kein Verständnis für dieses Verhalten und warfen der Mutter vor, mit ihrem religiösen Fanatismus das Wohlergehen ihrer Kinder zu gefährden. Malcolm griff in dieser Zeit auf Diebstahl zurück, um sich zu ernähren und Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Louise lebte durch eine neue Liebesbeziehung noch kurz auf; ihr Freund verließ sie jedoch Ende 1937, als er erfuhr, dass er sie geschwängert hatte. Der geistige Zustand der Mutter verschlechterte sich nun rapide. Als Malcolm bei einem erneuten Diebstahl erwischt wurde, übergab die Fürsorge ihn einer weißen Pflegefamilie, den Gohannas. Seine Mutter erlitt schließlich kurz vor Weihnachten 1938 einen totalen Nervenzusammenbruch und wurde per Gerichtsbeschluss in eine staatliche Nervenklinik in Kalamazoo eingewiesen, wo sie die nächsten 24 Jahre ihres Lebens verbrachte. Erst 1963 kam sie bei ihrem Sohn Philbert und dessen Familie in Lansing unter.[6]
Mit 13 Jahren hatte Malcolm den Kollaps seiner Familie miterlebt: Sein Vater war tot, seine Mutter in einer Klinik und seine Geschwister auf mehrere Pflegefamilien verteilt. Die Schuld verortete er bei den weißen Autoritäten, die weder Respekt noch Verständnis für seine Mutter aufbrachten und sie deshalb in den Ruin trieben. Waldschmidt-Nelson hebt hingegen hervor, dass dieses klassische schwarz-nationalistische Narrativ ihn und seine Familie von Schuld für ihre Lage freispricht. Die vielen Schicksalsschläge machten Malcolm zu einem Problemkind; Konflikte mit der Schulleitung und seiner Pflegefamilie führten dazu, dass er in ein Heim für schwererziehbare Jugendliche in Mason versetzt wurde. Dort verbesserte sich das Verhalten Malcolms auf Grund der freundlichen Behandlung durch die weißen Heimleiter, dem Ehepaar Swerlin. Zwar schätzte Malcolm ihre Hilfe, rückblickend kritisierte er sie jedoch für die von ihnen gehegten rassistischen Vorstellungen und ihre Nutzung des Wortes „Nigger“. Das persönliche Eingreifen der Swerlins ermöglichte Malcolm den Besuch der städtischen Junior High School, in der er der einzige schwarze Schüler war. Er passte sich an, erzielte gute Ergebnisse und war bei seinen Mitschülern beliebt, so dass sie ihn zu ihrem Klassensprecher wählten. Seine Lieblingsfächer waren Englisch und Geschichte.[7]
Zwei Jahre später wandelte sich Malcolms Lebenseinstellung erneut, als er im Frühling 1940 seine Halbschwester Ella Little kennenlernte und mit ihr in einen regen Briefverkehr trat. Ihr selbstbewusstes Auftreten und ihr Stolz auf ihre afroamerikanische Herkunft machten einen großen Eindruck auf ihn. Die Sommerferien 1940 verbrachte er daher in ihrem Einfamilienhaus in Boston, wo er sich zum ersten Mal als Teil einer schwarzen Gemeinschaft fühlte. Das Leben in der Großstadt begeisterte ihn. Nach seiner Rückkehr störte ihn der unterschwellige Rassismus in Macon umso mehr: Er hatte das Gefühl, wie ein schwarzes Maskottchen und nicht wie ein vollwertiger Mitmensch behandelt zu werden. Verstärkt wurde dieser Eindruck in einem Gespräch über seine Berufsaussichten mit seinem Lieblingslehrer. Dieser machte ihm klar, dass das Bildungsbürgertum für ihn als „Nigger“ trotz seiner herausragenden Leistungen unerreichbar sei und er eher ins Handwerk gehen sollte. Malcolms Frustration über seine Ausgrenzung führte dazu, dass seine Noten einbrachen. Er zeigte sich den Autoritäten gegenüber wieder rebellisch, indem er beispielsweise weiße Mädchen zum Tanz aufforderte – ein Tabubruch in der streng nach Hautfarbe getrennten Gesellschaft. Die Swerlins, die wie seine Lehrer und Mitschüler kein Verständnis für sein Verhalten hatten, brachten ihn bei einer schwarzen Pflegefamilie unter, den Lyons. Auf Malcolm wirkten diese jedoch wie unterwürfige Anpasser. Schließlich durfte er im Sommer 1941 nach Boston zu seiner Halbschwester ziehen.[8]
„Detroit Red“ – Kriminalität

In Boston rebellierte Malcolm weiterhin gegen die Autoritätsfiguren in seinem Leben, nunmehr seine Halbschwester, die ihn an die Werte der schwarzen Mittelschicht heranführen wollte. Diese kamen dem Teenager wie eine affektierte Nachahmung der Weißen vor. Stattdessen identifizierte er sich mit der schwarzen Unterschicht, genauer mit der Kultur der Großstadt-Bars und Casinos, und nahm eine Stelle als Schuhputzer vor einem Tanzlokal an. Talentiert im Lindy Hop und auch bei weißen Frauen beliebt widmete er sich mehr und mehr dem Nachtleben. Durch seine Arbeit kam er in Kontakt mit schwarzen Stars wie Duke Ellington, aber auch mit Drogen: Sein Hauptverdienst wurde bald der Verkauf von Marihuana. Er selbst rauchte in dieser Zeit Cannabis und fing später an, Kokain zu sich zu nehmen. Auch sein Äußeres passte er an seine Umgebung an: Er trug die damals unter jungen Afroamerikanern beliebten Zoot Suits und ließ sich einen Conk machen, also die Haare bei einer schmerzhaften Prozedur entkräuseln und rot färben. Rückblickend bewertete Malcolm X den Conk als seinen „erste[n] große[n] Schritt zur Selbsterniedrigung“ (englisch first really big step toward self-degredation) und als den fehlgeleiteten Versuch, durch Selbstverstümmelung einem weißen Schönheitsideal zu entsprechen. Sowohl die welthistorischen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs als auch die politischen Errungenschaften der frühen Bürgerrechtsbewegung interessierten Malcolm nur wenig. Dem Wehrdienst entging er 1943, indem er eine Geisteskrankheit simulierte. Hingegen war er ein aufmerksamer Beobachter der Rassenunruhen in Harlem 1943, bei denen Schwarze gegen Polizeigewalt randalierten. Ella Little war über die Entwicklung ihres Halbbruders entsetzt und versuchte immer wieder, ihn wieder auf die „rechte Bahn“ zu bringen, so dass Malcolm schließlich Ende 1941 zu seinem Freund Shorty Jarvis zog. Als Kompromiss mit seiner Halbschwester akzeptierte er jedoch eine Stelle als Sandwichverkäufer bei der Bahn.[10]
Im Frühjahr 1942 brachte ihn seine Arbeit bei der Bahn nach Harlem, dem schwarzen Viertel New Yorks. Malcolm war vom Zentrum afroamerikanischer Kunst und Kultur (siehe Harlem Renaissance) und dem glamourösen Nachtleben der Stadt so begeistert, dass er sich in ihr ansiedelte. Er glitt immer weiter ins kriminelle Milieu ab; vermittelte die Dienste von Prostituierten und verkaufte weiterhin Drogen. Die meist weiße Sex-Kundschaft verachtete er als pervers; hingegen stand er den Zuhältern eher positiv gegenüber, auch wenn sie ihre Arbeiterinnen fast wie Sklavinnen behandelten. Seinen eigenen Freundinnen – er führte damals intime Beziehungen mit mehreren Frauen gleichzeitig – erniedrigte und schlug er regelmäßig. Später benannte er selbst sein Verhalten als Objektifizierung. Bekannt war er als „Detroit Red“: Detroit, weil er aus dem Bundesstaat Michigan stammte, Red wegen seiner roten Haarfarbe. In seiner Autobiographie berichtet er ausführlich über diese Zeit und stellt sich als stadtbekannten und berüchtigten Verbrecher dar. Dass er auch legale Berufe ausübte und regelmäßig Harlem verließ, um Verwandtschaft und Freunde zu besuchen, bleibt unerwähnt. Der Einschätzung Waldschmidt-Nelsons zufolge handelte es sich bei ihm eher um einen „rastlose[n], nach Anerkennung hungernde[n] junge[n] Mann“, der seine eigene Kriminalität und seinen Wagemut später übertrieb.[11]
Um seine immer teurer werdende Drogensucht zu finanzieren, wurde Malcolm mit seinem Freund Sammy McKnight ein Einbrecher. Unter dem Einfluss verschiedener Rauschgifte wurde er immer risikobereiter und unberechenbarer. Bei mehreren Konflikten mit anderen Kriminellen und der Polizei setzte er sogar sein Leben aufs Spiel. 1944 kam er mit 19 Jahren erstmals vor Gericht, nachdem er den Pelzmantel seiner Halbschwester gestohlen und verkauft hatte. Er wurde zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Bei einem Besuch seiner Geschwister in Michigan wurde er bei einem bewaffneten Raubüberfall erkannt und verhaftet. Nachdem sein Bruder Wilfred die 1000 $ hohe Kaution bezahlt hatte, floh er zurück nach New York. 1945 war er wegen Auseinandersetzungen mit anderen Kriminellen gezwungen, nach Boston zum über die Lebensart seines Freundes schockierten Shorty Jarvis zurückzukehren. Auch wenn er weiter legale Arbeiten ausübte und mit Freunden und Familie lebte, fand weder sein Drogenkonsum noch sein kriminelles Verhalten ein Ende. Rückblickend meinte Malcolm X, dass er in dieser Zeit zu einem zynischen Raubtier ohne Glauben an Gott verkommen war.[12]
Malcolm-X-Biographen wie Manning Marable vermuten, dass Malcolm nach seiner Rückkehr nach Boston ein sexuelles Verhältnis mit dem weißen Hotelmanager William Paul Lennon hatte. Des Weiteren gibt es Hinweise, dass Malcolm auch zuvor gegen Bezahlung sexuelle Beziehungen mit anderen Männern unterhielt. Dabei handelte es sich Marable zufolge eher um eine jugendliche Experimentation eines mit Frauen frustrierten Mannes als um ein Indiz für eine mögliche Homo- oder Bisexualität. Diese Theorien sind allerdings vor allem unter Schwarzen Nationalisten, die sie als Verleumdung ihres Helden wahrnehmen, höchst kontrovers – möglicherweise das Zeichen eines homophoben Männlichkeitsideals.[13]

Malcolm setzte auch in Boston seine Einbrüche fort, nun unterstützt von einer aus ihm selbst, Shorty Jarvis, Francis „Sonny“ Brown (In Malcolms Autobiographie „Rudy“ genannt), den weißen Frauen Bea und Joyce Caragulian sowie der Armenierin Kora Marderosian bestehenden Bande. Die anfangs lukrativen Einbrüche im weißen Reichenviertel Bostons waren jedoch eher dilettantisch: Die Bande verfügte weder über einen Dietrich noch über ein Glasschneider und behielt einige der gestohlenen Wertgegenstände. Nachdem Malcolm eine gestohlene Armbanduhr einem Juwelier zur Reparatur gegeben und ihm sogar Name und Adresse mitgeteilt hatte, wurden er und alle seine Mitstreiter bis auf Sonny Brown im Januar 1946 verhaftet. Vor Gericht behaupteten die Frauen, von den Männern zu den Einbrüchen gezwungen worden zu sein, und erreichten so Strafen von nur eins bis fünf Jahren auf Bewährung. Schockiert mussten Malcolm und Shorty Jarvis feststellen, dass sie selber jeweils zu acht- bis zehnjährigen Freiheitsstrafen verurteilt wurden. In ihren Augen lag der drakonische Entscheid des Gerichts nicht an ihren eigentlichen Straftaten, sondern an der Tatsache, dass sie als schwarze Männer mit weißen Frauen zusammengearbeitet hatten.[15]
Gefängnis – Beitritt zur Nation of Islam
Für Malcolm war die Haft im berüchtigten Charlestown-Gefängnis, eines der ältesten Strafeinrichtungen der Vereinigten Staaten, eine der Tiefpunkte seines Lebens. Die katastrophalen Hygienebedingungen, die erniedrigende Haft hinter Gittern und der plötzliche Kokainentzug, den er mit Amphetaminen, Barbituraten und Marihuana auszugleichen versuchte, trugen zu seinem aggressiven und uneinsichtigen Verhalten bei. Im Gefängnis machte er mit ständiger Flucherei, Gespött über Gott, Bibel und Religion sowie mit überzogenen Geschichten über seine Brutalität und Kaltblütigkeit als Krimineller auf sich aufmerksam. Den anderen Gefängnisinsassen, unter denen er bald nur noch als „Satan“ bekannt war, ging er meist aus dem Weg. Sowohl seine Familie als auch Jarvis distanzierten sich von ihm.[16]
Das Leben des jungen Kriminellen begann sich erst nach der Begegnung mit dem ehemaligen Einbrecher John Elton Bembry zu wandeln. Bembry hinterließ mit seinen guten Kenntnissen in Philosophie, Geschichte und Religion und der Autorität, die er über die anderen Gefängnisinsassen verfügte, einen großen Eindruck auf Malcolm. Unter der Anleitung Bembrys, der für ihn zu einer Art Vaterfigur wurde, begriff er den Wert von Bildung und wurde zu einem Autodidakten. Zunächst musste er ein halbes Jahrzehnt nach seinem Schulabbruch das Lesen trainieren und die Regeln der Englischen Grammatik wiederholen. Seinen Wortschatz erweiterte er, indem er ein Wörterbuch Seite für Seite durcharbeitete. Beschränkt wurden seine Bestrebungen durch die geringe Größe der Gefängnisbibliothek Charlestowns, weshalb er eine Verlegung in das fortschrittliche Gefängnis in Norfolk ersuchte. Dieses fokussierte sich auf die Rehabilitation der Gefängnisinsassen und bot ihnen einen breiten Zugang zu Bildung. Unterstützt wurde er dabei von seiner Halbschwester Ella, die sich von Malcolms Weiterentwicklung erfreut zeigte. Nach 15 Monaten im Gefängnis von Concord wurde er im März 1948 tatsächlich in die Norfolk Prison Colony verlegt – auch wegen der Bestechungsgelder, die Ella dem zuständigen Richter hatte zukommen gelassen.[17]
Malcolm widmete in den folgenden Jahren fast alle freien Stunden der Literatur, die ihm, wie er in seiner Autobiographie später beschrieb, „eine neue Welt eröffnete“ (englisch [a] new world opened to me). Er setzte sich vor allem mit der Geschichte der Schwarzen auseinander, der Sklaverei und dem Widerstand der Sklaven. Zu den Autoren, die er zu diesen Themen heranzog, zählten der Soziologe W.E.B. Du Bois und der Historiker Carter G. Woodson. Darüber hinaus beschäftigte er sich auch mit den Werken verschiedener europäischer Philosophen, darunter Schopenhauer, Kant und Nietzsche. Vereinzelt las er auch Belletristik, wobei er ein besonderes Gefallen an den Dramen Shakespeares fand.[18]

Gegen Ende des Jahres 1948 wurde Malcolm nach einiger Überzeugungsarbeit seiner bereits konvertierten Geschwister ein Mitglied der Nation of Islam (NOI), einer religiös-politischen Organisation, die den Islam mit den Lehren des schwarzen Nationalismus verband. Grundpfeiler der Lehre der NOI war eine extrem anti-weiße Haltung. Sie seien allesamt Teufel, die die Schwarzen über Jahrhunderte unterdrückten und ihnen ihre Kultur raubten, die die Schwarzen nun wiedergewinnen müssten. Ihre Herkunft seien die Experimente des bösen Wissenschaftlers Yakub, der vor 6600 Jahren mit den Weißen eine niederträchtige Menschenrasse geschaffen habe. Als besonders erfolgreiche Teufel galten die Juden, die gemäß gängiger antisemitischer Stereotype als raffgierige Parasiten dargestellt wurden. Hingegen seien die Schwarzen von Natur aus gütig und göttlich. Allah, der selbst schwarz sei, stehe auf ihrer Seite und werde sie im Armageddon von der Unterdrückung durch die Weißen befreien und ihnen die Herrschaft über die Welt wiedergeben. Die Anhänger der NOI, auch „Black Muslims“ genannt, mussten sich strikten Glaubensregeln, einer konservativen Sexualmoral und einer strengen Arbeitsethik unterwerfen und ein Zehntel ihres Einkommens der Nation spenden. Frauen waren in der NOI in die zweite Reihe verwiesen und sollten nur ihre Rolle als „gute Ehefrauen und Mütter“ erfüllen, auf die sie in der Muslim Girls’ Training vorbereitet wurden. Mit der Politik oder allgemein der Welt der Weißen sollten sie sich nicht beschäftigen. Viele dieser Punkte stehen in direktem Widerspruch zum orthodoxen Islam. Zugleich finden sich verschiedene Kernaspekte der Weltreligion, insbesondere ihre Fünf Säulen, in der Lehre der NOI gar nicht wieder. Aus diesen Gründen wird die Nation of Islam von den meisten orthodoxen Moslems nicht als eine echte Strömung des Islams anerkannt.[19]
Verkündet wurde diese Lehre in den frühen 1930er Jahren von Wallace D. Fard, dem Gründer der NOI, der nach seinem spurlosen Verschwinden 1934 zu einer Inkarnation Allahs erklärt wurde. Sein Nachfolger, Elijah Muhammad, galt seinen Anhängern als ein Prophet und das unfehlbare persönliche Sprachrohr Allahs. Diese angeblich göttliche Berufung verhalf dem eigentlich eher uncharismatischen Mann dazu, seine Nation mit großer Autorität zu führen. Die Ursprünge der NOI fanden sich zum einen bei der schwarz-nationalistischen Back-to-Africa-Bewegung Marcus Garveys und zum anderen im Moorish Science Temple Noble Drew Alis, einer kleinen, schwarzen muslimischen Glaubensgemeinschaft.[20]
Malcolm widmete sich eifrig der neuen Religion und akzeptierte bald die absolute Autorität Elijah Muhammads. Für Malcolm repräsentierte die Konversion zum Islam einen Wandel hin zum Guten in seiner Seele und einen Ausbruch aus dem Gefängnis, das die Weißen in seinem Geist aufgebaut hatten. Dass sie Teufel seien, erschien ihm angesichts seiner bisherigen Lebenserfahrung einleuchtend. Ihm und vielen weiteren schwarzen Gefängnisinsassen bot die NOI ein Ventil für ihre negativen Gefühle, ein gestärktes Gemeinschafts- und Selbstwertgefühl sowie eine Entschuldigung für die Fehler, die sie ins Gefängnis geführt hatten. Hinzu kam für Malcolm eine spirituelle Erfahrung, bei dem ihm Wallace D. Fard – in seinen Augen also die Inkarnation Allahs – im Traum erschienen war. Wie viele Mitglieder der NOI adoptierte er den Buchstaben X als seinen neuen Nachnamen. Damit zeigte er zum einen, dass er seine sündhafte Vergangenheit abstreifte, und zum anderen, dass er die Unterdrückung durch die Weißen ablehnte. Sein alter Nachname Little war nämlich derjenige seiner versklavten Vorfahren, die ihn wiederum von ihrem Sklavenhalter übernommen hatten. Da der (der Auffassung der Schwarzen Muslims zufolge) eigentliche, afrikanische Nachname, verloren ging, trugen die Mitglieder der Nation als Ersatz den Nachnamen X. Malcolm widmete sich einem intensiven Koran- und Bibelstudium. Schon im Gefängnis betätigte er sich als Missionar für seinen neuen Glauben, wozu er seine sprachliche Ausdrucksfähigkeit gezielt schulte. Ihm gelang es, einige seiner Mithäftlinge, darunter seinen Freund Shorty Jarvis, zur Konversion überzeugen. Besonders profilierte er sich bei den im Gefängnis organisierten Debatten, aus denen er fast immer als Sieger hervorging.[21]
Malcolms Bestehen auf die religiösen Vorschriften der NOI, kein Schweinefleisch zu essen und keine Impfungen zu akzeptieren, führten bald zu Konflikten mit der Gefängnisleitung, so dass er 1950 mit zwei weiteren Mitgliedern der NOI in das Gefängnis in Charleston zurückversetzt wurde. Zwar gelang es ihm, einige Zugeständnisse zu erreichen, doch verschlechterte sich sein Gesundheitszustand auf Grund der schlechten Nahrung und Hygiene rapide. Nach einigen Gnadengesuchen wurde er im August 1952 nach siebeneinhalb Jahren Haft vorzeitig entlassen.[22] Charakterlich hatte er sich im Gefängnis von Grund auf verändert: Er hatte seine Drogensucht überwunden und lebte nunmehr beinahe asketisch gemäß der Vorschriften der NOI. Seine Mitmenschen beschrieben ihn als eine pünktliche, fleißige und im Allgemeinen zuverlässige Person; der von Malcolm X konvertierte Louis Farrakhan verglich ihn in einem Interview aus dem Jahr 2007 mit einer Uhr.[23]
Malcolm X und die Nation of Islam
Aufstieg Malcolms in der Nation of Islam
Malcolm X zog nach seiner Haftstrafe nach Inkster bei Detroit zu seinem Bruder Wilfred, wo er sich bald enthusiastisch als Missionar der NOI betätigte. Sein Fokus lag dabei vor allem auf junge Männer aus der Unterschicht Detroits, zu denen er dank seiner Erfahrungen als „Detroit Red“ einen so guten Draht hatte, dass sich die Mitgliedschaft der NOI innerhalb kürzester Zeit verdoppelte. Später fing er auch an, direkt vor schwarzen Kirchen neue Mitglieder zu rekrutieren. Elijah Muhammad, den er in der Zwischenzeit persönlich kennengelernt hatte, zeigte sich von seinen Leistungen beeindruckt. Zwischen den beiden Männern entstand eine Art Vater-Sohn-Beziehung, die von Malcolm als immense Ehre wahrgenommen wurde und ihn in seinem Glaubenseifer nur bestärkte. Muhammad ernannte Malcolm im Juni 1953 zum stellvertretenden Minister (So bezeichnete die Nation ihre Gemeindeleiter) im „Tempel“ von Detroit und berief ihn dann Ende desselben Jahres dazu, in Boston als vollwertiger Minister seine eigene Gemeinde aufzubauen. Malcolm konnte seine Erfolge als Minister in Boston, Philadelphia und Harlem wiederholen. Darüber hinaus sammelte er auf Reisen durch die Vereinigten Staaten im ganzen Land neue Mitglieder und revitalisierte so bestehende NOI-Tempel und veranlasste Neugründungen in Städten wie Newark und Miami. Bald hatte er sich durch sein Engagement als einer der führenden Köpfe der Nation of Islam etabliert. Vielen galt er als „Kronprinz“ und designierter Nachfolger Elijah Muhammads.[24]
Malcolms Predigten erfreuten sich in seinem Publikum größter Beliebtheit. Waldschmidt-Nelson zufolge zeichnete er sich mit Charme, religiöser Ernsthaftigkeit und nicht zuletzt gutem, jugendlichem Aussehen aus. Er habe über „einen brillanten Verstand mit scharfen analytischen Fähigkeiten“ sowie einer großen Fülle an Wissen über die Geschichte und derzeitige Lage der Afroamerikaner verfügt. Dieses „intellektuelle Kapital“ kombinierte er mit seiner genialen Rhetorik, die sich in seiner Schlagfertigkeit, seinem Sinn für Metaphern und seiner beißender Ironie äußerte. Hinzu kamen eine Fülle an Bibel- und Koranzitaten, mit denen er seine jeweiligen Positionen untermauerte. Ihm gelang es auch, seine Sprache an sein Publikum anzupassen, so dass er gleichermaßen eine Menge aus den schwarzen Gettos und ein studentisches Universitätspublikum begeistern konnte. Eine der zentralen Themen seiner Reden waren die Verbrechen, die die Weißen an den Schwarzen verübt hätten. Oft erinnerte er seine Zuhörer an die menschenunwürdigen Bedingungen, die in den Zeiten des Transatlantischen Sklavenhandels und der Sklaverei geherrscht hatten. Scharf kritisierte er das unter Afroamerikanern weit verbreitete Christentum als eine Art Gehirnwäsche, den die Weißen an den Schwarzen unternommen hätten. Das christliche Versprechen eines Lebens nach dem Tod diene nur dazu, die Afroamerikaner zahm zu halten und sie vom Reichtum abzulenken, den die Weißen schon auf Erden genossen. Den Islam erklärte er hingegen zur wahren Religion des schwarzen Mannes. Seine Gemeinde führte er mit Strenge. Mitglieder, die den strengen Vorschriften der Nation nicht nachkamen, ließ er oft hart bestrafen.[25]
Heirat und Familiengründung

Gegen Ende der 1950er begann für den eigentlich frauenfeindlich eingestellten Malcolm die Suche nach einer geeigneten Ehepartnerin. Motiviert wurde er vermutlich durch mehrere Faktoren: Er brauchte eine Frau, um den Vorstellungen der NOI eines guten Ministers gerecht zu werden; er hatte einen Wunsch nach Söhnen, die sein Erbe antreten könnten; und er wollte vermutlich auch sein mittlerweile fast zehnjähriges Zölibat beenden. Nach zwei ergebnislosen Beziehungen traf er schließlich im Herbst 1957 die um etwa ein Jahrzehnt jüngere Betty Jean Sanders, die vor nur einem Jahr Mitglied der NOI geworden war und nach ihrem Studium am angesehenen Tuskegee Institute eine Ausbildung zur Krankenschwester absolvierte. Malcolm X zeigte sich von der Bildung, dem freundlichen Auftreten und dem guten Aussehen der Frau beeindruckt, die er als seine Sekretärin kennenlernte. Außerdem meinte er, dass der Altersunterschied genau richtig sei. Wiederum bewunderte Betty Sanders Malcolms Reden und sein diszipliniertes Auftreten für die Nation. Am 14. Januar 1958 heiratete das Paar entgegen des Willens der Pflegeeltern Betty Sanders’, die die Ehe mit einem Nicht-Christen ablehnten. Eine echte Liebesbeziehung kam erst im Laufe der kommenden Jahre zustande; Malcolm erhoffte sich von seiner Ehefrau zunächst nur Unterstützung bei seiner Arbeit.[26]
Im Laufe ihrer Ehe bekamen sie sechs Töchter: Attallah (* 16. November 1958, benannt nach Attila); Qubilah (* 25. Dezember 1960, benannt nach Kublai Khan); Ilyasah (* 22. Juli 1962, benannt nach dem Propheten Ilyas); Gamilah Lamumbah (* 4. Dezember 1964, benannt nach Patrice Lumumba) und die Zwillinge Malaak (* 30. September 1965) und Malikah (* 30. September 1965; † November 2021[27]), die sieben Monate nach der Ermordung ihres Vaters auf die Welt kamen. Seine stetig wachsende Familie führte nicht dazu, dass er sein Arbeitspensum einschränkte. Wie in der Nation of Islam üblich erwartete auch Malcolm X von seiner Ehefrau, dass sie alleine den Haushalt führe, die Kinder betreue und keinen eigenen Beruf ausführe. Betty X, die aus ihrer Jugend eigentlich an mehr Freiheit und Selbstbestimmung gewöhnt war, frustrierte dieses Frauenbild. Auch die fehlende körperliche Zuneigung von Seiten von Malcolm belastete ihre Beziehung. Besonders zu Anbeginn kam es daher regelmäßig zu Streitigkeiten und Krisen zwischen den Eheleuten. Im Laufe ihrer Partnerschaft konnte Betty sich mehr Mitspracherecht von ihrem Ehemann erkämpfen. Wie glücklich die Ehe insgesamt war, ist unter Historikern umstritten. Während Manning Marable von einem katastrophalen Verhältnis ausgeht, spricht Waldschmidt-Nelson eher von einer Beziehung, die „nicht glücklicher oder unglücklicher als viele andere Ehen der damaligen, von patriarchalischen Normen bestimmten Zeit“ war. Betty X selbst schilderte die Ehe rückblickend als eine glückliche und den „großartigste[n] Teil [ihres] Lebens“.[28]
Wortführer und Außenvertreter der Nation of Islam
Die breitere Öffentlichkeit wurde erst 1957 auf die NOI aufmerksam. Zwei weiße Polizisten hatten Johnson Hinton, ein Mitglied der Nation, auf extremst brutale Art und Weise angegriffen und daraufhin verhaftet. Als Malcolm X hiervon erfuhr, führte er eine Gruppe an Fruit-of-Islam-Teilnehmern (Den Paramilitärs der Nation) zur Polizeistation und forderte die Freilassung. Angesichts der riesigen Menschenmenge, die sich bald hinter X gebildet hatte, musste der Polizeipräsident seinen Forderungen nachgeben. Im Gegenzug dafür erklärte Malcolm sich bereit, die krawallbereiten Schwarzen wieder zu beruhigen. Angeblich musste er dazu nicht einmal Worte sprechen; ein einziger Wink von seinem Arm soll gereicht haben, um Ausschreitungen vorzubeugen. Hinton hatte sein Überleben einer Notoperation zu verdanken. Dieser Auftritt machte Malcolm X schlagartig als tapferer und auch wirksamer Kämpfer gegen die Weiße Vorherrschaft bekannt und verschaffte ihm eine Kolumne in der Amsterdam News, in der er die Botschaft der NOI weiter verbreiten konnte. Elijah Muhammad zweigte sich weiterhin beeindruckt von seinem Protegé und ernannte ihn 1957 offiziell zum „Nationalen Repräsentanten“ der NOI. Ehrenhalber durfte er auch den Nachnamen Shabazz führen, der sich auf den angeblich ursprünglichen schwarzen Volksstamm bezog. Tatsächlich hatte Malcolms Arbeit eine große Wirkung gezeigt: Die Mitgliederzahlen der NOI waren in den 1950ern um ein Vielfaches auf schätzungsweise 20000 Mitglieder gestiegen. Zu Beginn der 1960er hatte sich die Mitgliederzahl erneut mehr als verdoppelt. In dieser Zeit bekehrte Malcolm den weltberühmten Schwergewichtsboxer Cassius Clay, der sich später zu Muhammad Ali umbenannte.[29]
Die Nation geriet durch ihren Erfolg bald in Konflikte mit breiteren Gesellschaftsschichten. Mitte der 1950er begann das Federal Bureau of Investigation (FBI), die Nation und vor Allen Malcolm X als Galionsfigur der Organisation zu beschatten.[30] In den Medien wurde die Nation mit Malcolm X als Feindbild stilisiert. Von besonderer Bedeutung war dabei die Fernsehreportage The Hate That Hate Produced (zu Deutsch etwa: Der Hass, der vom Hass erzeugt wurde), die von Louis Lomax und Mike Wallace produziert wurde und im Juli 1959 in fünf Teilen vom New Yorker Sender WNTA-TV ausgestrahlt wurde. Ziel des Programms war es, die Öffentlichkeit mit der anti-weißen Botschaft der NOI und ihrer angeblichen – in der Reportage übertriebenen – Stärke zu schockieren. Die NOI sollte als Gefahr für die US-amerikanische Gesellschaft erscheinen und den Zuschauern Angst machen. Auf The Hate That Hate Produced folgten im gesamten Land weitere Berichte, die einen ähnlich negativen Ton einschlugen. Nicht nur weiße Kommentatoren, sondern auch schwarze Bürgerrechtler sprachen von „destruktive[m] Irrsinn“ oder sogar „schwarze[m] Faschismus“. Die auf die NOI gelenkte Aufmerksamkeit führte jedoch auch zu einem rapiden Wachstum der Mitgliederzahlen – genau die Wirkung, die sich Malcolm X und Elijah Muhammad, die der Reportage zuvor ihr Einverständnis erklärt hatten, erhofft hatten. Darauf folgte mit C. Eric Lincolns Werk The Black Muslims in America eine erste wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Thematik der NOI, die bald als Standardwerk galt und die Diskussion nur weiter anfachte.[31]
Mit der erhöhten Aufmerksamkeit für die NOI ging auch eine erhöhte Aufmerksamkeit für Malcolm X einher. Bei den vielen Debatten um die Black Muslims und die mögliche Gefahr, die sie für den gesellschaftlichen Frieden in den Vereinigten Staaten repräsentierten, wurde er oft dazu eingeladen, die Gegenseite zu repräsentieren und sich und die Nation vor den Vorwürfen weißer und schwarzer Journalisten zu verteidigen. Diese Gelegenheit nutzte er, um den Standpunkten der NOI mehr Gehör zu verschaffen und die Ausbeutung der Afroamerikaner anzuprangern. In feurigen Reden verurteilte er die „weißen Teufel“ und ihre Verbrechen, ohne dabei zwischen konservativen, rassistischen Südstaatlern und liberalen, integrationistischen (also der Rassentrennung kritisch gegenüberstehenden) Nordstaatlern zu unterscheiden. Letzteren warf er vor, ebenso wie die Rassisten ihre überlegene gesellschaftliche Stellung gegenüber den Schwarzen bewahren zu wollen. Ihre Freundlichkeit gegenüber den Schwarzen diene als List und Heimtücke, um ihre Ziele einfacher erreichen zu können. Alles in allem ähnelten die Vereinigten Staaten für den Afroamerikaner einem Gefängnis. Sie lebten in einem „Amerikanischen Albtraum“. Bei seinen öffentlichen Auftritten betonte er stets, nur die Lehren des „ehrenhaften Elijah Muhammad“ (englisch honorable Elijah Muhammad) wiederzugeben.[32]
Seine radikalen politischen Thesen und rhetorische Brillanz machten Malcolm X schnell zu einem der bekanntesten und umstrittensten Figuren der amerikanischen Ideenlandschaft. Fernseh- und Radiosender luden ihn zu landesweit ausgestrahlten Debatten und Interviews ein und mehr als 50 teils hoch angesehene Universitäten wie die Harvard machten ihn zum Gastredner vor meist überfüllten Auditorien. Neben Martin Luther King war er in dieser Zeit derjenige Afroamerikaner mit der größten Medienpräsenz. Besonders oft wurden seine zynischen Kommentare verbreitet, die in den weißen Medien für Empörung sorgten. Ein Beispiel hierfür war seine Aussage, dass der Absturz des Air-France-Flugs 007, bei dem mehr als hundert reiche weiße Passagiere ums Leben kamen, eine Strafe Gottes für den Rassismus in den Vereinigten Staaten war. Gleichermaßen entwickelte sich die Nation of Islam zu der bekanntesten schwarz-nationalistischen Gruppierung, die es in den USA je gegeben hatte. Waldschmidt-Nelson urteilt, dass Malcolm bei diesen Auftritten zwar wenige neue Anhänger für die Nation finden konnte, aber dennoch „Verständnis für die Situation der Afroamerikaner“ wecken konnte.[33]
Malcolm X und die Bürgerrechtsbewegung

Malcolm X pflegte ein kompliziertes Verhältnis zur Bürgerrechtsbewegung, die mit ihrer Führungsfigur Martin Luther King etwa zeitgleich mit der Nation of Islam, ihre Hochphase erlebte. Diese forderte das Ende der Rassentrennung und die Integration der Schwarzen in die breitere amerikanische Gesellschaft. Dabei setzte sie, dem Vorbild Mahatma Gandhis folgend, auf gewaltlosen zivilen Ungehorsam und großangelegte, medienwirksam inszenierte Protestveranstaltungen. Besonders King begründete seine pazifistische Grundhaltung mit dem christlichen Gebot der Feindesliebe. Die extreme Brutalität weißer Rassisten und die Ambivalenz der Bundesregierung unter John F. Kennedy bewegten die Bürgerrechtler jedoch zu Beginn der 1960er Jahre zu einer zunehmenden Radikalität.[35]
Malcolm X war zunächst ein radikaler Kritiker der Bürgerrechtsbewegung. Er lehnte sowohl ihre Mittel, also die Gewaltlosigkeit, als auch ihre Ziele, die Integration, ab. Mit Bezug auf Gandhi meinte Malcolm, dass seine Kampagne der Gewaltlosigkeit nur deshalb erfolgreich war, weil die Inder den Briten zahlenmäßig massenhaft überlegen waren – eine Situation, die in den Vereinigten Staaten nicht gegeben war. Die weißen Liberalen, auf die viele Bürgerrechtler ihr Vertrauen setzten, würden sich wiederum Malcolms Ansicht nach nie ernsthaft um die Gleichstellung der Schwarzen bemühen. Aus diesen Gründen könne die gewaltlose Haltung der Bürgerrechtler nicht die Befreiung der Afroamerikaner herbeiführen; im Gegenteil, weil sie die Schwarzen ruhig hielten und verhinderten, dass sie zu den Waffen griffen, standen die Bürgerrechtler Malcolm X zufolge der Befreiung der Afroamerikaner eher im Weg. Daher bezeichnete er King und seine Mitstreiter auch als „Onkel Toms“, also als Verräter an ihrer eigenen Rasse, die im Dienste der Weißen eine Rebellion vorbeugten. Malcolm hingegen propagierte das Recht auf Selbstverteidigung, über das die Schwarzen wie alle anderen Menschen verfügten. Nach dem Leitsatz Auge um Auge, Zahn um Zahn sollten die Angriffe weißer Rassisten gleichermaßen von Schwarzen erwidert werden. Der Kampf um die Freiheit müsse „mit allen nötigen Mitteln“ (englisch by any means necessary) vorangetrieben werden. Das Ziel der Bürgerrechtler, die Rassentrennung zu beenden, sah Malcolm X als ebenso fehlgeleitet an. Das Ende der Rassentrennung würde nämlich nicht das Ende der gesellschaftlichen Machtposition der Weißen bedeuten. Stattdessen sollten sich die Afroamerikaner darum bemühen, ihren Reichtum zu mehren und so ihre Bedeutung in der Gesellschaft zu mehren.[36]
Dennoch profitierte die Bürgerrechtsbewegung auch vom Agieren der NOI. Konfrontiert mit dem radikalen schwarzen Nationalismus der Black Muslims waren viele Weiße nämlich eher dazu bereit, den vergleichsweise moderaten Forderungen nach Gleichberechtigung nachzukommen.[37]
In der Realität griff Malcolm X nie auf Mittel der Gewalt zurück. Abgesehen davon, dass ein bewaffneter Aufstand gegen das US-Militär beinahe aussichtslos war, durften sich die Black Muslims nicht politisch betätigen. Gemäß der Doktrin der NOI konnte Allah allein die Unterdrückung durch die Weißen beenden. Bis dahin sollten die Schwarzen nur gottgefällig leben, sich gedulden und nicht mit Politik ihre Zeit verschwenden. Malcolm X empfand die ihm vorgeschriebene politische Abstinenz zu Beginn der 1960er immer mehr als eine Belastung. Ein Beispiel hierfür war ein Zwischenfall im Frühjahr 1962, als weiße Polizisten den Black Muslim Ronald X Stokes in Los Angeles ermordeten. Anstelle davon, wie von ihm geplant einen Protest gegen das Los Angeles Police Department zu führen, musste er die wütende Menschenmenge auf Befehl von Elijah Muhammad beruhigen. Waldschmidt-Nelson sieht den Mord an Stokes als den Anlass für einen Wandel im Auftreten Malcolms. Zwar betonte er nach wie vor seine Loyalität gegenüber Elijah Muhammad, doch sprach er bei öffentlichen Auftritten immer weniger von den Lehren der NOI und immer mehr vom Rassismus in den Vereinigten Staaten. Schon zuvor hatte er unter dem Eindruck der Dekolonisation Afrikas und Asiens einen stärkeren Einsatz für den internationalen Kampf gegen die Unterdrückung durch die Weißen gefordert. Fasziniert hatte ihn die 1955 stattgefundene Bandung-Konferenz, bei der Vertreter aus meist muslimischen Ländern versuchten, eine gemeinsame Strategie für den Umgang mit der Dekolonisation zu finden. Seine dahingehenden Versuche der Kontaktaufnahme mit dem kubanischen Revolutionär Fidel Castro wurden allerdings von Elijah Muhammad behindert. Auch die Weigerung der NOI, sich an Wahlen zu beteiligen, hatte Malcolm schon in Frage gestellt.[38]
Aus Unzufriedenheit mit der unpolitischen Ausrichtung der NOI und suchte Malcolm zu Beginn der 1960er Jahre den Kontakt mit verschiedenen Bürgerrechtlern, die sich im Gegensatz zur NOI aktiv für die Befreiung der Schwarzen einsetzten und auch zu großen Opfern bereit waren, wie der Mord an Medgar Evers zeigte. Malcolms Ziel wurde eine Einheitsfront zwischen den Black Muslims und den Bürgerrechtlern, die einen effektiveren Kampf gegen die Unterdrückung ermöglichen sollte. Zu diesem Zweck trat er schon 1961 der Committee of Unity for Action des einflussreichen schwarzen Gewerkschaftsführers A. Philip Randolph bei und organisierte ab 1963 sogar Wahleinschreibungskampagnen, was im klaren Widerspruch zu den Grundsätzen der NOI stand. Behindert wurde Malcolms Streben nach einer Einigung mit den Bürgerrechtlern jedoch durch seine eigene Weigerung, mit weißen Liberalen zusammenzuarbeiten. Er hatte nämlich den Eindruck, dass diese Weißen die Bürgerrechtsorganisationen infiltrieren würden, um sie zu ihren eigenen Zwecken zu missbrauchen.[39]

Deutlich wird diese Einstellung an seiner Kritik am Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit, einer großangelegten Protestkundgebung, an der fast alle großen Bürgerrechtsorganisationen teilnahmen. In Malcolms Augen war diese „Farce auf Washington“, wie er sie höhnisch nannte, allein schon wegen der Einflussnahme weißer Sponsoren und der Aufnahme weißer Redner wie dem Gewerkschaftsführer Walter Reuther kritisch zu betrachten. Diese hätten die Führung des Marsches übernommen und den Schwarzen genau vorgeschrieben, wie sie sich zu verhalten hatten. Ihren Kampf gegen die Rassentrennung nannte Malcolm ein oscarwürdiges Schauspiel. Besonders kritisierte er die I-Have-a-Dream-Rede Martin Luther Kings. Ein gleiches Zusammenleben mit den Weißen sei für die 22 Millionen Afroamerikaner, die wie er in einem „Amerikanischen Albtraum“ lebten, wirklichkeitsfremd. Darüber hinaus sprach er dem Marsch ab, tatsächliche Erfolge erzielt zu haben. Das eingetretene Stimmungshoch der Bürgerrechtsbewegung diene nur dazu, die eigentlichen Kräfte der Schwarzen einzuschläfern und sie von einer Rebellion abzuhalten. Als wenige Wochen nach dem Marsch vier schwarze Mädchen bei einem Bombenanschlag in einer Kirche in Birmingham von weißen Rassisten ermordet wurden, wuchs Malcolms Unverständnis für die fehlende Bereitschaft der Bürgerrechtler, sich auch mit Waffengewalt zu wehren.[40]
Diese Positionen brachte er am 10. November 1963 in seiner Message to the Grassroots, einer Rede an die Northern Grassroots Leadership Conference in Detroit, zu Ausdruck. Er forderte die Schwarzen dazu auf, endlich gemeinsam und vereint gegen ihre Unterdrückung durch die Weißen vorzugehen, ungeachtet ihrer religiösen oder politischen Ausrichtung. Dem Beispiel der Bandung-Konferenz und der „schwarzen Revolution“ in den Kolonien folgend, müsse auch der Afroamerikaner in den USA eine geeinigte Revolution anführen, um seine Unterdrückung zu überwinden. Diese Revolution müsse, so wie jede andere Revolution der Weltgeschichte, eine gewaltsame und kompromisslose sein. Die Forderung nach Gewaltlosigkeit und Feindesliebe sei an sich widersprüchlich mit dem Ziel der Befreiung der Afroamerikaner, die wie jedes Volk der Erde ein Recht auf Selbstverteidigung hätten. Offen bekannte er sich zum Extremismus, der wegen der extrem schlechten Lage der Afroamerikaner angebracht sei. Er prägte hier die Unterscheidung zwischen dienstbaren „Hausnegern“, wozu er King zählte, als Helfer der Weißen bei der Unterdrückung der rebellischen „Feldneger“, zu denen er sich selbst zählte. Während die Hausneger ihren Sklavenherren liebten und ihnen eine Rebellion gegen ihn als unvorstellbar vorgekommen wäre, hasse der Feldneger seinen Herren und wolle nur entkommen. Die Message to the Grassroots gehört zu seinen bekanntesten Reden und wird von Waldschmidt-Nelson zu den „bedeutendsten Reden des 20. Jahrhunderts“ gezählt. Malcolm X drückte die Gedanken einer ganzen, jüngeren und radikaleren Generation an Bürgerrechtlern aus, die die Zurückhaltung ihrer Vorgänger nicht mehr akzeptieren wollten.[41]
Bruch mit der Nation of Islam
Zu Beginn der 1960er Jahre kam es zu immer größeren Konflikten zwischen Malcolm X und der Familie Elijah Muhammads, die ihn als Konkurrenten um die Führung der Nation und damit ihren Reichtum ansahen. Muhammad und seine Familie hatten sich nämlich über Jahre an den teils mit Gewalt eingetriebenen „Spenden“ ihrer Mitglieder bereichert. Sie befürchteten, dass der beinahe spartanisch lebende Malcolms, der fast sein gesamtes Einkommen an die NOI überwies, dieser Korruption ein Ende setzen würde, wenn er die Kontrolle über die NOI übernimmt. Hinzu kamen Auseinandersetzungen um Malcolms politisches Engagement, das im Widerspruch zu den Vorschriften der NOI stand, sowie Neid um seine öffentliche Stellung. Ein weiterer Konfliktstoff lag in Elijah Muhammads außerehelichen Affären. Muhammad hatte mit mehreren seiner Sekretärinnen Kinder gezeugt, ihnen eine Heirat in Aussicht gestellt und sie dann aus der NOI verstoßen. Sich selbst rechtfertigte er damit, dass er die Sünden der anderen Propheten wiederholen müsse. Malcolm war vom unmoralischen und heuchlerischen Verhalten Muhammads schockiert. Sein Glauben an dessen Unfehlbarkeit und damit an die von der NOI gepredigte Fassung des Islams war nachhaltig erschüttert.[42]
Die „Chicago Crew“, wie Malcolm die Führungsriege der Nation nannte, begann daher, ihn innerhalb der Organisation zu isolieren. Sie übernahmen die Herausgeberschaft von Muhammad Speaks, der offiziellen Zeitung der NOI, und entfernten Beiträge über Malcolms Aktivitäten. Einen mächtigen Verbündeten fanden sie bald bei Muhammad selbst, der mittlerweile selbst in Malcolm X einen Rivalen um seine Führungsposition sah. Zu einem ersten offenen Konflikt kam es im Dezember, als Malcolm das Attentat auf John F. Kennedy spontan mit der Redewendung „a case of chickens coming home to roost“ (sinngemäß: „Die Fehler, die man begeht, fallen auf einen zurück.“) kommentierte. Die NOI nutzte den darauffolgenden öffentlichen Aufschrei, um Malcolm ein 90-tägiges Redeverbot aufzuerlegen. In den folgenden Wochen wurde er mehrerer seiner Ämter enthoben. Die endgültige Trennung mit der Nation vollzog Malcolm allerdings erst, nachdem einige seiner Anhänger ihn auf die Mordversuche aufmerksam machten, die Elijah Muhammad gegen ihn unternommen hatte. Am 8. März 1964 machte Malcolm X seinen Bruch mit der Nation of Islam öffentlich.[43]
Letzte Jahre
Neuorientierung
Der Bruch mit der NOI repräsentierte für Malcolm X den Verlust seiner geistigen Heimat und einen erneuten radikalen Einschnitt in seine Lebensgeschichte. Es folgte für ihn ein politischer Neuanfang: Er erklärte nun öffentlich, sich ganz dem schwarzen Freiheitskampf widmen zu wollen, mit dem Ziel, die Menschenrechte der Afroamerikaner zu verteidigen. Damit meinte er, dass die ungleiche Verteilung des Wohlstands innerhalb der US-amerikanischen Gesellschaft zwischen Schwarzen und Weißen behoben werden sollte. Die von den Bürgerrechtlern angestrebte politische Gleichstellung sei zwar wichtig, reiche aber nicht aus, wenn Schwarze weiterhin in bitterer Armut leben mussten. Im Rahmen des Schwarzen Nationalismus plante Malcolm außerdem, Interesse an schwarzer Kunst, Kultur und Geschichte zu wecken und Afroamerikaner so auf ihre eigentliche Identität aufmerksam zu machen. Zu diesen Zwecken gründete er am 11. März 1964 mit etwa fünfzig weiteren ehemaligen Mitgliedern der NOI die Muslim Mosque Inc. (MMI). Zwar gehörte die Verbreitung des Islams immer noch zu den Anliegen der MMI; im Gegensatz zur NOI sollte sie jedoch explizit politisch sein und für die Rechte der Afroamerikaner eintreten. Außerdem traten die Mitglieder der MMI zum orthodoxen Sunni-Islam über. Von den Lehren der NOI, wie zum Beispiel der rassistischen Doktrin der weißen Teufel, distanzierten sie sich. Ein großer Erfolg für die MMI blieb allerdings aus; das Medienecho war im Vergleich zur NOI gering und die Mitgliederzahlen stagnierte bei etwa 120.[44]
Malcolm X machte auch klar, dass er bereit sei, im Kampf gegen den Rassismus mit Bürgerrechtlern zusammenzuarbeiten. Auf Grund ihres geteilten Strebens nach der Anerkennung der Menschenwürde der Schwarzen, seien offen ausgetragene Streitigkeiten zwischen ihnen kontraproduktiv. Den Integrationismus, eine direkte Zusammenarbeit mit Weißen oder auch die Gewaltlosigkeit betrachtete er hingegen nach wie vor mit Argwohn. Diese Standpunkte brachte er in seiner The-Ballot-or-the-Bullet-Rede (zu Deutsch etwa: Der Stimmzettel oder die Kugel) vom April 1964 zu Ausdruck: Entweder werde die US-Regierung den Schwarzen ihr Recht auf politische Mitbestimmung einräumen, oder es werde zu einem bewaffneten Guerillaaufstand kommen. Die Vereinigten Staaten, so Malcolms Vorhersage, würden eine fortgesetzte Unterdrückung der Schwarzen mit Blut bezahlen müssen. In seiner Rede stellte er einen Bezug auf den Wahlspruch des Revolutionärs Patrick Henry her, „Give me Liberty, or give me Death!“[45] Wiederum hielten die meisten größeren Bürgerrechtsorganisationen ihre Distanz zu Malcolm, dem noch immer das Image eines radikalen Weißenhassers anlastete. Darüber hinaus vermutete James Farmer, einer der „Großen Vier“ der Bewegung, der ein vergleichsweise gutes Verhältnis zu Malcolm pflegte, dass einige Aktivisten Malcolm um sein Charisma und seine Beliebtheit beneideten. Besonders jüngere, radikalere Bürgerrechtler sahen sich jedoch in Malcolms Worten vertreten. Nach dem Freedom Summer 1964, bei dem mehrere Bürgerrechtler ermordet, Hunderte verletzt und Tausende verhaftet wurden, hatten viele den Glauben an die Gewaltlosigkeit verloren.[46]
Pilgerfahrt nach Mekka

Im Rahmen dieser politischen und religiösen Neuausrichtung entschloss sich Malcolm X zur Teilnahme am Haddsch, der traditionellen Pilgerfahrt der Muslime nach Mekka, die 1964 gemäß des Islamischen Kalenders im April stattfand. Malcolm beabsichtigte mit dieser Reise, die jeder Moslem mindestens einmal in seinem Leben unternehmen muss, den Sunni-Islam besser kennenzulernen. Außerdem bot ihm der Haddsch die nötige Ruhe und Zeit zur Reflexion, die ihm seit seinem Austritt aus der NOI gefehlt hatten, und Schutz vor den wiederholten Morddrohungen dieser Gruppierung. Veranlasst wurde die Pilgerfahrt von Gesprächen mit dem ägyptischen Islamwissenschaftler Mahmoud Shawarbi, der Malcolm nach seiner Konversion über die zentralen Lehren des Sunni-Islams unterrichtet hatte. Während der Haddsch half Shawarbi, der über gute Kontakte zur saudi-arabischen Regierung verfügte, Malcolm beim Ausarbeiten bestimmter Formalitäten und verschaffte ihm eine luxuriöse Bleibe bei der mit ihm befreundeten – weißen – Familie Assam. Das nötige Reisegeld wurde Malcolm von seiner Halbschwester Ella bereitgestellt. In Saudi-Arabien angekommen, empfing ihn der Staatsoberhaupt König Faisal ibn Abd al-Aziz und erklärte ihn zu einem offiziellen Staatsgast. Das Haus Saud nahm den als Kritiker der US-Regierung bekannten Malcolm wohlwollend auf und stellte ihm sogar ein eigenes Auto mit Chauffeur bereit.[47]
Die Fahrt nach Mekka hatte einen weitreichenden Einfluss auf Malcolms Denken über Religion und Rassismus. Die Tatsache, dass Weiße wie Schwarze brüderlich an der Größe Allahs teilnahmen und sich auf Augenhöhe mit Freundschaft begegnen konnten, war für ihn zutiefst bewegend. Beinahe verwundert nahm er zur Kenntnis, wie weiße Moslems ihm mit Respekt und Gastfreundschaft gegenüber traten. Diese positiven Erlebnisse ließen ihn seine vormals radikal anti-weiße Einstellung überdenken. An Stelle davon, wie zuvor pauschal alle Weißen als grundsätzlich böse zu verurteilen, betonte er von nun an, dass die Struktur der amerikanischen Gesellschaft sie zu bösem Verhalten gegenüber Schwarzen bewege. Diese Strukturen des Rassismus galt es zu überwinden, da sie Amerika in seinen Augen sonst in den Abgrund führen würden. Zum Heilmittel für diesen „Krebstumor“ erklärte Malcolm X die Einsicht, dass alle Menschen vor Allah gleich und verbunden seien. Nur so könnten die sinnlosen Vorurteile gegenüber Menschen mit anderen Hautfarben überwunden werden. Später bekannte er sich zu einem toleranten Humanismus gegenüber allen Weltanschauungen, Religionen und Rassen. Nicht nach der Hautfarbe sollte man einen Menschen beurteilen, sondern nach seiner Einstellung und seinen Taten anderen gegenüber. Nach seiner Pilgerfahrt nannte er sich zu El Hajj Malik el-Shabazz um, blieb aber auch weiterhin unter seinem früheren Namen bekannt.[48]
Im Anschluss an seinen Mekka-Aufenthalt machte er eine über vier Monate dauernde Reise durch den Nahen Osten und durch Afrika. Auch dort war er ein willkommener Gast und konnte Kontakte zu hochrangigen Politikern knüpfen und eine Vielzahl an Reden halten. Besonders berührte ihn die Ehrenmitgliedschaft in der Muslim Student Society of Nigeria, die ihm den Ehrennamen „Omowale“ (Yoruba Der heimgekehrte Sohn) verlieh. Dank der Vermittlung durch Shirley Graham Du Bois konnte er auch ein Gespräch mit Kwame Nkrumah führen, dem ersten Präsidenten Ghanas und einer der führenden Vertreter des Panafrikanismus. Er bewunderte vor allem die von ihm wahrgenommene Einheit der afrikanischen Völker im Kampf gegen den Rassismus und den Kolonialismus. In seinen Augen herrschte eine enge Verbundenheit zwischen allen unterdrückten Völkern des Globus, die sich nun in einer Weltrevolution gegen die Vorherrschaft der Weißen auflehnten. Im Rahmen dessen verkündete er seine Unterstützung für Freiheitskämpfe aus aller Welt, z. B. der Afrokariben im Vereinigten Königreich, der Schwarzen in Südafrika oder der Aborigines in Australien. Zuvor hatte er schon im Sommer 1959 eine erste Auslandsreise durch diese Gebiete unternommen.[49]
Die Organization of Afro-American Unity

Neben der MMI bildete Malcolm auch eine neue politische Organisation, die Organization of Afro-American Unity (OAAU), deren Gründung er am 28. Juni 1964 verkündete. Angelehnt an die von Malcolm hoch gelobte Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) war die OAAU säkular, wodurch eine Zusammenarbeit mit nicht-muslimischen Aktivisten ermöglicht werden sollte. Malcolm hatte nämlich vor, Partnerschaften sowohl mit Bürgerrechtlern als auch mit den Regierungen afrikanischer und arabischer Staaten einzugehen. Um die Unterstützung letzterer Gruppe für sich zu gewinnen, unternahm Malcolm daher bereits im Sommer 1964 eine erneute Reise durch Afrika und die Arabische Welt. Dort wurde er erneut sehr wohlwollend als der Vertreter der unterdrückten Schwarzen Amerikas aufgenommen. Er durfte mit mehreren Staats- und Regierungschefs Gespräche führen, darunter mit Sékou Touré und Faisal ibn Abd al-Aziz, eine Ansprache vor dem Parlament von Kenia halten und den Sitzungen der OAU als Beobachter beiwohnen. Dennoch vermieden die meisten jungen Staaten Afrikas und Asiens aus Angst vor einem Verlust ihrer Entwicklungshilfe eine offene Konfrontation mit den Vereinigten Staaten. Die von der OAU auf Malcolms Treiben hin angenommene Resolution gegen den Rassismus in den USA war daher eher zurückhaltend formuliert. Einer Kooperation mit weißen Antirassisten stand Malcolm mittlerweile offen gegenüber. Zwar wäre eine Mitgliedschaft in der OAAU für sie noch ausgeschlossen; sie könnten allerdings ein Freundschaftskomitee bilden und die Organisation finanziell unterstützen.[50]
Das erklärte Ziel der OAAU war der Aufbau einer neuen sozialen Ordnung auf Basis der Charta der Vereinten Nationen und der Verfassung der Vereinigten Staaten, in der die Menschenwürde aller, also auch der Afroamerikaner. Zu diesem Zweck sollte internationale Hilfe angestrengt werden, genauer das Internationale Gerichtshof in Den Haag. Die Vereinigten Staaten, so lautete der Vorwurf, verstoßen nämlich mit der Behandlung der Afroamerikaner gegen ihre Menschenrechte. Einen besonderen Wert legte Malcolm auch auf eine separate, von den Weißen emanzipierte afroamerikanische Kultur. Er wollte bei seinen schwarzen Mitbürgern das Bewusstsein dafür wecken, dass ihr Erbe und ihre Identität derjenigen der Weißen ebenbürtig sei. Nur so sei eine Befreiung von der Vorherrschaft der Weißen möglich. Ansonsten bekannte er sich zu zunehmend liberaleren Positionen. So stand er einer „Mischehe“, die in weiten Teilen der USA noch illegal war (siehe Loving v. Virginia), nicht mehr kritisch gegenüber. Liebe sei immer positiv und eine Privatangelegenheit, in die sich der Staat nicht einmischen dürfe. Unter dem Eindruck des Einsatzes von Afrikanerinnen im antikolonialen Kampf revidierte er auch seine ehemals frauenfeindliche Positionierung und forderte nun mehr Gleichberechtigung für sie. Dennoch verzichtete er nicht auf gezielte Provokationen. So löste er mit seinem Vergleich der Behandlung nicht-weißer Immigranten in Birmingham mit derjenigen von Juden im NS-Staat für eine Empörungswelle im Vereinigten Königreich.[51]
Wie der MMI fehlte es auch der OAAU an Mitgliedern; der Bekanntheitsgrad wuchs langsam. Viele Schwarze Nationalisten warfen ihm vor, seine ehemaligen Ideale verraten zu haben. Hingegen zeichnete sich eine langsame Annäherung zu King ab, der sich in mehreren Interviews offen für ein freundliches Gespräch mit Malcolm zeigte. Malcolm hörte auf, ihn als einen „Onkel Tom“ zu verunglimpfen, und sah ihn mehr als einen gleichen und respektablen Partner im Kampf für die schwarze Freiheit. Coretta Scott King gegenüber erklärte er, dass er ihren Ehemann unterstützen wolle, indem er der Regierung die Alternativen aufzeige: Entweder werde sie den Forderungen des gewaltlosen Protests von King nachkommen, oder mit dem gewaltsamen Protest von Malcolm umgehen müssen. Ein Treffen zwischen King und Malcolm konnte allerdings trotz der Bemühungen beider Parteien wegen Terminschwierigkeiten nicht arrangiert werden. Außerdem kam es zu neuen Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Aktivisten über das Verhalten der Regierung unter Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson. Dieser verabschiedete mit dem Civil Rights Act of 1964 ein Gesetz, das Diskriminierung auf Grund von Rasse, Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder nationaler Herkunft verbot. King nahm dies wie viele Schwarze als einen wichtigen Schritt in Richtung der Gleichberechtigung wahr. Hingegen bemängelte Malcolm, dass mit der Aufhebung rechtlicher Schranken die Situation in den schwarzen Gettos kaum verbessert werde. Dass der von Johnson angekündigte Krieg gegen die Armut Erfolg tragen würde, bezweifelte er; es werde zu viel Geld auf den Vietnamkrieg verschwendet, um Johnsons ambitionierte Sozialprogramme zu finanzieren. King stimmte zwar mit Malcolms scharfer Kritik am Vietnamkrieg überein, machte seine Ablehnung des Konflikts allerdings aus Loyalität zur Johnsonregierung erst 1967 publik.[52]
Autobiographie
Ab 1963 schrieb er an einer Autobiographie, an der Alex Haley mitwirkte. Sie wurde unter dem Titel The Autobiography of Malcolm X noch im Jahr seiner Ermordung veröffentlicht. Das Buch ist seit Erscheinen ein Bestseller und wurde 1998 von TIME als eines der 10 bedeutendsten Non-Fiction Bücher des 20sten Jahrhunderts gelistet. Das Buch diente als Grundlage der Dokumentation Malcolm X (1972).
Ermordung

Malcolm X war sich in den letzten Monaten seines Lebens bewusst, dass er in Lebensgefahr schwebte. Neben den ständigen Morddrohungen von Seiten der NOI, hatte er auch Angst vor einem Anschlag durch die amerikanischen Geheimdienste. Dennoch folgte er dem dringenden Rat von Familie und Freunden, nach Afrika zu flüchten, nicht. Er fühlte sich zu sehr an seine Arbeit für die MMI und die OAAU gebunden, um sie verlassen zu können. Stattdessen setzte er auf eine zunehmende Konfrontation mit der NOI. In Fernsehinterviews verurteilte er seine ehemaligen Glaubensgenossen für ihren Rassismus und Elijah Muhammad für seine unmoralische Lebensweise und erklärte, dass die NOI nicht den wahren Islam vertrete. Offen warf er ihnen vor, „Ku-Klux-Klan-Taktiken“ zu verfolgen und ihn ermorden zu wollen. Außerdem unterstützte er zwei der Sekretärinnen, die von Elijah Muhammad sexuell missbraucht wurden, bei ihren Klagen gegen ihn. In seinen letzten Monaten zeigte er sich dem Tod ergeben und sprach davon, nie ein langes Leben erwartet zu haben. Seiner Auffassung nach war es angesichts seiner Philosophie und standhaften Haltung unvermeidlich, dass er irgendwann sein Leben für die Freiheit seiner Mitmenschen opfern müsse. Auf grundlegende Sicherheitsmaßnahmen verzichtete er. Daher wurde bei ihm ein (unbewusster) Todeswunsch vermutet, um als politischer Märtyrer für „die Sache“ zu sterben, oder um endlich aus seinem hektischen Leben zu entkommen und Ruhe zu finden. Diese Idee ist unter Historikern allerdings umstritten.[53]
Zu Beginn des Jahres 1964 kam es zu ersten, wenn auch erfolglosen Mordversuchen durch die NOI. Eine Woche vor seiner Ermordung wurde ein Brandanschlag auf sein Haus verübt, in dem er sich zusammen mit seinen Kindern und seiner Frau zur Tatzeit aufhielt.[54]
Am 21. Februar 1965 sollte Malcolm im Audubon Ballroom in Washington Heights einen Vortrag halten. Nachdem er das Publikum, zu dem auch seine Familie gehörte, begrüßt hatte, begannen zwei Zuhörer einen Streit. Als die Bodyguards Malcolm X ungeschützt auf der Bühne zurückließen, um sich um die Störenfriede zu kümmern, trat ein Mann vor, zog eine abgesägte Schrotflinte aus seinem Mantel und schoss direkt auf Malcolm X. Anschließend schossen noch zwei weitere Attentäter auf ihn. Insgesamt stellte der Gerichtsmediziner 21 Schusswunden fest. Das ausbrechende Chaos wurde durch die Explosion einer Rauchbombe noch verstärkt und ermöglichte zwei Attentätern die Flucht. Lediglich der dritte Attentäter, Thomas Hagan, wurde bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten. Malcolm konnte noch in die Notaufnahme des nahegelegenen Presbyterian Medical Centers gebracht werden, wo am Nachmittag sein Tod festgestellt wurde.[55]
Ermittlungen, Anklagen und Urteile wegen des Mordes
Verurteilung von Thomas Hagan
Der damals 23-jährige Thomas Hagan, ein Mitglied der Nation of Islam, gestand das Attentat auf Malcolm X. 1966 bezeichnete er aber seine beiden Mitangeklagten Muhammad Abdul Aziz und Kahlil Islam als unschuldig. Alle drei Angeklagten wurden zu einer Haftstrafe von 20 Jahren bis lebenslang verurteilt. In einem Affidavit (Äußerung unter Eid) von 1977 erklärte Hagan, dass er die Ermordung von Malcolm X mit mehreren Komplizen, zu denen seine Mitangeklagten nicht gehörten, geplant hatte, um Vergeltung für dessen Kritik an Elijah Muhammad zu üben. Zum Tathergang sagte er aus, dass zunächst ein Mann mit einer Schrotflinte und dann er und ein weiterer Komplize auf Malcolm X geschossen hätten. Hagan wurde schließlich am 27. April 2010 auf Bewährung entlassen.[56][57][58] Muhammad A. Aziz und Khalil Islam, die ihre Unschuld stets beteuert hatten, waren in den 1980er Jahren aus der Haft entlassen worden.[59] New Yorks Staatsanwalt Cyrus Vance Jr. ließ die Schuldsprüche gegen die beiden nach einer 22 Monate andauernden Untersuchung im November 2021 annullieren und räumte „schwere Justizirrtümer“ ein, da Staatsanwälte, die Bundespolizei FBI und die New Yorker Polizei nach der Ermordung von Malcolm X Beweismittel zurückhielten, die zum Freispruch beider geführt hätten.[60] Im November 2022 wurde Aziz und Islam sowie ihren Familien eine Entschädigungssumme von 36 Millionen US-Dollar zugesprochen.[61]
Weitere Recherchen
Anfang April 2011 erschien in den USA die vom US-Historiker Manning Marable geschriebene Biographie Malcolm X: A Life of Reinvention (Malcolm X: Ein Leben der Neuerfindung). In ihr behauptet Marable, dass die meisten Beteiligten des bis heute nicht völlig geklärten Mordkomplotts weiterhin auf freiem Fuß seien. Darüber hinaus hätten das FBI und die Polizei, die Malcolm überwachten[62], vorab von den Attentatsabsichten erfahren, es aber bewusst geduldet und keine Schutzmaßnahmen ergriffen.[63][64][65]
In der Dokumentations-Miniserie Who Killed Malcolm X? von Netflix werden die Namen der beteiligten Attentäter aus der eidesstattlichen Versicherung von Thomas Hagan genannt und deren Verbleib, die Zusammenhänge werden von Abdur-Rahman Muhammad[66], der sie ermittelt hat, dargestellt.[67] Die tödlichen Schüsse stammten laut Obduktionsbericht aus der Schrotflinte, sie sollen von Al-Mustafa Shabazz, später William Bradley, abgegeben worden sein.[66]
Klage gegen CIA, FBI und NYPD
Im Jahr 2021 veröffentlichten Nachfahren von Malcolm X einen Brief eines verstorbenen verdeckten Ermittlers. Dieser behauptet in dem Schreiben, dass FBI und NYPD an der Vorbereitung der Ermordung von Malcolm X beteiligt waren. So habe der Ermittler von seinen Vorgesetzten die Anweisung erhalten, zwei Sicherheitsleute von Malcolm X zur Begehung von Straftaten zu verlocken, um sie anschließend festzunehmen. Tatsächlich ging der Plan der Behörden auf und die Bodyguards wurden vor der Ermordung festgenommen, sodass sie eine Eingangskontrolle vor Malcolms Vortrag, bei dem er ermordet wurde, nicht durchführen konnten.[62][68]
Im Jahr 2024 verklagten die Töchter von Malcolm X die CIA, das FBI und die New Yorker Polizei. In der Klageschrift werden die Vorwürfe aus dem Jahr 2021 wiederholt. Auch seien zur Tatzeit Bundesagenten im Saal gewesen; sie hätten aber nicht eingegriffen. Anschließend sei die Verbindung zwischen Behörden und Mördern „von Regierungsagenten aktiv verschwiegen, geduldet, geschützt und gefördert“ worden. Die Klageschrift fordert eine Entschädigung in Höhe von 100 Millionen US-Dollar.[69]
Rezeption
Der Einfluss von Malcolms Ansichten auf die Schwarzenbewegung spiegelte sich 1966, ein Jahr nach dessen Ermordung, in der Gründung der Black Panther Party wider.
Das amerikanische Rap-Duo Gang Starr verwendete einen Auszug aus Malcolms Rede Message to the Grass Roots in dem Stück Tonz 'O' Gunz, enthalten auf dem Album Hard to Earn.[70] Darin heißt es: “If violence is wrong in America, violence is wrong abroad.”[71] Bereits 1988 sampelte die Band Living Colour die ersten zehn Sekunden dieser Rede in ihrem Lied Cult of Personality.
Filmische Bearbeitungen
- Der Dokumentarfilm mit dem Titel Malcolm X aus dem Jahr 1972 war 1973 für einen Oscar als bester Dokumentarfilm (Feature) nominiert.[72]
- Ebenfalls 1972 wurde mit The Silent Revolution ein weiterer Dokumentarfilm veröffentlicht, bei dem Auftritte von Malcolm X gezeigt werden. Auch diese Produktion war für einen Oscar nominiert.
- 1979: Al Freeman, Jr., der in Spike Lees Film Malcolm X Elijah Muhammad spielen wird, spielt Malcolm X in Roots: The Next Generations.
- Aus dem Jahr 1981 stammt eine TV-Verfilmung der letzten 24 Stunden des Lebens von Malcolm X namens Death of a Prophet (dt. Titel: Malcolm X – Tod eines Propheten) mit Morgan Freeman in der Hauptrolle.
- 1986: Ben Holt spielt Malcolm X in der Oper X: The Life and Times of Malcolm X an der New York City Opera.
- 1989: Dick Anthony Williams spielt Malcolm X, diesmal in „The Meeting“.
- Malcolm X’ Leben wurde 1992 von Spike Lee mit Denzel Washington in der Hauptrolle verfilmt, siehe Malcolm X.
- 2020: Who Killed Malcolm X?, sechsteilige Filmdokumentation auf Netflix.
- 2020: Kingsley Ben-Adir spielt ihn in One Night in Miami
Literatur
- Werkausgaben
- Malcolm X und Alex Haley: The Autobiography of Malcolm X. Grove Press, New York 1965.
- Malcolm X und Alex Haley: Malcolm X. Die Autobiographie. überarbeitete Neuauflage. Atlantik, Bremen 2003, ISBN 3-926529-14-8.
- George Breitman (Hrsg.): By any means necessary. Pathfinder Press, New York 1992, ISBN 0-87348-754-0.
- George Breitman (Hrsg.): Malcolm X on Afro-American History. Pathfinder Press, New York 1992, ISBN 0-87348-592-0 (Nachdruck der Ausgabe New York 1967).
- George Breitman (Hrsg.): Malcolm X speaks. Selected speeches and statements. Pathfinder Press, New York 1993, ISBN 0-87348-546-7.
- Archie Epps (Hrsg.): Speeches at Harvard. Paragon House, New York 1991, ISBN 1-55778-479-5 (Nachdruck der Ausgabe New York 1968).
- Bruce Perry (Hrsg.): The last speeches. Pathfinder Press, New York 1989, ISBN 0-87348-543-2.
- Malcolm X: Wahl oder Waffe. Rede am 3. April 1964 in der Cory Methodist Church, Cleveland. Mit einem Essay von Thomas Rothschild, eva Reden Band 23, Hamburg 1996, ISBN 3-434-49989-X.
- Historische Darstellungen
- Joe Wood (Hrsg.): Malcolm X in our own image. Doubleday, New York 1992, ISBN 0-385-47141-6.
- Jan Carey: „Geister in unserm Blut“. Mit Malcolm X auf den Spuren schwarzer Identität. Aus dem Engl. Ghosts in our blood. Atlantik, Bremen 1997, ISBN 3-926529-10-5.
- Britta Waldschmidt-Nelson: Martin Luther King und Malcolm X. Fischer TB, Frankfurt 2002, ISBN 3-596-14662-3.
- George Breitman: The last year of Malcolm X. The evolution of a revolutionary. Pathfinder, New York 2004, ISBN 0-87348-004-X.
- Robert Terrill (Hrsg.): The Cambridge Companion to Malcolm X. Cambridge University Press, Cambridge 2010, ISBN 978-0-521-73157-7.
- Manning Marable: Malcolm X: A Life of Reinvention. The Penguin Press, New York 2011, ISBN 978-0-670-02220-5.
- Les Payne, Tamara Payne: The Dead Are Arising: The Life of Malcolm X. Liveright, New York 2020, ISBN 978-1-63149-166-5.
- Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär, 2., aktualisierte Auflage, C.H. Beck, München 2025, ISBN 978-3-406-83253-6 (zuerst 2015).
Weblinks
- Literatur von und über Malcolm X im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- FBI-Akten über Malcolm X
- James L. Conyers Jr.: Malcolm X (1925-1965). Eintrag bei Encyclopedia of the Great Plains.
- Malcolm X in der Datenbank Find a Grave
Einzelnachweise
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 44–45
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 40–41, 46–47
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 15–16
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 47, 50–52, 59
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 47–50, 53
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 54–58
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 57–60, 63
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 61–64
- ↑ Malcolm X-Ella Little Collins House im National Register Information System. National Park Service, abgerufen am 17. Februar 2026.
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 64, 66–72, 77–79
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 73–77, 79–80, 88–89
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 80–83
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 83–85
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 93
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 85–89
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 91–94
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 94–96
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 96–97, 109
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 97–101, 103–107, 115
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 101–103, 122, 149
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 100–101, 105–111
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 111–112
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 114, 131
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 112, 116–120, 122–123, 126–131, 133
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 118, 129–130, 132, 153–155
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 138–140
- ↑ Annette Berger: Tochter von Malcolm X tot in ihrer New Yorker Wohnung gefunden. In: Stern, 23. November 2021. Abgerufen am 23. November 2021.
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 141, 144–148
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 133–136, 157, 298
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 131
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 151–152
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 153–154, 163
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 143, 154–156, 173
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 219–220
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 157–161
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 163–164, 166–170
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 157, 170
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 170–174, 176–178
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 177–181, 184–186
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 186–189, 192
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 189–193
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 194–199, 201–204
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 199–201, 204–212
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 210–215, 218–221, 345
- ↑ Text der The-Ballot-or-the-Bullet-Rede. In: Website der Ruhr-Universität Bochum. Abgerufen am 9. April 2026.
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 215–219, 241
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 219–221, 223–224, 227
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 223–228, 246, 254
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 148–150, 228–231, 265, 269
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 231, 233–236, 239, 241–242
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 234–236, 247, 259, 270
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 236–238, 249–250, 258
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 244, 252–258, 274, 276–280
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 255–256, 271–272
- ↑ Britta Waldschmidt-Nelson: Malcolm X. Der schwarze Revolutionär 2., aktualisierte Auflage, 2025, S. 283–289
- ↑ Neue Spekulation über Mord an Malcolm X in: Spiegel Online vom 2. April 2011
- ↑ Malcolm X gunman released on parole after 45 years. BBC News, 28. April 2010
- ↑ Andy Newmann, John Eligon: Killer of Malcolm X Is Granted Parole. New York Times, 20. März 2010
- ↑ Malcolm X: Zwei als Mörder von Malcolm X Verurteilte sollen freigesprochen werden. In: Der Spiegel. 17. November 2021, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 17. November 2021]).
- ↑ Malcolm X: Zwei Schuldsprüche wegen Mordes an US-Bürgerrechtler aufgehoben. In: Der Spiegel. 19. November 2021, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 19. November 2021]).
- ↑ n-tv Nachrichten: Zu Unrecht inhaftierte Männer erhalten 36 Millionen Dollar. Abgerufen am 2. November 2022.
- 1 2 Malcolm X family says letter shows NYPD and FBI conspired in his murder. 21. Februar 2021, abgerufen am 22. Februar 2021 (englisch).
- ↑ Entzauberung eines Mythos, einestages – Zeitgeschichten auf Spiegel Online, 7. April 2011
- ↑ Neue Spekulation über Mord an Malcolm X in: Spiegel Online vom 2. April 2011
- ↑ Hugh Muir: Malcolm X: the man behind the myth. Guardian, 7. April 2011
- 1 2 Who Is Abdur-Rahman Muhammad, From The New Documentary 'Who Killed Malcolm X?' 11. Februar 2020, abgerufen am 21. Februar 2020 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Who Killed Malcolm X? Abgerufen am 21. Februar 2020.
- ↑ Malcolm X: Nachkommen von Bürgerrechtler belasten Polizei und FBI schwer. In: Der Spiegel. 22. Februar 2021, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 31. Oktober 2022]).
- ↑ Töchter von Malcolm X verklagen CIA, FBI und New Yorker Polizei. In: Der Spiegel. 16. November 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 16. November 2024]).
- ↑ Whosampled Fire & Fury Grass Roots Speech, Zitat zum Nachhören.
- ↑ Zitat zum Nachlesen. (Englisch)
- ↑ Malcolm X. In: Zelloloid.de. Archiviert vom am 7. Juni 2015; abgerufen am 6. September 2018.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | X, Malcolm |
| ALTERNATIVNAMEN | Little, Malcolm (Geburtsname); El Hadjj Malik El Shabazz |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Führer der Bürgerrechtsbewegung |
| GEBURTSDATUM | 19. Mai 1925 |
| GEBURTSORT | Omaha, Nebraska, Vereinigte Staaten |
| STERBEDATUM | 21. Februar 1965 |
| STERBEORT | New York City, Vereinigte Staaten |
- Malcolm X
- Bürgerrechtler (Vereinigte Staaten)
- Person des Antirassismus
- Opfer von Rassismus
- Islamischer Missionar
- Nation of Islam
- Person des Islam (Vereinigte Staaten)
- Panafrikanist
- Menschenrechtsaktivist (Vereinigte Staaten)
- Pseudonym
- Kriminalfall 1965
- Kriminalfall in den Vereinigten Staaten
- Opfer eines Attentats
- Mordopfer
- Person (Omaha)
- US-Amerikaner
- Geboren 1925
- Gestorben 1965
- Mann