Maleachi

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Zwölfprophetenbuch des Tanach
Kleine Propheten des Alten Testaments
Namen nach dem ÖVBE
Malachias; Altardarstellung von 1308–1311

Maleachi (hebräisch מלאכי, griechisch Μαλαχιας Malachias) bezeichnet einen biblischen Propheten und das ihm zugeschriebene Buch des hebräischen Tanach. Es gehört dort zum Zwölfprophetenbuch und bildet damit den Abschluss der Sammlung der Nevi’im. In der Septuaginta und in den Ostkirchen wurde es als letztes der „kleinen“ Propheten vor die „großen“ Propheten eingeordnet. Im westkirchlichen und protestantischen Alten Testament (AT) steht es dagegen an letzter Stelle.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Mittelalter wird das Buch in drei, teilweise aber auch in vier Kapitel unterteilt.

Gliederung nach Erich Zenger:[1]

  • Überschrift (1,1 EU)
  • Gottes Liebe zu Israel (1,2–5 EU)
  • Gegen die geistlichen Verfehlungen der Priester (1,6 EU – 2,9 EU)
  • Verurteilung der Mischehen und Ehescheidungen (2,10–16 EU)
  • Der Tag des Herrn als Tag des Gerichts (2,17 EU – 3,5 EU)
  • Anklage gegen Israel wegen des Gott vorenthaltenen Zehnten (3,6–12 EU)
  • Die göttliche Gerechtigkeit wird recht behalten (3,13–21 EU)
  • Schluss: Die Wiederkunft Elijas vor dem Tag des Herrn (3,22–24 EU)

Verfasser und Entstehungszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über den Verfasser ist nichts bekannt. Das hebräische Wort מלאכי‎ (mal'aki) bedeutet „Mein Bote“. Als Personenname ist Maleachi nicht belegt. In der griechischen und lateinischen Bibel heißt er Malachias. In der rabbinischen Tradition wird der letzte Prophet des Tanach mit Esra, dem Schriftgelehrten, identifiziert.[2]

Einen Hinweis auf die Datierung bietet der persische Begriff für Gouverneur (pehâ) in 1,8 EU. Vor dem Exil hatte Juda einen König. Traditionell sah die Forschung in Maleachi einen Propheten des 5. oder 4. vorchristlichen Jahrhunderts. Kessler nennt die späte Perserzeit im 4. Jahrhundert v. Chr. als Entstehungszeitraum, weil er davon ausgeht, dass dem Verfasser der Maleachi-Dichtung die Tora und die Prophetenbücher schriftlich vorlagen. In die hellenistische Zeit, ins 3. Jahrhundert v. Chr. datiert er den Schluss Mal 3,22–24 EU, da dieser den Kanon aus Tora und der gesamten Prophetie bereits voraussetzt.[3] Hingegen geht die Mehrheit der Exegeten weiterhin davon aus, das gesamte Buch sei im 5. Jahrhundert v. Chr. entstanden, und folgert dies aus den dort genannten religiösen und sozialen Konflikten, etwa der Auseinandersetzung um die Mischehenproblematik (2,10–16 EU).[4]

Möglicherweise steht hinter dem Buch keine Einzelgestalt, sondern schriftgelehrte Auslegung (vgl. u. a. die Strukturanalogien zu Sacharja 9,1 EU und 12,1 EU). Der Name wäre dann eine Ableitung aus 2,7 EU und 3,1 EU und könnte programmatisch auf Sendung und Amt des Propheten bezogen sein. Das deutliche Interesse der Maleachi-Schrift an Tempel und Priesterschaft deutet auf ein Milieu in diesem Umfeld hin; die Gruppe der Leviten als Pfleger der Schriftüberlieferung ist naheliegend.[4]

Theologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maleachi beschreibt, beklagt und verurteilt die gleichen Probleme, die auch die Verkündigung anderer Propheten prägen: ungerechter Umgang mit Geld, geistlicher Verfall und Trägheit, soziale Ungerechtigkeit sowie die Mischehen mit Heiden – vor allem das Vermischen mit den heidnischen Religionen.

Die vielfältigen theologischen Themen der Maleachi-Schrift lassen sich nur aus der Auslegung des ganzen Buches erkennen. Die Themen können unter den Überschriften „Segen“, „Gabe“ und „Gerechtigkeit“ zusammengefasst werden. Aus ihrem Zusammenspiel ergibt sich eine endzeitliche Perspektive. „Zwar steht JHWHs Segen am Anfang und ist vorgegeben. Aber weil die Gabe gegenwärtig verdorben ist, muss der kommende Tag erst die Reinigung bringen, welche reine Gabe und erneuten Segen möglich macht.“ Und weil diese Gerechtigkeit gegenwärtig nicht sichtbar ist, scheinbar sogar die Gewalttäter die Oberhand haben, muss durch JHWHs Kommen zum Recht (Mal 3,5 EU) und durch den kommenden Tag die Scheidung der Gerechten von den Gottlosen vorgenommen werden.[5]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maleachi am Portal (1139) des Doms von Verona mit Zitat aus Maleachi 3

Neues Testament[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christliche Tradition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Bote in Maleachi 3 EU wird in der christlichen Auslegung auch mit Jesus selbst identifiziert, der die Menschen von ihrer Schuld reinigen wird.
  • Maleachi 1,11 EU wird in der katholischen und orthodoxen Kirche als Ankündigung des eucharistischen Opfers interpretiert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lexikonartikel und Einleitungen
Kommentare
  • Alfons Deissler: Zwölf Propheten 3. Zefanja, Haggai, Sacharja, Maleachi. Die neue Echter-Bibel. 21. Echter-Verl., Würzburg 1988 ISBN 3-429-01138-8.
  • Gerhard Maier: Der Prophet Haggai und der Prophet Maleachi. Wuppertaler Studienbibel. AT. 2. Aufl. Brockhaus, Wuppertal 1990, ISBN 3-417-25212-1 (anwendungsbezogen).
  • Karl Heinen: Die Bücher Maleachi, Joel und Jona. Geistliche Schriftlesung 13. Patmos Verlag, Düsseldorf 1991, ISBN 3-491-77169-2 (anwendungsbezogen).
  • Henning Graf Reventlow: Die Propheten Haggai, Sacharja und Maleachi. Das Alte Testament Deutsch 25, 2. 9. Völlig neu bearb. Aufl. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1993, ISBN 3-525-51238-4.
  • Andrew E. Hill: Malachi. A New Translation with Introduction and Commentary. The Anchor Bible 25D. Doubleday, New York u. a. 1998, ISBN 0-385-46892-X.
  • Arndt Meinhold: Maleachi. Biblischer Kommentar 14/8. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 2000, ISBN 3-7887-1715-7.
  • Ina Willi-Plein: Haggai, Sacharja, Maleachi. Zürcher Bibelkommentare. Altes Testament 24.3. Theologischer Verlag, Zürich 2006, ISBN 3-290-17360-7.
  • Rainer Kessler: Maleachi. Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament. Verlag Herder, Freiburg 2011, ISBN 978-3-451-26854-0.
Einzelstudien
Prophet Malachias (1330), Basilika St.Laurenz (Enns/Oberösterreich)
  • Lutz Bauer: Zeit des zweiten Tempels – Zeit der Gerechtigkeit. Zur sozio-ökonomischen Konzeption im Haggai-Sacharja-Maleachi-Korpus. Beiträge zur Erforschung des Alten Testaments und des antiken Judentums 31. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1992, ISBN 3-631-45230-6.
  • Theodor Lescow: Das Buch Maleachi. Texttheorie – Auslegung – Kanontheorie. Mit einem Exkurs über Jeremia 8,8–9. Arbeiten zur Theologie 75. Calwer-Verl., Stuttgart 1993, ISBN 3-7668-3224-7.
  • Matthias Krieg: Mutmaßungen über Maleachi. Eine Monographie. Abhandlungen zur Theologie des Alten und Neuen Testaments 80. Theol. Verl., Zürich 1993, ISBN 3-290-10858-9.
  • Gordon Paul Hugenberger: Marriage as a Covenant. A Study of Biblical Law and Ethics Governing Marriage Developed from the Perspective of Malachi. Supplements to Vetus Testamentum 52. Brill, Leiden u. a. 1994, ISBN 90-04-09977-8.
  • Karl William Weyde: Prophecy and Teaching. Prophetic Authority, Form Problems, and the Use of Traditions in the Book of Malachi. Beihefte zur Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft 288. de Gruyter, Berlin u. a. 2000, ISBN 3-11-016692-5.
  • Stephan Lauber: „Euch aber wird aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit“ (vgl. Mal 3,20). Eine Exegese von Mal 3,13–21. Arbeiten zu Text und Sprache im Alten Testament 78. St. Ottilien 2006, ISBN 3-8306-7234-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erich Zenger: Das Buch Maleachi. S. 583
  2. Isidore Singer, Adolf Guttmacher: Malachi, Book of. In: Isidore Singer (Hrsg.): Jewish Encyclopedia. Band 8, Funk and Wagnalls, New York 1901–1906, S. 275–276.
  3. Kessler, Maleachi, 75ff.
  4. a b Erich Zenger: Das Buch Maleachi. S. 583f.
  5. Kessler, Maleachi, 86.