Malsch (bei Wiesloch)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Malsch
Malsch (bei Wiesloch)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Malsch hervorgehoben
Koordinaten: 49° 15′ N, 8° 41′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Rhein-Neckar-Kreis
Höhe: 171 m ü. NHN
Fläche: 6,77 km2
Einwohner: 3443 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 509 Einwohner je km2
Postleitzahl: 69254
Vorwahl: 07253
Kfz-Kennzeichen: HD
Gemeindeschlüssel: 08 2 26 046
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchberg 10
69254 Malsch
Webpräsenz: malsch-weinort.de
Bürgermeister: Sibylle Würfel
Lage der Gemeinde Malsch im Rhein-Neckar-Kreis
BayernHessenRheinland-PfalzHeidelbergHeilbronnLandkreis HeilbronnLandkreis KarlsruheMannheimNeckar-Odenwald-KreisEberbachAltlußheimAngelbachtalBammentalBrühl (Baden)DielheimDossenheimEberbachEberbachEberbachEdingen-NeckarhausenEdingen-NeckarhausenEpfenbachEppelheimEschelbronnGaibergHeddesbachHeddesheimHeiligkreuzsteinachHelmstadt-BargenHemsbachHirschberg an der BergstraßeHockenheimIlvesheimKetschLadenburgLaudenbach (Bergstraße)Leimen (Baden)Leimen (Baden)LobbachMalsch (bei Wiesloch)Mauer (Baden)MeckesheimMühlhausen (Kraichgau)NeckarbischofsheimNeckargemündNeidensteinNeulußheimNußlochOftersheimPlankstadtRauenbergReichartshausenReilingenSandhausenSt. Leon-RotSchönau (Odenwald)Schönbrunn (Baden)SchriesheimSchwetzingenSchwetzingenSinsheimSpechbachWaibstadtWalldorf (Baden)WeinheimWeinheimWiesenbach (Baden)WieslochWilhelmsfeldZuzenhausenKarte
Über dieses Bild
Malsch vom Letzenberg aus gesehen

Malsch ist eine Gemeinde im Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Malsch liegt an der nordwestlichen Ecke des Kraichgaus südlich der Städte Wiesloch und Walldorf am Rande der Oberrheinischen Tiefebene in der Metropolregion Rhein-Neckar. Die Gemeinde befindet sich am Fuß des 244 m hohen Letzenbergs.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angrenzende Ortschaften sind, beginnend im Norden im Uhrzeigersinn: Malschenberg, Rauenberg, Mühlhausen, Rettigheim, Östringen, Bad Schönborn, Kronau und St. Leon-Rot.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde Malsch gehören das Dorf Malsch mit der Bahnstation Rot-Malsch und das Tonwerk.[2][3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Malsch wurde im Jahre 783 in einer Schenkungsurkunde des Lorscher Codex als Malschen erstmals erwähnt.[4] 976 schenkte Kaiser Otto II. die Benediktinerabtei Mosbach mit 23 Ortschaften, zu denen auch Malsch gehörte, dem Bischof von Worms. 1302 kam das Dorf wieder durch Schenkung an das Hochstift Speyer. Dort gehörte es zum Amt Rotenberg und war mit diesem von 1463 bis 1505 an die Kurpfalz verpfändet. Am 20. April 1525 begann mit einer Bauernversammlung auf dem Letzenberg der Bauernkrieg im Hochstift Speyer. Der Haufen forderte die umliegenden Ortschaften auf „innen mit gewappneter handt zuzuziehen und das evangelium und gotlich gerechtigkeit helffen zu retten.“[5] Bei der Niederschlagung des Aufstands wurde Malsch zerstört.

Im Dreißigjährigen Krieg zündete Tilly 1622 den Ort an. Am Ende des Krieges war Malsch entvölkert und die Anzahl der Einwohner betrug nur noch fünf Prozent der ursprünglichen Zahl. Während des Pfälzischen Erbfolgekriegs wurde Malsch, obwohl es nicht zur Kurpfalz gehörte, 1689 und 1693 von französischen Truppen unter Führung des Generals Mélac[6] zerstört.

Nach den Umwälzungen der Französischen Revolution wurde Malsch 1803 badisch, womit die über 500 Jahre dauernde Zugehörigkeit zu Speyer endete. 1824 wurde die Gemarkung von Malschenberg abgetrennt. 1818 war Kaiser Alexander I. von Russland, der Schwager des badischen Großherzogs Karl war, zu Besuch in Malsch.

Von 1870 bis zum Ende der Weimarer Republik 1933 war das Zentrum die stärkste Partei in Malsch. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Gemeinde 350 Heimatvertriebene auf. Malsch wurde ein Bestandteil des 1952 neugebildeten Bundeslandes Baden-Württemberg. Mit der Auflösung des Landkreises Heidelberg kam die Gemeinde am 1. Januar 1973 zum neuen Rhein-Neckar-Kreis.

Einwohnerentwicklung von Malsch (bei Wiesloch)
Jahr 1530 1721 1818 1852 1905 1939 1961 1965 1970 1991 1995 2000 2005 2010 2015
Einwohner[7] 361 515 1022 1327 1475 1510 2254 2444 2493 2837 3147 3189 3388 3468 3443

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entsprechend der langen Zugehörigkeit zum Hochstift Speyer ging die Reformation an Malsch vorbei und die Bevölkerung blieb überwiegend römisch-katholisch. Auch durch die Zuwanderung nach dem Zweiten Weltkrieg gab es kaum Verschiebungen. Noch heute gibt es lediglich eine katholische Gemeinde im Ort, während für die wenigen Protestanten die evangelische Kirche in Wiesloch zuständig ist.

Seit dem frühen 18. Jahrhundert waren Juden in Malsch ansässig. 1875 war ihr Bevölkerungsanteil mit 7,5 Prozent am höchsten. Anschließend setzte eine Abwanderung in die Städte ein. Die Synagoge von 1834 wurde 1938 niedergebrannt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat hat 14 Sitze. Hinzu kommt der Bürgermeister als Gemeinderatsvorsitzender. Die Kommunalwahl 2014 brachte bei einer Wahlbeteiligung von 51,12 Prozent folgendes Ergebnis:

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus

Der Bürgermeister wird alle acht Jahre direkt gewählt. Seit 2014 amtiert Sibylle Würfel.

Bisherige Gemeindeoberhäupter:[8]

  • 1946–1965: Josef Bös
  • 1965–1985: Dionys Wipfler
  • 1985–2014: Werner Knopf
  • seit 2014: Sibylle Würfel

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „Gespalten von Blau und Rot, vorn ein durchgehendes, geschliffenes, halbes silbernes Kreuz am Spalt, hinten ein silberner Sester (Ortszeichen).“ Die Flagge ist Rot-Blau und wurde nachweislich schon vor 1935 geführt.[9]

Wappenerklärung: Das Wappen wurde im Jahr 1900 vom Generallandesarchiv vergeben. Das Ortszeichen, das ein Simmer (Getreidemaß)[10] darstellt, lässt sich bereits seit 1771 auf einem Siegel nachweisen. Hinzugefügt ist das Kreuz des Hochstifts Speyer.

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Malsch pflegt seit 2001 partnerschaftliche Beziehungen zu der Gemeinde Zamárdi am Plattensee in Ungarn.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Kirche St. Juliana

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die alte Pfarrkirche St. Juliana wurde als Nachfolgebau einer zerstörten, wohl romanischen Vorgängerkirche zwischen 1536 und 1577 erbaut und 1683 umfangreich renoviert. Wegen Baufälligkeit abgerissen, entstand 1771/72 an derselben Stelle ein verbreiterter Neubau in barockem Stil. In der Nacht des 23. Juni 1972 brannte die Barockkirche nach einem Feuer bis auf die Außenmauern ab. Die Figuren der 14 Nothelfer, die Orgel, die Kanzel, die Seitenaltäre und die barocke Taufszene Jesu wurden zerstört. Einzig die Sakristei blieb unversehrt. Die Kirche wurde bis zum 7. April 1974 wiederaufgebaut.[11]

Die evangelische Gemeinde verfügt ebenfalls über eine eigene Kirche in Malsch.

Zu der 1902 erbauten Wallfahrtskapelle auf dem Letzenberg finden jedes Jahr zwei große Wendelinus-Wallfahrten statt. Die Frühjahrswallfahrt findet im ersten Maien-Sonntag und die Herbstwallfahrt am dritten September-Sonntag statt. Zwischen den beiden Wallfahrten findet dienstags abends eine Eucharistiefeier in der Wallfahrtskapelle statt. Am letzten Sonntag im September findet alljährlich die Pferdewallfahrt statt. Sie endet nach einer Andacht mit der Segnung von Mensch und Tier.

Sport- und Freizeitstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Malsch verfügt über folgende Sportstätten:

  • ein Schwimmbad
  • die Reblandhalle mit vier Kegelbahnen
  • ein Segelfluggelände im Süden des Ortes
  • die Bouleanlage der Boule-Freunde Malsch bei der Reblandhalle
  • eine Tennisanlage

Ferner dient der Letzenberg-Tierpark zur Freizeitgestaltung.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Boule-Freunde Malsch wurden 2006 gegründet und spielen mit der 1. Mannschaft seit 2014 in der Bundesliga. Stand Februar 2015 hat der Verein ca. 70 aktive Lizenzspieler, die in 6 unterschiedlichen Staffeln in der Rhein-Neckar-Liga spielen. Der Verein hat aktuell 11 Jugendliche die in der Jugendliga Rhein-Neckar (spielt überregional mit Hessen, Pfalz und Saarland) aktiv sind. Mit Jean-Luc Testas hat der Verein einen der besten Boulespieler Deutschlands. Er gewann bisher acht Deutsche Pétanque-Meisterschaften. Weiterhin war Jean-Luc Testas in seiner Zeit in Frankreich Französischer Meister.

Der Letzenberg und Malsch von der Autobahnausfahrt Kronau

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem ehemaligen Bauerndorf ist mit dem Weinbau[12] noch immer ein Zweig der Landwirtschaft stark vertreten. Die Lagen gehören zum Weinbaugebiet Baden. An den Südhängen des 244 Meter hohen Letzenbergs und seinem östlichen Ausläufer liegen 120 Hektar Rebflächen, die vornehmlich mit Müller-Thurgau, Weißburgunder, Ruländer und Spätburgunder bebaut sind.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als herausragendes Unternehmen ist das Tonwerk am westlichen Rand von Malsch zu nennen. Die Produktion von Tondachziegeln und Ziegelsteinen mit den Firmenbezeichnungen POROTON, TERCA, KAMTEC und KORAMIC ist über die Grenzen von Malsch hinaus bekannt. Das Werk gehörte der Rauenberger Tondachziegel, danach der Wienerberger Ziegelindustrie[13] und trägt nach erneutem Verkauf[14] den neuen Firmennamen Trost-Creaton AG.[15] In den Jahren ab 1974 geriet die Giftmülldeponie (Verfüllung der Tongruben) wegen austretender Sickerwässer in die Schlagzeilen.[16][17]

Überregional bekannt ist auch die Firma Sunrise Medical, deren Europazentrale in Malsch liegt. Hier werden unter anderem Rollstühle der Marke Sopur hergestellt. Diese sind auch bei Rollstuhlsportlern beliebt. So fährt unter anderem der Weltrekordler Heinz Frei einen Rollstuhl dieses Unternehmens.

Trotz der Ansiedlung von Industriebetrieben und Gewerbe findet der größere Teil der Erwerbstätigen Arbeit in den nahen Städten Walldorf, Wiesloch, Bad Schönborn und Kronau.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

S-Bahn Rhein-Neckar

Malsch liegt in der Nähe der Bundesstraße 3. Über sie ist auch innerhalb von drei Kilometern die Bundesautobahn 6 zu erreichen. Über den Bahnhof Rot-Malsch an der Baden-Kurpfalz-Bahn besteht ein Anschluss an die S-Bahn RheinNeckar. Malsch gehört zum Tarifgebiet des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Malsch befinden sich folgende Schulen:

  • Grundschule Malsch[18]

Die Gemeinde betreibt eine Bücherei. Die Volkshochschule Südliche Bergstraße betreibt in Malsch eine Außenstelle. Für die jüngsten Einwohner stehen zwei Kindergärten zur Verfügung[19]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Staatl. Archivverwaltung Baden-Württemberg in Verbindung mit d. Städten u.d. Landkreisen Heidelberg u. Mannheim (Hg.): Die Stadt- und die Landkreise Heidelberg und Mannheim: Amtliche Kreisbeschreibung.
    • Bd 1: Allgemeiner Teil. Karlsruhe 1966
    • Bd 2: Die Stadt Heidelberg und die Gemeinden des Landkreises Heidelberg. Karlsruhe 1968
  • Alfons Stegmüller, Dionys Wipfler: 1200 Jahre Malsch: 783–1983. Malsch 1983
  • Horst Hill, Alfons Stegmüller, Dionys Wipfler: Kirchenführer der Pfarrkirche St. Juliana und der Wallfahrtskapelle. Saarbrücken 2000

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Malsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alle politisch selbständigen Gemeinden mit ausgewählten Merkmalen am 30.09.2016 (3. Quartal 2016) (XLS-Datei, 4,86 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 391–392
  3. Standort Wienerberger Tonziegelwerk in Malsch
  4. Minst, Karl Josef [Übers.]: Lorscher Codex (Band 4), Urkunde 2603, 5. März 783 – Reg. 1819. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 182, abgerufen am 5. März 2016.
  5. zit.n. Horst Buzello u.a.(Hg.): Der deutsche Bauernkrieg. Paderborn 1984. S. 90
  6. Geschichte Malsch
  7. Bis 1965: Kreisbeschreibung Bd. 2 S. 645, danach: Statistische Landesamt / Malsch HD 2000-2008/1
  8. CDU-Gemeindeverband Malsch
  9. Herwig John, Gabriele Wüst: Wappenbuch Rhein-Neckar-Kreis. Ubstadt-Weiher 1996, ISBN 3-929366-27-4, S. 78
  10. Simmer war ein Hohlmaß z. B. in Württemberg mit 22,153 Litern Inhalt.
  11. Die Geschichte der Kirche St. Juliana
  12. Weinbau in Malsch
  13. Wienerberger Ziegelindustrie
  14. Tag der offenen Tür 2008
  15. Creaton AG home
  16. Schwarz oder rot, wir schlagen euch tot. In: Der Spiegel. Nr. 13, 1977 (online21. März 1977).
  17. Giftmüll: Ich darf nichts sagen. In: Der Spiegel. Nr. 44, 1974 (online28. Oktober 1974).
  18. Liste der Schulen auf der offiziellen Webpräsenz der Gemeinde Malsch.
  19. Liste der Kindergärten auf der offiziellen Webpräsenz der Gemeinde Malsch.