Malmkrog

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Mălâncrav
Malmkrog
Almakerék
Wappen von Malmkrog
Malmkrog (Rumänien)
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Basisdaten
Staat: Rumänien
Historische Region: Siebenbürgen
Kreis: Sibiu
Gemeinde: Laslea
Koordinaten: 46° 6′ N, 24° 39′ OKoordinaten: 46° 6′ 30″ N, 24° 39′ 0″ O
Zeitzone: OEZ (UTC+2)
Höhe: 345 m
Einwohner: 1.027 (2002)
Postleitzahl: 557117
Telefonvorwahl: (+40) 02 69
Kfz-Kennzeichen: SB
Struktur und Verwaltung
Gemeindeart: Dorf
Blick auf Malmkrog von der Kirchenburg
Plan der Kirchenburg
Gotische Fresken aus dem 14. Jahrhundert in der romanischen Kirche

Malmkrog[1] (rumänisch Mălâncrav, ungarisch Almakerék, siebenbürgisch-sächsisch: Malemkref) ist ein Ort in Siebenbürgen (Rumänien).

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt im Norden des Kreises Sibiu, in einem Seitental der Târnava Mare (Große Kokel), 32 km südwestlich von Sighișoara (Schäßburg) und 12 km von Laslea (Großlasseln) entfernt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Malmkrog ist eines der wenigen Dörfer in Siebenbürgen, in denen es sowohl ein ungarisches Adelsschloss als auch eine sächsische Kirchenburg gibt. Das Dorf war zwar seit dem Mittelalter hauptsächlich von Siebenbürger Sachsen bewohnt, gehörte jedoch nicht zum sächsischen Königsboden. Viel mehr stand es im direkten Besitz der ungarischen Adelsfamilie Apafi (z. B. Michael I. Apafi), die zu den führenden Familien des ungarischen Adels in Siebenbürgen gehörte. In Malmkrog befand sich auch der Stammsitz der Apafis. Zusammen mit den Dörfern Kreisch, Rauthal, Neudorf und Peschendorf (rum.: Stejăreni) bildete es ein zwischen dem Schäßburger Stuhl und dem Mediascher Stuhl gelegenes Praedium, das vom ungarischen König nach Komitatsbodenrecht vergeben wurde.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Malmkrog im Jahr 1305 im lateinisch verfassten Testament des Adeligen Apa, dem Begründer der Familie. Dieser teilte seinen Besitz unter seinen Nachkommen auf. Malmkrog ging zusammen mit Neudorf und Peschendorf an seinen jüngsten Sohn Gregorius. Nach einem Streit wurde diese Nachfolge erst 1340 vom Stadtrat von Hermannstadt urkundlich anerkannt. Darin wird das Dorf als Halbencragen bezeichnet, aus dem sich später in der sächsischen Aussprache Almkragen, Halmkrog und dann Malmkrog entwickelte. Der ungarische Name Almakerek, bzw. Albkarak bedeutet „runder Apfelwald“. Es ist jedoch unklar, ob die sächsische oder die ungarische Form die ältere ist.[2]

Erster urkundlich erwähnter Sachse ist der Pfarrer Herricus von Malmkrog, der 1309 in einem Zehntstreit zwischen sächsischen Dechanten als Mitglied des Kreischer Kapitels genannt wird. Aus dem Jahr 1424 ist ein päpstliches Schreiben erhalten, in dem Nikolaus (Miklós) Apafis gestattet wird, im Dorf eine Heiligen-Blut-Kapelle zu errichten (capellae Sanguinis Christi in Malencrach Transiluaniae). Es ist unklar, ob eine solche Kapelle jemals errichtet wurde, doch die Forschung vermutet, dass damit die damals noch katholische sächsische Kirche bzw. ein dafür vorgesehener Anbau gemeint sein könnte. Vom kunsthistorischen Befund muss die Kirche damals schon existiert haben, da sie in romanischem Stil gebaut ist und die gotischen Fresken um das Jahr 1350 datiert werden. Es wird weiters vermutet, dass die Kirche ein lokaler Wallfahrtsort gewesen sein könnte, da sie für das Dorf ungewöhnlich groß ist.

Die romanische Kirche ist im Chor mit vorreformatorischen Fresken aus dem 14. Jahrhundert ausgestattet, was für eine evangelische Dorfkirche in Siebenbürgen eine Seltenheit ist. Während in vielen sächsischen Kirchen im Zuge der Reformation die mittelalterlichen Fresken übermalt oder bei späteren Umbauten zerstört wurden, sind sie in Malmkrog bis heute vorhanden. Die Fresken sind besonders in der Apsis sehr gut erhalten, im Schiff – das später entstanden sind – weniger gut.[3] Der gotische Malstil der Fresken deutet auf Einfluss aus Südtirol, der über Böhmen nach Siebenbürgen gelangt ist.[4][5]

Der Malmkroger Altar, ein spätgotischer, um 1495 entstandener Flügelaltar ist mit seiner prachtvollen Madonnendarstellung auf der Mitteltafel und weiteren Szenen aus dem Marienleben der einzige mit seinen Tafelgemälden unverändert erhaltene vorreformatorische Marienaltar des Landes.[6][7]

Das Schloss der Apafis geht wahrscheinlich auf einen Bau des 15. Jahrhunderts zurück. Im Jahr 1468 belehnte der ungarische König Matthias Corvinus den Woiwoden Nikolaus Csupor mit dem Praedium um Malmkrog, doch schon 1473 konnte die Familie Apafi den Besitz zurückgewinnen. Zwischen 1679 und 1778 wurde das Schloss umgebaut und dem Stil des Barocks angepasst. Im 18. Jahrhundert starb die Familie Apafi aus und der Besitz wurde durch Entscheid am habsburgischen Hof in Wien von ihren nahen Verwandten, der Familie Bethlen, im Jahr 1775 übernommen. Die bäuerlichen Bewohner des Dorfes waren bis ins 19. Jahrhundert Leibeigene dieser Magnatenfamilien. Dennoch müssen sie in relativem Wohlstand gelebt haben, da die Kirchenburg von Malmkrog besonders prächtig geschmückt ist.[2]

Im 18. Jahrhundert wurde am nördlichen Rand des Dorfes erstmals auch eine orthodoxe Kirche für die rumänische Bevölkerung errichtet, deren Turm jedoch nicht aus dieser Zeit stammt. Im Jahre 1969 wurde der baufällige alte Turm abgetragen und ein neuer errichtet. Für die ungarische Bevölkerung wurde ein reformiertes Bethaus und eine katholische Kapelle errichtet.

Während der Revolution von 1848/49 wurde das Schloss von aufständischen Bauern geplündert. Außer der Kirche und dem Herrschaftshaus gab es zu dieser Zeit nur ein gemauertes Haus. Aus dem Jahr 1865 berichtet der englische Reisende Charles Boner, dass die Bewohner von Malmkrog nach Abschaffung der Leibeigenschaft ihre alten Hütten niedergerissen haben und stattdessen Steinhäuser errichtet haben. Nach dem Ersten Weltkrieg kaufte die evangelische Kirchengemeinde die Herrschaftsgebäude und nutzte sie als Ersatz für die in Reparatur befindliche Kirche, sowie später als Festsaal und Kindergarten.[8] Der sächsische Gelehrte Victor Roth untersuchte dabei erstmals die mittelalterlichen Fresken der Kirchenburg wissenschaftlich und konnte dabei Graffiti an den Fresken entziffern, die bis auf das Jahr 1405 zurückgehen.[9]

In der Zeit des Kommunismus wurde das ehemalige Apafi-Schloss enteignet und in Staatsbesitz übertragen. Es verfiel jedoch zusehends, bis es nach der rumänischen Revolution von 1989 nur noch eine Ruine war. Ende der 1990er Jahre nahm sich die von Prinz Charles unterstützte Mihai-Eminescu-Stiftung des Gebäudes an und renovierte es aufwändig. Im Jahr 2007 wurde es neu eröffnet und bietet nun luxuriöse Unterkunft für Touristen.[10]

In den Jahrzehnten des Kommunismus und besonders nach der Revolution wanderte ein Großteil der sächsischen Bevölkerung nach Deutschland aus, wodurch die Einwohnerzahl zurückging.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2002[11] bekannten sich die 1.027 Bewohner von Malmkrog zu folgenden Volksgruppen:

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Apafi-Schloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische romanische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arne Franke: Das wehrhafte Sachsenland. Kirchenburgen im südlichen Siebenbürgen. Mit einer historischen Einführung von Harald Roth. Deutsches Kulturforum Östliches Europa, Potsdam 2007, ISBN 978-3-936168-27-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Malmkrog – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amtlicher deutschsprachiger Name laut rumänischem Regierungsbeschluß 1415 vom 6. Dezember 2002 (Amtsblatt)
  2. a b Mihai Eminescu Trust (MET): Mălâncrav (englisch)
  3. fortified-churches.com: MALANCRAV / MALMKROG
  4. Evangelisches Pfarramt A. B. Malmkrog: Die Kirche
  5. Malmkrog / Mălâncrav. In: kirchenburgen.org. Stiftung Kirchenburgen, 2017, abgerufen am 14. Oktober 2017.
  6. Gisela und Otmar Richter: Siebenbürgische Flügelaltäre. In: Christoph Machat (Hrsg.): Kulturdenkmäler Siebenbürgens. Bd. 1. Wort und Welt, Thaur bei Innsbruck 1992, ISBN 978-3-85373-149-9, S. 46–57.
  7. Emese Sarkadi Nagy: Local Workshops - Foreign Connections: Late Medieval Altarpieces from Transylvania. In: Studia Jagellonica Lipsiensia, Band 9. Thorbecke, Ostfildern 2012, ISBN 978-3-7995-8410-4, S. 27–30.
  8. Evangelisches Pfarramt A. B. Malmkrog: Geschichte des Ortes
  9. Victor Roth: Die Freskomalereien im Chor der Kirche zu Malmkrog. In: Korrespondenzblatt des Vereins für Siebenbürgische Landeskunde. Bd. 26, 1903, ZDB-ID 520410-0, S. 49–53, 91–96, 109–119, 125–131, 141–144.
  10. Siebenbürger Zeitung: Restaurierter Herrensitz in Malmkrog eingeweiht, 18. Oktober 2007
  11. Statistik zu den Volksgruppen (ungarisch)