Malestream

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Malestream ist eine Abwandlung des Wortes Mainstream (Hauptströmung) aus dem Bereich (queer-)feministischer Gesellschafts-, Wissenschafts- und Herrschaftskritik.

Bedeutung und Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Umwandlung von main (englisch: Haupt-, hauptsächlich) in das ähnlich klingende male (englisch: männlich, Mann) werden dominante Strömungen gesellschaftlicher Bereiche und Debatten charakterisiert, die als durch Männer bestimmt und auf deren Lebens- und Wertvorstellungen hin gestaltet verstanden werden.

„Malestream“ wird auch als Schlagwort gebraucht, um davon als randständig betrachtete (queer-)feministischen Teil- oder Gegenöffentlichkeiten abzugrenzen,[1] in denen Hierarchisierungen durch soziales Geschlecht (Gender) oder sexuelle Orientierung ihrem Selbstverständnis nach deutlich thematisiert und kritisiert werden.

Geprägt wurde der Begriff malestream Anfang der 1980er Jahre von der kanadischen politischen Philosophin und Feministin Mary O'Brien (1926–1998) in ihrem Buch The Politics of Reproduction.[2] O’Brien trat darin den noch weitgehend offen frauenfeindlichen Strukturen ihrer Zeit entgegen mit ihrer Analyse einer Ideologie der männlichen Überlegenheit (ideology of male supremacy), die Licht auf das Malestream-Denken (male-stream thought) von Philosophie und Politikwissenschaften werfen sollte, um so den vermeintlich objektiven Wissenschaften eine Zentrierung auf den männlichen Geschlechterstandpunkt nachzuweisen wie auch eine herrschaftsstabilisierende Funktion für die bestehende (patriarchale) Geschlechterordnung.[3] Später fand der Begriff „Malestream“ auch Eingang in verschiedene Bereiche feministischer Gesellschaftskritik im deutschsprachigen Raum.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Besprechung von Helke Sanders Film Mitten im Malestream (2005) kritisiert Heide Oestreich indirekt die plakative Verwendung des Begriffs „Malestream“, indem sie beiläufig feststellt, dass der Mainstream „längst kein einfacher ‘Malestream’ mehr“ sei.[4]

In Titeln von Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mitten im Malestream. Film von Helke Sander, 2005
  • Lea Susemichel, Saskya Rudigier, Gabi Horak (Hrsg.): Feministische Medien. Öffentlichkeiten jenseits des Malestream. Ulrike Helmer Verlag, 2008
  • Malestreaming Gender? Geschlechterverhältnisse in der Entwicklungspolitik. Sonderheft der Zeitschrift Blätter des Informationszentrums 3. Welt, 2000, iz3w.org (PDF)
  • Mary Spongberg: If She’s So Great, How Come So Many Pigs Dig Her? Germaine Greer and the malestream press. In: Women’s History Review, Volume 2, Issue 3, 1993, doi:10.1080/09612029300200036
  • Elisabeth Ettorre, Elianne Riska: Psychotropics, sociology and women: are the ‘halcyion days’ of the ‘malestream’ over? In: Sociology of Health & Illness, Vol. 15 No. 4, 1993, doi:10.1111/1467-9566.ep11373325
  • Nancy Hartsock: Political Science as Malestream Discourse: Can this Discipline be Saved? In: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, Heft 2, 1990, S. 151–160.
  • Karen J. Warren: Rewriting the Future: The Feminist Challenge to the Malestream Curriculum. In: Feminist Teacher, Vol. 4, No. 2/3, Fall 1989, S. 46–52.
  • Mammed Bagher, Janet Hanna: Gender, Organisations and Malestream Environment. managementjournals.com (PDF)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mary O'Brien: The Politics of Reproduction. Routledge & Kegan Paul, Boston/London/Henley 1983 (Erstveröffentlichung 1981), ISBN 0-7100-9498-1, u. a. S. 6, 12, 17, 18, 21, 33, 110, 187.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zum Verhältnis von „Malestream“ zur feministischen Teilöffentlichkeit in der Politikwissenschaft vgl.: Birgit Sauer: Politikwissenschaft als Männerberuf? Geschlechterforschung in der Politikwissenschaft. (PDF; 170 kB) In: SWS-Rundschau, 41. Jahrgang, Heft 1/2001, S. 81–98, insbes. S. 83 u. 96.
  2. Christine Sypnowich: Rights and Community, Feminism and Social Justice. Fußnote (2) In: William Watts Miller (Ed.) Socialism and Law. University of Bristol, 4.–6. April 1991. In: Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie – Beihefte, Band 49. 1. Auflage, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 978-3-515-06190-2, S. 107.
  3. Mary O'Brien: The Politics of Reproduction. Routledge & Kegan Paul, Boston/London/Henley 1983 (Erstveröffentlichung 1981), ISBN 0-7100-9498-1, u. a. S. 5–6.
  4. Typisch Frauenbewegung. In: taz, 9. November 2005; abgerufen am 29. Juli 2013.